Der Anfang einer Affäre: Peinliche Annäherungsversuche und Begrüßungspannen

Teil 1 des Textes findest du hier: Wie ich den Mann meiner Träume kennenlernte

Ja, die erste Begegnung und das Kennenlernen mit ihm, dem Typen, der jahrelang einen viel größeren Stellenwert in meinen Leben hatte, als es für mich gesund gewesen wäre, waren sehr einschneidende Ereignisse.

Mein Kopfkarussell und meine Fantasie spielten ununterbrochen verrückt und die Tatsache, diesen schönen, aufregenden Mann nun wirklich mit seinem Namen begrüßen und sich unterhalten zu können, erlaubte mir den Gedanken, dass er mich vielleicht auch näher kennenlernen wollte und mehr …

Die Tatsache, diesen schönen, aufregenden Mann nun wirklich mit seinem Namen begrüßen und sich unterhalten zu können, erlaubte mir den Gedanken, dass er mich vielleicht auch näher kennenlernen wollte und mehr …

Gut, dazu müsste man aber in der Lage sein, diese Person auch wirklich begrüßen und sich unterhalten zu können – beides war mir in seiner Gegenwart schier unmöglich!

Erste Phase: Panik und Schweißausbruch

Ganz allgemein kann ich über mich sagen: Ich bin nicht total auf den Mund gefallen und dank meines Vaters habe ich auch ein sehr ausgeprägtes Sprachorgan, das man aus weiter Entfernung noch gut wahrnehmen kann. Fragt man meinen Ex oder andere Verflossene, würden die mich jetzt nicht als Mäuschen beschreiben, wohl eher als Elefant.

Kontra geben und unter allen Umständen auf das eigene Recht bestehen, zählen wohl auch zu Charaktereigenschaften, die mir zugeordnet werden können. Dementsprechend war es eine große Überraschung für mich, dass ich jedes einzelne Mal, wenn ich meine zukünftige Affäre gesehen habe, er den Raum betreten oder sich sonst wie bemerkbar gemacht hat, kein einziges Wort heraus bringen konnte. Es hat mir buchstäblich die Sprache verschlagen.

Es war eine große Überraschung für mich, dass ich jedes einzelne Mal, wenn ich meine zukünftige Affäre gesehen habe kein einziges Wort heraus bringen konnte. Es hat mir buchstäblich die Sprache verschlagen.

Aber wie soll man auch reden können, wenn sich der Kopf urplötzlich auf gefühlte 100 Grad aufheizt, als hätte ich ihn gerade aus dem Ofen gezogen. Die nächste Reaktion meines Körpers auf diesen Hitzeausbruch war die Färbung meiner Haut in ein sattes Purpur und der damit einhergehende Schweißausbruch schaffte es binnen Sekunden, meine Brillengläser langsam aufwärts beschlagen zu lassen. Derartige körperliche Überreaktionen waren mir ebenso neu und gehörten sodann zu jeder Begrüßung dazu.

Zweite Phase: Der Crash mit dem Crush 

Leider war das nur der Anfang. Wenn dieser Zustand nach einer halben Ewigkeit endlich wieder abgeklungen war, wurde es erst so richtig peinlich – denn dann kam die eigentliche Begrüßung! (Wobei man das nicht wirklich so bezeichnen kann.)

Wie war das noch mal? Bussi links und Bussi rechts oder Bussi rechts und dann links? Oder doch lieber eine High Five? Oder am besten eine Umarmung, weil ich persönlich eigentlich gar kein Bussi-Typ bin?

Wie war das noch mal? Bussi links und Bussi rechts oder Bussi rechts und dann links? Oder doch lieber eine High Five? Oder am besten eine Umarmung, weil ich persönlich eigentlich gar kein Bussi-Typ bin?

Eine Mischung aus allem geht auf jeden Fall ganz schön daneben, das kann ich nun retrospektiv aus eigener Erfahrung sagen: Er will mir eine High Five geben, ich will ihn umarmen, er denkt Bussi links und rechts und am Ende ist es ein unangenehmes Gegeneinander-Stolpern mit vielen „Ähms“, „Upsis“ und „Sorrys“.

