Der Anfang einer Affäre: Wie ich den Mann meiner Träume kennenlernte | Teil 1

Ich hatte eine Affäre! Keine klassische, heimliche, „Wir betrügen jemanden“-Affäre, nein, ganz im Gegenteil – wir waren beide Singles, haben uns sehr zueinander hingezogen gefühlt und waren über einen Zeitraum von fast vier Jahren sehr oft miteinander im Bett. Und wenn ich sage „miteinander im Bett“, dann meinen ich natürlich vor allem Sex, aber es gab eine Menge Nächte, in denen wir nur gekuschelt oder auch einfach nur nebeneinander geschlafen haben ohne größeren Körperkontakt.

„Das ist doch keine Affäre“, höre ich es rufen! Aber was ist es dann? Mir fällt einfach keine bessere Bezeichnung dafür ein. Gut, „nicht normal“ oder sogar „krank“ würde vielleicht auch zutreffen, aber dann müsste ich das Wort „Beziehung“ in den Mund nehmen und davor hüte ich mich.

Ich würde lügen, wenn ich sage, ich hätte nie darüber nachgedacht oder es mir eine Zeit lang nicht gewünscht, aber letzten Endes haben wir es nie gewagt. Um diese absolut verworrene und „kranke Beziehung“ zu beschreiben, wage ich mich nun an eine kleine Kurzgeschichten-Reihe, denn ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Phase meines Lebens es definitiv wert ist, aufgeschrieben zu werden.

Das erste Aufeinandertreffen

Ich war ein süße Erstsemesterin, hatte noch keinen Plan vom Studieren und war so naiv, dass ich dachte, die (Fern-)Beziehung zu meinem damaligen Freund werde ein Leben lang halten. Aber eines Tages sah ich ihn! Ein blonder, blau-äugiger, super stylischer Typ, der mir aufgrund seines schelmischen Lächelns und seines tollen Haarschnitts auffiel. Haare, durch die man mit den Finger einfach durchfahren oder sich in manchen Momenten auch festhalten möchte …

Als eben dieser Kerl mit den tollen Haaren meinen Weg kreuzte, trafen sich unsere Blicke und ich war augenblicklich Feuer und Flamme. Ich könnte schwören, dass es ihn auf irgendeine Weise auch rüttelte, aber das sind reine Spekulationen meinerseits. Was ich aber mit absoluter Sicherheit sagen kann, ist, dass ich mich binnen Sekunden in einen Teenager verwandelte, der gerade seinen Schwarm auf dem Schulhof erblickt hat.

Als dieser Kerl mit den tollen Haaren meinen Weg kreuzte, trafen sich unsere Blicke und ich war augenblicklich Feuer und Flamme. Ich könnte schwören, dass es ihn auf irgendeine Weise auch rüttelte, aber das sind reine Spekulationen meinerseits.

In diesem Augenblick wusste ich, dass er für mich etwas ganz Besonderes werden würde. Angefangen bei feucht-wilden Träumen mit ihm bis hin zu aktiven Wünschen, ihn beim Feiern zu treffen. Ich habe mich total in ihn verknallt, aber nicht auf die coole erwachsene Art, nein, auf die Teenie-Anhimmel-Weise.

Jedes darauffolgende Mal, wenn ich ihn sah, ging es los: rot werden, beschämt zu Boden schauen, kichern und ein unkontrolliertes Umherfuchteln der Arme. Nicht falsch verstehen, meinen damaligen Freund liebte ich natürlich, aber wenn ich träumte, dann von meinem unbekannten Schönen.

Annäherungsversuche

Einige Zeit verging und ich wurde Single, mein heimlicher Schwarm aber blieb. Und wie das eben nun mit Personen ist, die man unbedingt sehen möchte, man begegnet ihnen nie! Ich verlor ihn regelrecht aus den Augen und das bis hinein ins dritte Semester.

Einige Zeit verging und ich wurde Single, mein heimlicher Schwarm aber blieb.

Eines Abends erzählte ich einer neugewonnen Freundin von diesem mysteriösen Kerl. Sie konnte ihn daraufhin identifizieren und ich zwang sie, mir alles über ihn zu erzählen. So kam also raus, dass er Barkeeper und kein Kind von Traurigkeit war. Außerdem gab sie zu, dass ich nicht die Einzige war, die von ihm angezogen wurde, sie konnte mir nämlich noch etliche andere Mädels nennen, die auf ihn standen. Gut, im ersten Moment waren das nicht unbedingt die Infos, die mich glücklich machten oder die ich hören wollte, aber zu denken gaben sie mir auch nicht!

Es verging nicht einmal eine Woche und ich besuchte – natürlich mit einer anderen Freundin – besagtes Lokal, in dem er arbeitete. Meine Nervosität war so groß, ich konnte mein Herz gegen meine Rippen hämmern spüren, als wir hineingingen. Ich blickte langsam zur Bar, mit dem verführerischsten Augenaufschlag, den ich zu bieten hatte und schmiss dabei kokett meine Haare nach hinten.

