Ich hatte noch nie eine Beziehung – Was stimmt denn nicht mit mir?

Er steht einfach nicht auf Dich. (Wie oft habe ich diesen Film mittlerweile gesehen? Ich traue mich nicht, nachzuzählen. Ich glaube, die Zahl ist besorgniserregend hoch. Falls jemand dieses Oevre je als Theaterstück inszenieren möchte und noch eine Souffleuse braucht, hit me up. Ich. Kenne. Jede. Zeile.) Du hast noch nie eine Beziehung geführt. Und der Nächste, der steht im Übrigen auch nicht auf dich. Aber der danach … ach nee. Warte. Der auch nicht.

Dass viele Menschen auch längere Single-Phasen haben, ist mir klar. Aber ich bin 25 Jahre alt und hatte noch nie eine Nicht-Single-Phase. Es ist nicht so, als wäre ich nicht zeitweise sehr bereit gewesen, eine ernsthafte Beziehung zu führen. Nein. ich habe schlichtweg noch nie einen Menschen getroffen, der mit mir eine solche Beziehung hätte führen wollen. Versteht mich nicht falsch, kürzere Affären, One Night Stands und Kennenlernen haben en masse stattgefunden. Geendet haben diese Treffen aber meistens in Freundschaften, man hat sich aus den Augen verloren oder irgendwann begonnen, sich zu langweilen. Eine „richtige“ Beziehung habe ich noch nie geführt. Fair enough.

Trotzdem verkeilte sich irgendwann der Gedanke in meinem Hirn, dass irgendwas mit mir nicht stimmen kann. Es kann doch nicht sein, dass andere Menschen kaum Single sind und schon drei neue Optionen auf dem Schirm haben, während ich es nicht auf die Kette kriege, auch nur eine einzige Person zu finden, die längerfristiges (romantisches) Interesse an mir hat.

Es kann doch nicht sein, dass andere Menschen kaum Single sind und schon drei neue Optionen auf dem Schirm haben, während ich es nicht auf die Kette kriege, auch nur eine einzige Person zu finden, die Interesse an mir hat.

Wichtige Info an dieser Stelle: Ich bin ein hitziger Kreativkopf, ja. Manchmal arbeite ich etwas zu viel. Und manchmal feiere ich auch zu viel. Aber ich bin weder optisch unerträglich, noch langweilig oder faul. Ich habe studiert, einen Job, gute Hobbys, viele großartige Freund:innen und ein safes Umfeld. Warum also kann sich niemand vorstellen, es sich dort mit mir ein bisschen länger gemütlich zu machen, als ein paar Wochen?

Spoiler: Ich weiß es nicht. Trotzdem möchte ich hier die Möglichkeiten aufdröseln, die über die Jahre von verschiedensten Menschen an mich herangetragen wurden.

„Du bist zu selbstständig“ oder: Das „Mäuschen-Schema“.

Nach außen wirke ich oft selbstbewusst und zielorientiert. Ich kann mich in meinem Job behaupten und kenne einen Haufen höllisch cooler Menschen. (Warum eigentlich weiß ich auch nicht, aber wem auch immer ich dafür danken darf: Merci, ehrlich.) Manchmal trinke ich gerne einen Schnaps über den Durst, manchmal bin ich gern laut und ich lasse mir nichts verbieten. Alleine verreisen? Klar! Ohne Begleitung Unternehmungen angehen, die ich schon ewig auf dem Zettel habe? Hell yeah!

Menschen kommen in „Warum hatte ich noch nie eine Beziehung“-Gesprächen oft zu mir und sagen, ich sei einfach zu selbstständig, zu stark. Männer müssen ihren Beschützerinstinkt ausleben können, wollen gebraucht und angehimmelt werden. Ich muss dann oft lachen. Mit meinen über 180 cm Körpergröße und frechem Humor werde ich wohl nie in dieses „Mäuschen-Schema“ passen. Und das will ich auch überhaupt nicht.

Ich werde wohl nie in dieses „Mäuschen-Schema“ passen. Und das will ich auch überhaupt nicht.

Ein potenzieller Partner soll mir auf Augenhöhe begegnen können und wollen. Ich möchte mich nicht klein machen, um meinem Gegenüber Pseudo-Macht zuzugestehen. Wenn du mir helfen kannst, supergut. Wenn ich dir beim nächsten Mal helfen kann, auch supergut. Und wenn keiner von uns weiter weiß, ist das auch völlig okay.

