Die Ehefrauen Katharina und Anna über Vorurteile, Gleichberechtigung und das Kinderkriegen | Ein Editorial mit Wildling Shoes

Es gibt viele unnachhaltige Brands, die zum Pride Month schnell mal irgendwas mit Regenbogen rausbringen und sich ansonsten überhaupt nicht um die LGBTQIA+-Community scheren. Das finden wir natürlich doof.

Für unser farbenfrohes und weltoffenes Editorial mit Wildling, die sich vielseitig für Gleichstellung, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einsetzen, konnten wir Vize-Miss-Germany und Aktivistin Katharina Wohlrab und ihre bezaubernde Ehefrau Anna gewinnen. Die beiden modeln den Barfußschuh mit der Regenbogenflagge und Katharina spricht mit uns über Vorurteile, Stereotypen, Gleichberechtigung und das Kinderkriegen, was bei den beiden bald auf dem Programm steht.

Der Wildling-Schuh Tanuki Niji ist übrigens kein begrenzter Pride-Merchandise-Artikel, wie man sie leider viel zu oft sieht, sondern kommt jeden Sommer wieder in den Shop. Und bildet ab, wofür das Unternehmen sich so engagiert einsetzt: Sichtbarkeit und Vielfalt. Die Idee des Pride-Schuhs ist in der Wildling-Community entstanden und hat so viele Menschen begeistert, dass dieser Lieblingsschuh kein Einzelstück mehr ist. 

Der Wildling-Schuh ist kein Pride-Merchandise-Artikel, wie man sie leider viel zu oft sieht, sondern bildet ab, wofür das Unternehmen sich so engagiert einsetzt: Sichtbarkeit und Vielfalt.

Die kleine Regenbogenflagge ziert den linken Schuh, auf Seite des Herzens, als Zeichen für Toleranz und Akzeptanz sowie für die Wertschätzung vielfältiger Lebensformen und damit wird der Wildling nicht nur zum Ort für glückliche Füße, sondern setzt obendrein noch ein Statement.

Katharina, wie ist denn dein eigenes Outing abgelaufen, beziehungsweise findest du, das ist eine Frage, die man so heute überhaupt noch stellen sollte? 

Irgendwann, in einer imaginären Zukunft, wäre es schön, wenn wir uns nicht mehr outen müssten. Jetzt gerade ist es so, dass unsere Generation das noch tun muss, damit die Generationen danach sich vielleicht nicht mehr outen müssen. 

Irgendwann, in einer imaginären Zukunft, wäre es schön, wenn wir uns nicht mehr outen müssten.

Ich habe mich mit 22 geoutet. Davor war ich auch mit Männern zusammen, auch sehr lange mit meinem Ex-Freund. Aber für mich war immer klar, dass ich, bevor ich heirate, gerne mal mit einer Frau schlafen würde, einfach um zu wissen, ob es nicht doch etwas für mich ist. 

Dann habe ich damals meine erste Freundin kennengelernt und daraufhin meine Eltern angerufen, um ihnen zu erzählen, dass ich mich verliebt habe. Meine Eltern haben sich beide total gefreut, dann habe ich gesagt: „Sie heißt Sarah.“ Dann war erstmal Stille. (Lacht.) 

Aber sie haben sich relativ schnell gefangen und lieben jetzt meine Frau Anna auch absolut – sie ist wie eine zweite Tochter für sie. Mein Outing war glücklicherweise sehr entspannt, auch im Freundeskreis, ich glaube, dass viele Menschen diesbezüglich wirklich schlimmere Sachen erleben müssen. 

Leider findet so ein Outing ja nicht nur ein Mal im Leben statt, sondern man muss sich theoretisch jeden Tag neu vor anderen Menschen outen.

Leider findet so ein Outing ja nicht nur einmal im Leben statt, sondern man muss sich theoretisch jeden Tag neu vor anderen Menschen outen. Und das ist super schade, weil heterosexuelle Menschen sich ja auch nicht outen müssen. Die müssen nicht in jeden Gespräch sagen: „Übrigens, ich stehe auf das andere Geschlecht.“

Hast du manchmal das Gefühl, dich für dein Queersein vor anderen rechtfertigen zu müssen?

Ja, ich muss auf alle Fälle Gründe nennen. Zum Beispiel, wenn man von einem Mann angesprochen wird, der kein „Nein“ akzeptiert, ist die erste Ausrede ja häufig: „Ich habe einen Freund.“ Das zieht dann. Wenn ich sage, dass ich mit einer Frau verheiratet bin, wird das häufig nicht so easy von cis Männern akzeptiert. 

Ich glaube, das ist auch ein globales Problem, dass eine Frau an sich nicht akzeptiert wird, wenn sie keinen Mann hat. Dann ist sie direkt weniger wert. Und das ist wahnsinnig traurig. 

Hat das Outing etwas für dich in deinem Selbstbild verändert? Wie hat sich das für dich angefühlt?

