Warte nicht auf dein persönliches Happy End – Glück ist unabhängig von Lebensplänen

Happy End. Diese Wortzusammenkunft haben wir schon alle einmal gehört. Laut Duden ist ein Happy End ein „(unerwarteter) glücklicher Ausgang eines Konflikts, einer Liebesgeschichte“. Ein glückliches Ende eben. Am meisten wird es wohl mit Filmen suggeriert, je nachdem, ob diese „gut“ ausgehen oder eben nicht. Doch was heißt das eigentlich, dieses „gut“ ausgehen?

Der Junge küsst am Ende das Mädchen und es ist gewiss, dass die beiden nun gemeinsam in eine wundervolle (märchenhafte) Zukunft starten? Davor gab es ewiges Drama und Hin und Her, weil es ja eben nicht einfach einfach gehen konnte, die Zuschauer*innen wollen unterhalten werden und Krisen kennen alle und fühlen sich darin verstanden. „Das Leben ist schließlich kein Märchen“, denke ich und erinnere mich an eine dieser Kalenderweisheiten. Dennoch streben wir genau danach. Vielleicht nicht wir alle, ich zumindest ertappe mich aber gerade wieder bei diesem Gedankengang.

Wieso muss es immer ein Happy End geben?

Happy End. Happy – glücklich. End – Ende. Ein glückliches Ende also. Oder auch: Glücklich erst am Ende? Das ist wohl die Message des Films. Ups and Downs, wie beim Theater in verschiedenen Akten unterteilt, oft mit Wendepunkt. Wenn sich das Pärchen nach einer dreiviertel Stunde Film gefunden und nach Umwegen unsterblich ineinander verliebt hat, dann wissen wir, hier geht nochmal was schief, bevor es dann – vermutlich – doch zum Happy End kommt. Im Duden gibt es dafür sogar ein Verb: happyenden. Was es nicht alles gibt.

Worauf ich in diesem Text jedoch hinaus will, ist wesentlich weniger die Wortwahl dieses Filmschlusses, sondern mehr der Trugschluss, der von Medien suggeriert wird und schlichtweg der Traum vieler Menschen ist, weil es tröstlich ist, zumindest hoffen zu können. Hoffen auf ein Happy End im Leben. Es ist das „Wenn, dann“-Leben:

Wenn ich erfolgreich, allwissend, schön bin, einen flachen Bauch habe, zwei Kinder, ein Haus, einen Hundewelpen und ein Klavier zu Hause, ach ja und wenn ich die Liebe meines Lebens gefunden habe, dann, ja dann werde ich wohl glücklich sein. Dann habe ich das Happy End meines Lebens. Ja und dann?

Als Kind oder Jugendliche schon stellte ich mir genau die Frage: Was passiert nach dem Happy End? Am Ende eines Films wollte ich immer noch weitersehen. „Bitte lass den Film noch nicht vorbei sein, ich will doch noch sehen, wie sie dann glücklich leben!“ So war wohl mein Gedankengang. Als Kind geschiedener Eltern mit beiderseitig nicht so wirklich prächtigen Beziehungen, die immer wieder hoffnungsvoll begannen und dann doch scheiterten, weil das echte Leben eben kein Ponyhof ist, war mein Gedanke wohl sehr nachvollziehbar.

Der Traum vom spießigen Leben aus der Rama-Werbung. Am Ende meiner letzten Beziehung fiel mir mein kindlicher Gedanke wieder ein. Denn mit dem Ende einer Beziehung zerplatzte für mich vorerst der Traum von Hochzeit und Kindern, eben genau davon, was viele Frauen mit Ende 20 auch in unserer Generation noch planen zu tun und sich plötzlich immer mehr Save-the-dates per WhatsApp stapeln.

Einfach jetzt glücklich zu sein und sich unabhängig von der oder dem und unabhängig eines Plans ein Leben zu gestalten, das im Jetzt zufrieden macht, das ist letztlich das, was zählt, viel mehr noch als ein Happy End.

Dieses Aufschieben von Glück wurmt mich und somit ist dieser Text wohl in erster Linie eine Botschaft an mich selbst. Denn ich erinnere mich noch an diesen einen lauen Sommerabend, das Rauschen des Meeres in meinen Ohren, der Mond spiegelte sich im Meer und ich stand überglücklich – allein – am Ufer. Einfach jetzt glücklich zu sein und sich unabhängig von der oder dem und unabhängig eines Plans ein Leben zu gestalten, das im Jetzt zufrieden macht, das ist letztlich das, was zählt, viel mehr noch als ein Happy End.

Das Leben muss nicht so viel Drama beinhalten wie all diese Filmen, aber es hat durchaus seine Ups and Downs und wie ich finde, viele kleine und große Happy Ends. Und ich bin froh, dass es nach eben diesen nicht einfach vorbei ist, sondern im wahren Leben weitergeht.

Licilein mag Worte in allen Ausführungen, auch schön gelettert, wie es ihre Bilder bei Instagram verraten. Schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte, Songtexte und Kurzgeschichten, traut sich aber jetzt erst sie zu veröffentlichen. Ihre Texte liest sie jedoch am liebsten vor. Eine gute Beschreibung ihrer Einrichtung und von vielem, was sie mag, ist “Omakitschliebe”. Ihre Freunde nennen sie liebevoll Katzenlady und das wird sie wohl für immer bleiben. Sie lebt mit ihren beiden Katzis in Berlin. Mehr von ihr gibt es hier.

Headerfoto: Matheus Ferrero via Unsplash. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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