Den Teufel werde ich tun, meine hart erarbeitete Selbstständigkeit aufzugeben (Ja Papa! Ich besitze jetzt selber einen Schlagbohrer!), um in ein Beuteschema zu passen. Außerdem: Wenn sich mein Gegenüber in eine Person verliebt, die ich vorgebe zu sein, ist mir ja auch nicht geholfen. Dann verliebt sie sich im schlimmsten Fall in eine Person, die es gar nicht gibt.

„Du bist eher so der Kumpel-Typ!“

Dass viele der Menschen, mit denen ich sexuelle Verbindungen hatte, mittlerweile gute Freunde von mir sind, würde diese Theorie bestätigen. Ich bin einfach kein Mensch, der sich mit Leuten zerstreitet, mit denen man mal eine sympathische Connection hatte. Warum auch? Wenn ich dich scheiße finde, gehe ich nicht mir dir ins Bett. Wenn ich dich nicht scheiße finde, hab ich auch Lust, mit dir Zeit zu verbringen, wenn wir nicht mehr miteinander schlafen. Bestechende Logik, oder?

Warum nicht trotzdem irgendwann mal jemand bleibt, weiß ich dennoch nicht. Heißt es nicht, die Basis für eine gute Beziehung sei eine Freundschaft? Und kann man überhaupt „zu sehr Kumpel“ sein? Erklär mir jemand die Welt.

„Eigentlich willst du doch gar keine Beziehung …

… deswegen strahlst du das eben auch aus.“ Nein. Einfach nein. Stimmt nicht. Nein. Ich will auch gar nicht argumentieren. Schlicht und einfach: Nein.

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„Du bist, was vergebene Männer in ihren Freundinnen oft nicht finden.“

Gut, auch für diesen Punkt gäbe es (zumindest in meiner Biografie) Anhaltspunkte. Ich bin oft „die andere“. Egal ob in offenen Beziehungen oder als Affäre. (Ist gut, die moralische Seite dessen diskutieren wir irgendwann anders aus, ja?) Männer, die in oftmals langjährigen Beziehungen sind, scheinen in mir etwas zu finden, das ihnen gefällt.

Ich bin selbstständig (siehe oben!), unkompliziert, entspannt und für (fast) jeden Spaß zu haben. Dass diese Eigenschaften einer „Side-Chick“ nicht schaden, sehe ich ein. Aber warum sollten diese Attribute ausschließlich auf vergebene Männer wirken? Finden Singles Spontanität, entspannte Kommunikation und Spritzigkeit etwa langweilig? Oder nicht aufregend genug? Sind graue Mäuschen aufregender? Hilfe, Fragen über Fragen!

Last but not least: „Der Richtige war einfach noch nicht dabei.

Wow Susanne, wirklich. Niemand hat das jemals verlangt. Oder ich jedenfalls nicht. Viele Menschen vergessen in dieser Diskussion oft, dass es mir überhaupt nicht darum geht, „den Richtigen“ zu finden. Wer weiß, ob es so was überhaupt gibt. Das ist ein anderes Thema. Mir geht es schlicht und einfach darum, dass andere Menschen in meinem Alter fast immer mindestens eine, oft aber sogar mehrere (halb-)ernste Beziehungen hinter sich haben.

Das Ernsteste, das mir je passierte, ist, dass ich mir mit einem Kollegen, mit dem ich zu dem Zeitpunkt eine Affäre begann, ein Hotelzimmer teilen musste, weil die Veranstalterin vergessen hatte, früh genug Einzelzimmer zu buchen.

Ich brauche keinen Ritter in strahlender Rüstung. Ich brauche niemanden für die Ewigkeit. Ich hätte nur einfach mal gerne jemanden, von dem ich weiß, wie ich ihm morgens seinen Kaffee zubereiten kann, wenn ich denn will. Jemanden, bei dem ich mich nicht bei jeder Berührung fragen muss, ob ich eine Grenze überschreite. Jemanden, zu dem ich gehen kann und sagen „Hey, ich hab hart Bock auf Knutschen, hier sind zwar andere Leute im Raum, aber können wir das bitte einfach trotzdem tun? Danke.“

Ich brauche keinen Ritter in strahlender Rüstung. Ich hätte nur einfach mal gerne jemanden, bei dem ich mich nicht bei jeder Berührung fragen muss, ob ich eine Grenze überschreite.

