Rabenschwarze Tage: Wie sie mich komplett umhüllen und trotzdem vorübergehen

Was ist in mir? Vielleicht ist das dieselbe Frage, wie diejenige, die danach fragt, wer ich bin. Ich bin oftmals erfüllt mit Glück und fühle mich, als könnte ich alles erreichen und hätte die Formel zum Glücklichsein gefunden. Ich bin dann davon überzeugt, dass ich selbst dann noch strahlen würde, wenn alles um mich herum zugrunde geht.

Mein anderes Ich – Das Verstummen

Doch dann gibt es Tage wie heute: Tage, die nicht wirklich schlimm sind, denn ich weine nicht grundlos, habe sogar schon die Wohnung gesaugt und war mit dem Hund draußen. Aber dennoch ist heute kein guter Tag.

Ich fühle mich nicht unglücklich, ich fühle mich leer und verstumme. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich heute noch fast nichts gesagt habe. Während ich an anderen Tagen mit meinem Hund rumalbere und ihr irgendeinen Blödsinn erzähle, kommt mir heute kein Wort über die Lippen.

Die Leere in mir scheint sich auch um mich herum auszubreiten und macht mir Angst. Eine schwelende, nagende Angst davor, dass dieses mein wahres Ich sein könnte.

Die Leere in mir scheint sich auch um mich herum auszubreiten und macht mir Angst. Eine schwelende, nagende Angst davor, dass dieses mein wahres Ich sein könnte. Dass die fröhlich strahlende Person nur ein vergänglicher Zustand ist, durch äußere Faktoren bedingt.

Die Wahrheit ist wahrscheinlich, dass beides ich bin. Noch mag ich das aber nicht akzeptieren. Denn die Leere bleibt nicht nur Leere, sie führt dazu, dass ich verzweifelt versuche, sie zu füllen. Manchmal mit Männern, deren Lust ich als Bestätigung betrachte und mit denen ich schlafe, obwohl ich sie gar nicht mag. Nur um mir sagen zu können: Wenn dich jemand anderes begehrenswert findet, dann bist du es wohl.

Denn die Leere bleibt nicht nur Leere, sie führt dazu, dass ich verzweifelt versuche, sie zu füllen.

Weshalb vertraue ich dabei mehr auf das Urteil anderer, die ich doch teilweise selbst nicht leiden kann? Und das ist nur eine Strategie, um das Loch zu stopfen, das alles Gute in meinem Leben belanglos erscheinen lässt.

Die andere Strategie, der ich doch eigentlich dachte, entkommen zu sein, ist, alles Essbare in mich hineinzustopfen und dabei noch meine Ideale zu verraten, indem ich Unveganes esse. Nein, fresse. Denn ich genieße nichts, sondern schlinge es nur herunter, um es in mir zu haben. Je “verbotener” es mir erscheint, desto schneller schlucke ich es runter, oft im Stehen. Nur um mich danach unausstehlich, schwach und hilflos zu fühlen.

Die Strategie meiner Jugend, mir eine Klinge über die Haut zu ziehen, die habe ich fast komplett abgelegt. Der Impuls ist zwar noch da, aber hier hat es mein Verstand geschafft, eine Notbremse zu installieren.

Der Impuls ist noch da, aber hier hat es mein Verstand geschafft, eine Notbremse zu installieren. Darauf werde ich später ein bisschen stolz sein, wenn das Loch sich schließt. Denn das Loch wird sich wieder schließen.

Darauf werde ich später ein bisschen stolz sein, wenn das Loch sich schließt. Denn das Loch wird sich wieder schließen. Das tut es jedes Mal. Auch wenn ich es jetzt nicht spüre, so weiß ich es doch.

Und dann bin ich wieder der Mensch, den ich liebe. Die Frau, die tut, was sie will, und die in der Lage ist, das pure Glück mit jedem Sonnenstrahl einzufangen. Hoffentlich finde ich diesmal schnell dorthin.

Yvonne (28) lebt in München und versucht noch immer ihren Platz in der Welt zu finden. Sie schreibt, um ihren eigenen Kopf zu sortieren und anderen dabei zu helfen.

Headerfoto: Caique Silva via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

 

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