Natürliche Familienplanung: Was du über diese tolle, hormonfreie und nachhaltige “Verhütungsmethode” wissen solltest

Die Natürliche Familienplanung (kurz: NFP) ist eine Methode, bei der anhand von verschiedenen Körpersymptomen fruchtbare und unfruchtbare Tage innerhalb eines Zyklus ermittelt werden können. Dabei kann sie dementsprechend sowohl dafür verwendet werden, schwanger zu werden, als auch dafür, eben genau das – eine Schwangerschaft – zu verhindern. Ziemlich cool, finde ich. 

Szenario 1: Kinderwunsch

Der Name der Natürlichen Familienplanung impliziert bereits deutlich die in der Methode liegende Möglichkeit zur Familienplanung. Da die NFP dazu dient, den Eisprung und damit auch fruchtbare und unfruchtbare Tage des Zyklus zu bestimmen, kann die Chance auf eine schnellere Schwangerschaft durch NFP deutlich gesteigert werden.

Da die NFP dazu dient, den Eisprung und damit auch fruchtbare und unfruchtbare Tage des Zyklus zu bestimmen, kann die Chance auf eine schnellere Schwangerschaft durch NFP deutlich gesteigert werden.

Die einzelnen Phasen des Zyklus werden besser kennengelernt, körpereigene Signale können gedeutet werden und damit kann auch der eigene Kinderwunsch näher rücken. Aber auch für diejenigen, die in absehbarer Zeit gerne Kinder bekommen möchten, kann die Methode geeignet sein, da der Körper nach hormoneller Verhütung oft einige Zeit braucht, um zu seinen natürlichen Zyklus – und damit der Möglichkeit des Schwangerwerdens – zurück zu finden.

Szenario 2: Verhütungswunsch

Leider ist Verhütung immer noch oft “Frauensache”, auch weil es außer dem Kondom oder der Enthaltsamkeit nur Verhütungsmethoden gibt, die von Menstruierenden angewendet werden. Das Angebot an Verhütungsmitteln ist recht umfangreich, allerdings stellt sich vielen die Grundsatzfrage, ob sie sich für oder gegen eine hormonelle Verhütungsmethode entscheiden möchten. 

An dieser Stelle möchte ich all denen die NFP etwas näher vorstellen, die nach hormonfreien Verhütungsalternativen schauen, oder sich nicht mehr sicher sind, wie zufrieden sie mit ihrer aktuellen Methode sind. Denn auch das sollten wir nicht vergessen: Nur weil eine Verhütungsmethode vor 5 Jahren die richtige Entscheidung für uns gewesen ist, heißt das nicht, dass sie auch heute noch zu unseren Bedürfnissen, unserem Hormonhaushalt und unseren Lebensumständen passt. 

Wie funktioniert die NFP?

Das Ziel bei der NFP ist es, anhand von verschiedenen Körpersymptomen die Tage innerhalb eines Zyklus zu ermitteln, an denen eine Person fruchtbar ist. An diesen Tagen kann dann bei der NFP als Verhütungsmethode mit Kondom oder Enthaltsamkeit verhütet werden, bei NFP mit Kinderwunsch – naja, u know what to do … 

Körpersymptome, die Aufschluss geben, sind vor allem die Konsistenz des Zervixschleims, die Position des Muttermundes sowie die eigene Körpertemperatur. Da für einen sicheren Gebrauch mindestens zwei Komponenten beobachtet werden sollen (Also z.b. Zervixschleimbeobachtung + Temperaturmessen) wird die Methode häufig auch als symptothermale Methode bezeichnet. 

Die Methode funktioniert, weil der Zyklus über Hormone gesteuert wird, die sich auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken. So entstehen kausale Zusammenhänge zwischen Zyklus und Körper, die man sich bei der NFP zunutze macht. 

Die Methode funktioniert, weil der Zyklus über Hormone gesteuert wird, die sich auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken. Östrogen verändert z.B. den Zervixschleim, damit Spermien länger überleben und eine Art Schutzmantel bekommen. Progesteron wird nach dem Eisprung von der verbliebenen Eihülle ausgeschüttet und wirkt sich auf die Körpertemperatur aus. 

So entstehen kausale Zusammenhänge zwischen Zyklus und Körper, die man sich bei der NFP zunutze macht. Weil auch andere Faktoren (wie Sport, Krankheit etc.) Auswirkungen auf unseren Körper haben, ist es entscheidend, die Symptome so vergleichbar wie möglich zu machen – wie beispielsweise die Temperatur immer mit zwei Nachkommastellen direkt nach dem Aufstehen lang genug zu messen. 

Die NFP besteht also aus zwei relevanten Bausteinen: Beobachten und Auswerten. Um beides zu erleichtern, gibt es für Analog-Freund:innen Tabellenvordrucke, in die die Daten eingezeichnet werden können. Empfehlenswerter finde ich persönlich allerdings eine App. Es gibt entweder welche, in die man die Daten zur Auswertung manuell einträgt oder welche, die die Daten eines speziellen NFP-Thermometers direkt dorthin übertragen (minimiert Fehler beim Aufzeichnen).

In den Apps können auch Beobachtungen zum Zervixschleim und Muttermund und andere Symptome sowie Stimmungslage eintragen werden, um so eine tolle Übersicht des eigenen Zyklus zu bekommen. 

Wie sicher ist die NFP als “Verhütungsmittel”?

