Freundschaftskummer – Wenn eine Freundschaft zu Ende geht, ist das Herz genauso gebrochen wie nach einem Beziehungsende

Mir geht’s grad nicht so gut. Eigentlich geht es mir sogar schlecht. Grund dafür ist eine zerbrochene Freundschaft, die zwar noch nicht lange bestand, aber in der kurzen Zeit ihres Bestehens schnell an Bedeutung für mich gewonnen hatte. Und jetzt steh ich hier und frag mich, was das ist, was ich da hab. Wie das heißt, was mir grad mein Herz schmerzen lässt. Und ob das sein darf.

Den Begriff Liebeskummer kennt wahrlich jede*r und fast jede*r musste diesen Begriff schon mal am eigenen Leib erspüren. Meist war das keine sonderlich gute Erfahrung. Zumindest im Moment des Geschehens. Man findet viele Ratschläge – digital, in Büchern, Zeitschriften oder auch von der Familie oder Freund*innen, die mal mehr, mal weniger helfen. Und später dann hat man bestenfalls eine Lehre daraus gezogen, ist stärker geworden oder zumindest nicht schwächer. Liebeskummer! Gesellschaftlich akzeptiert und bekannt. Soviel dazu!

Doch was ist mit dem Gefühl, welches man hat, wenn eine Freundschaft zerbricht? Und zwar nicht schleichend, wie das so oft der Fall ist, sondern von jetzt auf gleich. Wenn ein Mensch, mit dem man keine romantische, sexuelle, sondern „lediglich“ eine platonische Beziehung geführt hat, aus dem Leben verschwindet? Freund*innen hat man ja schließlich (bestenfalls) mehrere und (meist) nur eine*n Partner*in. Darf man dann derart traurig sein, wie man es bei manch einer Trennung war?

Trennung ist Trennung – egal ob nach einer Freundschaft oder Beziehung 

Ich finde, man darf! Vielleicht muss man sogar. Denn eine Trennung ist und bleibt eine Trennung, welcher auch immer eine Beziehung vorangegangen ist. Egal, ob platonisch, romantisch, sexuell oder geschäftlich (wahlweise natürlich miteinander kombinierbar), man lässt sich auf etwas ein und macht sich dadurch erst einmal angreifbar und verletzlich, um überhaupt etwas daraus gewinnen zu können. So ist das. Sonst wäre das Leben langweilig! Und ab und an geht dabei etwas schief. So ist das leider auch.

Als ich noch jünger war, da war das weniger ein Problem. Das Verlieren von Freund*innen. Da hat sich hier jemand aufgrund einer neuen Partnerschaft abgesondert, dort ist jemand zum Studieren weggezogen und tauchte irgendwie nie wieder auf. Bis zu einem gewissen Alter war das ein freundschaftliches Kommen und Gehen, mit ein paar Ausnahmen dazwischen.

Dann irgendwann festigt sich das Ganze und dieser kitschige Spruch „Freund*innen sind die Familie, die man sich ausgesucht hat“ (oder so ähnlich) kommt zu tragen. Man hat sein Nest gebaut und fühlt sich wohl. Das sind dann Freundschaften, die die Chance auf eine wirklich lange Haltbarkeitsdauer haben. So wie bei Tütensuppen. Nur 1000 Mal besser natürlich! Oder so wie bei Gewürzen. Ohne die geht in der Küche nichts. Ja, der Vergleich ist vielleicht treffender …

… sich einem Menschen gegenüber wirklich zu öffnen. Ihn emotional an sich ranzulassen, mit der Erwartungshaltung für diesen Mut belohnt zu werden.

Und dann, ganz manchmal, lernt man trotz gemachtem Nest einen Menschen kennen, von dem man denkt, er wäre das Risiko wert, ihn zusätzlich, quasi on top, hinein zu lassen. Das passiert mir wirklich nicht mehr so häufig, weil ich auch einfach nicht mehr danach suche. Klar schließe ich total gern Bekanntschaften. Das ist interessant und oft auch wirklich spannend. Zudem lebe ich in Köln. Wer einmal in dieser Stadt war, weiß: Bekanntschaften schließen gehört hier zum guten Ton.

Aber davon rede ich nicht. Ich rede davon, sich einem Menschen gegenüber wirklich zu öffnen. Ihn emotional an sich ranzulassen, mit der Erwartungshaltung für diesen Mut belohnt zu werden. Ein Gewürz mehr im Regal. Tausend neue Möglichkeiten. Oder die Belohnung bleibt aus und es geht einem irgendwann wie mir jetzt. Schlecht.

Ich war es nicht, die sich gegen die Freundschaft entschieden hat und warum sich diese Person, um die es hier geht – und die ich trotzdem noch immer sehr mag – dazu entschied, sich zurückzuziehen, weiß ich nicht. Um die Kritiker*innen unter euch zu besänftigen: Ich bin niemand, der klammert, in keiner Art von Beziehung. Sich gegenseitig nötige Freiräume zu lassen, ist mir enorm wichtig.