Und dann sah ich ihn – nicht! Natürlich war er nicht da! Fünfzehn Minuten und ein Anstandscocktail später waren wir auch schon wieder weg. Das Spielchen spielten wir dann insgesamt noch zwei weitere Male bis wir den richtigen Tag erwischten. Sprich, als wir das vierte Mal in dieses Lokal gingen, stand er wirklich hinter der Bar.

Das Spielchen spielten wir dann insgesamt noch zwei weitere Male bis wir den richtigen Tag erwischten. Sprich, als wir das vierte Mal in dieses Lokal gingen, stand er wirklich hinter der Bar.

Also nochmal von vorn: Ich blickte langsam zur Bar, mit dem verführerischsten Augenaufschlag, usw. Wir wurden mit einem süßen und kaum verständlichen „Griasds eich!“ begrüßt und die Servicedame geleitete uns zu einem freien Tisch. Er sprach einen doch sehr merklichen bayerischen Dialekt, aber nicht mal der machte es mir kaputt.

Nach einer Weile tuscheln und kichern, kam unsere Bedienung zurück, um unsere Getränkebestellung aufzunehmen. Natürlich hatte wir uns keine Gedanken gemacht, weil der Barkeeper viel wichtiger war als ein Getränk. So beschloss sie kurzer Hand den „Spezialisten“ direkt an unseren Tisch zu holen, damit er uns beraten könne.

Natürlich war der sogenannte Spezialist mein Objekt der Begierde! Dementsprechend nervös war ich, als er plötzlich vor mir stand und mich fragte, was ich denn gerne trinken wolle. Während ich also dabei war, halb im Boden zu versinken, antwortete ich kleinlaut „Longisland Icetea“…

Warum??? Warum zum Henker bestellte ich den stärksten und ekligsten von allen Cocktails?! Bei dem Gedanken daran muss ich mir immer noch an die Stirn fassen. Ich denke mal, ich wollte imponieren und zeigen, was für eine harte Sau ich bin, dabei hab ich mich einfach nur als totaler Vollhorst geoutet. Auch er war sehr unzufrieden mit meiner Bestellung, weigerte sich, mir den Drink zu machen und brachte mir einen Überraschungscocktail.

Nachdem ich also diese super peinliche Situation überstanden hatte, purzelte ich direkt in die nächste: Mehrere Drinks später stand ich vor dem Chef des Ladens und vereinbarte mit ihm einen Termin zum Probearbeiten. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber irgendwie dachte ich mir mit meinem Pegel, dass das ein super Plan wäre, um ihm näher zu kommen!

Mehrere Drinks später stand ich vor dem Chef des Ladens und vereinbarte mit ihm einen Termin zum Probearbeiten. Keine Ahnung, wie das passieren konnte.

Nun gut, im Laufe des Abends wurde natürlich noch einiges mehr getrunken, ein wenig rumgeshakert und – meiner Meinung nach – vielsagende Blicke ausgetauscht. Mein kleiner Rausch blieb leider nicht ganz unbemerkt, denn nicht nur mein zukünftiger Chef, sondern auch meine zukünftige Affäre stellten mir einige Wasser vor die Nase, was mir etwas unangenehm war.

Das Kennenlernen

Beim Probearbeiten einige Wochen später hielt ich mich natürlich sehr zurück. Als ich ankam, begrüßte ich die neuen Kolleg:innen mit einem Handschlag. Schnell wurde ich aber von meinem Schwarm eines Besseren belehrt, denn er akzeptierte meinen Handschlag nicht und gab mir links und rechts ein Bussi mit der Erklärung: „So mach mer des hier!“ Innerhalb von Sekunden schoss mir das Blut in den Kopf und ich wurde knallrot. Mein Herz ging so schnell wie das eines Kolibris und ich hatte einen schlimmen Schweißausbruch.

In einem so desaströsen Zustand startete also meine aller erste Schicht in dem Laden, in dem ich vier Jahre lang arbeiten sollte. Dieser Abend, der mindestens so alkoholreich war wie der erste, endete damit, dass ich all meinen Mut zusammennahm und ihm, als ich daheim war, eine Facebook-Freundschaftsanfrage schickte. Was für eine Heldentat!

Fränni hat während ihres Studiums der Germanistik viele Stunden in der Bibliothek verbracht, um (fiktive) Sex-Abenteuer, Männererlebnisse und biographische Frage zu formulieren und niederzuschreiben. Dabei gingen haufenweise Tender-Törtchen drauf. Viele ihrer Texte befassen sich mit dem Leben eines Singles in einer bayerischen Studentenstadt und die Hochs und Tiefs, die man, also sie dabei erlebt hat. Gerne mag sie es anzüglich, aber auch Herzschmerz gehört dazu. Ihre Besonderheit: ihre Größe (1,83m), ihr Opa-Lachen, ihr fränkischer Dialekt (wenn sie will) und ihre Brille. Mehr von ihr gibt es hier auf Instagram

Headerfoto: Marius Christensen via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

 

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