Eins vorweg: Die NFP an sich ist keine Verhütungsmethode, denn sie verhindert keine Schwangerschaft. Sie sagt einem lediglich, wann eine Verhütungsmethode wie zum Beispiel das Kondom nötig ist. Trotzdem stellt sich einem natürlich die Frage nach dem Schutz der Methode. Hierbei muss ganz klar gesagt werden, dass die Methode (wie alle Verhütungsmethoden) nur so sicher ist, wie sie korrekt durchgeführt wird. 

Der Pearl Index (PI) der Symptothermalen Methode schwankt zwischen 0,2 und 2,2 (zum Vergleich: der PI der Pille liegt bei 0,1 bis 0,9 der des Kondoms bei 2 bis 12, da es dabei häufig zu Anwendungsfehlern kommt). Das heißt: Richtig durchgeführt bietet die Methode ähnlichen Verhütungsschutz wie zum Beispiel die Pille. Aber eben auch nur, wenn sie richtig ausgeführt wird.

Die Methode ist (wie alle Verhütungsmethoden) nur so sicher, wie sie korrekt durchgeführt wird. Das heißt: Richtig durchgeführt bietet die Methode ähnlichen Verhütungsschutz wie zum Beispiel die Pille.

Notwenig dafür ist allerdings die Bereitschaft, sich auf den eigenen Körper einzulassen, sich mit ihm auseinanderzusetzen und ihm zu vertrauen. Dabei wird empfohlen, zunächst etwa drei Monate zusätzlich mit Kondom zu verhüten, bis einem der eigene Zyklus vertraut ist und man sich an die Methode gewöhnt hat. 

Es gibt immer wieder Berichte von Menschen, die sich für die NFP als Verhütungsmethode entschieden haben und trotzdem schwanger geworden sind. Dies scheint allerdings weniger an der Wirksamkeit der Methode zu liegen, als daran, dass sich Menschen mit einem ambivalenten Kinderwunsch häufig für diese Methode entscheiden und diese dann nicht mir der benötigten Verlässlichkeit und Verantwortung durchführen. 

NFP: Kosten und Zeitaufwand

Kostentechnisch gehört die NFP zu einer relativ preisgünstigen Verhütungsmethode. Es wird mindestens ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen für die Messung der Basaltemperatur benötigt, die gibt es aber schon ab 10€. Empfehlenswert finde ich allerdings zum Beispiel das etwas teurere Femometer (40€), ein Thermometer (ja das ist sogar auch cute designt), das sich direkt mit einer NFP-App verbindet und die Daten automatisch überträgt. Außerdem gibt es kostengünstige Apps wie myNFP, mit der wir in der Redaktion gute Erfahrungen gemacht haben.

Wer sich zusätzlich noch umfassend über die Methode informieren möchte, dem kann ich das Buch Natürlich und Sicher zusätzlich sehr ans Herz legen. Damit läge die Methode bei 10€ bis max. 60€ Anschaffungskosten und ist damit ein ziemlich kostengünstiges Verhütungskonzept. Und wo wir gerade bei Büchern sind: Superpower Periode beschäftigt sich mit allen Facetten des weiblichen Zyklus und ist sehr lesenswert. 

Damit läge die Methode bei 10€ bis max. 60€ Anschaffungskosten und ist damit ein ziemlich kostengünstiges Verhütungskonzept.

Der wohl aufwändigere Faktor der NFP ist der Zeitfaktor. Zwar dauert es nicht lange, morgens die Temperatur zu messen und zwischendrin Muttermund oder Zervixschleim zu testen, aber es ist eine Methode, bei der ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Einarbeitungszeit gefordert ist. Deswegen kann es zu Beginn doch etwas Zeit in Anspruch nehmen, herauszufinden, wie ein Zyklus überhaupt wirklich funktioniert (weil man weiß das oft dann doch nicht so genau) und die Körpersignale richtig zu deuten. Übung macht aber auch da den:die Meister:in. 

Für wen ist NFP als Verhütungsmittel geeignet?

Wie bereits erwähnt ist die NFP eine wunderbare Methode, hormonfrei zu verhüten. Natürlich ist sie aber auch nicht für jede Person das Richtige und sollte deswegen in manchen Fällen eher nicht angewendet werden: Sehr junge Menstruierende, die (noch) kein gutes Gefühl zu ihrem Körper haben, Menschen die per se keine Kinder bekommen möchten und Personen, die Schwierigkeiten mit Zuverlässigkeit und Struktur haben, sollten eher nach anderen Verhütungsalternativen suchen. Selbstredend gibt es auch hier Ausnahmen, bitte spürt einfach gut in euch hinein, ob die Methode zu euch passt.

Die NFP kann eine super tolle, nachhaltige, achtsame und hormonfreie Verhütungsmethode sein, die zuverlässig vor ungewollter Schwangerschaft schützt und häufig auch bei einem unregelmäßigen Zyklus funktioniert.

Die NFP kann aber auch eine super tolle, nachhaltige, achtsame und hormonfreie Verhütungsmethode sein, die (mit entsprechender Verhütung an den fruchtbaren Tagen) zuverlässig vor ungewollter Schwangerschaft schützt und häufig auch gut bei einem unregelmäßigen Zyklus funktioniert. Außerdem ist sie eine Methode, durch die sich die eigene Körperwahrnehmung grundlegend verbessert – und das kann ja nur von Vorteil sein.

Headerfoto: cottonbro via Pexels. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

Nika liebt das Meer und frischen Wind in ihren Segeln. Besonders angetan haben es ihr außerdem Schweden und das Schreiben über aktuelle Themen, irrwitzige Gedanken und aufrichtige Gefühle, vor allem natürlich für die Redaktion von im gegenteil. An einem perfekten Geburtstag gibt es bei ihr Nudelsuppe von ihrem Opa und Vanillepudding von ihrer Oma.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.