Raus aus dem Tabu: Warum wir regelmäßig einen HIV-Test machen sollten

Let’s talk about … HIV-Tests! Coronatests sind gerade in aller Munde. Und in aller Nase, wenn ihr dieses Wortspiel erlaubt. Was uns inzwischen so selbstverständlich wie einfach erscheint, weil weniger stigmatisiert, lässt uns anderswo noch immer die Schuldgefühle in die schamesroten Wangen treiben. Ja genau, ich meine den Umgang mit der Testung, ob wir an HIV erkrankt sind.

Ich plädiere für eine Enttabuisierung und einen Aufruf, sich regelmäßig testen zu lassen.

Es mag sich hierbei tatsächlich um ein etwas heikleres Thema handeln, da wir uns der Endgültigkeit und der damit schweren Bedeutung des Ergebnisses bewusst sind, aber gerade deshalb plädiere ich für eine Enttabuisierung und einen Aufruf, sich regelmäßig testen zu lassen.

Natürlich ist Vorsorge, also die Nutzung von Kondomen beim Verkehr, ohne Frage das A und O zur Verhinderung von Geschlechtskrankheiten. Sich dennoch regelmäßig zum Arzt/zur Ärztin oder ins Testzentrum zu begeben und dafür auch gezielt Werbung zu machen, sind gute Schritte zur Gesundheitsvorsorge – Selfcare ist und bleibt eben auch hier ein großes Thema.

Wer Sex hat, sollte sich auch testen lassen 

Wie kann ich mich wirklich frei und leidenschaftlich in ein sexuelles Abenteuer oder eine intime Beziehung stürzen, wenn ich nicht weiß, ob ich mein Gegenüber gefährde? Wie kann es mir gelingen, HIV bzw. Aids einzudämmen, auch heute noch ein Bewusstsein zu schaffen, wenn sich niemand gerne testen lässt, weil es sich blöd anfühlt, der Sprechstundenhilfe oder dem Arzt/der Ärztin mitzuteilen, dass man sich auf dieses Immunschwächevirus regelmäßig testen lassen möchte.

Denn weil man ja auch regelmäßig Sex haben will, sollte sich dieser Weg nicht so steinig und belastend anfühlen.

Gesundheit geht vor

Ich lasse mich bereits seit vielen Jahren regelmäßig testen und weiß um das mulmige Gefühl vor der Ergebnisverkündung. Ich rutsche nervös auf meinem Stuhl auf und ab und wähle die Telefonnummer meiner Frauenärztin.

Ich überlege jedes Mal, wie ich mit einem positiven Testergebnis umgehen würde oder ob ich damit überhaupt einen Umgang fände. Ich bin aber auch immer wieder erleichtert und froh, es gemacht zu haben.

Ich kann mich und andere nur mit einer sinnvoll gewählten Verhütung vor Krankheiten schützen, aber ein Restrisiko bleibt immer.

Ich kann mich und andere nur mit einer sinnvoll gewählten Verhütung vor Krankheiten schützen, aber ein Restrisiko bleibt immer. Nicht zuletzt, wenn der Sexualpartner ohne mein Einverständnis das Kondom abnehmen würde oder wir im Eifer des Gefechts einen ganz banalen Unfall hätten.

Danach den Weg zur Teststelle zu scheuen, weil mich jemand für mein Liebesleben beschämen könnte oder ich mich vor dem Ergebnis ängstige, sind keine guten Gründe und sollten offen kommuniziert werden.

Ohne Test, ohne mich.

So bespreche ich dieses Thema inzwischen häufig im Freundeskreis und gehe damit auch sehr frei vor dem Geschlechtsverkehr um. Ohne Test, ohne mich – gilt dann insbesondere in Beziehungen. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle noch immer besser.

Hier geht es um Menschenleben, in meinem Fall nicht nur um mein eigenes und das meines Partners. Als Mutter trage ich ebenfalls die Verantwortung meinen Kindern gegenüber. Bin ich sorglos, werde ich ihre Zukunft womöglich dauerhaft beeinträchtigen. Dies gilt für die Erziehung wie für die Vorsorge.

Während jedoch Untersuchungen der Brust, des Darms oder der Haut inzwischen zum guten Ton gehören und von Krankenkassen und B-Promis beworben werden, wird der HIV-Test noch immer größtenteils verschwiegen. Das Stiefkind unter den medizinischen Möglichkeiten der Gesundheitsführsorge.

Während andere Untersuchungen inzwischen zum guten Ton gehören, wird der HIV-Test noch immer größtenteils verschwiegen: Das Stiefkind unter den medizinischen Möglichkeiten der Gesundheitsführsorge.

Statt uns also zu fragen, ob wir der Arzthelferin irgendeine Erklärung schuldig sind oder wir vor Nervosität vor dem Ergebnis einen Zusammenbruch erleiden, sollten wir uns lieber fragen, warum uns diese Nichtigkeiten wichtiger sind als unsere eigene Gesundheit!

Headerfoto: Toa Heftiba via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

Laurine Lauretta, ein Perpetuum Mobile. Zwischen alleinerziehender Mutterschaft, pädagogischer Arbeit und Frausein, bleibt noch genug Zeit sich viele Gedanken um die Liebe, das Leben und allerlei Unsinn zu machen. Hier in Wort und Text.

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