Von meinem Leben als Hochsensible

Unsere Jule Müller hat neulich einen zum Besten gegeben. Mit ihrem Artikel „Ich bin nicht depressiv, ich bin introvertiert, danke der Nachfrage“, erreichte sie viele Leser, die ihr Schicksal in Sachen zwischenmenschlicher Reserviertheit teilen. Mich hat der Artikel auch tief bewegt, nur bin ich das komplette Gegenstück zu Jule Müller und ihrem Club der Introvertierten. Ich bin extrovertiert. Ich bin aber noch etwas anderes und das ist mit Abstand mein bestgehütetes Geheimnis: Ich bin hochsensibel.

Jeder Mensch, der hochsensibel ist, kämpft sich durch den Alltag. Hochsensibel sein bedeutet, dass vieles im Leben sehr anstrengend ist, vor allem deswegen, weil man selbst sehr anstrengend ist. Dabei wurde mir schon unterstellt, ich sei hysterisch, neurotisch und irgendwie egozentrisch. Sätze wie „Nimm dir das doch nicht so zu Herzen“ oder „Stell dich nicht so an“ begleiten mich schon mein ganzes Leben. Oft wurde dabei mein Selbstwertgefühl in Mitleidenschaft gezogen. Zu lernen, mein hochsensibles Wesen zu kontrollieren, empfinde ich persönlich als meine größte Errungenschaft.

 

Ich bin keine Diva, ich bin überfordert

Menschen wie ich reagieren sehr empfindlich auf den eigenen Körper und ihr gesamtes Umfeld. Jeden Tag findet bei mir eine sogenannte Reizüberflutung statt. Ich bin zum Beispiel sehr licht- und geräuschempfindlich, weshalb ich immer mit dem Kopf nach unten laufe, um nicht durchzudrehen wegen allem, was ich bis ins kleinste Detail wahrnehme. Wenn ich mit jemandem die Straße entlanglaufe und dieser vorschlägt, die Straßenseite zu wechseln, weil da mehr Sonne ist, dann ertönt in meinem Kopf ein lautes Klirren. Ich möchte nicht behaupten, ich wäre kein Freund des Sommers, aber wenn im Winter schon um 17 Uhr die Straßenlaternen angehen, fange ich erst an, mich draußen wohl zu fühlen. „Können wir vielleicht die Musik ein wenig leiser drehen?“, oh Mann, das sind leider Leute wie ich.

In der Regel geht Sensibilität einher mit diesem „sehr dünnhäutig“ sein. Meistens trifft das auf eher introvertierte Typen zu. Es macht Sinn, weil diese kleinen Sensibelchens ohnehin menschenscheu sind. Quatsch! Ich bin sozial sehr extrovertiert, umgebe mich ständig mit Menschen. Überhaupt bin ich die Königin aller Small-Talk-Dynastien, auch wenn sich mein ganzes Gedanken- und Gefühlsverhalten auf mein Inneres bezieht.

Wenn es beispielsweise Streit gibt, dann nagt das oft tagelang an mir. In meinem Kopf versuche ich dann, Dinge zu analysieren, lese noch mindestens vier Mal einen Chatverlauf, um zwischen den Zeilen zu lesen, wo das (eigentliche) Problem liegen könnte. Sobald ein Streit eskaliert, explodiert alles in mir und ein Fluchtinstinkt wird freigesetzt. Ich renne dann weg. Für viele hat das etwas von einer Diva, dabei ist das eigentlich nur eine verzweifelte Reaktion darauf, dass ich gerade mit den Emotionen von der Person mir gegenüber und meinen eigenen nicht umgehen kann. Man stelle sich einen Topf mit Wasser vor, das langsam erhitzt wird. Es fängt an, zu dampfen und zu sprudeln. Wenn zu viel Wasser im Topf ist, läuft es über. So auch meine Gefühle. Ich bin dann aber Topf und Wasser gleichermaßen.

 

Ganz besondere Superkräfte

Als Hochsensible bin ich äußerst empathisch veranlagt. Ich empfinde das mittlerweile als meine persönliche Superkraft. In einem Raum voll mit Menschen spüre ich intuitiv, wem es heute nicht so gut geht oder wer bestens drauf ist. Ich nehme Stimmungen wahr, dabei belastet mich das Unwohlsein anderer immens. Mitleid gehört nämlich zu meinen stärksten Emotionen. Egal, ob der fremde Typ in der Bahn auf Krücken oder die Freundin, die gerade eine Trennung durchmacht. Selbst wenn eine Bekannte nur von einem Freund spricht, der gerade einen Unfall hatte, zwingt mich das emotional auf die Knie.

