Wie Weihnachten mit Kind plötzlich doch zum Fest der Liebe wird

Es gab die Zeit, da graute es mir vor Weihnachten. „Das Fest der Liebe“ erinnerte mich an mein Singledasein und meine wohl nicht ganz so perfekte Familie. Weihnachtslieder im Supermarkt ließen meine Zähne knirschen und dieser ganze Kitsch überall brachte nur ein genervtes Seufzen hervor.

Dazu kamen Kindheitserinnerungen mit einem reichlich beschenkten Abbild meiner Selbst und einer ziemlich gestressten Mutter, die zu sehr versuchte, eine Perfektion aus den Feiertagen zu machen. Das Ergebnis: dicke Luft unterm Weihnachtsbaum. Dazu ein getrenntes Elternhaus und trotz der vielen Geschenke fühlte ich mich einsam. Als Erwachsener begann ich meine eigenen Regeln zu machen. Heiligabend mit Freunden, keine Geschenkorgie, wenig Kitsch und Ente am 24.12. Das war schön und doch fehlte mir etwas…

Mein 2020 war trotz allem eine Bereicherung.

2020 ist schon ein verrücktes Jahr. Alles wird auf den Kopf gestellt und Corona zeigt, wie egoistisch und ignorant der Westen wirklich ist. Während asiatische Länder schon wieder volle Clubs haben, wird hier noch um Restriktionen gestritten und Masken werden verweigert. Das Ergebnis: die Pandemie zieht sich weiter hin und Weihnachten wird eingeschränkt. Für Familien mit Risikogruppen eine Lebensgefahr, für Großfamilien ein starker Beschnitt.

Hätten wir nicht ein Jahr mal auf Auslandsurlaub verzichten können? Ist es so schlimm sich an einfache Regeln zu halten? Mal an die Gemeinschaft zu denken und nicht an das eigene Interesse? Die Einschränkungen sind notwendig, aber hätten nicht sein müssen, wenn alle an einem Strang gezogen hätten. Das Ergebnis einer Individualgesellschaft.  Mein kommender 40ster wird jedenfalls nicht die ausladende Party, wie erhofft, doch das ist OK. Es gibt einfach Wichtigeres. Schade, dass dies viele nicht so sehen.

Irgendwie kann sich aus diesem ganzen Wahnsinn auch Gutes entwickeln. Mir tut es jedenfalls gut, das Herz an erste Stelle zu setzen und doch mit dem Verstand in Einklang zu bringen.

Und doch war 2020 mein Jahr. Zusammenwohnen mit der liebenswertesten Frau in meiner Welt (nachdem sie an Weihnachten aus Schweden zu mir kam), die Nachricht vom Nachwuchs am Valentinstag, Umzug in ein viel größeres und schöneres Heim, Homeoffice bei meiner Liebsten, die Geburt meiner Tochter, Loslassen von Social Media, das Entdecken der Kochkunst und dem Aussieben der echten Freunde.

Irgendwie kann sich aus diesem ganzen Wahnsinn auch Gutes entwickeln. Einfach auf das Elementare im Leben konzentrieren. Mir tut es jedenfalls gut, das Herz an erste Stelle zu setzen und doch mit dem Verstand in Einklang zu bringen. Seitdem ich mich nicht mehr durch Timelines scrolle, ärgere ich mich weniger und habe den Kopf freier für andere Dinge. Ich suche mir meinen Input bewusster aus und schaue auch nicht mehr nach Likes von Menschen, denen ich nicht wirklich etwas bedeute.

Ich bin im Hier und Jetzt bei meinen zwei Mädels.

Ein bisschen Liebe für alle!

Und genau deshalb fühlt sich Weihnachten dieses Jahr großartig an. Meine Tochter ist fast zwei Monate alt und doch schaut sie schon ganz gebannt auf die Weihnachtslichter. Sie zu sehen erwärmt mein Herz unendlich und immer wieder aufs Neue. Bedingungslose Liebe bekommt eine neue Ebene und jeden Morgen sehe ich sie wie einen kleinen Engel im Bettchen liegen.

Es fühlt sich nach einer Familie an. Eine, die ich mir immer gewünscht habe. Und so bastelt meine Freundin Weihnachtskränze und verpasst den Weihnachtsmännern Atemschutzmasken, ich backe Plätzchen und das Würmchen schläft oder brabbelt vor sich hin. Kitsch ist genauso okay, wie ein riesiger Weihnachtsbaum und Geschenke.

Es ist eben doch das Fest der Liebe und auch wenn Karl Marx sicher schnaufen würde bei meinen Ausgaben in diesem Jahr, so freue ich mich auf das Fest. Auch, weil wir an Heiligabend in unserer kleinen Runde bleiben; im ganz kleinen Kreis der Familie. „Less is more“.  An den Weihnachtsfeiertagen gibt es keine Reise von A nach B. Einfach nur WIR und hoffentlich (das wäre perfekt) ein paar Schneeflocken. Ach ja… den Klimawandel gibt es ja auch noch.

„Mindfulness“, das ist das Wort, welches mir vom Geburtsvorbereitungskurs kleben geblieben ist. Und das ist der Zustand, den wir viel zu selten haben. Augen schließen… Einatmen… Ausatmen… Sich selbst spüren.

Ich wünsche denjenigen, die sich dieses Jahr alleine fühlen, sich eine schöne Zeit zu machen. Sei es mit einem Buch, einem gepflegten Videospiel, einem guten Film, Musik, Glühwein, leckerem Essen oder was auch immer gut tut. Sich auch mal in Demut üben und dankbar dafür sein, dass man gesund ist (was man hoffentlich ist). Denn es gibt viele Menschen, die es erwischt hat in diesem Jahr. Sehr traurig.

Vielleicht kann man auch die Zeit nutzen, das Smartphone wenigstens für ein paar Stunden bei Seite zu legen, um sich zu sammeln. „Mindfulness“, das ist das Wort, welches mir vom Geburtsvorbereitungskurs kleben geblieben ist. Und das ist das Wort oder der Zustand, den wir viel zu selten haben. Eben weil wir uns am Bildschirm von uns selbst ablenken. Augen schließen… Einatmen… Ausatmen… Sich selbst spüren.

Ich habe dieses Jahr ganz viel Familien-Glück und dafür bin ich dankbar.

All denen, welche eine schwere Zeit haben und nicht so viel Glück, wünsche ich Kraft.
Uns allen wünsche ich mehr Zusammenhalt und Liebe für die anderen.
Lasst es euch gut gehen und bleibt gesund!

Liebst,

Daddy Cool

Headerfoto: S&B Vonlanthen via Unsplash (Gesellschaftsspiel Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

LINUS Traumjäger, Herzmensch und Kreativling.

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