Sei mutig, wenn Du Angst hast

Wach auf. Sei mutig!, Sagte ich mir, als mir bewusst wurde, dass bei mir etwas gewaltig schief lief. Ein Gefühl von Unsicherheit, des Sich-selbst-verlierens und Nicht-mehr-wissens, wer ich eigentlich bin, schlich sich langsam an die Oberfläche meines Bewusstseins.

Hatte ich es überhaupt jemals gewusst? Fakt war: Ich konnte mich selbst nicht mehr spüren und es war an der Zeit aufzuwachen.

Immer wieder stellte ich mir die Frage: Soll ich oder soll ich nicht?

Letztlich trennte ich mich von meiner Partnerin. Doch es fühlte sich so an, als würde ich mich selbst verarschen. Es ging mir nicht wesentlich besser mit dieser Entscheidung. Mein Herz war in tausend Teile zerschmettert und ich war hilflos. So hilflos, wie sich ein Kind fühlen muss, welches gerade von seiner Mutter im Stich gelassen wurde.

Es war an der Zeit, mir klar zu machen, dass Beziehungen nicht dazu dienen, seinen eigenen leeren Eimer zu füllen.

Dennoch sagte mir eine Stimme, ein warmes Gefühl, ein Wunsch nach Freiheit, dass es an der Zeit war, zu gehen. Es war an der Zeit, mir klar zu machen, dass Beziehungen nicht dazu dienen, seinen eigenen leeren Eimer zu füllen. Diesen Eimer müssten wir schon selbst mit Liebe aufgießen.

Es gibt viele Menschen da draußen, die dieses Gedanken-Chaos kennen. So auch ich. Und ich kann Dir sagen: Sei mutig.

Ich zog oftmals dieselben Typen von Partner*innen an. Ich suchte mir fast immer Partner*innen, die stärker, selbstbewusster und größer als ich zu sein schienen. Ich dagegen war das sensible Persönchen, welches einfach nur Liebe und Anerkennung brauchte und zugleich im Überschuss geben konnte – zumindest schrieb ich mir diese Rolle selbst zu. Vieles war im Ungleichgewicht.

Warum war das so? Nach unzähligen Recherchestunden im Internet über Selbstliebe/Selbstwert-Themen, Co-Abhängigkeit, toxische Beziehungen – alles, was das Internet heutzutage zu bieten hat – und einigen Life-Coach Stunden fand ich die Antwort.

Mein inneres Kind, welches ich mit ins Erwachsenenalter geschleppt hatte, zeigte mir, dass ich ehrliche und bedingungslose Liebe wenig bis überhaupt nicht kannte.

Das Verhaltensmuster meines inneren Kindes, welches ich mit ins Erwachsenenalter geschleppt hatte, zeigte mir, dass ich ehrliche und bedingungslose Liebe wenig bis überhaupt nicht kannte.

Vielmehr hatte ich eine Vorstellung von Liebe, die primär von den Glaubenssätzen wie: „ich muss es mir erarbeiten“ oder „Ich habe es nicht verdient“ und „Liebe ist nicht leicht“ geprägt war. Ich dachte, dass Liebe eine Art Abhängigkeit sei und ich mich in dieser Welt nur sicher fühlen könne, wenn jemand an meiner Seite war. Die Opferrolle war perfekt für mich.

Ich verlor mich schnell in einer Beziehung und damit den Bezug zu mir selbst. Zugleich wusste ich, dass dabei immer etwas nicht stimmig war. Ich schaffte es jedoch nie, aus diesem Kreislauf auszusteigen. Irgendetwas hielt mich fest. Es war meine Angst, meine Illusion loszulassen. Ich konnte dieses Gefühl förmlich greifen, aber nicht am Schopfe packen und etwas dagegen tun.

Bis zu jenem Zeitpunkt, an dem ich mich das erste Mal selbst aus einer Beziehung gelöst hatte.

Vorher sagte ich mir immer: Trennung? Nein Danke. Ich werde mich nicht freiwillig in den Sog der Unsicherheit und der Angst vor dem Alleinsein begeben.

Vorher sagte ich mir immer: Trennung? Nein Danke. Ich werde mich nicht freiwillig in den Sog der Unsicherheit und der Angst vor dem Alleinsein begeben.

Der Weg nach dieser Entscheidung war steinig. Ich fühlte mich leer, hilflos, allein und auf meiner Brust lagen Steine – so groß wie Tennisbälle. Man könnte meinen, dass es normal sei, sich nach einer Trennung so zu fühlen. Aber es fühlte sich gleichzeitig anders an. Das bedrohliche Gefühl hatte zum ersten Mal etwas Befreiendes. Irgendwie paradox, dachte ich mir.

Nein, das war es nicht. Mir ist ab jenem Zeitpunkt klar geworden: Ehrliche und bedingungslose Liebe kann nur stattfinden, wenn wir uns selber von unseren inneren Blockaden lösen, unsere negativen inneren Kindheitsmuster ablegen, wenn wir uns nackt machen, wenn wir uns vor unserer*m Partner*in mit all unserer Zerbrechlichkeit zeigen und wenn wir uns selbst die größte Liebe dieser Welt schenken.

Ich bin dankbar für diese Erkenntnis und dafür, dass mir dieser Punkt im Leben den Weg zu meiner inneren Heilung verschafft hat.

Und ich kann Dir aus tiefster Seele sagen. Hör auf damit, Dich selbst zu manipulieren. Sei mutig, wenn Du Angst hast.

Tina ist eine offene, witzige und vor allem herzliche Zeitgenossin aus der schönsten Stadt am Rhein. Liebt und lebt in Köln seit knapp acht Jahren das Großstadtleben. Ihrer Geburtsstätte hat sie aus gutem Grund den Rücken gekehrt – da „geht so gut wie nix“. Verliert sich schonmal in guten Texten und philosophiert liebend gern über das Leben. Hat das Schreiben wieder für sich entdeckt und möchte anderen Menschen an ihren Gedanken teilhaben lassen. Motto für die Welt da draußen: Seid nicht oberflächlich zueinander, sondern authentisch und echt.

Headerfoto: Stockfoto von David MG/Shutterstock. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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