Wenn sich jemand über etwas wahnsinnig freut, fühle ich das auch. Demnach war ich schon fünf Mal schwanger, habe einen Doktor in Bio-Chemie, stand am Grand Canyon und habe quasi etliche andere Glücksmomente selbst miterlebt. Es ist ein bisschen wie beim Public-Viewing. Für viele ist der Jubel beim Elfmeterschießen, wenn der Ball ins Tor geht, magisch. Das Gefühl der Masse ist elektrisierend und steckt dann an. Ich kann das bei einer einzigen Person schon empfinden, bei einer guten Story vom Wochenende. Jeder Mensch, dem ich in meinem Leben begegne, hinterlässt damit einen Fingerabdruck auf meiner Seele. Superkraft, sag ich doch!

Vor einigen Jahren konnte ich es nicht ertragen, wenn ich gespürt habe, dass mich jemand nicht mag. Für viele ist das sehr befremdlich. „Hä, mir doch egal, was andere über mich denken“, sind für mich die ganz großen Gewinner. Es muss das befreiendste aller Gefühle sein, wenn man nicht ständig versucht, sich in andere Leute hineinzuversetzen. Heute bin ich voll okay damit, weil ein Ich-kann-es-nicht-allen-recht-machen zu meinem Mantra geworden ist. Schon lange beziehe ich nicht mehr ständig alles nur auf mich. Gut, dass ich als Extrovertierte viel Zeit mit anderen verbringe und bereit bin von ihnen zu lernen. Am meisten Einfluss haben dann die: „Ach, das wird schon alles irgendwie laufen.“ Warum?

 

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

Ich kann nur ganz schwer Dingen sorgenfrei gegenübertreten. Vor allem deswegen nicht, weil ich zu viele Faktoren in meinen Denkprozess mit einbaue. Alles, was potenziell schief gehen oder gelingen könnte, spult sich vor meinem Auge ab. Stehe ich vor wichtigen Entscheidungen, ist es mir manchmal unmöglich, eine zu treffen. Ich teile meine Möglichkeiten dann meistens mit Freunden und Familie, weil ich auf die Klarsicht anderer angewiesen bin. Sowieso benötige ich als Hochsensible viel Feedback und Lob. Wenn mir jemand nicht sagt, das hast du gut gemacht, denke ich schnell, ich habe es falsch gemacht. Für die Abschaffung von Komplexen spreche ich mich schon seit Jahren aus.

Ich bin in vielen Situationen sehr unsicher, was für manche Menschen überhaupt nicht ersichtlich ist, weil ich natürlich als Extrovertierte die ganze Palette der starken, immer gut gelaunten Unterhaltungsmaschine bediene. Ich laber deswegen auch so, wie die Sätze halt gerade kommen. Oft irritiert es Menschen, wenn ich sie mit meiner Direktheit konfrontiere. Umgekehrt kann ich selbst nur schlecht mit Kritik und Komplimenten umgehen. Vor allem nicht mit Kritik. Wenn man allerdings anfängt, seine Fehler zu gestehen und bereit ist, sich für diese zu entschuldigen, passieren Wunder. Es ist verrückt, was Leute einem alles so verzeihen. Kann man ruhig mal ausprobieren.

Zu beschreiben, was genau in meinem Hirn abgeht, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Besonders für Leute wie mich, die alles in ihrer gesamten Komplexität greifen wollen. Denn kein Detail darf in meinen Überlegungen vernachlässigt werden. Ich stelle damit automatisch an mich selbst hohe Erwartungen. Auch wenn es unglaublich sexy wäre, aber hochbegabt bin ich übrigens nicht. Diese Sorte Mensch kommt nämlich recht zügig zu einem Ergebnis. Deswegen bin ich eigentlich der Alptraum einer jeden Redaktion. Schnell mal eben was tippen oder redigieren ist bei mir nicht ohne Weiteres drin. Nicht, weil ich Sachverhalte nicht schnell erfasse, ganz im Gegenteil, ich sondiere zusätzlich jedes Detail, kann deshalb auch sehr vorausschauend denken, komme zu super Ergebnissen, nur brauche ich eben sehr viel mehr Zeit, diese dann einzuordnen. Deadlines sind damit meine Lifeline. Ohne Planung geht bei mir nichts.

