Wieso hast du mich nicht einfach lieben können?

Ich habe so viele Male versucht, dein Wesen einzufangen, etwas Greifbares von dir zu erhaschen. Unser Zusammensein hatte immer zwei Seiten: Auf der einen war es wunderbar, wenn wir gemeinsam waren, ich war unendlich froh, wenn du da warst und ich mich bei dir geborgen fühlen konnte. Und dann war da die andere Seite. Die, wo ich nicht bei dir war und mir jede Sekunde elendig bewusst war, dass es keine Verpflichtung gab, keine Verbindlichkeit, nichts, was den Sturm in mir besänftigen konnte.

Hatten wir uns tags vorher gesehen, war alles gut. Ich war ruhig, denn es war schön gewesen. Und vertraut und irgendwie romantisch, wenngleich wir niemals etwas anderes taten als es miteinander. Und abends schlief ich ein mit der Hoffnung, dass du dich am nächsten Tag gemeldet haben würdest. Obwohl du es nie getan hast.

Ich werde dir heute nicht schreiben, nein, ganz sicher nicht! Es muss nicht immer alles von mir kommen, du kannst dich auch etwas bemühen! – Okay, ich habe dir geschrieben.

Und so oft haben wir uns gestritten. Ich fühlte mich nicht geliebt von dir und du wusstest das genau. Ganz am Anfang hast du einmal gesagt, wenn ich mich verliebte, würden wir es lassen. Und ich habe mich verliebt und wir haben es nicht gelassen.

Und so verstrich Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat und schließlich ein ganzes Jahr, in dem ich dich lieber nur stundenweise besaß als gar nicht. Und jedes Mal, wenn ich so endlos verletzt war, weil du mir nicht mehr geben wolltest und ich in meinem Bett lag, weinte und mir selbst sagte, dass es das nicht wert wäre, kam eine Nachricht von dir.

Ich fühlte nur noch Schmerz, Trauer und Wut, wenn ich an dich dachte.

Letztendlich gab ich auf. Ich fühlte nur noch Schmerz, Trauer und Wut, wenn ich an dich dachte. Trotzdem konnte ich es nicht begreifen, wie in dir zwei solch unterschiedliche Wesen existieren konnten. Ein so zartes, von der Vergangenheit gezeichnetes Wesen, das du vor der Welt versteckt hieltest, und das Schildwesen, das du vorgeschoben hast, um dich zu beschützen. Ein regelrechter sexistischer Proll, der „von ganz unten kam“. Genau so hattest du das immer genannt, aber ich kann bis heute nicht sagen, warum du das so sahst.

Wir kannten uns schon lange. Sicherlich beinahe zehn Jahre. Damals war ich noch fast ein Kind und du gerade so erwachsen, Sex für mich keinen Stellenwert und so waren wir unwillkürlich Freunde geworden. Dann haben wir uns ewig nicht gesehen und als wir uns wieder trafen, war es, als hätte es früher nie gegeben.

Ich war mittlerweile sehr erwachsen geworden und ein ganz anderer Mensch. Ich konnte nie die Schnauze halten, war vorlaut und ein bisschen arrogant. Die schüchterne, kleine 15-Jährige war nicht mehr da. Und so gab ich dir meine neue Nummer und es wurde zum Selbstläufer.

Dann servierte ich dich ab. Nach einem Jahr Hin und Her, Tränen, Verzweiflung, Zuneigung, Hass, Sex und unendlichen Diskussionen, hielt ich es einfach nicht mehr aus.

Und heute – 11 Monate später –  denke ich immer noch voller Wehmut an dich, frage mich, wieso es nicht hat klappen können. Wieso du mir nicht Zugang zu dir gewährt hast und vor allem, wieso du mich nicht hast einfach lieben können.

Elisa Svensson ist 25 Jahre alt, wohnt im schönen Nordhessen und studiert neuerdings auch dort, um Berufsschullehrerin zu werden. Im Steuerrecht, wenn es läuft, wie sie sich das vorstellt. Außerdem ist sie eine verrückte Katzenlady, die aber alle Tiere super toll findet. Und trotz diverser Male, die sie damit ganz übel auf die Schnauze geflogen ist, glaubt sie immer noch an die ganz große Liebe. Hach, romantisch. Mehr von ihr gibt es hier.

Headerfoto: Junge Frau hinter Pflanze via Shutterstock.com! (“Gedankenspiel”-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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