Ich versuche tatsächlich, mir gar kein Label zu geben. Es gibt viele Menschen, denen gibt es Sicherheit, sich in eine Schublade einzusortieren. Für mich persönlich nicht, ich möchte mich da nicht einschränken. Weil ich niemandem versprechen kann, dass ich in zwanzig Jahren immer noch mit meiner Frau verheiratet bin. Vielleicht bin ich dann asexuell, pansexuell, who knows? 

Ich versuche mir gar kein Label zu geben. Es gibt viele Menschen, denen gibt es Sicherheit, sich in eine Schublade einzusortieren. Für mich persönlich nicht, ich möchte mich da nicht einschränken.

Jetzt im Moment stehe ich auf Frauen. Und so versuche ich das auch immer wiederzugeben und ich positioniere mich ungern als lesbisch oder bi. Ich sage einfach immer, dass ich queer bin und der Rest ist, glaube ich, absolut privat und intim. Das ist immer so eine Sache, bei der andere Menschen erwarten, dass man ihnen das doch sagt, obwohl das andersherum ja auch nicht so ist. 

Gleichgeschlechtlich bedeutet ja nicht automatisch auch gleichberechtigt. Wie lebt ihr beiden Gleichberechtigung?

Tatsächlich fallen wir auch relativ stark in so heteronormative Stereotypen. Zwar versuchen wir in erster Linie fernab von Stereotypen zu leben, aber durch meinen Job bin ich es, die mit den Hunden den ganzen Tag zuhause ist. Ich wasche, ich koche und kümmere mich um den Haushalt und Anna kommt abends nachhause und legt die Füße auf den Tisch. (Lacht.)

Aber grundsätzlich gilt für uns Gleichberechtigung im Alltag. Es bezahlt nicht eine immer die Rechnung, hält die Tür auf oder geht gerne in den Baumarkt, sondern wir sind beide in unserer Ehe gleichberechtigt.

Grundsätzlich gilt für uns Gleichberechtigung im Alltag.

Gerade jetzt bei der Kinderplanung, da sind wir gerade mittendrin, soll ich zwar das Kind bekommen, aber meine Frau bleibt dann mit dem Kind zuhause. Da gibt es gar keine Diskussion, wir haben nicht die Situation, dass ein Mann mehr verdient und deshalb weiter arbeiten geht. Wir verdienen beide gut und können uns das aussuchen. Anna bleibt erstmal zuhause und vielleicht bleibe ich dann das halbe Jahr darauf zuhause, wir werden sehen.

Glaubst du, dass sich in einer nicht heteronormativen Beziehung Gleichberechtigung leichter umsetzen lässt? 

Ich denke schon. Ich habe das in meiner früheren heteronormativen Beziehung eben auch gemerkt. Mein damaliger Freund hat mehr verdient als ich und hätten wir ein Kind bekommen, dann wäre ich ganz klar zuhause geblieben. Weil wir es uns anders nicht hätten leisten können.

Ich kenne auch viele Papas, die gerne zuhause wären in der Elternzeit und zum Elternabend in der Kita gehen und Kindergeburtstage veranstalten würden – aber die Familie kann sich das einfach nicht leisten. Und das ist bekanntermaßen ein strukturelles Problem. Männer verdienen deutlich mehr und wenn man dann auch noch finanzielle Verantwortung für ein Kind hat, dann ergibt es häufig mehr Sinn, dass der Mann arbeiten geht und die Frau zuhause bleibt. 

Ich kenne viele Papas, die gerne zuhause wären in der Elternzeit und zum Elternabend in der Kita gehen und Kindergeburtstage veranstalten würden – aber die Familie kann sich das einfach nicht leisten.

Ich denke aber, wenn wir eine Beziehung haben, in der beide gut verdienen, dass man es sich dann aussuchen kann. Aber das ist eben ein Privileg und nicht jeder Mensch hat das Glück, da so frei wählen zu können.

Was müsste deiner Ansicht nach gemacht werden, damit sich dieses strukturelle Problem in Zukunft ändern lässt?

Wenn wir alle die gleichen Bedingungen hätten, könnten wir frei entscheiden, wer zuhause bleiben möchten. Das hat viel mit den Arbeitgeber:innen zu tun, dass sie diese Bedingungen schaffen müssen. Und zwar nicht nur das gleiche Gehalt, sondern auch die gleichen Möglichkeiten was Wiedereinstieg und Elternzeit betrifft. Das sollte selbstverständlich und normal sein. Ich glaube solche Veränderungen müssen zuerst in Gang kommen und dann wird sich das relativ schnell eingrooven, dass viele Männer auch gerne zuhause bleiben. 

Wie werdet ihr als Paar denn von außen wahrgenommen? Gibt es häufig Vorurteile, denen ihr begegnet?

Wir haben tatsächlich oft damit zu kämpfen, dass wir als Schwestern gesehen werden. Wir sind beide blond, ähnlich groß und wiegen ähnlich viel, aber da hört es dann auch schon auf. Ich glaube, das hat einfach sehr viel mit dem Stereotyp „Lesbe“ oder dem Stereotyp „bi“ zu tun, dass man meint, da muss ja eine der beiden Frauen besonders maskulin aussehen. Und das stimmt natürlich nicht. 