 

Baby, geh noch nicht

Liebesmäßig sind Hochsensible die absoluten Beziehungskiller. Ich habe viele großartige Männer in den letzten Jahren mit all den genannten Punkten erfolgreich vergrault. Verwirrung auf männlicher Seite, wenn ein „Ich bin verliebt“ zu schnell fiel. Quasi von mir für euch getestet: Kommt nicht so gut an. Mich hat die Zurückweisung dann ebenfalls verwirrt, weil wir ja genau dasselbe zusammen erlebt haben, deshalb muss es ja eigentlich auch klar sein, dass wir dasselbe fühlen. Nein, ganz und gar nicht. Hochsensible sind natürlich mit ihren Gefühlen viel schneller. „Ich bin noch nicht da, wo du bist“ ist schmerzlich zu hören, aber absolut verständlich. Geduld von meiner Seite ist erforderlich und Nachsicht auf der anderen Seite gewünscht.

Denn diese feurigen Emotionen überfordern nicht nur mich, sondern natürlich auch denjenigen welchen. „Ich benötige sehr viel Schutz und Sicherheit“, sind ja nun wirklich nicht die attraktivsten aller Aussagen, die man am Anfang einer Beziehung so von sich geben sollte. Sobald ich mich allerdings sicher fühle, ist alles paletti. Dazu gehört, dass ich die schönen Momente des Alltags ganz intensiv wahrnehme. Ich brauche keine Blumen am Valentinstag, mir fällt auf, wenn du extra wegen mir das Fenster schließt, weil da draußen der Vogel ein Solo-Konzert gibt. Ich bin zu tiefen und aufrichtigen Gefühlen fähig. Ich sehe nicht den Partner, der mich glücklich machen soll, sondern den Menschen. Zu oft gedacht, aber nie gesagt. Schade Schokolade.

 

Strategien entwickeln leicht gemacht

Wegen der Kiste mit der Extrovertiertheit und Hochsensibilität musste ich lernen, mich zu zügeln, auch mal eine Pause einzulegen. Ich weiß mittlerweile, wie wichtig es ist, sich mit all seinen Fehlern zu akzeptieren. Auch mal die eigene Verletzlichkeit nach außen sichtbar zu machen und die Wellen von Angstgefühlen zu reiten. Ich ertrage nun öfter laute Musik oder wechsel mit rüber auf die sonnige Straßenseite. Ich risikiere. Und wenn das Universum spricht, dann halte ich die Klappe.

Es gilt, für sich zu erkennen, was so die typischen Stressfaktoren sind. Die Kunst ist es, Strategien zu entwickeln, die es einem leichter machen, da draußen zu überleben. Dabei sollte man aber unter gar keinen Umständen seine herrlichen Eigenarten unterdrücken. Mal ehrlich, das macht doch einen Menschen erst so richtig interessant. Ein Anfang wäre, sich mehr zu trauen, von diesen Dingen zu erzählen.

Habe ich ebenfalls vor Kurzem mal getestet … Ich so: „Ey, ich bin hochsensibel, du musst mir noch mal genau erklären, was du gerade meinst, sonst fang ich vielleicht an zu weinen.“ Und er so: „Mach ich gerne. Ich habe eine Zwangsstörung. Kann sein, dass wir vorher noch mal den Herd checken gehen müssen.“ Einander zuwenden, nicht abwenden: das ist für mich das Wesen der Liebe.

Geht es dir ähnlich wie Judith? Hast du auch schon mal zu schnell „Ich liebe dich“ rausgehauen? Und besitzt du auch eine besondere Superkraft, von der du früher dachtest, sie wäre deine größte Schwäche?

Headerfoto: Mädchen am Bahnhof via Shutterstock.com. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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29 Comments

  • Ich habe mich in dem Text an einigen Stellen zu 100 % wiedergefunden. Mir ist vorher nur nie durch den Kopf gegangen, dass das nicht „normal“ sein könnte. Für mich war klar, dass ich mir halt viele Gedanken um alles mache und in Konfliktsituationen lieber weglaufe, als für mich einzustehen. So bin ich eben. Aber ich glaube ich werde mich mit dem Thema nun mal etwas intensiver beschäftigen.

    Zufällig heiße ich auch Judith. Meinst du, dass wird einem automatisch mit dem Namen „vererbt“? 😉

  • Auch ich habe lange gebraucht, um meine Hochsensibilität und Hochempathie zu akzeptieren und lerne gerade, nicht immer auf stumme Signale anzuspringen. Folge: die sogenannten „Freunde“ haben sich verabschiedet weil ich „arrogant“ und „komisch“ geworden bin. Hätte zu gern Austausch mit anderen Leuten, denen es ähnlich geht.
    In meinem Umfeld wird das Thema belächelt. Danke für Leute wie dich, die sich zu zeigen trauen.

