Wiedersehen mit der Escort-Lady – plötzlich war ich verliebt

Ich habe mich entschieden, Jasmin wieder zu sehen. Doch die Agentur antwortet mir, dass sie für zwei Wochen in den Urlaub gefahren sei. In diesen Wochen zähle ich jeden Tag rückwärts, bis es schließlich zu einem zweiten Treffen kommt. Und das zweite Treffen ist noch schöner, noch emotionaler als das erste.

Ich bringe ihr eine rote Rose mit und sie ist ziemlich überrascht, vielleicht sogar ein wenig gerührt. Im Appartment steht eine Stereoanlage, die ich mit meinem Handy verbinde. Davor schon hatte ich eine Playlist zusammengestellt und mir ausgemalt, wie es sein würde, mit ihr dazu zu tanzen.

Wir tanzen und ihre Hände gleiten sanft über meinen Oberkörper.

Nun spielt die Musik, ich will sie zum Lachen bringen und ziehe langsam mein Hemd aus, wie es die Striptease-Tänzer:innen machen. Sie findet das lustig – vermutlich, weil ich es nicht wirklich gut kann. Wir tanzen und ihre Hände gleiten sanft über meinen Oberkörper. Ich kann mich einfach nicht satt sehen an ihrem schönen Gesicht mit dem bezaubernden Lächeln.

Ihr Lächeln ist eines der Dinge, die mich so an ihr faszinieren. Selbst beim Sex lächelt sie bei jeder kleinen Pause und meine Emotionen sprudeln jedes Mal hoch, wenn ich es sehe. Bevor ich gehen muss, frage ich sie, wann wir uns das nächstes Mal sehen können. Diesmal ist die Pause kurz, nicht mal eine Woche. Ich kriege einfach nicht genug von ihr.

Jedes Mal denke ich, dass es nicht besser werden kann und doch ist jedes nächste Treffen noch schöner, noch leidenschaftlicher und emotionaler.

Beim dritten Treffen halte ich ihre Hände und sage: „Es ist so schön mit dir. Ich habe dich ganz arg vermisst.” Sie schaut mich kurz und intensiv an und antwortet: „Verlieb dich bloss nicht.” Darauf kann ich nichts antworten, außer zu lächeln. Es ist bereits passiert. Aber ich will es selbst nicht wahrhaben und will es ihr nicht sagen.

Der Sex ist wie immer wunderschön, leidenschaftlich, mal zärtlich, mal wild. Es fühlt sich so anders an als alles in den letzten zehn Jahren. Ich habe das Gefühl, es ist genau so, wie es in einer Beziehung sein sollte – genau so und nicht anders. Jedes Mal denke ich, dass es nicht besser werden kann und doch ist jedes nächste Treffen noch schöner, noch leidenschaftlicher und emotionaler.

Was ich noch nicht weiß: Es werden noch einige Treffen folgen und jedes Mal werde ich dieses Gefühl haben, dass es noch schöner ist als beim letzten Mal.

Kann das mit uns funktionieren?

Wir haben inzwischen um die 8 Dates gehabt und meine Faszination ist ungebrochen. Allerdings leidet meine Arbeit darunter, weil ich mich gedanklich gar nicht losreißen kann. Es ist wie eine Sucht: Man begreift, dass es aussichtslos ist und trotzdem kann man nicht aufhören.

Das Glückshormon Dopamin sprudelt jedes Mal durchs Gehirn und wir können die Situation gar nicht objektiv wahrnehmen. Alles ist wie durch eine rosa-rote Brille gefiltert. Ich stelle mir manchmal vor, ob es möglich wäre, eine richtige Beziehung mit ihr zu führen.

Ich denke mir: Der riesengroße Altersunterschied könnte ein Problem sein, allerdings ist Donald Trump auch 24 Jahre älter als seine Frau Melania. Warum kann ich dann nicht eine Freundin haben, die 17 Jahre jünger ist? Ich stelle mir vor, wie schön es wäre, zusammen einzuschlafen und zusammen aufzuwachen, zusammen zu frühstücken. Ausgehen in Clubs oder im Urlaub am Strand liegen.

Es ist wie eine Sucht: Man begreift, dass es aussichtslos ist und trotzdem kann man nicht aufhören.

