Die Welt, in der wir leben: Vom Krieg in der Ukraine und unseren Privilegien

Es ist 9 Uhr morgens, Ich habe mir gerade Kaffee gemacht und während ich mir einen Toast schmiere, ist 1000 Kilometer entfernt ein Krieg ausgebrochen. Fühlt sich an wie dieser Song von Fettes Brot.. Absolute Wahnsinnsshow, im Fernsehen und im Radio, die Sonne lacht so schadenfroh, an Tagen wie diesen. Niemand, der mir sagt, wieso. Beim Frühstück oder Abendbrot. Die Fragen bohren so gnadenlos. An Tagen wie diesen. 

♦ Am Ende dieses Textes findet ihr gute Möglichkeiten, um zu spenden und zu helfen, wenn ihr könnt. ♦

Aber nein, das hier ist kein Song, das ist die scheiß Realität. Verdammt. Ich fühle mich überwältigt, machtlos… und vor allem überfordert.

Aber nein, das hier ist kein Song, das ist die scheiß Realität. Verdammt. Ich fühle mich überwältigt, machtlos… und vor allem überfordert. Und das, obwohl ich mich jetzt gerade in der sehr privilegierten Position befinde, meinen Kaffee trinken und Toast essen zu können ohne dabei um mein Leben fürchten müssen. Und trotzdem wiegt das alles gerade so schwer und es tut verdammt nochmal weh.

Die Welt geht zu Ende … und doch hört sie nicht auf, sich zu drehen.

Wenn solche Dinge passieren, fühlt sich das an wie ein riesiger Einschnitt in das Weltgeschehen. Es fühlt sich an, als würde jemand auf Stopp drücken im Film unseres Lebens. Unser aller Leben. Aber eigentlich läuft irgendwie alles weiter. Als wäre nichts gewesen. Die Erde dreht sich noch immer. Die Sonne geht auf, geht unter. Menschen gehen zur Arbeit. Influencer*innen werben auf Instagram für Kosmetikprodukte. Es ist alles so scheiße surreal.

Es kann einfach nicht sein, dass ausgerechnet ICH ein Recht auf diese Normalität hab, während sie anderen Menschen verwehrt bleibt.

Ich habe das Gefühl, dass ich mir diese Normalität verbieten sollte. Weil es einfach nicht sein kann, dass ausgerechnet ICH ein Recht auf diese Normalität hab, während sie anderen Menschen verwehrt bleibt. Während andere Menschen ihre Heimat verlassen müssen und Angst um ihr Leben, ihre Familie, ihre Zukunft haben, sitze ich hier und trinke meinen Kaffee? Was ist das eigentlich für eine abgefuckte Welt, in der wir leben?

In Momenten wie diesen fühle ich mich so klein. Komme mir vor wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Ein winziges Atom in der Unendlichkeit unseres Planetensystem. Eine Nichtigkeit. Meine Existenz verändert nichts an diesen Ungerechtigkeiten. Auch wenn ich spende, auch wenn ich aufkläre, auch wenn ich mich über menschenverachtende Politiker aufrege… Der Krieg findet trotzdem statt.

Ich hab das Gefühl, jeden Tag härter schwimmen und stärker nach Luft ringen zu müssen, weil mich diese Flut an negativ Schlagzeilen mehr und mehr verschlingen will.

Kriege, Hunger, Pandemien, Klimakrise. Die Liste ist lang und sie wird immer, immer länger. Ich hab das Gefühl, jeden Tag härter schwimmen und stärker nach Luft ringen zu müssen, weil mich diese Flut an negativ Schlagzeilen mehr und mehr verschlingen will. Und ganz egal, wie ich damit umgehe – ob ich so tue als wäre nichts, in den Urlaub fahre und witzige Reels auf Instagram teile oder ob ich mich komplett ausklinke, auf Pause drücke und den Schmerz fühle, obwohl ich mich in einer wahnsinnig privilegierten Position befinde: Es fühlt sich beides falsch an.

Also sitze ich hier, wie gelähmt, trinke meinen Kaffee und bin überfordert.

Also sitze ich hier, wie gelähmt, trinke meinen Kaffee und bin überfordert. Überfordert mit allem, was aktuell passiert, weil ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll und machtlos, weil ich nichts tun kann, um etwas daran zu ändern. Weltschmerz it is. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Weltschmerz als hochsensibler Mensch ist furchtbar.

