Durch Social Media gut vernetzt und trotzdem einsam

Dies ist die Geschichte von Paul, einem modernen Großstädter. Paul ist viel beschäftigt, immer unterwegs. Selten sieht man ihn ohne einen Bildschirm vor der Nase. Wenn er nicht gerade am Computer arbeitet, holt er instinktiv sein Smartphone aus der Tasche. Zum Beispiel, wenn er mit der U-Bahn fährt. Oder wenn er auf dem Bürgersteig läuft und wie mit einem siebten Sinn verschiedenen Hindernissen ausweicht. Er schaut auch drauf, wenn er frühstückt, auf der Toilette sitzt oder im Bett liegt. Paul ist super vernetzt – und fühlt sich einsam.

Die Hersteller von Smartphones und die Anbieter von Apps freuen sich, dass Paul sein Gerät so gerne benutzt. So können sie nicht nur gutes Geld verdienen. So bekommen sie auch einen kontinuierlichen Input von ihm und können ihn gezielt mit Informationen und Werbung versorgen.

Kaum zu glauben, dass Telefone vor ein paar Jahren noch vernachlässigte Objekte waren – irgendwo auf einem kleinen Beistelltisch stehend und vor sich hingammelnd.

Kaum zu glauben, dass Telefone vor ein paar Jahren noch vernachlässigte Objekte waren. Als sie irgendwo, auf einem kleinen Beistelltisch stehend oder an der Wand hängend vor sich hingammelten. Die Menschen nahmen sie die meiste Zeit gar nicht wahr. Hätte man ihnen ihr Telefon weggenommen, sie hätten es wahrscheinlich nicht bemerkt.

Heute ist das Smartphone für Menschen wie Paul ein inniger Begleiter. Es tröstet über die Einsamkeit hinweg, die viele empfinden. Schlimm wird es, wenn der Akku mal leer oder der Empfang schlecht ist. Für solche Fälle trägt Paul deshalb immer eine 300 Gramm schwere Powerbank mit sich. Wenn er abends in den Club geht, steckt er sie in die Innentasche seiner Jacke. Die Leute an der Garderobe stöhnen dann immer, weil seine Jacke dadurch so unhandlich ist und immer vom Bügel rutscht.

Isoliert von der realen Welt

Doch warum fühlt sich Paul so alleine? Wir sind doch ständig mit unseren Mitmenschen verbunden. Man könnte meinen, dass wir in einer Zeit leben, in der es soziale Kontakte im Überfluss gibt. Aber genau darin steckt auch das Problem. Die vielen Apps und sozialen Netzwerke helfen uns zwar, Menschen kennenzulernen. Aber sie helfen nicht, bestehende Kontakte aufrecht zu erhalten und mit Inhalt zu füllen.

Freundschaften werden zur Stangenware. Scheinbar austauschbar.

Freundschaften werden zur Stangenware. Scheinbar austauschbar. Dabei sind sie eher wie eine zarte Pflanze, wie Basilikum: Natürlich kann man ihn in jedem Supermarkt kaufen, aber wenn man sich nicht darum kümmert, geht er im Handumdrehen ein.

In unserem Freundeskreis wimmelt es deshalb von zahllosen Bekannten und flüchtigen Begegnungen. Egal wohin man geht, man trifft immer jemanden, den man schon mal irgendwo gesehen hat. Peinlich, wenn man sich nicht mehr an den Namen eines Facebook-Freundes erinnern kann. Das Ergebnis sind Partys und Events, auf denen man sich von einem oberflächlichen Gespräch zum nächsten hangelt.

„Hey… du! Lange nicht gesehen. Wie geht‘s?“ Das nächste Mal, wenn man sich sieht, ist wieder ein halbes Jahr vergangen. Dann geht der ganze Mist von vorne los.

Soziale Netzwerke sind wie Fastfood für den kleinen Hunger. Wenn Paul sich nach sozialem Kontakt sehnt, ist die App auf dem Smartphone einfach näher als eine Bar oder die Wohnung von seinem Kumpel Ben. Außerdem hat Ben meistens spontan keine Zeit. Ein bisschen durch Facebook oder Instagram blättern kostet nicht viel Mühe. Den Hunger nach sozialem Kontakt stillen sie aber nicht so richtig.

Im Strudel der digitalen Welt

Paul schnappt sich also sein Handy, um ein paar Freunden zu schreiben. In der App tauchen direkt drei Notifications auf, die sich Paul kurz anschaut, damit der rote Punkt ihn nicht länger nervt. Die letzte Notification bringt ihn zum Newsfeed, wo ein Video automatisch anfängt abzuspielen. Paul sieht, dass ein Freund das Video geteilt hat. Er schreibt einen lustigen Kommentar darunter.