Trotzdem lege ich Wert auf einen verantwortungsbewussten Umgang miteinander. Also, warum das nun so ist, wie es ist, ich habe natürlich meine Theorien, welche ich bis zum Erbrechen durchdacht habe. Die On-Off-Beziehung, welche die Person führt, der ausgeübte Job, die Vergangenheit, welche die Vertiefung und das Halten emotionaler Bindung schwierig macht … Um noch mal 5 Euro ins Phrasenschwein werfen zu können: Die Mischung macht’s (vermutlich)!

Was auch immer der Grund für diese Entwicklung ist, ändert aber natürlich nichts an diesen teilweise intensiven Gefühlen, die in mir toben und für die ich in den ersten Momenten einfach keinen Titel fand. Da ist das Gefühl des Vermissens. Dann der Kampf mit dem eigenen Selbstwertgefühl. Bin ich es nicht wert, dass man mit mir befreundet sein will? (Bin ich! Natürlich! Aber wenn der Selbstzweifel ein ständiger Weggefährte ist, dann ist es jedes Mal ein kleiner Kampf, diese Erkenntnis erneut zu erlangen).

Da ist das Gefühl des Vermissens. Dann der Kampf mit dem eigenen Selbstwertgefühl. Bin ich es nicht wert, dass man mit mir befreundet sein will?

Wütend bin ich natürlich auch. Warum macht diese Person das mit mir? Sie weiß doch, dass ich voller Zweifel bin. Und warum bekomme ich keine Erklärung? Fehlen darf dabei auch nicht das häufig ins lächerliche gezogene und dennoch sehr starke Gefühl der Enttäuschung. Und ja, es ist auch mal eine Träne geflossen. Das gehört dazu. Also ganz schön viel los in mir drin. Aber irgendwie nicht zu greifen.

Und dann irgendwann war es mir doch klar. Ich hab Freundschaftskummer!

Dieser Begriff ist natürlich kein von mir kreierter Neologismus, aber auch kein Wort, welches man im Duden findet oder welches auch ohne dortiges Vorkommen zu gesellschaftlicher Akzeptanz gefunden hat. Aber warum nicht? Gute Freundschaften sind so ungemein wichtig für ein erfülltes Leben und ohne meiner nicht ganzen Handvoll wirklich guter Freund*innen wäre ich wohl nur ein halber Mensch.

Ich muss nicht zwangsläufig mit einer Person schlafen oder mit ihr verwand sein, damit sie für mich bedeutsam wird. Im Gegenteil. Viele meiner Verwandten und fast alle meiner ehemaligen Beischlafbegegnungen sind mir tatsächlich nicht besonders wichtig. Sorry …

Eine Freundschaft aber, in der man ehrlich, loyal, voller Vertrauen, niemals bewusst verletzend und niemals verurteilend miteinander umgeht, ist für mich eine der erstrebenswertesten Verbindungen, die es im Leben einzugehen gilt. Wenn dann eine solche Verbindung, oder auch nur eine, die dem nahekommt oder auf dem Weg dahin ist, kaputt geht, dann verdient das hinterlassene Gefühl doch einen eigenen Begriff? So finde ich zumindest. Und ich will mich auf den von mir verwendeten hier gar nicht festlegen.

Es braucht einen Begriff für den Kummer, den eine beendete Freundschaft hinterlässt

All diese Gefühle, die selbstverständlich erst recht vorhanden sind, wenn eine langjährige Freundschaft plötzlich zerbricht und die mich jetzt grad umtreiben, für die es weder offizielle Spotify-Playlists noch eine eigene Netflix-Kategorie gibt, werden irgendwann verschwinden. Das weiß ich. Und dann werde ich, eben wie beim Liebeskummer auch, stärker oder zumindest nicht schwächer sein. Das weiß ich ebenfalls.

Und wenn ich das nächste Mal das Gefühl hab, das Risiko, sich emotional einzulassen, könnte sich lohnen, dann werde ich das auch wieder tun. Natürlich! Aber es wird vielleicht eine Weile dauern. Und vielleicht bin ich dann auch noch vorsichtiger beim Öffnen meiner inneren Pforten.

Was ich aber tief in mir drin auch weiß, ist, dass ich mich, sobald in mir wieder Ruhe eingekehrt ist, darüber freue, diese ganzen lustigen, tollen, wissenswerten und auch einzigartigen Momente mit dieser Person erlebt zu haben. Das gute Gefühl wird überwiegen. Die Zeit war ganz und gar nicht verschwendet. Und dann hat sich das Risiko am Ende doch gelohnt.

Aber jetzt gerade, jetzt in diesem Augenblick, hab ich erstmal Freundschaftskummer. Und der will ausgelebt werden! Auch wenn es ihn offiziell gar nicht gibt.

Käte liebt das Großstadtleben mit all seinen chaotischen Facetten und Möglichkeiten. Das Talent Dinge zu organisieren, ist ihr leider nur in beruflicher Hinsicht vergönnt. Um ihre Gefühle zu managen, schreibt sie sie daher manchmal einfach auf. Und dann kommt hier und da ein Text bei raus.

Headerfoto: Sacha Styles via Unsplash. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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