Das muss nicht sein: Schmerzen beim Sex und woher sie kommen

Beinahe jede von uns hat dieses unangenehme Zwicken oder den dumpfen Schmerz beim Sex bereits das ein oder andere Mal verspürt. Zumindest bekam ich den Eindruck bei meinen letzten Recherchen und Umfragen. Ein unangenehmes Thema, zumal Sex natürlich etwas Wundervolles und eine mit durchweg positiven Emotionen verknüpfte Angelegenheit sein sollte.

Dennoch haben mir viele Frauen erzählt, dass sie, aufgrund des fehlenden Einfühlungsvermögens ihrer (Sex-)Partner:innen oder Krankheiten wie Endometriose, die schönste Nebensache der Welt als nicht wirklich schön empfunden haben.

Sex sollte etwas Wundervolles und eine mit durchweg positiven Emotionen verknüpfte Angelegenheit sein.

Es gibt aber noch weitere Krankheitsbilder, die Schmerzen beim Sex verursachen können. Eine davon ist Vulvodynie. Eine unangenehme Diagnose, die keine wirklichen Ursachen für die Schmerzen erkennbar macht. Dabei betrifft der diffuse Schmerz meist die gesamte Vulva. Rund acht Prozent der Frauen sind einmal in ihrem Leben von Vulvodynie betroffen.

Behandlungsstrategien zur Linderung gibt es zwar, eine Heilung ist aber noch nicht möglich. Die standarisierte Definition erklärt die Vulvodynie als Beschwerden, meist brennend, im Bereich der Vulva, der äußeren, primären Geschlechtsorgane (danke Google).

Darüber hinaus fällt es einigen weiblichen Geschöpfen unter uns eben nicht so leicht, sich direkt zu entspannen und fallen zu lassen. Verkrampfung ist der Tod – oder zumindest das temporäre Unheil allen Übels. Diese Art von Schmerz kann in Form eines Traumas in unseren Körpern gespeichert bleiben und jedes Mal von neuem abgerufen werden, sobald es gemeinsam unter die Bettdecke (oder wohin auch immer) geht.

Wie frühe negative Erfahrungen nachhaltig zu Schmerzen führen können

Interessanterweise gab es dafür folgenden Auslöser: Bei meinen Recherchen zum Thema weiblicher Orgasmus (Eigeninteresse – Yes!), stieß ich auf den sogenannten Zervix-Orgasmus, der neben dem klitoralen und vaginalen Höhepunkt möglich sein soll. (Darüber hinaus gibt es noch 5 weitere – juhu!)

Bis dato hatte ich noch nichts davon gehört, geschweige denn ihn erlebt. (Großen Dank an beducated.com an dieser Stelle für die Aufklärung.) Das geht laut einigen Statistiken wohl vielen Frauen so, denn hierfür muss Tiefenentspannung im Beckenbodenbereich herrschen. „Die Wahrscheinlichkeit, als Frau im Laufe des Lebens einmal von einer sexuellen Funktionsstörung betroffen zu sein, liegt zwischen 20% und 43%.“

Viele Frauen haben eine Art „Sex-Trauma“ in sich gespeichert, welches gewisse Stellungen einfach schmerzhaft macht.

Viele Frauen haben jedoch bereits seit ihren ersten Sexerlebnissen eine Art „Sex-Trauma“ in sich gespeichert, welches gewisse Stellungen einfach schmerzhaft macht. Vor allem, wenn der Penis wirklich tief, beinah bis zum Muttermund, vorstößt.

An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass selbst unangenehme Erfahrungen bei der Frauenarztuntersuchung, eine vorangegangene Harnwegsinfektion oder Schmerzen bei dem Versuch, einen Tampon einzuführen, bereits negativ nachhaltig und prägend wirken können. Vaginismus lässt grüßen!

(Nicht nur) Im Internet gibt es jede Menge Zervix-Orgasmus-Anleitungen zu finden, die spezielle Massage-Techniken empfehlen, um bereits eine gewisse Vorarbeit zu leisten, indem (alte) Verspannungen gelöst werden. Der Punkt, in Form eines Donuts, ist wirklich gut versteckt … noch hinter dem G-Punkt. Aber wenn gefunden, dann mit dem Kreisen beginnen. Enjoy!