Ich muss zugeben: Es fällt mir schwer, den Zynismus aus meinem Bett, in dem ich diesen Text verfasse, zu verbannen. Bin ich der Frage, warum einige Menschen Dauer-Singles bleiben, obwohl sie schön, spannend und erfolgreich sind, etwas nähergekommen? Nein. Aber vielleicht liest das hier jemand und findet sich wieder.

Falls das so sein sollte, will ich dir sagen: Du bist nicht allein. Das macht’s nur leider auch nicht besser. Ich trink nen Schnaps auf dich, du schöner Kopf voll mit bunten Gedanken. Bleib wie du bist, du bist nämlich ziemlich super. Und vielleicht sieht das irgendwann auch mal jemand.

Headerfoto: Stockfoto von JKstock/Shutterstock. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Julia arbeitet in der Redaktion von im Gegenteil. Sonst tanzt sie gerne, aber nur wenn danach ausgeschlafen werden darf. Und sonst? Viel Kaffee, viel Lyrik, viel Konzerte, viel Zimt, viel Action.

15 Comments

  • Was ist denn daran schlimm? Ich bin 37 Jahre männlich und hatte auch noch nie Sex, geschweige eine Freundin und hatte mit Frauen noch nie Glück und wüsste nicht warum sich das ändern sollte. Hatte sogar noch keine die mir wenigstens ein Date gegeben hat, Kenne Liebe und Sex nur aus Pornofilmen. Sehe nicht schlecht aus bin sogar groß und athletisch, habe aber immer das Gefühl das in Sachen Frauen eine riesige Glasscheibe um mich ist. Keine Ahnung ob sich das jemals ändern wird ich glaube nicht. Immer ist irgendwas warum es nicht klappt. Naja im realen Leben lerne ich kaum Frauen kennen und wenn sind die vergeben oder interessieren sich nicht. Im virtuellen Chat habe ich schon alles schlechte erlebt was es gibt: Betrug, Geldforderungen falsch vorgespielte Liebe etc. Zu einer Nutte gehe ich niemals, so bleibt mir nur das warten auf wen (?) Wenigstens gibts für einen wie mich den netten Namen “Mr. Jackpot” Ist mir gar nicht peinlich ist eben so.

    • Deinen Beitrag habe ich mit Interesse gelesen.

      Ich selbst, 36 Jahre, habe im Januar 2020 einem 30 jährigen Mann, der selbst weder eine Beziehung noch Geschlechtsverkehr hatte, eine ehrliche und aufrichtige Chance gegeben. Er ist wirklich ein toller Mann, unternehmungslustig, intelligent, hat studiert, aus den anfänglichen Treffen haben sich nach 5 Wochen ernsthafte Gefühle entwickelt.

      Von der optischen Anziehungskraft hat er zunächst keine Rolle für mich gespielt, obwohl er nicht ganz unattraktiv ist.

      Er erzählte mir innerhalb der Beziehung, dass er leider immer eine Abfuhr nach der anderen kassiert hat. Ich bin der Sache dann auch ehrlich auf den Grund gegangen:

      Er hat leider nicht sehr viel aus sich gemacht, im ersten Date mit Schlapperlook, grüner Schaal und TShirt bei gefühlten 5 Grad im Winter.

      Nach einem halben Jahr Beziehung habe ich ihn darauf angesprochen, nach 10 Monaten sind wir endlich gemeinsam einkaufen gegangen. Er findet seinen neuen Look nun auch toll, ist mir dankbar. Dies ist aber nur ein kleiner Auszug, was die ganzen Schwierigkeiten mit einem “Beginner” angehen.

      Was ich damit sagen möchte: Mein Freund hat optisch gesehen tolle Merkmale, welche mir später bewusst wurden: braune dunkle Augen, dunkelhaarig, schöner Körperbau. Er hat leider nie das Beste aus sich heraus geholt, sondern sich da eher gehen lassen gegenüber Frauen.

      Dies sind auch eindeutig die Erklärungen, weshalb es nie mit den Frauen geklappt hat, denn an Intelligenz, Unternehmungslust, Treue, Ehrlichkeit würde es niemals scheitern.

      Mein liebgemeinter Ratschlag an die Männerwelt, die schon über Jahre hinweg keine Partnerin finden:

      Macht etwas aus euch und holt alles aus euch raus, was optisch möglich ist. Kleidet euch attraktiv, stylt eure Haare, macht euch für die Frau zurecht. Wir Frauen zeigen uns doch auch immer gestylt, gefönt, gut gekleidet und legen Wert darauf, dass wir Frauen Euch gefallen. Es tut auch nicht weh, selber an sich etwas zu verändern.

