Zwischen Büchern, zwischen deinen Beinen

Du wolltest mir deinen Lieblingsort zeigen: ein vollgestopfter Second Hand Buchladen mit engen Gängen. Du verlierst dich gerne darin – im Sommer ist es angenehm kühl und im Winter sind die verwinkelten Räume beheizt.

Ich laufe eine Weile, gehe an Regalen mit französischer und englischer Literatur vorbei, Bücher über Indien und irgendwann, als ich nicht mehr genau weiß, wie ich die Kasse und den Eingang wiederfinden würde, finde ich dich.Du stehst auf einer Leiter und schaust dir die verstaubten, kaum lesbaren Buchrücken an. Als du meine Schritte auf dem knarzenden Boden hörst, drehst du dich kurz um, bevor du dich wieder den Büchern widmest.

„Hast du was spannendes gefunden?“. Du zuckst mit den Schultern. „Hier hat’s alles Mögliche. Ein Buch von de Beauvoir zum Beispiel. Jemand hat sich wohl einen Spaß erlaubt, schau mal: Neben dem Philosophie-Regal kommen Bücher zum Thema Sex.“

Du neigst deinen Kopf zur Seite und liest die Titel halblaut vor: „Superposition, Eins im Andern…“ Du machst auf der Leiter noch einen Schritt nach oben. „…Ah, oder hier. Hier hat‘s auch richtige Erotik: Anaïs Nin.“

Auf deinem Gesicht zeichnet sich ein leichtes Lächeln ab, während du im Buch blätterst

Auf deinem Gesicht zeichnet sich ein leichtes Lächeln ab, während du im Buch blätterst. „…der auf ihr lag und so weit empor glitt, dass er seinen Penis zwischen ihren Brüsten reiben konnte, der dann noch weiter empor glitt, bis zu ihrem Mund… Das Buch ist sogar mit kleinen Zeichnungen illustriert, schau Mal.“

Du hältst mir das offene Buch hin, dein Blick hat sich verändert, in ihm ist jetzt etwas Neugieriges, Herausforderndes. Die aufgeschlagene Buchseite zeigt eine liegende Frau, die mit einfachen Bleistiftlinien gezeichnet ist. Ihre Beine sind etwas gespreizt und hinter den Schamhaaren sind die Lippen leicht angedeutet.

Du blätterst weiter. „Ganz sacht berührte sein Finger die Knospe, dann glitt er zwischen die pulsierenden Lippen…“ Diesen Abschnitt liest du besonders langsam, zögerst jedes Wort hinaus. Mit jedem Atemzug komme ich etwas näher zu dir.

Dein Wunsch ist mein Befehl

Als ich vor dir stehe, werden deine Augen immer kleiner, du liest den letzten Satz – ein Befehl an mich: „Er spürte die Feuchtigkeit…“ und du hebst deinen Rock ein wenig, mein Kopf verschwindet und spürt die Wärme zwischen deinen Beinen. Ich fange an deine Haut zu küssen mit sanften, schüchternen Küssen.

Ich höre ein erleichtertes Stöhnen, ein unterdrücktes Lachen über mir. Meine Lippen suchen den Stoff deiner Unterhose und pressen sich dagegen, meine Zunge fährt einmal darüber und will sich einen Weg suchen, aber deine Hänge halten mich davon ab und pressen meinen Kopf weg.„Bekommst du da unten auch genug Luft?“. Du lächelst verlegen. Ich nicke und lächle zurück. Mit der linken Hand fährst du dir über den Mund, um ein Stöhnen zu unterdrücken, mit der rechten stößt du meinen Kopf wieder zwischen deine Beine. Erst sanft, dann entschlossener, fester.

Mit dem Zeigefinger und Daumen streife ich dein Höschen zur Seite, mit der anderen Hand spüre ich sanft deine Feuchtigkeit. Du drückst meinen Kopf noch stärker an dich und ich lecke dich. Erst langsam, erkundend, dann entschlossener, auf dein gedämpftes Stöhnen antwortend.

Ich kann nichts sehen, aber ich rieche dich, schmecke dich, mein Mund ist ganz nass von dir, ich spüre dich in all meinen Sinnen.

Ich kann nichts sehen, aber ich rieche dich, schmecke dich, mein Mund ist ganz nass von dir, ich spüre dich in all meinen Sinnen. „Mach einen Finger rein“, flüsterst du. Ich gehorche und führe erst einen, dann einen zweiten Finger in dich: Du bist so feucht, stößt deine nasse Scham immer schneller und stärker gegen mein Gesicht, bewegst dein Becken im Rhythmus meines Leckens und Saugens an deiner Klitoris.

„Oh Gott“, stöhnst du, „genau so. Mach weiter, hör nicht auf“. Du stößt ein leises fuck aus, das deinen Körper kurz zum Zittern bringt und schiebst meinen Kopf weg. Du stolperst etwas unbeholfen von der Leiter, ich versuche dich aufzufangen, irgendwo fallen ein paar Bücher vom Regal.

„Scheiße, ich glaube da kommt jemand“. Du hältst dich einen Moment an mir fest, lehnst dich dann ans nächste Regal und hältst dir das Buch vors Gesicht. Der Boden knarzt und die Buchhändlerin steht wenig später in unserem Gang. „Ich bräuchte kurz die Leiter. Darf ich?“

„Das hat ja Spaß gemacht“, du klopfst mit dem Finger auf das Buchcover.

Du atmest immer noch etwas schwer, ich reiche ihr die Leiter und sie verschwindet wieder. „Das hat ja Spaß gemacht“, du klopfst mit dem Finger auf das Buchcover. „Tolles Buch, nehmen wir, nur 2 Euro für so viel Spaß!“

Du streifst dir eine Strähne von der etwas verschwitzten Stirn und gibst mir lachend einen Kuss.

Sagal Maj Comafai ist 27 hat in Zürich Upanishaden übersetzt und Philosophie studiert.
Am Schweizerischen Literaturinstitut schreibt er über Dinge und hält sich kurz. Seine Texte sind online als Newsletter verfügbar.

Headerfoto: Aloha Hawaii von Shutterstock. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

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