Der Zero-Waste-Lifestyle ist einfacher als du denkst!

Ich bin die Zero-Waste-Tante. Die, die immer und überall ihr Anti-Abfall-Täschchen dabeihat. Ausgestattet mit Trinkflasche, Edelstahlstrohhalm, Besteck und Brotdose, begleitet von Stofftaschentüchern aus Opas Kleiderschrank und einer Sammlung kleiner und großer Jutebeutel. Damit falle ich auf.

„Ist das nicht unglaublich anstrengend?“, werde ich oft gefragt. Ebenso häufig höre ich im Gespräch: „Dafür habe ich keine Zeit“ oder: „Unverpackt einkaufen? Das könnte ich mir als Studentin/alleinerziehender Papa/*füge hier deinen Status ein* gar nicht leisten.“ „Das ist Bullshit!“, antworte ich dann liebevoll. Im Gegenteil: Seitdem ich abfallarm und möglichst nachhaltig konsumiere, ist mein Leben deutlich einfacher geworden und ich selbst glücklicher.

Zero Waste ist gesund

Beim Wocheneinkauf schlendere ich durch die Auslage des Obst- und Gemüse-Dealers meines Vertrauens. Wenn ich Brot kaufe, schnacke ich mit der netten Backwarenverkäuferin, während sie den Laib in meinem Jutebeutel verstaut. Produkte, die ich nicht unverpackt kaufen kann, mache ich selbst. Was ich nicht selbst herstellen kann, gibt’s auch nicht. Tütensuppe und Tiefkühlpizza – adé.

Was hart klingt, hat meine Lebensqualität maximiert. Ich konsumiere bewusst. Ich weiß, welche Zutaten in meiner Nahrung stecken. Dadurch lebe ich gesünder. Ich habe das Kochen für mich entdeckt. Vor drei Jahren hätte ich mich selbst noch dafür ausgelacht. „Wer steht schon gerne in der Küche?!“, dachte ich. Heute bin ich die Queen des Einkochens, Anrührens und der kreativen Resteverwertung. Sogar mein Deo und Makeup mache ich mittlerweile selbst. Klingt auch erstmal ein bisschen hippiemäßig und zeitaufwändig, geht aber mit den richtigen Rezepten und einer guten Routine ratzfatz.

Zero Waste spart Geld

Wer sich mit Zero Waste beschäftigt, stolpert früher oder später auch über das Thema Minimalismus. Marie Kondo hat es mit ihrem Buch „Magic Cleaning“ zu Berühmtheit gebracht. Ich verrate Dir einen ihrer wertvollsten Tipps: Frage Dich bei jedem Teil, das Du besitzt oder neu anschaffen möchtest: „Bereitet es Dir Freude? Bereichert es Dein Leben?“

Ist die Antwort „ja“ – keep it. Lautet die Antwort „nein“–  stell Dir die Frage, warum Du es überhaupt besitzen möchtest. Ist es vielleicht bei jemand anderem, der es tatsächlich benutzt, viel besser aufgehoben? Diese Methode hat mein Shopping-Verhalten von Grund auf verändert. Wenn wir mal ehrlich sind: Die meisten von uns haben bereits alles, was sie brauchen.

Wenn ich doch mal Bock auf neuen Kram habe, checke ich Ebay-Kleinanzeigen und Second-Hand-Läden. Das dauert zwar manchmal etwas länger als ein Shopping-Quicky im Ausverkauf, macht aber auch viel Spaß und schont Umwelt und Geldbeutel.

Zero Waste schafft Achtsamkeit

Bei aller Achtsamkeit der Umwelt gegenüber: Es gibt sie doch – die Momente, in denen die kleine Stimme in mir laut und deutlich ruft: „Chips! Die billigen, ungesunden mit Geschmacksverstärkern – jetzt!“ Was tun? Selbstgeißelung und Verzicht der guten Sache wegen? Mein Respekt gilt allen Menschen, die das durchziehen. So selbstdiszipliniert bin ich dann doch nicht immer.

Stehe ich dann tatsächlich vor dem Chipsregal, hilft meist kurz innehalten. Einatmen. Ausatmen. In mich hineinhören und fragen: „Hab ich grad wirklich Bock drauf oder ist das nur ein Impuls, der gleich vorbeizieht?“ Ist es nur ein Impuls: Cool – problem solved. Hab ich hingegen wirklich Bock: Ran da! Chips kaufen, Tüte aufreißen und… bewusst genießen anstatt nebenbei reinstopfen. Wenn Konsumgüter keine nebensächliche Selbstverständlichkeit sind, kommt Achtsamkeit ins Spiel. Die macht bekanntlich glücklich. Selbst wenn es sich mal um Chips handelt.

Und nun …?

Wer frisch in das Thema Zero Waste eintaucht, bekommt schnell den Eindruck, es sei ein Fass ohne Boden. Plastik- und verpackungsfrei, fairtrade und vegan, regional und saisonal, in einer mit regenerativen Energien betriebenen, bio-zertifizierten Kreislaufwirtschaft produziert – wo anfangen? Können wir überhaupt absolut ethisch korrekt konsumieren? Das ist für mich nicht die entscheidende Frage, sondern: Wo fangen wir an? Wo setzt DU Deine Priorität und welchen kleinen Schritt kannst DU heute tun?

Es muss nicht jede*r von uns einen perfekten Zero-Waste-Haushalt führen, sollte es so etwas wie „perfekt“ überhaupt geben können. Doch jede*r von uns kann mit kleinen Verhaltensänderungen im eigenen Alltag ein bisschen mehr Nachhaltigkeit und Freude in die Welt und das eigene Leben tragen.

Laura Konieczny: Zu Laura gehören Herz und Verstand hinter Zero Waste Your Life. Wenn sie nicht mit ihrer Trinkflasche in der Tasche durch grüne Wiesen radelt, serviert sie auf ihrem Podcast regelmäßig Nachhaltigkeits-Tipps in mundgerechten Happen. In ihren Zero-Waste-Workshops teilt sie das Handwerkszeug für einen abfallarmen und spaßigeren Alltag

Headerfoto: Frau in rotem Kleid via Shutterstock.com, Kirschen: Neha Deshmukh via Unsplash.com. (“Heal-theWorld”-Button hinzugefügt, Bilder beschnitten.) Danke dafür.

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