Von schwierigen Situationen und wie sie mich wachsen lassen

Es ist bisweilen schwierig, an mehreren Baustellen gleichzeitig zu arbeiten. Ob in der Ausbildung (vor allem darin), im Nebenjob, in der Familie oder bei nervigen Glaubenssätzen, die immer mal wieder gehört werden wollen. Das alles macht mich manchmal ziemlich müde. Aber ich habe auch etwas Wichtiges bemerken können, wenn meine Gedanken und Gefühle der Überforderung mal wieder Überhand nehmen.

Dafür muss ich knapp 2 Jahre zurück zu der Zeit, als ich durch ein Burnout und anschließendem Klinikaufenthalt insgesamt 1 Jahr krankgeschrieben war. In diesem Jahr habe ich viel gelernt, das wohl Prägendste war: „Weniger ist mehr!“ Also, dass ich alles viel mehr dosieren muss und dass ich mir Ressourcen aufbaue.

Hilfreiche Ressourcen im Leben

Dinge zu sehen, die bereits da sind, mehr in meinen Alltag zu integrieren, neue Dinge auszuprobieren, die mir guttun und die ich bis heute regelmäßig tue, aber auch zu merken, was nicht so meins ist (RIP überteuerter Aquarellfarbkasten).

Ich fand großen Frieden in der Natur, habe neue Kraft durch motivierende und weise Bücher gefunden, habe Wut und Frust beim Joggen mal mehr mal weniger loslassen können, beim Makramee knoten die Welt um mich herum mal kurz vergessen und beim Meditieren so einige Male gemerkt, das Routine schaffen gar nicht mal so easy ist.

Jetzt rückblickend weiß ich, wie sehr sich diese innere Arbeit gelohnt hat, wie gut mir diese Dinge tun.

Jetzt rückblickend weiß ich, wie sehr sich diese innere Arbeit gelohnt hat, wie gut mir diese Dinge tun. Leider ist es ja oft so, dass wir erst etwas zu schätzen wissen, wenn die Zeit wieder knapper wird.

Doch zurück zur eigenen Reaktion auf Dinge, die im Außen passieren: Manchmal ist es echt scheißegal, wie viele kraftspendende Ressourcen wir haben, manchmal passiert etwas und bääääm in your Face! Die eigene Welt wackelt, das Ich wird infrage gestellt (inkl. der wichtigsten und Werte) und dann hilft weder die Kraft der Natur noch ein tolles Buch, um herunterzukommen.

In so einem Moment hilft mir nur die Liebe von tollen Menschen. Punkt. Was ja doch eine Ressource ist, denn solche Menschen um sich herum zu haben, ist alles andere als selbstverständlich!

Als meine Welt letzte Woche ordentlich ins Wackeln gebracht wurde, war meine erste Reaktion Sprachlosigkeit und eine recht opfermäßige Haltung à la „Wieso muss mir das passieren?“ Wieso jetzt? Wieso bla, wieso blub? Darauf folgten Tränen er Wut und Unverständnis.

Neue Kraft

Was anders war als noch vor kurzer Zeit, war meine anschließende Reaktion, als ich wieder einigermaßen zu mir kam. Mein Rücken wurde wie durch Zauberhand gerade, mein Brustkorb wölbte sich nach vorne und mein Stand wurde fest.

Menschen, die einen tief getroffen haben, zu konfrontieren, gehörte bis zum besagten Moment definitiv nicht zu meinen Stärken, Tränen wurden immer weggewischt und Zuhause die Aussage „Alles ist gut“ benutzt wie eine sich ewig drehende Schallplatte! Dies Mal nicht.

Fast schon stolz zeigte ich mein verweintes Gesicht und stellte mich der Situation.

Fast schon stolz zeigte ich mein verweintes Gesicht und stellte mich der Situation. Trotzdem hätte ich darauf natürlich auch gut verzichten können, doch es hat mir wieder ein Stück mehr dazu verholfen, zu mir selbst zu stehen. Klar hätte mir ein Tag im Phantasialand mehr Spaß gemacht, aber das war eben keine Option.

Traurigkeit, Wut und Enttäuschung zu zeigen, ihr den gleichen Raum wie Freude und anderen „positiven“ Emotionen zu geben, war für mich eine neue Reaktion, die mir jetzt Kraft gibt! Dafür war es so wichtig, Ressourcen zu haben, an die ich mich erinnern konnte. Das Wissen darüber zu haben, was mir guttun wird, was mir helfen wird, mich zu erholen, was mir wieder zu inneren Frieden verhelfen wird.

Traurigkeit, Wut und Enttäuschung zu zeigen, war für mich eine neue Reaktion, die mir jetzt Kraft gibt!

Das darauf folgende Wochenende habe ich genutzt, um aufzutanken, nachdem ich noch mal eine ordentliche Ladung rausgelassen habe. Durch Joggen in der Natur und durch meine größte und wertvollste Ressource: meine Freunde, die ich wahnsinnig liebe !

Breathe, peace and love,

Eure Marisa

Headerfoto: Gaspar Zaldo (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

Marisa ist 30 und aus Köln. Sie schreibt über mentale Gesundheit, das Leben und Veränderungen in unserer verrückten Zeit.

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