  • Vielen Dank für diesen Artikel, von dem ich wünschte, er stammte von mir 🙂 Ich habe erst vor Kurzem, im zarten Alter von 40, erfahren, dass es für meine Gefühle / Art und Weise / Schwäche / Stärke einen Begriff gibt. Und je mehr ich jetzt darüber lese, desto erstaunter und erleichterter bin ich. Jahrelang habe ich an meiner Angststörung rumgedoktort, die ich mit Sicherheit habe, die aber einfach der Reizüberflutung entspringt. Jetzt kann ich mir endlich denken: ich bin gar nicht so bekloppt, ich bin nur anders 😀

  • Liebe Judith und ihr lieben anderen.

    Ihr sprecht mir aus der Seele. Eine Freundin hat mir letztes Jahr über HPS erzählt und ich kann mich so sehr damit identifizieren. Endlich macht soviel Sinn und ich fühl mich nicht mehr so fehl in dieser Welt. Superkraft ist ein tolles Wort für unsere Fähigkeit. Muss ich mir merken. Danke, für deinen Artikel 🙂

  • Danke dir unglaublich für diese Worte. Denn ich habe es jahrelang als einen Fluch empfunden und lerne erst seit 1 oder 2 Jahren es auch als Superkraft zu sehen. Und ich verwende auch genau dieses Wort dafür.
    Denn es ist irre aber irre gut auch wenn es anstrengend ist, weil es auch irgendwie eine kleine Gabe ist. Denn es kann wirklich nicht jeder so empfinden. In anderen Kulturen wären wir vielleicht Gurus:)
    Dir wünsche ich weiterhin von Herzen viel Kraft für diese Gabe und enorm viel Spaß.
    Superhelden unter sich:)

  • Dieser Artikel spricht mir so sehr aus dem Herzen, ich danke dir sehr dafür! 🙂 Ich kenne diese ganzen Situationen so unglaublich gut. Ich jahrelang immer es würde daran liegen, dass ich Krebs bin, bis mir jemand gesagt hat, dass er glaubt ich wäre hochsensibel. hat sich heraus gestellt er hatte recht. 😀 …naja, ich sag den Leuten trotzdem als Begründung für alles an Liebsten: Ich bin Krebs – ich darf das! 😀 …glaub auch, dass das viel mit dem Sternzeichen zu tun hat… würde mich nicht wundern, wenn unter den Hochsensiblen eine erhöhte Quote der Sternzeichen Krebs und Fische zu finden sind. 😉 …und falls du mal ein richtig gutes Horoskop lesen möchtest, kann ich dir die Seite http://www.schicksal.com/Horoskope/Jahreshoroskop/Jahreshoroskop-2017 empfehlen. 🙂
    Ich wünsch dir für dein Leben weiterhin alles gut und viele wunderschöne Momente zum Hineinfühlen! 🙂

    Sarah

  • Hallo Judith,

    ich bins nochmal…
    Bei einem Satz muss ich Dir widersprechen:
    „Auch wenn es unglaublich sexy wäre, aber hochbegabt bin ich übrigens nicht. Diese Sorte Mensch kommt nämlich recht zügig zu einem Ergebnis.“

    Auch bei Hochbegabten kommt es nicht selten vor, dass diese lange Zeit zum Entscheiden brauchen, weil sie einfach zu viele Parameter miteinbeziehen möchten – und immer wieder diese Iteration…

    Ich korrigiere:
    „Auch wenn es unglaublich sexy wäre, aber HÖCHSTbegabt bin ich übrigens nicht. Diese Sorte Mensch kommt nämlich recht zügig zu einem Ergebnis.“

    Es gibt nochmal einen Unterschied zwischen hoch- und höchstbegabt.

    Hier ist übrigens ein Artikel, der für dich interessant sein könnte:
    http://begabt-sensibel.blogspot.de/2016/08/auch-mitten-in-erfolgreichen.html?spref=tw
    –> Hier unbedingt auf den enthaltenen Link zum „INDEPENDENT“ klicken, dort wird sehr anschaulich erklärt, warum das alles so ist, wie es ist…

    Ach so – ich bin übrigens Rechtschreibfetischist. Im letzten Unterkapitel „Strategien entwickeln leicht gemacht“ hast du bei „Hochsensibilität“ einen Buchstabendreher drin.

    So – das wars aber jetzt von meiner Seite 🙂

    Alles Gute Dir,
    Julia

  • Vielen Dank für diesen herzerfrischenden Artikel, Judith. Ich habe mich schlapp gelacht über die Pointe :-)) Das wird heute noch länger für Erheiterung sorgen …

    Ich bin bekennende HSP und finde es am besten, sich möglichst oft zu outen um anderen die Gelegenheit zu geben, von Hochsensibilität zu erfahren und vielleicht auch, sich wiederzuerkennen.