Die Welt in der wir leben, wird regiert von Macht und Geld

Ich fühle mehr als meine persönlichen Grenzen eigentlich zulassen. Da ist nicht nur diese Flut an Negativität, in der ich krampfhaft schwimme und nach Luft ringe, zusätzlich ist da noch jemand, der mich am Fuß nach unten zieht. Bis ich mich in der erdrückenden, unendlichen Tiefe dieser Flut befinde, in der ich nichts mehr sehe und nichts mehr höre. In der ich nichts mehr wahrnehme, außer meine Gefühle. Ich will schreien, aber ich kann nicht.

Was ist passiert, dass Menschen mit Macht und Geld nach nichts anderem streben als noch mehr Macht und noch mehr Geld?

Weltschmerz ist inzwischen zu meinem treuen Begleiter geworden. Den einen Tag denkst du noch, dass es schlimmer kaum noch geht, am nächsten Tag bricht ein Krieg aus… Was ist mit der Menschheit eigentlich passiert, dass wir hier gelandet sind? Was ist passiert, dass Menschen mit Macht und Geld nach nichts anderem streben als noch mehr Macht und noch mehr Geld? Und zwar auf Kosten all derer, die – Überraschung – keine Macht und kein Geld besitzen.

Auf Kosten all der Lebewesen, die nicht mal eine Stimme besitzen. Auf Kosten eines gesamten Planeten. Und auch wenn wir durch die Digitalisierung einfach mehr vom Weltgeschehen erfahren, als noch die Menschen von vor ein paar hundert Jahren – der Trend ist schon recht eindeutig. Es passiert einfach immer mehr Scheiße auf der Welt und wir müssen für uns ganz persönlich einen Weg finden, so damit umzugehen, dass wir nicht auf der Strecke bleiben. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, wie das gehen soll.

Es ist nicht unsere Pflicht bis an die Grenzen unserer emotionalen Stabilität Informationen über Kriegsdetails zu konsumieren.

Das, was aktuell passiert, ist schrecklich und für mich absolut nicht in Worte zu fassen, aber: Auch wenn wir uns gerade in einer sehr privilegierten Position befinden, ist es okay, nicht die Nachrichten zu verfolgen. Es ist okay, lustige Reels auf Instagram zu teilen. Und es ist okay, Normalität zuzulassen, wenn das hilft.

Von Privilegien und bewusstem Umgang mit dem Weltgeschehen

Natürlich sollten wir uns der Tatsache, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, all das tun zu können und frei darüber zu entscheiden, bewusst sein, aber es ist nicht unsere Pflicht, bis an die Grenzen unserer emotionalen Stabilität Informationen über Kriegsdetails zu konsumieren. Jede*r wählt einen anderen Umgang mit der aktuellen Situation – and that’s okay.

Es ist niemandem geholfen, wenn wir uns kaputt machen, weil wir das Gefühl haben, wir MÜSSEN Stellung beziehen. Und es ist genauso wenig jemandem geholfen, wenn wir Menschen dafür verurteilen, ihrem Alltag nachzukommen, Karneval zu feiern oder Werbung auf ihren sozialen Medien zu schalten. You. Do. You. Wir sollte uns dieses Privilegs bewusst sein und tun, was immer uns hilft, die Situation zu überstehen ohne mental daran zu zerbrechen.

Vollste Solidarität mit allen Menschen der Ukraine.

Und auch wenn diese Zeilen, nichts an der Situation ändern und es sich für mich absolut surreal und auch irgendwie falsch anfühlt hier zu sitzen, mit meinem Kaffee in der Hand und diese Worte zu schreiben: Vollste Solidarität mit allen Menschen der Ukraine. Es ist für mich nicht greifbar, was ihr gerade durchmacht.

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 Lisa Bumble beschäftigt sich gern mit allem worüber niemand so richtig reden mag. Sex während der Menstruation, die Bedeutung der Schwanzlänge, Schönheitsideale von Vulven,… All das was tabu ist halt. Als Scannerpersönlichkeit hat sie eine absurde Vielzahl von Interessen und versucht damit immernoch jeden Tag aufs Neue ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ach und außerdem dreht sie Pornos. Mehr über sie erfahrt Ihr auf ihrem Instagram-Profil.

Headerfoto: Darina Belonogova (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

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