      Nehmt diesen Ratschlag an, ihr seit wirklich ganz tolle und liebenswerte Männer und jeder einzelne von Euch hat eine ehrliche und aufrichtige Chance verdient !

  • Muss am Namen liegen 😉
    Mir geht’s genauso. Bin zwar ‘erst’ 22, aber finde mich in deinem Text total wieder. Allerdings reise ich auch sehr viel alleine und hab eine Zeit lang als Surflehrer gearbeitet. War immer wieder Mal die Affäre, hatte ONS oder so kurze Drei-Wochen-nur-Sex-Sachen. Ist echt verflucht irgendwie. Ist schon seltsam wie manche von Beziehung zu Beziehung hüpfen und man selbst noch nichtmal ansatzweise so was wie eine Beziehung hatte. Meine Mom sagt immer, es ist schwer jemanden auf Augenhöhe für mich zu finden. Ich studiere gerade meinen Master (im Ausland), will unbedingt in verschiedenen Ländern arbeiten, mache viel Sport, musik, …. Ich beschäftige mich kurz gesagt selbst schon extrem. Naja es ist was es ist. Die Zukunft wird es zeigen….

    LG Julia

  • Ich glaube fest daran, dass es eine Sache von Glück und Pech ist. Wenn man bedenkt, dass die meisten Leute unseres Alters ein, zwei, drei festere Beziehungen gehabt haben, ist keine einzige Beziehung dieser Art einfach nicht so weit davon weg (wie wenn die durchschnittliche Zahl zB zehn wäre). Ich habe mich in zwei meiner drei festen Beziehungen auch an Männer gebunden, die eigentlich überhaupt nicht zu mir gepasst haben, auf die ich auch gar nicht so richtig stand, einfach, weil ich mal eine Beziehung haben wollte – genau genommen hatte ich also auch nur eine festere Beziehung. Das schlüssele ich aber nicht jedem Menschen so auf, der*die danach fragt. Von daher glaube ich, dass es verschwendete Zeit ist, sich zu viele Gedanken über die Warums zu machen. Wir sollten unsere Zeit lieber darauf konzentrieren, anderen Menschen in unserem Leben den Kaffee zu kochen (warum nicht mal bei Freunden übernachten? Eltern, Geschwister, andere vertraute Menschen gehen auch!), viele neue Menschen in unser Leben zu lassen (Chancen erhöhen ;)) und Spaß zu haben und neugierig zu bleiben.

  • Hi, du bist fix genau so richtig wie du bist.

    Mir fällt zum Thema Bindung/Beziehung bloß ein, dass eigentlich viel ausschlaggebender als alles Offensichtliche das Bindungsmuster ist, dass eine*r selber hat. Grad für Beziehungen suchen sich Menschen instinktiv jemanden aus, der wie der Deckel auf den Topf passt, sprich mit den Bindungsmustern kompatibel ist, die zu den ersten Bezugspersonen entstanden sind. Danach suchen Menschen instinktiv in Beziehungen und fühlen sich oft “magisch” von passenden Personen angezogen, obwohl sie die nicht Mal gut kennen.

    Ne andre Variante, die manchmal passiert, dass wenn Personen einfach überhaupt nicht needy sind und super gut alleine mit allem klar kommen und das auch so kommunizieren, sie sich oft auch wenig verletzlich zeigen und dadurch wenig Andockstellen bieten für andere. Trifft mensch mit ner ähnlichen Person zusammen, checken beide dann evtl gar nicht, dass da was Tiefgehendes sein könnte. Und ist eine Person sehr emotional, prallt sie evtl an der “coolen, selbständigen” Person ab und dringt gar nicht durch.

    Ich hab mich auch beim Lesen gefragt: Warst du denn auch schon Mal verliebt? Das ist ja sonst auch oft ein Ausgangspunkt von Beziehungen.

    Und einen anderen Gedanken hatte ich auch noch: vl braucht es nicht den Richtigen, sondern die Richtige?

    So viele Gedanken und einer oder keine davon mögen stimmen. Vl hilft dir ja irgendwas weiter.

    Wünsch dir alles Gute, bist sicher ein wunderbarer Mensch.

    • Liebe Katja!