    Meine Superkraft ist die Intuition und Empathie. Da ich als Coach arbeite, kommt das nur gut. Allerdings habe ich sehr lange gebraucht, um die Intuition wirklich ernst zu nehmen. Jetzt habe ich aber gemerkt, je ernster ich sie nehme, umso mehr wächst sie. Schön!

    Viel Erfolg noch für dich. Liebe Grüße, Monika

  • Stärkender beschwingter Blogbeitrag von Dir, Jule

    Die beiden Persönlichkeitseigenschaften Extrovertiertheit und Hochsensibilität zusammen zu bekommen, finde ich, ist auch für mich wie eine „Lebensaufgabe“ 😉

    Wie ist dies erst für meine umgebenden Mitmenschen?

    Genau…, ich besitzet nämlich eine besondere „Superkraft“!!!

  • Liebe Judith,

    ein ganz wunderbarer und authentischer Beitrag – ganz lieben Dank dafür 🙂

    Du schreibst da zu 98% über mich – ich finde mich wieder in ganz, ganz vielen Dingen.

    Nicht zuletzt ist da die holistische Denkweise, mit der man alles einbezieht und verknüpfen möchte, was man schon weiß und noch nicht weiß.

    Ein großes Geschenk ist das Bewusstsein unserer Superkraft – alleine dieses hat mir zu einem gesunden Selbstvertrauen verholfen. Ich bin zwar noch auf dem Weg, alles zu Sortieren und mein Leben damit abzustimmen, aber ich bin auf einem sehr guten Weg.

    Ich wünsche Dir weiterhin alles, alles Gute – vielleicht hast du ja mal Lust, auf meinem Blog vorbeizuschauen. Ich würde mich sehr freuen:
    https://hochsensibel1753.wordpress.com/herzlich-willkommen/

    Liebe Grüße,
    Julia

    PS.: Es könnte für dich interessant sein zu wissen, dass es die Begriffe HSS (High Sensation Seeker) oder auch Scanner gibt. Da könntest du noch weitere Infos für dich finden…

  • Vorab, sehr schön geschrieben. Das Thema Hochsensibel ist für mich sehr neu. Ich bin Mutter zweier Söhne und mein großer 7 Jahre ist auch Hochsensibel. Ich habe lange gebraucht bis ich es erkannt habe. Für mich ist es extrem schwierig mir immer wieder ins bewusst sein zu rufen, dass ich nicht mit ihm umgehen kann wie mit meinem zweiten Sohn. Da ihr im Thema seid brauche ich ihn nicht zu beschreiben, ich brauche aber Tipps die es mir und ihm einfacher machen im Leben. Kann ich als Mutter auch offensiv auf Lehrer und anderen Eltern zu gehen und ihnen das sagen? Was kann ich machen? Was soll ich machen? Ich lese viel darüber und versuche nach Instinkt zu handeln. Manchmal geht es aber auch echt daneben, da handel ich oft gestresst, verständnislos und teilweise auch gereizt. Bin hinterher oft wütend auf mich selbst, weil ich es hätte besser wissen müssen.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr mir als Mutter weiterhelfen könnt. Ich möchte ihm einen guten Start ins eigene Leben bieten, damit er auch weiß wie er mit sich selbst umgehen kann und wie er am besten in seiner Welt mit meiner Welt zurecht kommt.
    Vielen Dank.

    • Hallo. Ich weiss nicht ob ich dich hier erreiche, aber ich habe auch zwei Söhne. Und mein grosser und ich sind auch hochsensibel.
      Bräuchte auch Tipps….

      • bin selbst HSP extrovertiert in einer HSP-Familie 🙂 meine Tochter ist fast 9,
        auch HSP introvertiert. Ich bin vor etwa 6 Monaten durch Zufall drauf gestossen und beschäftige mich seit dem sehr intensiv damit… wir können uns gern mal austauschen facebook.com/steffidesign4u

  • Oh Mann! Je mehr ich gelesen habe, um so mehr konnt ich jeden Punkt innerlich abhaken und feststellen….das bin total ich! Irgendwie schön aber auch irgendwie scary 😃 Mit den Jahren hab ich mich in einigen Dingen auch angepasst…mal riskiert. Aber in vielen Dingen auch einen Schritt zurück gegangen und für mich rausgefunden….so gehts mir besser…. Wunderbar geschrieben und völlig auf den Punkt getroffen! Danke emotionaler Zwilling 😄

  • Am liebsten möchte ich deinen Artikel ausdrucken und ihn überall hinhängen, damit möglichst viele Menschen ihn lesen können und vielleicht ansatzweise versuchen können, zu verstehen was da so alles in unseren Köpfen abgeht, denn ich finde es nach wie vor sehr schwierig, auf Verständnis zu stoßen und nicht mit einem „Ach du bist doch bloß empfindlich/du stellst dich aber auch an“ abtean zu werden. Danke für diesen wunderbaren Artikel!