Dann verbringt er geschätzte fünf Minuten damit, den Post immer wieder neu zu laden, um zu schauen, ob jemand auf seinen Kommentar reagiert hat. Schließlich geht er zurück auf den Newsfeed. Ganz oben ist jetzt ein Foto von zwei Freunden zu sehen, die nach Thailand gefahren sind. Auf dem Foto posen sie mit zwei Motorrädern.

Bei Paul macht sich ein Stressgefühl breit. Wann war eigentlich sein letzter richtiger Urlaub? Wieso sind schon wieder zwanzig Minuten um? Und was wollte er eigentlich ursprünglich tun, als er die App aufgemacht hat?

Bei Paul macht sich ein Stressgefühl breit. Wann war eigentlich sein letzter richtiger Urlaub? Wieso sind schon wieder zwanzig Minuten um? Und was wollte er eigentlich ursprünglich tun, als er die App aufgemacht hat? Übrig bleibt ein Gefühl, das an den faden Geschmack von Pommes erinnert, die in billigem Fett frittiert wurden.

Paul hat sein Bedürfnis nach sozialer Nähe mit „fast media“ abgespeist. Im Grunde hat er seine Zeit verschwendet. Mehr verbunden fühlt er sich jetzt nicht. Im Gegenteil: Er fühlt sich mies, weil er es immer noch nicht geschafft hat, Geld für einen Urlaub beiseite zu legen.

Wieso können wir unsere Technik nicht so einsetzen, dass wir uns damit besser fühlen? Wieso gibt es kein soziales Netzwerk, das uns verbindet, statt uns im echten Leben zu trennen? Diese Fragen haben mich lange beschäftigt. Bis ich mich entschieden habe, nicht länger zu fragen, sondern eine Antwort zu geben.

Deshalb habe ich als Co-Founder die App Rohpost gegründet. Mit der App wollen wir Menschen helfen, bestehende Kontakte aufrecht zu erhalten. Wir wollen, dass Leute wirklich wissen, wie es ihren Freunden geht und was bei ihnen gerade passiert.

Ein neues soziales Netzwerk

In seiner jetzigen Form ist Rohpost nur der Anfang: Eine Rohpost ist wie ein Newsletter, den man an Freunde schicken kann, um sie auf dem Laufenden zu halten. Damit man seine Zeit nicht nur am Handy verbringt, kann man maximal eine Rohpost am Tag schreiben. Und damit man sich keine Gedanken machen muss, wie die Nachricht bei anderen Leuten ankommt, sind alle Reaktionen darauf privat und nur für den Absender sichtbar.

Eine Rohpost ist wie ein Newsletter, den man an Freunde schicken kann, um sie auf dem Laufenden zu halten – maximal einmal am Tag.

In Zukunft werden noch viele weitere Funktionen dazu kommen, die dabei helfen sollen, engeren Kontakt zu Freunden zu halten – egal, wie weit entfernt sie leben oder wie häufig man sie sehen kann. Allerdings werden nicht alle dieser Funktionen kostenlos sein, wie es die Grundfunktion der App ist. Denn natürlich muss jedes Unternehmen irgendwie Geld verdienen. Wir haben uns dazu entschieden, keine persönlichen Daten auszuwerten und unsere Nutzer nicht durch Werbung zu beeinflussen.

Aber wir sagen: Wenn Dir Rohpost gefällt und Du mehr davon willst, dann unterstütze uns bitte, indem Du weitere Funktionen im Abonnement dazu kaufst.

Seit Paul unsere App nutzt, ist er jedenfalls viel zufriedener. Er verbringt weniger Zeit mit seinem Smartphone und fühlt sich trotzdem immer verbunden. Wenn er jetzt U-Bahn fährt, liest er ein gutes Buch. Oder er wirft seinen Mitmenschen nette Blicke zu – zumindest den wenigen, die nicht auf ihr Handy schauen.

Wenn er Leute auf einer Party trifft und wirklich mit ihnen in Kontakt bleiben will, addet er sie auf Rohpost. Dann kann er sie ganz leicht, aber trotzdem privat an seinem Leben teilhaben lassen. Okay, zugegeben: Paul ist erfunden. Trotzdem gibt es viele Menschen, denen es genauso geht wie Paul. Und die heute überzeugte Nutzer*innen von Rohpost sind. Probier’s doch auch mal aus!

Frederik (Bild) und Mara sind die Gründer von Rohpost, der stressfreien Alternative zu sozialen Medien. Bei der Slow Media App aus Berlin gilt: Weniger ist mehr! Denn die beiden sind überzeugt, dass soziale Medien nicht unbedingt bunt und laut sein müssen. Mit Rohpost wollen sie Nutzer*innen zu mehr Zufriedenheit, Achtsamkeit und nachhaltigen sozialen Kontakten verhelfen.

Headerfoto: Campbell Boulanger via Unsplash.com. (“Gesellschaftsspiel”-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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