Der Anfang einer Affäre: vermeintliche Komplimente und absolute Kommunikations-Katastrophen | Teil 4

Hier findest du Teil 1, Teil 2 und Teil 3 des Textes.

Nicht schreien, ich bin kurz provokant, denn ich schere jetzt mal alle Kerle über einen Kamm: Männer sind ja bekanntlich nicht die großen Redner. Vor allem wenn es darum geht, Komplimente zu machen, Diskussionen über Beziehungsinterna zu führen und ganz besonders Gefühle auszudrücken. Sowas funktioniert weder innerhalb noch außerhalb von Beziehungen sonderlich gut – das sind zumindest meine persönlichen Erfahrungen.

So und wenn man dann nicht mal in der Nähe einer Beziehung ist, im Endeffekt nicht einmal mehr als eine gelegentliche Sex-Weggeh-Arbeitskolleg:innen-gleicher-Freundeskreis-etc.-etc.-Verbindung hat, dann funktioniert Kommunikation gleich gar nicht.

Und wenn man dann nicht mal in der Nähe einer Beziehung ist, dann funktioniert Kommunikation gleich gar nicht.

Natürlich gibt es Ausnahmen, keine Frage. Außerdem sind auch Frauen des öfteren unfähig, ihre Gefühle zu äußern, da nehm ich mich auch gar nicht raus. Aber hier geht es jetzt um die Männer  und bei denen, die ich kennengelernt habe, lehne ich mich mit meiner Annahme nicht wirklich aus dem Fenster.

Chaos der Gefühle: Stimmungsschwankungen & Co. 

Zurück zu Ihmchen, denn wie schon erwartet, geht es um ihn. Zum Thema Kommunikation galt da nämlich die Regel: Ab 10 Uhr morgens – außer man hat noch nicht geschlafen und hat noch einen sitzen – bis ungefähr 1 Uhr in der Früh werden nur freundliche, unverfängliche und vor allem unanstößige Nachrichten hin und her geschrieben und ebenso harmlose Gespräche geführt. Diese Gespräche handelten dann von Uni, Arbeit, gemeinsamen Freund:innen und natürlich dem Wohlbefinden des anderen.

Ab 1 Uhr morgens änderte sich alles! Angefangen beim Umgangston: Das Nette, Höfliche in der Stimme wich einem schnippischen, herausfordernden und manchmal auch etwas dreckigen Ton. Außerdem traten Veränderungen im Verhalten ein: Die vorher freundlich interessierte Miene veränderte sich schlagartig zu einer schattenhaften, auf der Lauer liegenden Schakalsfratze. Besser gesagt: Der Nice Guy wurde zum Bad Boy und somit zum Objekt meiner Begierde.

Ab 1 Uhr morgens änderte sich alles! Angefangen beim Umgangston: Das Nette, Höfliche in der Stimme wich einem schnippischen, herausfordernden und manchmal auch etwas dreckigen Ton.

Ihmchen wusste immer genau, was für eine Wirkung er auf mich hatte und je später es wurde, desto mehr spielte er mit mir: Erst flirtete er offensiv mit anderen Girls, beobachtete mich aus der Ferne währenddessen, zwinkerte mir zu und flirtete wieder mit einer anderen, ging mit ihr an die Bar, um einen Shot zu trinken. Dann kam er wieder zu mir, tanzte mich an, gab mir Bussis und verschwand wieder.

Ihmchen wusste immer genau, was für eine Wirkung er auf mich hatte und je später es wurde, desto mehr spielte er mit mir: Erst flirtete er offensiv mit anderen Girls, dann kam er wieder zu mir.

Diese Art von Kommunikation nennt sich non-verbale Kommunikation und wurde ungefähr von 1 Uhr bis 4 Uhr angewandt. Sehr effektiv und in seinem Fall bis zur Perfektion getrieben – ging ja schließlich auch ein paar Jahre.

Ab 4 Uhr morgens beschränkte sich die Verständigung zwischen uns meist nur noch über Handy und war erst mal nicht mehr persönlicher Art. Kurze, knappe, recht fordernde Nachrichten, in denen geklärt wurde, wohin man weiter geht, wo man schläft und – ja, das war es eigentlich auch schon. Jede weitere Kommunikation fand dann im Bett statt und die kennt jeder.

Kommunikationshighlights

Wenn dann doch mal geredet wurde, wohl gemerkt meist nach 1 Uhr morgens, ergaben sich Gespräche und Aussagen, die richtige Goldstücke in der Kategorie Kommunikation waren. Ich versuche jetzt mal, die besten wieder aus dem hintersten Eck der Kopfschüttel-Kiste heraus zu holen. Hier ist meine Top 10:

  1. „Weißt du, was dein Problem ist? Dein Problem ist, dass du keine Ahnung hast, wie hübsch du bist!“ Das war das erste von ungefähr fünf Komplimenten, die ich in der gesamten Zeit von ihm bekommen habe. Ganz wichtig dabei war, das Kompliment so negativ wie möglich zu verpacken.
  1. Kommende Aussage war eine Antwort auf meine schüchterne Frage, warum er mich vor allen Kolleg:innen und Gäst:innen beim Arbeiten so offensiv anbaggert und küsst: „Weil’s geht!“ Eine herzerwärmende Aussage. Einer, der einfach weiß, was wir Frauen auf so eine Frage hören wollen.
  1. „Hast du abgenommen?“ Im ersten Moment könnte man meinen, dass das sehr aufmerksam von ihm war. Aber er stellte mir diese Frage, während wir gerade miteinander schliefen und ich gerade auf ihm drauf saß. Diese Frage zähle ich übrigens zu den fünf Komplimenten, die er mir im Lauf unserer Geschichte gemacht hat.
  1. „Du hast ganz schön viel Hornhaut.“ Ja Mensch, danke! Wie charmant! Diese nette Aussage seinerseits bekam ich beim Kuscheln zu hören.
  1. „Beischläfchen?“ ist mein heimlicher Favorit. Dies war eine Nachricht, welche er mir um 6 Uhr in der Früh geschickt hat, nachdem wir gemeinsam unterwegs beim Feiern waren, aber jeder danach zu sich nach Hause gegangen ist. Ich fand die Nachricht ja schon ein wenig süß, wobei alles süß wird, wenn man ein „chen“ dran hängt. Meine Antwort war ähnlich süß: „Neinchen!“
  1. „Am Ende heiraten wir wahrscheinlich eh!“ Dies war sein Fazit nach einer betrunkenen Unterhaltung, ob es ratsam ist, wenn wir beide zusammen ziehen würden. Unverschämte Lüge!
  1. Hier kommt jetzt eines meiner persönlichen Highlights. Nach einer dreimonatigen Urlaubspause waren wir gemeinsam unterwegs, also feiern. Wir waren den ganzen Abend nur zu zweit, haben oft die Location gewechselt und viele Leute getroffen. Nach dem letzten Club war dann klar, dass ich mit zu ihm nach Hause gehe. Wir gingen also die Treppen zu seiner Wohnung nach oben, putzten uns dort gemeinsam die Zähne, zogen uns aus, legten uns in sein Bett (ich war braun gebrannt und hatte extra sexy Unterwäsche an) und als ich gerade im Begriff war, mich über ihn zu beugen, um ihn zu küssen, platzte es aus ihm heraus: „Ich hab jemanden kennengelernt!“ Meine Reaktion darauf war, mich anzuziehen, ihm zu sagen, dass er mich mal … könne und in Ruhe lassen soll und dann zu gehen. Da hat ein ganzer Abend nicht gereicht, um mir das mitzuteilen.
  1. Nachdem wir aufgrund dieser Geschichte erst mal keinen Kontakt hatten, mehr noch, ich ihn weitestgehend ignorierte, kam er eines Nachts in einem Club auf mich zu, flüsterte mir „Es hat Klick gemacht“ ins Ohr und ging einfach weg, nachdem er mir einen Kuss auf die Wange gegeben hatte. Jep, es hat für genau eine Woche „Klick gemacht“, denn als er es wohl ausgesprochen hatte, war der Zauber auch schon wieder verflogen. „Sprunghaft“ ist viel zu untertrieben, um ihn zu beschreiben. Bei einem zweiten Gespräch, eine Woche später, hat er mir dann ins Gesicht gesagt, dass es doch nicht Klick gemacht habe.
  1. Bei eben diesem zweiten Gespräch fragte er mich dann auch: „Darf ich dich anrufen, wenn ich weiß, was ich will?“ Ich bin ihm buchstäblich fast ins Gesicht gesprungen bei dieser Frage! Natürlich, ich sitze daheim vor meinem Handy und warte darauf, dass der feine Herr endlich weiß, was er möchte! Zusätzlich warf ich ihm böswillige Schikane vor und aß mein Eis weiter, welches er mir kurz vorher gekauft hatte.
  1. „Ich hoffe, wir können irgendwann normal miteinander umgehen!“ Genau, einen Tag nach dieser dämlichen Aussage, landeten wir wieder gemeinsam in der Kiste.

Alles in allem kann man sagen, dass wir nicht gut darin waren zu kommunizieren. Wir haben uns oft missverstanden, er war sehr stur und wollte mich oft nicht richtig verstehen. Ich war in seiner Gegenwart zurückhaltend, konnte nicht so aus mir herauskommen, wie ich es gern gewollt hätte, konnte nicht ich selbst sein. Und das Problem war, dass es mit der Zeit immer schlimmer wurde.

Wir hemmten uns gegenseitig, konnten aber nicht die Finger voneinander lassen. Wie auch immer das funktionierte, es ging fast vier Jahre lang!

Fortsetzung folgt.

Fränni hat während ihres Studiums der Germanistik viele Stunden in der Bibliothek verbracht, um (fiktive) Sex-Abenteuer, Männererlebnisse und biographische Frage zu formulieren und niederzuschreiben. Dabei gingen haufenweise Tender-Törtchen drauf. Viele ihrer Texte befassen sich mit dem Leben eines Singles in einer bayerischen Studentenstadt und die Hochs und Tiefs, die man, also sie dabei erlebt hat. Gerne mag sie es anzüglich, aber auch Herzschmerz gehört dazu. Ihre Besonderheit: ihre Größe (1,83m), ihr Opa-Lachen, ihr fränkischer Dialekt (wenn sie will) und ihre Brille. Mehr von ihr gibt es hier auf Instagram

Headerfoto: Ron Thomas via Pexels. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

 

 

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