  • Danke dir Judith, vor allem für den letzten Absatz..einander zuwenden statt abwenden, da bin ich ganz bei dir. Ich bin extrem hochsensibel und auch noch hochbegabt, und erlebe es seit vielen Jahren als Fluch und Segen. Je nachdem, ob ich diese Gaben nutzen kann oder sie vom Umfeld abgelehnt werden. Meine Hochsensibilität kam erst Anfang 40, also vor 14 Jahren zum Vorschein…vorher war ich von meinen Gefühlen aus bestimmten Schutzgründen unbewusst total abgespalten. Heute helfen mir helfen viel Ruhe, Schlaf, Zeit in der Natur und vor allem viel Gebet. Dort finde ich alles was ich brauche, damit es mir gut geht. Und andere Menschen lade ich auch immer dazu ein, wenn ich Störungen wahrnehme…also eigentlich immer 🙂 Ich habe auch eine Verbindung zwischen Hochsensibilität und erlebtem Missbrauch in der Kindheit (auf verschiedene Weisen) bei mir und vielen anderen Menschen erlebt, da hochsensible Menschen durch ihre natürlicherweise, offene, mitfühlende Art oft von anderen benutzt werden, ohne dass es Ihnen, den Hochsensiblen bewusst war (als Kind) Dies führt zwangsläufig später dazu, dass solche Muster noch immer in uns wirken. Jedenfalls bin ich ganz bei Euch allen hier…es ist mehr als anstrengend in einem Umfeld zu leben, dass nicht auf Sensibilität ausgerichtet ist, was ja eigentlich unsere wahre Natur (aller) ist…wir sind nicht krank oder falsch…das Umfeld passt nicht und ich arbeite daran, das zu verändern und die richtigen Rahmenbedingungen für Sensible und Hochsensible Menschen mit zu gestalten. Im eigenen kleinen Heim wie im Bewusstsein der Menschen, die ich erreichen kann. Wir brauchen alle Schutz und Geborgenheit und Sicherheit im eigenen Inneren (das bekommen wir durch ehrliche Gebete am besten in Gemeinschaft ) und dann formt sich diese Welt auch im Aussen….so funktioniert das Ganze 🙂
    Alles Liebe und Gute allen hochsensiblen Menschen hier und auch denen, die uns für unsere Besonderheit lieben und achten und wertschätzen…denn wir haben etwas, das andere nährt und inspiriert…und Andere, die es nicht haben, können davon profitieren und uns unterstützen….ich finde es eher anstrengend wenn Menschen nicht sensibel genug sind….und sage es ihnen bei Bedarf auch….

  • Whaaa, es ist fast gruselig diese Zeilen hier zu lesen. Bei jedem Satz musste ich heftig nicken und immer wieder „Ja verdammt! Wie bei mir!!!“ rufen.
    Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass ein offener Umgang mit diesen Empfinden eher zu noch weniger Verständnis bei anderen führt. „Jaja hochsensibel, wo hast du das wieder gelesen? Jetzt hast du das natürlich auch“ und ähnliche Reaktionen sind leider eher die Regel als die Ausnahme. Also rede ich eher nicht so gerne darüber. Aber gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die das nicht ins Lächerliche ziehen und einen ernst nehmen. Anyway, toller Text, ich bin immer noch ganz berührt davon. <3

    • Ein schöner Artikel, sehr ehrlich! Und ein spannendes Thema.

      Dennoch beschleicht mich der Gedanke, dass es sich hier eher um eine Abhängigkeit handelt. Die Suche nach dem Glück in äußeren Faktoren (bei anderen Menschen, in der Gesellschaft, im „Status“) anstelle einer Hinwendung zum Selbst (Inneren), geht meiner Meinung nach oft mit vielen der genannten Verhaltensweisen einher. An eine Zweiteilung in extrovertierte und introvertierte Menschen glaube ich nicht- das mag logisch klingen, erscheint mir aber zu simpel. Wenn der Außenfokus zu groß wird, sind viele Menschen früher oder später überfordert. Mit Persönlichkeitsmerkmalen oder Temperament hat das erst einmal nichts zu tun, ich denke eher mit der Tatsache, dass man externen Faktoren zu viel und internen Faktoren zu wenig Aufmerksamkeit zukommen lässt. Wo wir wieder bei der Zweiteilung und ihrer Gefahr wären: Wenn ich mich selbst als extrovertierten Menschen bezeichne, schränke ich mich ein, betone ich, dass ich vor allen Dingen existiere, weil mich andere wahrnehmen- weil andere auf mich reagieren. Das ist falsch- und abhängig. Eine geeignete Strategie sehe ich eher in einem Aufbruch dieses falschen Glaubensmuster.