      Zu deinen Fragen:
      Ja, ich war verliebt. Sehr sogar. Das Problem ist, wie schon Stefanie de Velasco so schön schrieb: “Ich kann lieben, wen ich will. Dafür muss er mich nicht mal zurücklieben.”
      Auch “der Richtigen” gegenüber bin ich nicht abgeneigt, ich begegne Menschen, nicht Geschlechtern. Der Einfachheit halber habe ich das im Artikel beschränkt.
      Ich halte weiter die Augen offen und versuche zu lernen, mir genug zu sein! Vielen Dank fürs Lesen und Interesse.

      Nur das Beste!
      Julia

      • Hallo Julia! Kenn ich. Nur in viel schlimmer: ich bin 10 Jahre älter als du und habe keinen Sex. Ich war schon zigtausendfach verliebt, have aber nie jemanden gefunden, der das erwidert hat. Warum? Ich bin Autistin. (Und klar, dazu kommt wenn man die 19 oder so überschritten hat, dass es niemanden mehr gibt außerhalb der fundamentalistisch religiösen Szene, der gerne mit Sex warten und dann auch schlechten Sex weil Jungfrau in Kauf nehmen will.

        Das ist schlimm. Und mein Leben ist obwohl es genauso krass aktiv und zerfeiert ist wie deins, null lebenswert.

        Aber was noch schlimmer ist?! Genau, wie du sagst: “Nee, glaub ich dir nicht. Du willst es wahrscheinlich gar nicht wirklich oder so was.” Da möchte ich einfach nur noch von einem hohen Haus springen.

      • Hmmm… ich möchte jetzt nicht, dass mein Kommentar doppelt gepostet wird, aber was ich kommentiert hatte, ist nicht da.
        Was ich gesagt hatte: ich kenne deine Situation. Insbesondere, wie sehr es fertig macht und ankotzt und mich wirklich in die völlige Verzweiflung bis zum Nervenzusammen-bruch bringt, wenn Menschen insistieren, man würde ja wahrscheinlich nur nicht genügend wollen. Was ich auch kenne: ein zerfeierter Mensch sein. Mit vielen Hobbies usw. Ich weiß insbesondere, wie es sich anfühlt, wenn man das Verliebtsein von der anderen Seite noch nie erwidert wurde.
        Wo wir uns unterscheiden: Ich bin Autistin. Jungfrau. Und 10 Jahre älter als du.
        Das macht es natürlich alles noch krasser. Weil jemanden finden, der nicht fundamentalistisch religiös ist, aber akzeptiert, wenn mit Sex gewartet werden muss und er erst mal scheiße ist… das ist nach dem Alter von 19 quasi unmöglich.

  • Keine Beziehungen gehabt? Aber dafür jede Menge Dates, Affären, Sex?

    Glückwunsch, dann hast Du schon mehr als ich, der mittlerweile 38Jahre alt ist und all das bisher nie gehabt hat. Kein Sex, keine Affären, keine Küsse, Händchenhalten, Liebesbriefchen, … Immerhin ein einziges Date – auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Also eine erwachsene Jungfrau <– Ha Ha! Wie lustig – Nicht! In einer Welt, in der Sex, Affären etc. das normalste ist, was es gibt….

    Ich finde es bemerkenswert, aber auch verständlich, dass man mit 25 Jahren sich Gedanken macht, warum man noch nie eine feste Beziehung hatte.
    Bemerkenswert, weil heute irgendwie alles schnelllebiger ist, und alles mehr von kurzer Dauer. Technologien und Meinungen ändern sich immer schneller, und ich habe den Eindruck, dass auch Beziehungen heute immer schnelllebiger sind – so sehr, dass es eigentlich keine Beziehungen mehr sind. Zugleich gilt man heute mit 25Jahren als dass was vor gut 20 Jahren 18Jährige waren – gerade erst reif geworden. Zumindest wenn man Hurrelmann und seinen Kollegen glaubt. Das würde aber auch die Schnelllebigkeit und Unverbindlichkeit erklären- denn bis zum Erwachsenenalter probiert man sich aus. Demnach müsste man auch mit 25 Jahren eigentlich keine Angst haben; es locker sehen; ruhig Blut wahren- Wird schon!

    Aber man tut es nicht. Weil es immer noch genügend Menschen um einen herum gibt, die das haben, was man gerne hätte. Und weil der Mensch eben doch auch andere Menschen braucht, Nähe, Sicherheit…. langfristige, ernsthafte Beziehungen. Die ersten haben sich schließlich schon lange verlobt, gar geheiratet, Auch die ersten Kinder sind da. Nur bei einem selber nicht.

