Im Gefühlskarussell mit dem besten Freund: Wie eine Woche alles verändern kann

Immer wieder schaue ich mir Fotos von dir an. Fotos von dir aus einer Zeit, in der wir nichts miteinander zu tun hatten. Ich wünsche mir so sehr, dass wir nie wieder so eine Zeit haben werden, sondern dass wir uns nah sind, so wie vor 3 Wochen in den Straßen unserer Heimatstadt. In meinem Garten, in meinem Bett.

Du warst immer da, mein bester Freund. Und du warst der Partner meiner besten Freundin.

Doch noch mehr wünsche ich mir, dass wir uns so nah sind wie früher, in jedem Park der Stadt, rauchend, weil ich mich mal wieder mit meiner Mutter gestritten hatte. Wie jeden Tag nach der Schule auf dieser Bank hinter der Turnhalle, wie auf legendären Hauspartys oder einfach nur nach zu viel Bier taumelnd in der Nacht. Wie in jener Nacht, in der ich dir erzählt habe, was mir passiert war und du mich einfach im Arm gehalten hast, bis ich aufhören konnte zu weinen.

Du hast mich immer aufgefangen, du warst immer da, mein bester Freund. Und du warst der Partner meiner besten Freundin. Jetzt sitze ich hier, 2500 km entfernt von dir. Mit der mehr oder weniger sicheren Vermutung, dass du nicht so empfindest, dass du nicht an mich denkst, dass wir uns nie wieder so nah sein werden. Weder so wie früher, noch so wie vor 3 Wochen, als ich nicht mal einen halben Meter von dir entfernt war.

Eigentlich glaube ich nicht, dass Vergangenes jemals wieder so werden kann wie es war. Besonders dann nicht, wenn man es sich so sehr wünscht. Entweder es passiert oder es passiert nicht. Je mehr man versucht das Vergangene wiederherzustellen, desto schwieriger wird es, etwas Neues geschehen und wachsen zu lassen.

Wir waren einfach. Wir waren einfach zusammen.

Doch genau das ist es ja, was wir, ohne es zu planen, ganz selbstverständlich und so leicht getan haben. Wir waren einfach. Wir waren einfach zusammen. Ich konnte kaum die Finger von dir lassen und ich glaube dir ging es ähnlich.

War das alles der Rausch? Der Rausch des Alkohols? Der Rausch der Erinnerungen? Der Rausch der Musik, die wir geteilt haben? Was ich weiß ist, dass ich jetzt nüchtern bin. Und auch die Tage, an denen ich es nicht war, konnte ich nicht aufhören an dich, an uns zu denken. An uns in den Straßen unserer Heimatstadt, an uns in meinem Garten, an uns in meinem Bett.

Wie wir uns in die Augen gesehen und wie aus einem Mund dieses Lied mitgesungen haben. Du hast gesagt, es klänge wie eine Karussellfahrt. In diesem Karussell sitze ich noch und fühle noch immer das Gleiche, nur 2500 km entfernt von dir.

Du bist schon lange nicht mehr der Partner meiner besten Freundin.

Du bist schon lange nicht mehr der Partner meiner besten Freundin und du bist schon lange nicht mehr mein bester Freund. Und genau das ist es, was mich diese Runden auf dem Karussell drehen lässt. Auf diesem Karussell aus Gedanken an dich, an uns und auch an sie.

Ich denke daran, dass ich ihr nicht sagen kann, was in mir vorgeht, weil ich Angst habe, dass es doch einfach nur ein Trick meines Herzens ist. Dass ich mich an etwas klammere, das nur in unserer Schulzeit so und vor 3 Wochen so anders und doch so vertraut zwischen uns war. Aus Angst, sie könnte mich nicht ernst nehmen, weil sie weiß, dass es genau das ist.

Oder habe ich Angst davor, dass es kein Trick ist, kein kurzer Rausch und ich noch immer an dich denken muss, wenn ich zurückkomme und wir wieder nur einen halben Meter voneinander entfernt sind?

Ich habe die Hoffnung, dass ich aufhören kann an dich zu denken, wenn ich das hier aufschreibe.

Ich habe die Hoffnung, dass ich aufhören kann an dich zu denken, wenn ich das hier aufschreibe. Als würde ich die Gedanken an dich mit diesen geschriebenen Worten aus meinem Kopf fließen lassen und damit die Karussellfahrt zu Ende bringen. Damit ich mir und ihr und am Ende dir nicht (ein)gestehen muss, dass es kein Trick meines Herzens ist, kein kurzer Rausch, dass ich mich verliebt habe in dich.

Die letzten 5 Texte hat das nicht funktioniert… vielleicht dieses Mal.

Merlin hat schon viele Texte geschrieben. Auf langen Zugreisen, an regnerischen Nachmittagen im Bett oder bei Cappuccino und Zigarette im Café. Aber meistens mitten in der Nacht, nach einem berauschenden Film oder Buch, nach zu viel Bier oder Wein und auf jeden Fall mit zu vielen Gedanken. Die müssen dann raus aufs Papier. Gezeigt hat sie die Texte bisher niemandem. Das hier ist der erste Versuch.

Headerfoto: Rishab Lamichhane via Unsplash („Gedankenspiel“-Button eingefügt.) Danke dafür! 

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