      Ich BIN auch unabhängig von anderen, ich existiere auch ohne wahrgenommen zu werden. In extremer Form als sehr introvertierter Mensch. Wichtig ist: was mache ich mit diesem Wissen? Wie lebe ich damit und was könnte ich in meinem Alltag ändern, wenn ich dieses Wissen berücksichtige? Diese Fragen sind für mich an dieser Stelle wichtiger als eine Selbstdiagnose- nicht, weil ich nichts von Selbstdiagnosen halte sondern weil sie mich nicht zum eigentlichen Problem führt. Sie lenkt mich ab- in dem ich wieder nach einer Bestätigung im Außen suche, in einem „Phänomen“- das „Phänomen der hochsensiblen Persönlichkeit“. Daher halte ich es auch für keine effiziente Strategie, nun eine Vielzahl von Mitmenschen an meinem Seelenleben teilhaben zu lassen, auch wenn es mutig und aufrichtig ist. Vielleicht ist es gerade das, was mir zur Abwechslung nicht hilft. Vielleicht hilft es mir, mehr auf meine innere Stimme zu hören und danach zu leben. Menschen die das ausleben haben keine mystische Gabe, sie haben vielleicht lediglich gelernt, sich aus sich selbst heraus zu bestätigen. Dass das schwer ist in einer Gesellschaft, in der die eigene Inszenierung immer essentieller wird ist fast überflüssig zu erwähnen.

      Ich bin mir unsicher, ob ich mit dem Teilen meiner Emotionen und meiner Wahrnehmung, so wie im Artikel als Strategie vorgeschlagen, wirklich mir selbst helfe- oder nicht eine weitere Idee aus meinem (vermeintlichen) Extrovertierten-Repertoire hervorzaubere, die mir am Ende nicht hilft. Es ist eigentlich ganz egal, ob ich mich als extrovertierten oder introvertierten Menschen bezeichne- mit dieser Bezeichnung hebe ich eine gesellschaftliche Positionierung hervor- und in meinem Empfinden ist es genau das, was die Autorin überfordert. Und kann somit keine geeignete Lösungsstrategie sein.

      • Hallo Anna,

        in einem gebe ich Dir recht – man muss auf seine innere Stimme hören.

        Und dann halte ich es mit den Schubladen, wie z.B. Extrovertiert/Introvertiert oder Hochsensibel/Normalsensibel folgendermaßen:

        Hab ich für mich eine Schublade gefunden, wie z.B. die Schublade der Hochsensibilität und ich finde mich darin wieder und bekomme Tipps an die Hand, wie ich meine Lebensqualität verbessern kann, dann ist das doch eine gute Sache. Dies ist ein aktiver Vorgang, den ich selbst in Gang setze.
        Werde ich hingegen von anderen in eine Schublade gesteckt, urteilen also andere über mich selbst, ich bin nur passiv und kann nichts gegen diese Einteilung machen. Ich bin machtlos.

        Dann noch eines: Für hochsensible Menschen – ca. 15-20% aller Menschen sind betroffen und darunter finden sich ca. 70% Introvertierte und 30% Extrovertierte – ist es ein Segen, wenn ihr Innenleben ernst genommen wird und sie darüber sprechen oder schreiben können. Ansonsten verbiegen sich sehr viele, passen sich an, leben gegen ihr eigenes Naturell und werden, wenn es ganz blöd läuft, sogar krank.

        Deshalb finde ich Schubladen eine prima Sache, sofern ich mich selbst hineinstecken darf 🙂

        Liebe Grüße,
        Julia

    • Hallo,

      wem und wann man von seiner Hochsensibilität erzählt, sollte man sorgfältig abwägen. Es immer nur herauszuposaunen, finde ich nicht immer passend.

      Man kann z.B. auch einfach nur seine eigenen Bedürfnisse kommunizieren, ohne den Begriff der Hochsensibilität überhaupt zu verwenden:
      https://hochsensibel1753.wordpress.com/2015/08/02/hochsensibilitaet-erklaeren-ja-nein-wieso-wieso-nicht-wem-und-ueberhaupt/

      Erst als ich mir ganz sicher war, was Hochsensibilität überhaupt ist und ich mir der Sache sehr sicher war, war ich mutig genug, die Erklärung entsprechend zu platzieren.