    Auf Tinder, Bumble, OKCupied etc. sehe ich interessanterweise doch immer die gleichen Menschen, wie ich sie auch hier im Text lese: Super aktiv- da wird z.B. geprahlt mit all den Hobbies und Interessen, die man alle gleichzeitig zu pflegen scheint. Fallschirmspringen, Wandern, bouldern, segeln, feiern, weiterer Sport, Reisen ganz wichtig, Yoga, Feiern, viele Freundschaften…

    Als wären das Voraussetzungen überhaupt Beziehungen eingehen zu dürfen! Ich weiß nicht, wie es anderen geht – aber mich schrecken diese Menschen ab. Weil da in ihrem Leben kein Platz für eine feste Person zu sein scheint.

    Und so scheint es mir auch der Fall zu sein – zwischen all der kreativen Arbeit; all den Freunden; feiern; Hobbies; Arbeit – da wird kein genügender Raum für den einen Menschen gegeben. Und das merkt man von außen! Ja, das merkt man den Menschen an.

    Aber Freiraum geben geht auch nicht – denn da entsteht plötzlich ein leerer Raum- und leere Räume machen Angst, muss man aushalten können.

    Wenn man das nicht kann oder will, dann sollte man zu seinem Single-Leben stehen- und es einfach akzeptieren, wie es ist.

    In diesem Sinne – Viel Glück und Danke für den Text!

  • I feel you. Mir ging es genauso. Hab es auch nie verstanden und ich glaube, das ist auch einfach nicht möglich. Ich würde, es auch nicht auf die “heutige Zeit” schieben, mit Unverbindlichkeit und Co., andere schaffen es ja auch.

    Ich habe meinen ersten Freund mit 33 kennengelernt. Davor war ich auch Dauersingle mit zahlreichen Dates und Affären. Und vor allem mit genau den Sprüchen. Da hilft nur augenrollen, schmunzeln und durch. 😉

    Ich bin nicht sicher, was ich in den Monaten vor dem Kennenlernen anders gemacht habe. Ob es wirklich daran lag, dass ich mir explizit in den Kopf gesetzt habe, endlich mal eine Familie zu gründen. Oder ob es einfach nur pures Glück, Zufall, Schicksal whatever war, meinen ersten Freund zu treffen.

    Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen, dass es klappt – bald, demnächst, zukünftig. Ich glaube fest daran, coole Leute finden immer andere coole Leute für eine Beziehung. Manchmal dauerts halt ‘n bissi länger. 🙂

  • Danke für so viel Ehrlichkeit! Und ich weiß aus meiner Praxis, dass das Thema inzwischen kein Einzelphänomen mehr ist. Nicht in einer Beziehung zu sein (oder jemals eine gehabt zu haben) lässt einen oft an seinem eigenen Wert zweifeln.
    Wir vergessen aber auch schnell, dass heute ein anderer Zeitgeist regiert als noch vor 5,10, 20 Jahren. 1) Keiner braucht mehr eine Beziehung, um Sex zu haben oder Kinder zu bekommen oder gesellschaftlich akzeptiert zu werden. 2) Beziehung – was ist das heute schon oder auch nicht? In Jane-Austen-Zeiten konnten wir davon ausgehen, dass wir in einer Beziehung sind, wenn sich beide so verhalten. Heutzutage ist das nicht mehr der Fall. 3) Weil alles so frei ist, fällt es schwer Beziehungen überhaupt zu definieren. Gesellschaftlich und erst recht zwischen zwei Leuten. Bequemer ist, wenn man sich nicht bindet. Gefühle können schließlich auch wehtun.
    Wichtig ist, bei all dieser Freiheit und all dem Zynismus, mit dem Mann/Frau im Bett ist, trotzdem sich zu lieben (ja, weiß ich, klingt abgedroschen), aber nachdem man die Situation nur zu einem kleinen Teil (maximal nämlich 50%) in der Hand hat, kann man die Zeit auch einfach genießen. Und hell yeah, wahrscheinlich bist du genauso cool, wie deine Freunde (sonst würden die sich ja nicht die Zeit nehmen)

  • <3 Du bist genau richtig, wie du bist. Und wenn sie das nicht sehen können, dann stimmt mit den anderen was nicht. Davon gehe ich sowieso immer aus.

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