Ich bin mutig und doch habe ich Angst vor meiner Wut, dem Verlust meiner Liebsten, sogar vor mir selbst

Wie präsent ist Angst in deinem Leben? “Nicht sehr präsent”, hätte ich noch vor ein paar Jahren geantwortet. Ich liebe Adrenalinkicks, gebe mich am Wochenende gerne dem einen oder anderen Rausch hin, breche liebend gerne Regeln und Prinzipien und schrecke, zumindest wenn ich mal wieder euphorisiert bin, nicht vor spontanen Bauchentscheidungen zurück.

Schamgefühl fremden Menschen gegenüber habe ich mir auch weitestgehend abtrainiert. Meine Aktivität auf Instagram ist der beste Beweis dafür. Schon irgendwie mutig, oder? Schon, nur dass die vergangenen Jahre, etliche Therapiesitzungen, viele schlaue Bücher, extrem lange Telefonate, und ein paar gute Gedanken unter der Dusche mir ein Thema offenbart haben, das ich seither nicht mehr verdrängen kann.

Ein Thema, das sich seit ich mich erinnern kann vor den ganzen rebellischen Mut in mir gedrängt hat und größer war als alle anderen Themen, Ziele und Wünsche: Verlust.

Ein Thema, das sich seit ich mich erinnern kann vor den ganzen rebellischen Mut in mir gedrängt hat und größer war als alle anderen Themen, Ziele und Wünsche: Verlust.

Ich habe ein Thema mit Verlusten. Besser gesagt, ich habe ein Problem mit Verlusten. Oder ganz ehrlich: Ich habe Angst vor Verlusten.

Wenn man sich meine Verlustangst wie eine große leckere Torte vorstellt, dann ist das mit Abstand größte Stück für meinen Freund reserviert. Der Rest teilt sich auf in viele kleine Häppchen, wobei das größte davon mein eigenes ist.

Ja, ich habe Angst vor mir und vor dem, was ich für andere bin. Ich habe Angst vor meinen Gefühlen, am meisten dabei vor meiner Wut. Ich habe Angst davor, sie zuzulassen und dann anderen Menschen wehzutun, wie ich das schon einige Male gemacht habe. Am meisten Angst habe ich dabei, im Unrecht zu sein, und im schlimmsten Fall erst im Nachhinein zu merken, dass ich im Unrecht war.

Ja, ich habe Angst vor mir und vor dem, was ich für andere bin. Ich habe Angst vor meinen Gefühlen, am meisten dabei vor meiner Wut.

Aber wie merkt man, ob die eigene Wut gerechtfertigt ist oder nicht? Ich weiß es nicht, ich habe Angst, das Gespür dafür verloren zu haben. Wie kann man das Gespür dafür verlieren? Vielleicht indem man ständig ein schlechtes Gewissen hat und liebend gerne die gesamte Schuld auf sich lädt. Freiwillige vor, „IIICCHH“, schreie ich jedes Mal nach nicht mal 20 Minuten.

Ich habe Angst, dass mein Freund und meine Mutter das unterbewusst oder bewusst ausnutzen. Ich habe Angst, ihnen etwas zu unterstellen, und das ist ja auch nicht zielführend, schließlich sind das alles nur Muster. Muster, vor denen ich Angst habe.

Ich habe Angst, darin festzustecken und mich mein Leben lang auszubremsen. Ich habe Angst, mich daraus zu befreien und aus lauter Übermut durchzudrehen. Ich habe Angst, dass ich keinen Mittelweg kann, sondern nur Extreme.

 Ich habe Angst, dass ich keinen Mittelweg kann, sondern nur Extreme.

Ich habe Angst vor den Konsequenzen. Ich habe Angst, meine mir liebsten Menschen zu verlieren und mich dafür zu hassen. Ich habe Angst, mich zu verlieren und mich dafür zu hassen. Doch am meisten Angst habe ich davor, gelähmt zu sein, von meiner tiefen Verlustangst, und dadurch zu verlieren.

Sarah ist 28, lebt in Frankfurt und fühlt sich komplett lost, wenn sie sich selbst beschreiben soll. Vielleicht, weil sie noch nicht so richtig weiß, wer sie ist und wofür sie steht. Vielleicht, weil sie sich lange nicht getraut hat, das herauszufinden. Was sie aber weiß oder zumindest ahnt ist, dass es vielen Menschen so geht und dass viel zu wenig darüber gesprochen wird. Deswegen teilt sie ihre ungefilterte Gedankenwelt, bisher auf ihrem Instagramprofil. Ursprünglich gab es dort nur vegane Rezepte, und dann hat es sich eben so entwickelt. Und gerade entwickelt es sich so, dass sie immer mehr schreibt. Vielleicht, weil jeder Text sich anfühlt wie eine kleine Therapiesitzung. Wo auch immer die Reise hingeht, #gowiththeflow und so. 🙂

Headerfoto: Wildan Zainul Faki via Pexels. (Kategorie-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

 

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