Und täglich grüßt der Dating-Fail: Warum fällt mein Herz immer wieder auf die Falschen rein?

Wenn es ums Daten geht, habe ich das Gefühl, die Hauptrolle in der Neuauflage von Und täglich grüßt das Murmeltier ergattert zu haben. Total unfreiwillig. Aber wie Bill Murray muss auch ich scheinbar erst einmal irgendetwas verstehen, lernen und ändern, um aus dieser Dauerschleife der Gefühlsachterbahn endlich aussteigen zu können.

Wenn einfach alles passt

Nach einem guten halben Jahr Dating-Pause – mein kleines geschundenes Herz brauchte etwas Zeit, um sich nach dem letzten Desaster zu erholen – hatte ich es Anfang des Jahres doch mal wieder gewagt und bin in den virtuellen Dating-Pool gesprungen. Dank Corona blieb einem ja auch kaum was anderes übrig. Und wieder habe ich ihn magisch angezogen. Diesen einen Kerl, der mich total catcht mit seiner Ausstrahlung, der Art zu reden, mich anzusehen und zu umwerben.

Alles passte von Anfang an. Super Gespräche, viele Gemeinsamkeiten, selbst die Lebensziele waren deckungsgleich, und dann diese körperliche Anziehung … Kurz: Es hätte schöner nicht sein können.

Ich wollte mich nicht Hals über Kopf in eine Vorstellung von dem verknallen, was möglich sein könnte, sondern all die dargebotenen Verheißungen auf eine mögliche gemeinsame Zukunft skeptisch sehen, weil es einfach zu viele waren, sie zu schnell kamen und mein Verstand mit Händen und Füßen alle verfügbaren Alarmglocken im Akkord und fast schon hysterisch bimmelte. Ich wollte es langsam angehen lassen und trotzdem hat mein Herz seine ganzen miesen Erfahrungen über Bord geworfen und sich ohne Rettungsring in die Fluten gestürzt.

Ich wollte es langsam angehen lassen und trotzdem hat mein Herz seine ganzen miesen Erfahrungen über Bord geworfen und sich ohne Rettungsring in die Fluten gestürzt.

Ich weiß nicht, ob mein Herz einfach lebensmüde ist oder darauf vertraut, dass mein Verstand mit besagtem Rettungsring unterm Arm hinterher springt und es am Kragen packt, während es fröhlich in Richtung alles verschlingendem Höllenschlund paddelt, weil es meint, dahinter das lang ersehnte Glück zu erblicken. Es ist einfach total blind für jegliche Warnzeichen, da kann selbst ich nur im Einklang mit meinem Verstand den Kopf schütteln.

Warum passiert das immer wieder?

Ich weiß nicht, wie dieses kleine verrückte Herz es immer wieder schafft, sich selbst, meinen Verstand und alles andere, was mich ausmacht, im Gepäck auf meiner Lebens-Titanic, ins Unglück zu stürzen. Wie ein trotziges Kind blendet es alles aus. Sieht und hört nur, was es sehen und hören will. Und wenn es dann uns alle mit sich gerissen hat, vor dem Scherbenhaufen seines desillusionierten Idealbildes kniet und meinen Verstand mit all seinem Schmerz überspült, fragt es mich, warum das immer wieder passieren muss.

Ganz ehrlich? Wenn ich es wüsste, ich würde was dran ändern. Ich frage mich doch auch warum. Warum musste wieder jemand meine emotionalen Türen mit voller Wucht eintreten, sodass ich sie nicht mehr schließen kann, nur um sich dann wieder hinter seinen Mauern zu verstecken? Warum musste mir wieder jemand die Leiter reichen, um sie zu ihm zu erklimmen, und mich dann mitsamt Leiter vom Rand der Mauer stoßen?

Warum musste wieder jemand meine emotionalen Türen mit voller Wucht eintreten, sodass ich sie nicht mehr schließen kann, nur um sich dann wieder hinter seinen Mauern zu verstecken?

Ich wollte doch wirklich langsam machen. Dass wir uns in Ruhe kennenlernen. Ich kenn doch mein kleines verrücktes Herz, weiß, wie schnell es fünf Stufen überspringen möchte. Aber in diesem einen Fall habe ich einfach keine Macht über meinen armen naiven Lebensspender. Gibt man ihm, wonach es sich sehnt, Aufmerksamkeit, Nähe und Zärtlichkeit, dann ist das, als würde es im Zaubertrank von Miraculix baden und ihn mit jeder Faser aufnehmen. Dann hat kein einziger vernünftiger Gedanke mehr eine Chance.

Muss die Mauer ums Herz stärker werden?

Und mit jedem Mal, das ich mich aus dem Graben aufrappele, den Staub abklopfe und benommen zu meinen zerborstenen emotionalen Türen zurücktaumele, die mein Herz in Schach halten sollen, nehme ich mir vor, meine Türblätter zu verstärken. Auf Holz folgt Holz und irgendwann Stahl. Dann noch eine Schicht und eine weitere.

Bis mein kleines, verrücktes, naives Herz irgendwann nichts mehr durch sie wahrnehmen kann. Keine Rufe, keine Tritte. Bis kein noch so raffiniertes Werkzeug mehr einen Weg findet, meine Türen zu öffnen. Wer dann zu meinem Herzen vordringen will, muss einen anderen Weg finden.

Ich hoffe, dass es nicht irgendwann so weit kommt, denn ich mag meine Art und möchte mein Herz nicht einsperren. Ich hoffe, dass ich vorher noch begreife, was ich ändern muss, um mehr Gehör bei meinem Herzen zu erhalten. Dass Herz und Verstand eine gleichberechtigte Co-Existenz eingehen, sodass beide voneinander profitieren können. Damit wir irgendwann nicht mehr in unserer Dauerschleife gefangen sind.

Ich hoffe, dass es nicht irgendwann so weit kommt, denn ich mag meine Art und möchte mein Herz nicht einsperren.

Und so bin ich on the road again. Wieder sind ein paar Monate vergangen, mein Verstand konnte trainieren, um sich meinem Herzen entgegenzustellen. Mein Herz hat ein weiteres Benimm-Seminar besucht und wird regelmäßig von Freund:innen gecoacht. Let’s see where it ends.

HerzKopfPapier ist rheinische Frohnatur mit brasilianisch-ostpreußischen Wurzeln und relativ neue Wahl-Berlinerin. Sie schreibt, weil ihr Herz was zu sagen hat. Ihr Kopf versucht, das zu Papier zu bringen. Nur sind sich Herz und Kopf nicht immer einig, Papier aber zum Glück geduldig. Und manchmal kommt dann was Gutes dabei raus, das sie nur zu gerne in die Welt trägt. Ihr Geld verdient sie als Presentation Designer und macht PowerPoint-Präsentationen für andere hübsch und einprägsam. Zum Leben braucht sie zudem Sport, Musik und Liebe, denn nichts geht ohne Liebe. Ach ja: Und Schokolade. Mehr von HerzKopfPapier findet ihr auf ihrer Webseite.

Headerfoto: Dids via Pexels. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

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