Über das Frausein – für mehr Mut zur Selbstliebe

Alle wollen die schönste Frau, aber keiner möchte das Paket dahinter. Keiner möchte wissen, wie man zu so einer glatten Haut kommt, wieso die Wimpern sich aufschwingen und die Lippen so voll sind. Immer ein Schmollmund, sei bitte immer sexy und was ist das eigentlich für ein unerotischer Bademantel? Kannst du den mal bitte gegen einen kurzen aus Satin eintauschen?

Oder besser ganz nackt.

Keiner möchte wissen, wie oft man Kalorien zählt, bevor man ganz kumpelhaft in den Burger beißt. 

Wieso die Kurven trotz der dünnen Beinchen da sind und woher die volle Brust bei dem flachen Bauch kommt – das möchte keiner wissen. Keiner möchte wissen, wie oft man Kalorien zählt, bevor man ganz kumpelhaft in den Burger beißt – keiner will schließlich eine Tussi, die nicht isst. 

So soll sie sein 

Das Mädchen von nebenan, mit dem man Pferde stehlen kann, die Frau am Herd, die Hure im Bett. 

Sportlich muss sie sein, aber bitte nicht zu muskulös – denn schließlich will Mann eine richtige Frau. Weich muss sie sein, aber nicht zu nachgiebig. Der Po muss straff sein und bitte rund. Denn Mann möchte ja auch etwas anfassen können. Die Haut soll rein sein, jung und frisch. Aber die Nächte sollte sie auch zum Tag machen können. Denn alles andere wäre ja langweilig. Nicht zu viel Schminke, aber bitte auch kein Öko. Sexy sollte sie sein, aber nicht zu billig.

Klug soll sie sein, aber nicht klüger als er. 

Eine Meinung sollte sie haben, aber bitte nicht zu oft, nicht zu laut und nicht zu anstrengend. Und auf gar keinen Fall sollte sie meckern. Ein bisschen soll sie sich sorgen, aber nicht zu mütterlich. Denn Mütter will niemand begehren. Klug soll sie sein, aber nicht klüger als er, denn das wäre zu anstrengend. 

Langes Haar sollte sie haben, denn kurz ist ja männlich.

Sie muss stark sein, denn wer begehrt schon Schwäche? Aber bitte keine Emanze, denn das ist nicht weiblich. Treu muss sie sein und bloß nicht mit wem anders flirten, denn wer will schon eine untreue Frau? Ohne Eifersucht sollte sie sein, denn alles andere wäre ja nervig.

Einfach weiblich muss sie sein. Einfach cool. Einfach schön. Einfach klug. Einfach sportlich, elegant, bescheiden, selbstbewusst, witzig, tiefgründig, unnahbar, süß, leidenschaftlich, mitfühlend, mütterlich, emanzipiert, hilfsbedürftig und grazil.

Alle wollen die perfekte Frau, aber keiner will Perfektion. 

Alle wollen die perfekte Frau. Aber keiner will Perfektion. Denn das ist ja langweilig.

Wer bestimmt, was schön ist? 

Viel zu oft wollen wir Frauen surrealen und oktroyierten Idealen gerecht werden, die weder erstrebenswert noch echt sind. Wir zweifeln immer wieder an uns, fühlen uns nicht gut genug, machen uns ganz klein. Und dabei verkennen wir, dass wir Maßstäbe anlegen, die nicht unsere eigenen sind. 

Wer legt eigentlich fest, was „schön“ ist? Wann ist man „sexy“? Wann gilt eine Frau als „weiblich“? 

Wer legt eigentlich fest, was schön ist? 

Versammelt sich die Modebranche jährlich an einem runden Tisch und bestimmt, wie eine „richtige“ Frau auszusehen hat? Unabhängig davon, wer sich anmaßt, über Schönheit urteilen zu können, trägt unser eigener Kopf am Ende maßgeblich dazu bei, dass wir unzufrieden sind mit dem, was wir im Spiegel sehen. Anderen gefallen zu wollen, ist so sehr in uns Menschen verwurzelt, dass wir seit jeher anfällig sind für die gesellschaftlichen, patriarchalen Regeln der weiblichen Schönheit. 

