Männerbrüste und warum ich sie so sexy finde

Wenn ich an das Schönheitsideal meiner Jugend denke, kommt mir das kalte Grauen. Wir alle, besonders die Kinder der achtziger und neunziger Jahre, sind tief geprägt von dem gesellschaftlichen Hass auf Körperfett.

Nur gut, dass inzwischen überall versucht wird, dieses Stigma auszulöschen und Körperfett liebevoll aufzuwerten. Doch was für so viele Körperteile funktioniert, ist bei Männerbrüsten etwas komplizierter. Diese sind nämlich nicht nur von Fatshaming betroffen, sondern auch von Diskriminierung.

Google ich “Manboobs”, finde ich seitenweise Tipps, wie man sie am besten loswerden kann. 

Wenn Männer etwas mehr Fett im Brustbereich haben, werden sie dafür aufgezogen. Brüste, das klingt weiblich. Manboobs, Männerbusen, Männertitten – all diese Namen und der Präfix „Männer-„ implizieren , dass Rundungen am Oberkörper Frauen vorbehalten sein sollten. Google ich “Manboobs”, finde ich seitenweise Tipps, wie man sie am besten loswerden kann. Darunter ist kein einziger Artikel, der nicht herablassend über dieses Körperteil spricht.

Dabei sind Manboobs gar keine Seltenheit. Mehr als die Hälfte der Männer in Deutschland haben Manboobs, unabhängig davon, ob sie dick oder dünn sind. Dabei kann es sich um Fettzellen oder um hormonell bedingte Schwellungen handeln. Doch egal, woher Manboobs kommen – es ist an der Zeit, das Stigma einmal unter die Lupe zu nehmen.

Was wir wirklich loswerden müssen

Für Männer ist es so viel mehr als nur Bodyshaming, wenn sie wegen Manboobs aufgezogen werden. Denn es geht um ihre Männlichkeit. Diese definiert sich hauptsächlich über die Abwesenheit von weiblichen oder homosexuell klassifizierten Verhaltensweisen und Attributen. Gleichzeitig haben die letzten Jahrzehnte uns Schwarzeneggersche Männlichkeitskonzepte in den Kopf gepflanzt, während Jungs, die nicht dem Ideal entsprechen, bis heute als Muttersöhnchen, Weicheier oder Versager getadelt werden.

Wir sollten beginnen, uns wirklich um die Idee von Männlichkeit zu kümmern. 

Deshalb sollten wir unbedingt beginnen, uns wirklich um die Idee von Männlichkeit zu kümmern, die selbst in ihrem ganzen Konzept die Ursache des Problems ist. Sie ist extrem widersprüchlich und fragil, denn sie zerbricht, sobald der Mann minimal aus der Reihe tanzt.

Männer profitieren zwar vom Patriarchat, sind aber trotz dieses Privilegs nicht weniger von geschlechtsspezifischer Unterdrückung betroffen.

Für Frauen ist es oft erstrebenswert, Dinge wie ein Mann zu tun. Umgekehrt ist es für Männer erniedrigend, wenn sie mit Frauen verglichen werden. Das Idealbild von einem richtigen Mann darf keinen Busen haben, auf keinen Fall weich und vor allem nicht weiblich erscheinen.

Wie wäre es, wenn wir unser Unterbewusstsein selbst im Griff hätten und es von toxischen Schönheitsidealen befreien könnten? Würden wir uns dann in der Diskussion um Männlichkeit auch oberflächlich auf andere Elemente als Muskeln und große Penisse berufen können?

Wie wäre es, wenn wir unser Unterbewusstsein im Griff hätten und es von toxischen Schönheitsidealen befreien könnten?

Und was, wenn alle männlichen Models ab morgen Manboobs haben würden? Wenn das die Bedingung wäre, um ins Schönheitsraster zu fallen? Würdest du Manboobs dann vielleicht auch begehrenswert finden?

Weiche Traumprinzen

Nicht jede:r muss alles sexy finden. Doch es langweilt mich, dass die meisten von uns immer das Gleiche als schön definieren, vor allem, wenn es um das heterosexuelle Begehren auf Männer geht. Wir sollten lernen, zu separieren und zu reflektieren, was erlerntes Ideal ist und was wir wirklich aus eigenem Empfinden als schön erachten.

Ich gebe zu, es ist sicher einfacher, ein Körperteil in das Spotlight zu rücken und mit Glitter zu bewerfen, als es wirklich lieben zu lernen.

Es ist einfacher, ein Körperteil in das Spotlight zu rücken und mit Glitter zu bewerfen, als es wirklich lieben zu lernen. 

Es benötigt viel Zeit, die Verbindungen in unserem Hirn zwischen Brustfett und Unmännlichkeit oder Hässlichkeit zu eliminieren. Manboobs müssen viel mehr qualitative Medienpräsenz erfahren. Das heißt, sie dürfen nicht nur am Bademeister gezeigt werden, sondern auch in Sexszenen mit dem Traumprinzen.

Akzeptanz und Toleranz ist nicht das Gleiche, wie etwas einfach nur zu „dulden“. Es bedeutet, Männer mit Manboobs zu daten, zu vögeln und sie wirklich zu begehren. Je mehr wir lernen, jeden Aspekt menschlicher Schönheit zu sehen, desto mehr Freude, Orgasmen und Liebe wird es für uns geben. Versprochen.

Lea Joy lebt mit ihrem Partner und zwei Kindern in Athen. In ihrer Freizeit isst sie gerne Kimchi und denkt über soziale Missstände nach.

Headerfoto: Harps Joseph (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

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