      Viele Grüße,
      Julia

  • 10 von 10 🙂 Bin vor Kurzem auch darauf gestoßen und lebe dadurch etwas (!) entspannter. Komisch ist es trotzdem, aber ich hab den perfekten Beruf (Grafikdesign) und da fällt es nicht so auf. Im Gegenteil, ich kann mich so richtig austoben, und werde dafür auch noch bewundert. Privat sieht das anders aus – gut für’s Kind, schlecht für den Mann – manchmal auch umgedreht. Egal, man muss halt Prioritäten setzen und unsere Superkräfte gezielt einsetzen ^^

    • Liebe Steffi,
      das ist jetzt vielleicht etwas mit der Tür ins Haus, ich versuch es aber trotzdem 🙂
      Ich habe mich in vielen Dingen aus Judiths Artikel wiedererkannt. Und bin dann über Deinen Kommentar gestolpert. Ich bin auch Grafikdesignerin, auch hochsensibel, seit kurzem selbstständig. Allerdings habe ich noch nicht gelernt, meine Hochsensibilität positiv für meine Arbeit zu nutzen. Habe das Gefühl, da liegt irgendein riesiges, träges Vieh vor der Tür meiner freien Kreativität und ich kriege die Tür nie so richtig auf. Was das Arbeiten sehr anstrengend macht.
      Egal – wenn Du Lust hast, ich würde mich sehr über nen Austausch freuen, würde einfach mal gerne hören, wie Du damit umgehst.
      Liebe Grüße (auch) Steffi

      • lohnt sich ab und zu die gleichen Artikel zu lesen 🙂 ich mach mich auch demnächst selbständig – doppeltes Glück! schreib mir mal auf facebook.com/steffidesign4u

  • Bei fast jedem deiner Sätze möchte ich die Hand heben und sagen „Hier“. Du sprichst mir aus der Seele! So viele Eigenschaften, die ich genauso erlebe und mir immer wieder denke: „Ich bin doch nicht normal“. Danke dafür, ich werde gleich mal ein Buch über dieses Thema anfangen. Jetzt bin ich angefixt 😉 Liebe Grüße, Anja

  • Liebe Judith,
    vieles von dem Du schreibst, kenne ich nur zu gut. Vor allem, als ich jünger war hatte ich immer das Gefühl: Keiner versteht mich! Ich war ständig auf der Suche nach dem „Sinn des Lebens“ – ich glaube, das fehlt noch in Deiner Aufzählung.
    Heute, mit reifen 50 Jahren kann ich rückblickend sagen, dass ich viele Hürden in meinem Leben genommen habe, die andere – unsensiblere Menschen – umgehauen hätten.

    Wenn Du diese Eigenschaft in Kraft umwandelst und spürst, welche Gabe es ist, die wir mitbekommen haben, kannst du alles schaffen. Ich bin sehr dankbar dafür und habe keine Angst vor den Herausforderungen des Lebens. Ich vergebe allen, die jemals über meine Sensibiliät gelacht haben und weiß, sie können nichts dazu, denn sie leben nur oberflächlich. Mein Leben hat Tiefgang!

  • Danke! Danke danke danke danke…nicht das ich bisher dachte, die einzige Person da draußen zu sein, die hochsensibel ist/fühlt (wobei mir nicht mit so viel Verständnis/Offenheit wie in deinem letzten Satz erwähnt entgegengekommen ist), sondern dass endlich mal jemand meine Erklärung sturkturiert und zum Auffassen dargelegt hat. <3
    Eine große Sache, die mir nämlich bei mir immer wieder auffällt – mir fällt es schwer mich und meine Gedanken zu bündeln. Oft werde ich von Freunden angemeckert, ihnen beim gemeinsamen kaffeetrinken nicht genügend aufmerksamkeit zu schenken bzw ihnen nicht zu zuhören, weil meine Aufmerksamkeit im kompletten Raum verteilt ist.
    Das tut mir immer sehr leid, aber ich nehme jedes Gespräch in der Nähe, jede emotionale Empfindung in der Weite des Raumes war. Und oft überfordert mich dieser Gefühlsoverload total. Ich dreh auf oder fahre total runter. Und beide Lagen sind nicht die Besten.

    Dein Artikel macht Hoffnung, dass man auf die Dauer lernt besser mit sich selber klar zu kommen und situationsbedingt zu reagieren.
    Hast du noch ein weiteres Key Learning, außer dein letztgenanntes? Ich fänds spannend.

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