Ich bin verliebt, aber das Timing stimmt nicht – wie gehe ich damit um? | Angsthase on Tour 3

Hier kommst du zu Teil 1 und Teil 2 von Marisas “Angsthase on Tour”-Reihe.

 

Wie schnell geht das bitte, dass man sich um eine weitere Person sorgt, sich Gedanken macht und im größten Gewusel auf der Arbeit an sie denkt? An jemanden, den man vor einem halben Jahr noch gar nicht kannte? „And just like that“ ist es so. (Meine romantischen Filmtitel dürfen natürlich nicht fehlen!)

Verliebt und angekommen

Ganz lange, oder vielleicht schon immer, habe ich mir gewünscht, mal so richtig verliebt zu sein. Nicht so schockverliebt für eine Saison, sondern so angekommen-verliebt, so mit-ekligen-Schmetterlingen-im-Bauch-verliebt, die einen fast schon nerven.

Ich habe mir gewünscht, mal so richtig verliebt zu sein, nicht schockverliebt, sondern so angekommen-verliebt.

Auch wenn ich gar nicht wusste, wie sich das anfühlen würde und keine große Hoffnung hatte, es überhaupt zulassen zu können. Dachte, dafür sei ich ein zu großer Schisser, mit zu viel nerviger Vergangenheit. Viel zu oft war ich in dem Mindset: „Erst wenn, das passiert, dann kannst du…“

Ich bin oft immer noch ein Schisser und meine Vergangenheit lässt sich auch nicht wegradieren, trotzdem bin ich verliebt, so angekommen-verliebt! (bah)

Schlechtes Timing

Doch der Zeitpunkt könnte kein schlechterer sein… Ich bin Ausbildung zur Therapeutin, kurz vor dem Zwischenexamen, welches darüber entscheidet, ob ich weitermachen darf, parallel im ersten Praktikum und schon überfordert damit, meine Wäsche gerade zu waschen. Also definitiv genug Learnings für die nächsten Jahre!

Der Zeitpunkt könnte kein schlechterer sein…

Wie so ein FSJ im Ausland, eine Reise in ein fremdes Land, wo alles unbekannt ist. Mit so vielen Ups, aber auch vielen Downs. Mit viel Müdigkeit, ‘ner Menge Frustessen, viel Hinterfragen unseres Gesundheitssystems. Eine Herausforderung, mit der ich niemals gerechnet hätte, als ich mich für eine zweite Ausbildung entschieden habe!

Fehlende Zuversicht

Das wöchentliche Heulen gehört mittlerweile zur Routine, also ist da so gar kein Raum für Hobbys, Freund:innen und Familie, Menschen mit eigenen Bedürfnissen und/oder Problemen.

Da ist so gar kein Raum für Freund:innen und Familie, Menschen mit eigenen Bedürfnissen.

Wieso ziehst du’s jetzt nicht „einfach“ durch und freust dich auf die Zeit danach? Wäre eine berechtigte Frage. An Tagen, an denen ich komplett im Workflow bin, ist das auch kein Problem. An den anderen Tagen, die überwiegen, an denen mir jede Kleinigkeit zu viel ist, ich große Zweifel habe, ob ich das wirklich schaffen kann, da fehlt mir diese Zuversicht.

Wechselnde Gefühle

Wenn alles auf einmal so neu ist, die Therapeutinnenrolle, das immense Lernpensum, die wenige Zeit für schöne Dinge und eine ganz frischen Partnerschaft, dann gibt es Momente, in denen ich gerne wieder Flugbegleiterin wäre! Zeiten, in denen ich weggeflogen bin, bevor irgendetwas eine Herausforderung dargestellt hat, Zeiten, in denen der Jetlag mein größtes Problem war.

Zeiten, in denen ich weggeflogen bin, bevor irgendwas eine Herausforderung dargestellt hat.

Dabei ist all das Neue ja zeitgleich auch so schön! Vor zwei Jahren, hätte ich daran nicht glauben können, eigene Patient:innen zu behandeln und ihnen wirklich damit zu helfen und diesen liebevollen Partner an meiner Seite zu haben. Doch diese wechselnden Gefühle zwischen 1 bis 10, manchmal in einem Moment alle auf einmal, sind auch echt anstrengend! Von Wolke 7 auf den Boden der Tatsachen und wieder zurück…

(Hinein-)Wachsen

Bis zum großen Zwischenexamen sind es jetzt noch ca. fünf Wochen und ich habe keine Ahnung, was in der Zeit noch alles mit mir und um mich herum passiert. Und das als Mensch, der ohne Sicherheit und Kontrolle echt verdammt lost ist. Als Mensch mit utopischem Leistungsanspruch, als Mensch, der mit Haut und Haar die Verbindung zu anderen guten Menschen liebt, lieber die meiste Zeit draußen ist als am Schreibtisch zu sitzen..

Man muss erst hineinwachsen, bevor man sicherer wird. Manchmal hat man dabei Wachstumsschmerzen, manchmal Euphorie, manchmal den Wunsch nach dem geringsten Widerstand!

Aber vielleicht ist das so mit Dingen und Menschen, von denen man keine Ahnung hat, weil sie neu und unbekannt sind. Man muss erst hineinwachsen, bevor man sicherer wird. Manchmal hat man dabei doofe Wachstumsschmerzen, manchmal große Euphorie, manchmal den Wunsch nach dem geringsten Widerstand! (alias wieder Tomatensaft auszuschenken)

Vertrauen lernen

Vor zwei Jahren, während meines Burnouts, war mein Magic Word „Vertrauen“. Vertrauen in meine Heilung, Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten und es hat funktioniert, was ich in vielen Momenten niemals gedacht hätte!

Vertrauen darin, dass diese angekommene Verliebtheit bleibt, bis sie mehr Raum bekommen kann.

Heute versuche ich, wieder zu vertrauen. Vertrauen darin zu haben, dass ich zu jedem Zeitpunkt das tue, wozu ich in dem Moment gerade fähig bin. Vertrauen darin, dass diese angekommene Verliebtheit bleibt, bis sie mehr Raum bekommen kann, Vertrauen in mich..

Breathe, vor allem Peace and love,

eure Marisa

Headerfoto: Lury Bessa (Kategorie-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Marisa ist 32 und aus Köln. Sie schreibt über mentale Gesundheit, das Leben und Veränderungen in unserer verrückten Zeit.

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