Viele Frauen dachten, es sei normal, wenn es ab und an eben mal weh tut.

Fazit: Selbst ohne Vorerkrankungen oder unangenehme Erlebnisse ist dieser Orgasmus nur schwer, bzw. mit viel Ruhe und Geduld zu erreichen. Dafür wird er aber als der heilige Gral angepriesen, zumal Frau hier wohl ein Glücksgefühl deluxe erlebt, bei dem in seltenen Fällen sogar körpereigenes DMT ausgeschüttet werden kann. YEAH, WILL ICH!

Erschreckt hat mich während meiner Recherchen allerdings Folgendes: Viele Frauen dachten, es sei normal, wenn es ab und an eben mal weh tut und haben sich erst durch die Befragung diesbezüglich aufgeklärt bzw. verstanden gefühlt. Es gibt viele Gründe, wieso Sex unangenehm sein kann und leider ist es scheinbar gesellschaftlicher Tenor, dass die Leidtragende und zugleich Schuldige am Ende (oftmals) die Frau ist.

„Du wirst halt einfach nicht feucht genug, was stimmt nicht mit dir?“

Aussagen, die zu Recht einfach nur verunsichern und zudem maßlos anmaßend sind. „Vielleicht, weil du dir einfach nicht genug Zeit nimmst und null auf mich eingehst? Schon mal daran gedacht?“, wäre wohl die passende Antwort, zumal zum Sex immer noch zwei gehören.

Dennoch schämen sich gerade junge Frauen für ihre „Trockenheit“ und greifen in diesen Momenten schnell auf Gleitgel zurück, was für den Moment sicherlich eine schnelle und zeitweise entspannte (ist halt letztlich auch eher erzwungene Geilheit) Lösung ist.

Kein Wunder: Der Gratisbörsen-Wix auf Youporn/Pornhub und Co., vermittelt (nicht nur) den Herren der Schöpfung das Bild, dass wir ständig verfügbar, lustvoll und von 0 auf 100 in höchstens 2 Minuten feucht wie ne Pfütze sind. Danke dafür … nicht!

Versteht mich nicht falsch, Gleitgel ist super und wichtig, für einige sogar unerlässlich. Trotzdem sollte weiter nach den Ursachen geforscht werden. Symptome bekämpfen bringt auch bei einer Erkältung nichts – zumindest nicht langfristig.

Ein bisschen mehr Miteinander, bitte! Gerade beim Sex.

Was ich eigentlich damit sagen will: Leider ist es nicht selbstverständlich, zumindest für uns Frauen, dass Sex eine reine Leidenschaft ist, sondern manchmal eben auch Leiden schafft.

Um das zu vermeiden, ist es unerlässlich, dass offen und frei über Herausforderungen und Bedürfnisse gesprochen werden kann – für alle Parteien. Ich sage bewusst „Herausforderungen“, denn das Wort „Probleme“ würde direkt falsche Assoziationen hervorrufen. Bedürfnisse sind normal und unterschiedlich. Was dem einen gefällt, kann der anderen Schmerzen bereiten.

Also: Vorsicht ist geboten, aber in erster Linie Verständnis.

Headerbild: Hans Krum (“Körperliches”-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

NADINE studierte nach dem Abitur an der Universität in Bonn Romanistik (B.A.), Internationale Geschichte der Neuzeit (M.A.) und absolvierte mehrere Praktika und Semester im europäischen Ausland. Mittlerweile lebt sie in Berlin und ist selbstständig als freie Autorin, Speakerin und Model tätig. Auf ihrem Blog und Instagram teilt sie persönliche Erlebnisse aus ihrem Alltag als bisexuelle Frau sowie Vertreterin der LGBTQ Szene und spricht über alternative Beziehungskonzepte. Selbstliebe ist ihrer Meinung nach der Schlüssel zu freier Liebe und die erreicht man interessanterweise auch über die eigene Sexualität. Als Speakerin kann man sie in verschiedenen Podcasts und bei kleineren TV-Auftritten dazu sprechen hören. Es geht nicht bloß um Sex, es geht um sexuelle Aufklärung, oder besser gesagt: sexuelles (Selbst-)Bewusstsein. | Foto der Autorin: Fabian Stuertz.

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