Ich kenne total viele gleichgeschlechtliche oder queere Paare, die gar nicht diesen Stereotypen entsprechen und die dann auch nicht als Paar wahrgenommen werden. Wir müssen häufig unsere Sexualität und auch unsere Identität erklären, müssen irgendwie immer noch etwas dazu sagen. 

Wir müssen häufig unsere Sexualität und auch unsere Identität erklären, müssen irgendwie immer noch etwas dazu sagen.

Und ich merke häufig, wie wir in dieser Berlin-Bubble leben und Queersein in anderen Gegenden und Ländern einfach noch nicht so weit ist. Wir dürfen in Deutschland ja wenigstens unsere Sexualität ausleben, aber trotzdem wird es uns oft nicht so leicht gemacht.

Hast du das Gefühl, dass dieses Bewusstsein auch eine Generationsfrage ist?

Das glaube ich gar nicht. Queere Paare gab es schon immer, auch wenn sie es nicht so leicht hatten, darüber zu sprechen und das auszuleben. Ich glaube, es hat viel mit dem Ort, an dem man lebt, zu tun, aber auch viel mit Bildung. Gar nicht bezogen auf „dumm“ oder „schlau“, sondern einfach Menschen, die in dem Bereich nicht gebildet sind, dass sie wissen, es gibt etwas fernab von Stereotypen. 

Wir sehen das ja jeden Tag auf Social Media. Da gibt es unter Pride-Beiträgen immer noch Menschen, die kommentieren, dass das ekelhaft ist oder von Gott so nicht gewollt. Bewusstsein für Diversität sollte wie Allgemeinwissen in allen Unterrichtsfächern Platz finden und vermittelt werden und das bereits im jungen Alter wie beispielsweise durch Kinderbücher. 

Wie stehst du dazu, wenn sich Brands im Pride-Month für mehr Sichtbarkeit und Diversität einsetzen? Empfindest du das als positiv oder siehst du das vielleicht auch kritisch?

Ich habe eine relativ klare Meinung dazu. Man muss unterscheiden zwischen Marketingmaßnahmen wie Queerbating und Rainbowwashing auf der einen Seite und Unternehmen, die sich auch über den Juni hinaus für queere Menschen einsetzen. 

Man muss unterscheiden zwischen Marketingmaßnahmen wie Queerbating und Rainbowwashing auf der einen Seite und Unternehmen, die sich auch über den Juni hinaus für queere Menschen einsetzen.

Wir haben dieses Jahr keinen CSD und es gibt viele Marken, die tatsächlich aus diesem Grund keine queere Kampagne machen. Sie haben nämlich keinen CSD-Truck, können damit keine Menschen auf sich aufmerksam machen und lassen es deshalb ganz bleiben. Das ist für mich eine große Red Flag, wenn ein Unternehmen das nur für den eigenen Profit macht. Dann brauche ich diese Sichtbarkeit nicht.

Aber es gibt natürlich auch Brands, wie besipielsweise Wildling, die eine Kampagne mit queeren Menschen im Juni machen und sich auch die restlichen Monate für mehr Sichtbarkeit und Diversität einsetzten. Bei denen steckt einfach viel mehr dahinter. Die machen sich stark für langfristigen finanziellen Support der LGTBQIA+-Community und beziehen als Unternehmen klare Stellung in ihrem Handeln und ihrer Arbeit. Und dann bin ich größter Fan von solchen Kampagnen.

 

Liebe Katharina, danke für deine klaren und weisen Worte, liebes Ehepaar, danke fürs Modeln. Ihr seid schön – innen und außen. Genau so wie Wildling Shoes. Das ist übrigens ein familiäres Unternehmen, das uns und viele von euch mit seinen wirklich schönen und streettauglichen Barfußschuhen begeistert – dem Tanuki Niji mit Regenbogen-Fähnchen und ganz vielen anderen Modellen. Die Schuhe sind leicht, flexibel und passen sich dem natürlichen Bewegungsablauf von Klein und Groß an. Nachhaltig, gesund und schnieke. Lieben wir ja.

Fotos: vom fabelhaften Andreas Bohlender. Danke dafür!

Werbung: Dieser Beitrag wurde von Wildling Shoes gesponsert. Wir lieben diese Firma heiß und innig und tragen die Schuhe privat irre gerne. Sind die besten. Schwören wir!

Nika liebt das Meer und frischen Wind in ihren Segeln. Besonders angetan haben es ihr außerdem Schweden und das Schreiben über aktuelle Themen, irrwitzige Gedanken und aufrichtige Gefühle, vor allem natürlich für die Redaktion von im gegenteil. An einem perfekten Geburtstag gibt es bei ihr Nudelsuppe von ihrem Opa und Vanillepudding von ihrer Oma.

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