Liebe dich selbst? Habe ich versucht – Und bin gescheitert

Liebe dich selbst und du wirst geliebt. 2019 scheint mir diese Einstellung kurioser als jemals zuvor.

Nach anderthalb Jahren Mühe habe ich mich meines Nicht-Ideal-Manns entledigt und dümpele nun irgendwo zwischen Weihnachten und Silvester umher und weiß nicht, wohin mit mir. Eigentlich- so sagte man uns als wir jung waren- werden wir, je älter wir werden, reifer, uns selbst mehr zugewandt und sesshaft.

Ghosting ist das neue Schlussmachen.

Dieser Tage scheint mir das Ganze ein Paradoxon aus Schnelllebigkeit und Instagram. Ghosting ist das neue Schlussmachen, und wenn du für deine Meinung oder gar Überzeugungen einstehst und halt nicht wie der Rest in das Horn des Mimi-Daseins tutest, bist du direkt Hardcore-Feministin. Es scheint mir, als würden Männer und Frauen mehr auseinanderdriften als jemals zuvor.

Weil du weißt, wie es ist, emotional auf die Fresse zu fliegen. Weil du weißt, wie es ist verletzt, betrogen, missbraucht und belogen zu werden. Und du es dir erlaubst, nicht unter all dieser Scheiße zusammenzubrechen.

Wie sollen wir denn sein? Ein bisschen Hausfrau, ein bisschen Insta-Model und am Besten möglichst unkompliziert.

Ja, wie sollen wir denn sein? Ein bisschen Hausfrau, ein bisschen Insta-Model und am Besten möglichst unkompliziert. Weil die neue Arschloch-Generation-Ghosting impliziert natürlich die gänzliche Unfähigkeit zu kommunizieren. Also über Handy ja. Da sagt man was man für Pläne hat, Großes steht bevor, aber kommt es dann dazu, ansatzweise etwas umzusetzen, scheitern die meisten.

Aber woran liegt das? Liegt es daran, dass unsere Eltern, die Über-Mami-Nachkriegs-Generation, uns zu viel oder zu wenig geliebt haben? Hat man uns zu viel abgenommen? Zu oft Entscheidungen für uns getroffen?

Ich dachte vor ein paar Jahren, alles würde anders.

Ich dachte vor ein paar Jahren, wenn man nicht mehr in dieser Mimimi-Position ist, würde alles anders. Man würde sich selbst mehr lieben, nicht permanent zweifeln, seine Entscheidungen hinterfragen und – Gott, verdammt, nochmal! – endlich die Menschen küssen, die man küssen will. Damals stand ich auf der anderen Seite des Sees und dachte das Gras wäre fetter und grüner auf der anderen Seite.

Und nun sitze ich hier und muss feststellen, dass es eben nicht so ist. Chapeau!

Miserabilisme – Master in Sarkasmus, examinierte Teilzeit-Psychologin, Tiere sind besser als Menschen undso.

Headerfoto: Stockfoto von Elena Helade/Shutterstock. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

 

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