Festhalten oder gehen lassen? Warum es völlig okay ist, aufzugeben

Heute wurde vermutlich eine endgültige Entscheidung getroffen. Sechs Monate sind eine lange Zeit. Ein Zeit, in der zu viel überdacht wurde und die Gedanken in ständigem Widerspruch miteinander gestritten haben. Eine Zeit, in der nicht nur meine Gedanken, sondern auch die Ratschläge meiner Freunde so hin- und hergerissen waren wie sein Verhalten.

Seit zwei Monaten habe ich kein Tinder mehr. Habe ich niemanden mehr kennengelernt, weil ich nur ihn wollte. Aber wann hört man auf zu kämpfen? Wann sagt man zu sich, dass man ihn wirklich sehr gern hat und er einem seit langem mal wieder gutgetan hat, aber sich durch die ganzen Zweifel nicht mehr ergeben wird?

Ungeklärte Fronten, zu hohe Erwartungen, keine guten Vorraussetzungen 

Heute hatte ich für eine halbe Stunde Tinder und was musste ich feststellen? Dass er sein Profil mit einem neuen Bild geupdatet hat. Innerhalb der letzten zwei Monate. Und was will ich mit jemandem, der mir nicht 100% oder gar 90% gibt? Klar, unsere Fronten, was wir werden können, wurde nie geklärt. Aber gibt es da nicht den Zeitpunkt, wo man sich sagt: „Hey, jetzt möchte ich keine andere mehr kennenlernen“?

Vielleicht habe ich zu hohe Erwartungen, das weiß ich. Wenn ich daran denke, wie viel ich gegeben habe und wie viel mich die letzten sechs Monate abgefuckt hat, nur seinetwegen. Dass ich nie wusste, wo ich stehe, oder ob ich überhaupt irgendwo stehe. Nein, natürlich stehe ich nirgendwo. Ich stehe hier 250 Kilometer von ihm entfernt. Ja, vielleicht habe ich mich etwas in ihn verguckt. Und es war klar, dass wir niemals nur Freunde hätten werden können. Gott ja, er hat mich glücklich gemacht.

Manche Freunde sagen, dass ich kämpfen soll, weil „Männer nun mal so sind“. Er hätte sich dabei nichts gedacht und ich solle mir nicht so viele Gedanken machen.

Manche Freunde sagen, dass ich kämpfen soll, weil „Männer nun mal so sind“. Er hätte sich dabei nichts gedacht und ich solle mir nicht so viele Gedanken machen. Aber das, was einem am Anfang stört, wird letztendlich das sein, weshalb man geht und die Person verlässt.

Alles erinnert mich etwas an die ersten Zeilen des Liedtexts des Songs Treppenhaus von Lea:

Alle sagen: „Lass ihn gehen“
Ich kann es keinem mehr erzählen
Dass wir noch schreiben
Doch sie wissen nicht wie’s ist

Und dann kam meinerseits die entscheidende Frage: „Was mache ich hier eigentlich?“ Ich möchte hier einen Schlussstrich ziehen. So traurig und niedergeschlagen es mich auch macht. Es ist okay. Es ist okay, dass ich die Hoffnung hier aufgebe. Keiner wird mich dafür verurteilen.

Irgendwann muss man loslassen

Und irgendwann ist das große Kapitel hier geschlossen und ich denke nur noch an das, was einmal war und zu nichts geworden ist. Vielleicht sehen wir uns irgendwann zu deinem sagenhaften Curry wieder und quatschen über Fußball und die Unterschiede unserer Dialekte. Vielleicht, eines Tages. Zu meinem eigenen Wohl sag ich Tschüss und es war ne schöne Zeit. Möge er die Richtige finden, die nicht ich sein werde. Mach’s gut.

Mona schaut manchmal ein bisschen zu viel Netflix, liest zu viel, ist eher realistisch als romantisch und immer auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: „Warum?“

Headerfoto: Gabrielle Henderson via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

4 Comments

  • Hallo Mona,
    ganz wunderbar geschrieben, ich kann es so gut nachvollziehen, wie du dich fühlst und wie Anna schon sagt, ganz viele andere Menschen auch.
    Dieses Gefühl nicht zu wissen, wo man steht da man ja alles „locker“ angehen lassen soll, bloß keinen Druck aufbauen, sonst wirkt man „bedürftig“, die Leichtigkeit geht verloren.
    Es ist vollkommen OK, zu sagen und zu zeigen, was man möchte, was man für den anderen empfindet. Standards zu haben diese zu kommunizieren und den eigenen Wert zu erkennen, zu leben, wie Anna es formuliert hat.
    Ich habe leider den Fehler gemacht und es nicht geäußert, die Fronten nicht geklärt, wollte gefallen.

    Die Verbindung ist stark, aber es reicht nicht für das große Ganze, eine Beziehung.

    Nachdem man soetwas erlebt hat, lernt man sich selber nochmal mehr zu schätzen, zu lieben.
    Ja und genau, wenn er oder sie deinen Wert nicht erkennt, sich keine ernsthafte Mühe gibt, dann „BYEEE du Knödelbacke“ war ne schöne Zeit, es wird jemanden geben, der dich so liebt, wie du bist!
    Danke für deinen wunderbaren Text, war schön zu lesen!
    Alles Gute

    • Liebe Mila,
      Danke für Deinen Kommentar! Ich nehme unglaublich viel aus der Sache mit, vor allem dass ich viel öfter und früher kommunizieren muss, was mich stört oder was in welche Richtung man (gemeinsam) geht. Und ich finde, wir sollten den Begriff „du Knödelbacke“ offiziell in den allgemeinen Sprachgebrauch einführen 😀
      Ich wünsche Dir alles alles Gute!

  • Mona, du hast so schöne Worte gefunden und sprichst damit vielen Frauen und auch mir aus der Seele. Danke! <3
    Bei dem Satz er hätte sich nichts dabei gedacht, du sollst kämpfen, weil Männer nun mal so sind musste ich spöttisch lachen. "Nein, man!", geht mir laut durch den Kopf, was für ein Scheiß! Ich kenne das nur allzu gut. Ich habe beschlossen mich und meine Bedürfnisse als auch Grenzen wahrzunehmen, auf mein Herz und Bauchgefühl zu hören und eben nicht mehr um Menschen zu kämpfen die einem eigentlich mit jeder Faser ihres Seins ausdrücken, dass man es ihnen nicht wert ist nachzugehen. Ich finde es so wichtig den eigenen Wert zu erkennen und sich selbst gut zu behandeln. Wir sind es Wert gesehen zu werden und jede*r die/der das nicht will ist nicht länger willkommen in meinen Gedanken und Herzen. Denn ich will die/den andere*n sehen. Es ist okay, wenn es anders herum nicht so ist, aber dann halt "Byyyyye!" Diesen Weg zu gehen fühlt sich für mich so unglaublich gut an. Danke noch einmal für deine bestärkenden Worte!

    • Liebe Anna, ich danke auch dir für deine Worte! Man muss sich häufig daran erinnern, dass man sich selbst nicht verlieren darf, weil man das einzige ist, was am Ende bleiben wird <3 Ich wünsche Dir von Herzem alles Gute!

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