Er will mir eine High Five geben, ich will ihn umarmen, er denkt Bussi links und rechts und am Ende ist es ein unangenehmes Gegeneinander-Stolpern mit vielen ‘Ähms’, ‘Upsis’ und ‘Sorrys’.

Hier ein kleiner Funfact: Es hat ungefähr 1,5 Jahre gedauert, bis wir es geschafft haben, uns ganz normal zu begrüßen – wir haben uns letzten Endes für die Umarmung entschieden.

Dritte Phase: Small-Talk

Nein, auch an dieser Stelle kann man noch nicht aufatmen und hoffen, dass es das jetzt gewesen ist. Nun ist die zweite Phase meiner Verhaltensstörung – ja, ich denke, dass man das so bezeichnen könnte – beendet, daher stürze ich mich mit Vollgas direkt in die dritte Phase: der Small-Talk!

Da ich immer noch in einem Zustand vollkommender Sprachlosigkeit verharre, ist die dritte Phase so ziemlich die schlimmste. Um es mit den Worten einer Freundin zu sagen, die versehentlich einmal dabei stand: „Ich möchte das nächste Mal lieber im Boden versinken, als mir dieses Trauerspiel noch einmal anhören zu müssen!”

Dieses Zitat kommt zwar aus der Endphase meiner Affäre, aber es trifft, denke ich, generell den Nagel auf den Kopf. Bevor mir nämlich ein fehlerfreier Satz gelang, war ich zu Beginn nur in der Lage zu stammeln.

Was so klang wie der Anfang eines verbalen Schlaganfalls, waren die Versuche ein Gespräch zu starten.

Was also so klang wie der Anfang eines verbalen Schlaganfalls, waren die Versuche ein Gespräch zu starten. Dabei kamen so schlaue Wortschöpfungen heraus, wie „das ist ja gool“ (Mischung aus geil und cool) oder „echt litzig“ (Mischung aus lustig und witzig).

Retrospektive

Dieses Drei-Phasen-Modell hat leider eine lange Zeit zu der Standardbegrüßung zwischen uns gehört. Ich habe mich selber nicht wiedererkannt, denn es ist mir davor nie passiert, dass ich entweder nur Blödsinn oder auch einfach gar nichts sagen oder antworten konnte. Auf Sprüche von ihm sind  mir dann gute Antworten oft erst am nächsten Tag eingefallen und währenddessen habe ich nur dämlich gegrinst und sowas wie „haha, gool“ oder „litzig“ von mir gegeben.

Ich habe mich selber nicht wiedererkannt, denn es ist mir davor nie passiert, dass ich entweder nur Blödsinn oder auch einfach gar nichts sagen oder antworten konnte.

Er wusste während der ganzen Zeit ganz genau, was für eine Wirkung er auf mich hatte und des öfteren spielte er auch gerne damit. Meist lächelte er immer nur mit seiner typischen Mischung aus Überlegenheit, Amüsiertheit und Sexiness, die mir weiche Knie bescherte!

Rückblickend betrachtet weiß ich, dass auch ich eine gewisse Wirkung auf ihn hatte, aber aufgrund meines Totalausfalls jedes Mal ist mir nicht mal ansatzweise aufgefallen, dass auch er ein wenig nervös wurde.

Rückblickend betrachtet weiß ich, dass auch ich eine gewisse Wirkung auf ihn hatte, aber aufgrund meines Totalausfalls jedes Mal ist mir nicht mal ansatzweise aufgefallen, dass auch er ein wenig nervös wurde.

Fränni hat während ihres Studiums der Germanistik viele Stunden in der Bibliothek verbracht, um (fiktive) Sex-Abenteuer, Männererlebnisse und biographische Frage zu formulieren und niederzuschreiben. Dabei gingen haufenweise Tender-Törtchen drauf. Viele ihrer Texte befassen sich mit dem Leben eines Singles in einer bayerischen Studentenstadt und die Hochs und Tiefs, die man, also sie dabei erlebt hat. Gerne mag sie es anzüglich, aber auch Herzschmerz gehört dazu. Ihre Besonderheit: ihre Größe (1,83m), ihr Opa-Lachen, ihr fränkischer Dialekt (wenn sie will) und ihre Brille. Mehr von ihr gibt es hier auf Instagram

Headerfoto: Jonah Brown via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.