Akne – Ein Drahtseilakt zwischen Selbstablehnung und Selbstakzeptanz

Akne – eine Hautkrankheit, die einem so offenkundig ins Gesicht geschrieben steht, dass einem quasi gar keine Wahl bleibt, als zu lernen, offen und authentisch damit umzugehen und zu sich zu stehen.

Das stellt auch die Beziehung zu einem selbst auf die Probe. Führe ich eine Schönwetter-Freundschaft zu mir selbst? Soll heißen, bin ich mir gegenüber nur wohlgesonnen, wenn ich keine offenkundigen Makel erkennen kann und die Sonne für meine Haut und damit auch für mich scheint?

Oder sag ich auch JA zu mir, wenn es regnet oder gar schneit? Die zu lieben, die einen lieben, ist leicht, aber wie sieht es mit der Liebe zu deinen Feinden aus? Vor allem mit dem heimlichen „Feind“ auf deinem Gesicht, der Akne? Besonders in Zeiten, in denen dein Gesicht eher einem Schlachtfeld mit verschiedenen Entzündungsherden und Stellvertreterkriegen gleicht und du mit schwerem Gerät akribisch reinigst, peelst und cremst.

Akne stellt auch die Beziehung zu einem selbst auf die Probe. Führe ich eine Schönwetter- Freundschaft zu mir selbst?

Am Ende des Tages schauen wir alle ungeschminkt in den Spiegel und dann kommt es darauf an, wie du zu dir stehst. Das Leben schubst uns förmlich zu dieser Lernaufgabe. Ich persönlich halte nichts davon, wenn man noch mitten im Prozess ist und gerade in seiner Selbstablehnung badet, sich mit einer lapidaren, pseudo positiven Affirmation, einer Selbst-Bejahung, was Nettes vor dem Spiegel zu sagen. Denn das würde doch bloß wieder das übertünchen, was du fühlst.

Sinnbildlich gesprochen könnte man sagen, unerhörte Gefühle brechen sich ihre Bahnen durch deine Haut, um in einem schönen, eitrigen Pickel zu gipfeln. Aber dieser Pickel ist nur die Spitze des Eisbergs. Spitze, das ist die griechische Bedeutung des Wortes „Akne“.

Gefühle wollen erhört und nicht mit einem schwungvollen Pinselstrich vor dem Spiegel wie runtergefallene Blätter an einem goldenen Herbsttag hinweggefegt werden. Diese Affirmation wird dir wie eine Lüge vorkommen, die du dir selber erzählst. Sie wird nicht zur Wahrheit, nur weil du sie dir asketisch vorbetest wie ein Mantra.

Gefühle wollen erhört und nicht mit einem schwungvollen Pinselstrich vor dem Spiegel wie runtergefallene Blätter an einem goldenen Herbsttag hinweggefegt werden.

Das ist so, als würdest du weinend vor einem Freund stehen und ihm von deiner Traurigkeit berichten, aber er hört dir nicht zu, sondern schiebt dir ein Bonbon in den Mund. Du hast den Mund voll, es schmeckt süß, aber es wird dich nur kurz trösten.

Genauso ist diese Selbstbestätigung, sie ist ein kurzer Beruhigungsversuch, der an der Oberfläche kratzt, deinen Gefühlszustand aber nicht behebt. Sie streift dich an der Hautoberfläche, aber erreicht dich nicht in der Tiefe. Dort, wo die Entzündung sich ihren Weg bahnt. Ja, im Selbstbetrug war und bin ich noch immer gut und verrate damit viel zu häufig meine Gefühle zu mir. Aber die Wahrheit ist reinigend, heilsam, manchmal erschreckend und nackt, so wie mein Gesicht jetzt vor dem Spiegel.

Dimitra ist eine naturverbundene Seelenschmökerin mit Hang zur Tagträumerei und melancholischem Einschlag. Philosophiert gerne über das Leben und belästigt nun neuerdings auch ihre Mitmenschen mit ihren schriftlich festgehaltenen Gedanken.

Headerfoto: Shannon VanDenHeuvel via Unsplash. („Wahrheit-oder-Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

 

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