Der Ursprung der Schönheit 

Schönheitsideale sind so alt wie der Körperkult und das Schmücken des weiblichen Körpers gibt: In unserer westlichen patriarchalen Gesellschaft dokumentieren wir weibliche Ideale der Schönheit bereits seit der griechischen Antike. Frauen wurden schon immer in das Objekt des männlichen Verlangens verwandelt, galten als „das schöne Geschlecht“, waren bloße Verzierungen und Objekte der Bewunderung, deren Wert von der Fähigkeit abhing, die Aufmerksamkeit des Subjekts „Mann“ auf sich zu ziehen.

Frauen wurden schon immer in das Objekt männlichen Verlangens verwandelt. 

So wurden im Mittelalter soziale Differenzen nach der Ehrwürdigkeit der Frauen reguliert. Klare Unterscheidungen zwischen den „schlechten“, den „guten“, also den „ehrwürdigen“ Frauen wurden gemacht. Würdige Frauen stellten ihren Körper nicht zur Schau, strahlten Sittsamkeit aus, waren gehorsam und erhielten im Gegenzug eine den Männern untergeordnete Rolle in der Gesellschaft. Ihr Preis war der „männliche Schutz“ vor der Gewalt anderer Männer – eine Gewalt, die für Frauen „ohne Ehre“ eine ständige Bedrohung darstellte.

Schönheit bedeutete Sicherheit

Ohne eine gute Mitgift hatten Frauen wenige Möglichkeiten zu heiraten. Entsprachen sie dann auch nicht dem epochalen Schönheitsideal, blieben nur wenige Optionen zur Gewährleistung eines sicheren Lebens. In einer düsteren Epoche, in der es nur wenige Chancen für unverheiratete Frauen gab, beeinflusste das Thema Aussehen verständlicherweise die Besorgnis um eine gute Partie. Schönheit bedeutete die Chance auf eine Ehe, die Chance auf Sicherheit, auf Leben.

Schönheit bedeutete die Chance auf eine Ehe, auf Sicherheit, auf Leben. 

Interessant ist, dass wir uns heutzutage nicht minder über unser Aussehen sorgen. Ohne dabei zu erkennen, dass in vielen Teilen dieser Welt das Leben einer Frau auch ohne die Gunst des Mannes wertvoll ist. Wir dürfen uns bilden, dürfen auch in immer noch männerdominierten Berufen arbeiten, wir dürfen Haut zeigen, nackt sein. Dürfen unverheiratet bleiben, kinderlos. Dürfen lieben, wen wir wollen und so oft wir wollen. Und trotzdem sorgen wir uns noch immer jeden Morgen über glatte Haut und Cellulite. 

Schönheit neu definieren

Unser Blick für den ganz eigenen Wert, für die individuelle Perfektion verschwimmt. Wir verlieren uns aus den Augen, während wir viel zu oft nach rechts und links schauen. Immer vergleichend, immer kritisch. Statt unserer Seelen, kultivieren wir lieber unsere Körper und schmücken diese lieber als unseren Geist.

Wir sollten öfter nur auf die Person im Spiegelbild schauen. Weniger auf die märchenhaften Ideale anderer hören und unserer ganz eigenen, leisen Stimme Gehör schenken. Unserer Stimme, die uns sanft mit warmen Worten umhüllt. 

Schönheit ist Individualität.

Wir müssen uns trauen, aus veralteten Schönheitsidealen auszubrechen und Schönheit neu definieren. Schönheit ist Individualität, ist Selbstliebe, ist auch mal aus der Reihe tanzen. Schönheit ist so viel mehr als ein flacher Bauch, als Instagram mit Filtern. Schönheit ist mutig. Lasst uns mutig sein. 

Elli steht manchmal vor dem Spiegel und fragt sich, wer eigentlich festlegt, was Schönheit bedeutet. Und woher plötzlich diese Ideale kommen. Und so viel Unsicherheit und Unzufriedenheit. All diese unausgesprochenen Gedanken finden dann gelegentlich ihren Weg aufs Papier.

Headerfoto: cottonbro (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

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