Mein Gehirn ist allerdings schon immer so programmiert gewesen, dass ich für alles eine logische Erklärung brauche und alles kritisch hinterfrage. Ich bin nicht gerade spontan in meinen Entscheidungen und überlege immer gründlich, wenn es um etwas Wichtiges geht. Und hier geht es um etwas sehr Wichtiges.

Ich bin immer noch verheiratet und eine Trennung würde dem Kind nicht gut tun. Man tut vieles für die Liebe, aber eins hat noch höhere Priorität: das Wohl meines Kindes. Deswegen findet man in einer Ehe wohl öfter wieder zueinander und schmeißt nicht gleich alles hin, wie man es vielleicht in einer Beziehung ohne Kind tun würde.

Ich kann mir damals nicht erklären, warum meine Faszination so stark ist. Nüchtern betrachtet passen Jasmin und ich gar nicht zusammen. Hätte ich eine Checkliste gehabt, wie meine ideale Frau sein soll, wäre diese höchstens zur Hälfte von ihr erfüllt. Da wäre zum Beispiel das Rauchen. Ich bin überzeugter Nicht-Raucher und für mich war das früher bei Frauen ein No-Go.

Aber bei ihr scheint es mich kaum zu stören. Unsere Tagesabläufe haben gefühlt ein Versatz von 6 Stunden: wenn sie aufsteht, gehe ich zum Mittagessen mit Kollegen. Unsere Vorstellungen von Leben und Beruf sind ganz anders. Und trotzdem, oder gerade deswegen, fasziniert sie mich so stark.

Monate ohne dich

Ich entscheide mich schließlich, eine größere Pause einzulegen und einige Dinge zu erledigen, die ich schon lange vor mich hingeschoben habe. Ich befürchte, dass ich Jasmin eventuell nie wieder sehen werde und der Abschied fällt mir recht schwer. Was ich noch nicht weiß: Es ist kein Abschied für immer.

Es vergehen ein paar Monate und ich muss fast täglich an sie denken. Interessanterweise denke ich dabei nicht an Sex, sondern an unsere witzigen Gespräche, wie wir zusammen tanzten oder uns in den Armen lagen. Und ich fange an, Bücher zu lesen: über die Psychologie der Liebe, über Beziehungen, über Leidenschaft.

Es vergehen ein paar Monate und ich muss fast täglich an sie denken. An unsere witzigen Gespräche, wie wir zusammen tanzten oder uns in den Armen lagen.

Ich will einfach eine Erklärung haben. Warum fühle ich, wie ich fühle? Und ich werde immer neugieriger: Alternative Beziehungsformen wie polyamore Beziehungen oder polygame Beziehungen interessieren mich auf einmal, obwohl ich mir so etwas noch vor einem Jahr nicht mal vorstellen konnte.

In vielen modernen Büchern zu diesen Themen wird die Monogamie in Frage gestellt. Der Mensch, vor allem der männliche Anteil, scheint einfach nicht dafür geschaffen zu sein, monogam zu leben. Die biologischen Details der beiden Geschlechter und die Scheidungsstatistik bestätigen das deutlich.

Schließlich greife ich zum Telefon, speichere die inzwischen gelöschte Nummer nochmal ein und vereinbare ein neues Treffen.

Fortsetzung folgt.

Unser Autor möchte lieber anonym bleiben. 

Headerfoto: Devon Divine via Unsplash (“Gedankenspiel”-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

1 Comment

  • Beim ersten Mal war ich so verblüfft, dass ich gar nicht wusste wie und wo anfangen und hoffte anderen fallen passende Worte ein.

    Aber dieses Mal frage ich mich sogar, ob die Geschichte überhaupt wahr ist?

    Diese Frau wird dafür bezahlt, Fantasien und Vorstellungen und Erwartungen zu erfüllen – die Persönlichkeit die sie zeigt, kann, ist aber höchstwahrscheinlich nicht die, die sie lebt.
    Auch kam keinerlei Reaktion oder der Versuch ein privates Treffen zu vereinbaren von ihr.

    Natürlich kann man in niemandes Kopf hineinschauen – aber ich befürchte diese “Liebe” ist sehr einseitig. Schade um die Energie, die der Autor investiert. Vielleicht wäre es besser für seine Gefühle und die seiner Frau und seines Kindes eine saubere Trennung mit Hilfe einer (Kinder-)Psychologin zu vollziehen. Denn solche Situationen fliegen immer irgendwann auf und meistens viele Schmerzen verursachend in Beteiligten um die Ohren.

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