Ladys der Generation Y: Geprägt durch das völlig weltfremde Bild von Sex and The City

Ich bin gerade noch so ein Kind der 80er. Wie viele Freundinnenkreise haben sich wohl in dieser Zeit aus vier Mädels gebildet?

Meine Jugend und zweite Erziehung verlief mit vier sehr bekannten Frauen, die trotz viel Alkohol, Party, Zigaretten und einem unfassbaren Verbrauch an Männern und Fast-Food, fröhlich und strahlend mit ihrem Starbucks Coffee in High-Heels durch den Alltag und über die 5th Avenue liefen, nie mehr als 45 Kilo wogen und mir durch sechs lange Staffeln verdeutlichten: Alles kannst du nie haben, aber schön solltest du schon sein. Bei jedem Liebeskummer wurden die vier wieder zu Rate gezogen und dabei raus kam immer nur das:

Vier beste Freundinnen, vier unterschiedliche Lebensentwürfe

Du bist unbeliebt bei Männern, dafür aber erfolgreich im Beruf.

Oder du bist schüchtern und liebenswert, wirst dafür von allen ausgenutzt und deine Naivität hält dich von jeder Selbstständigkeit ab. Wenn du so lebst, bekommst du einen starken erfolgreichen Mann, wirst dich aber nie selbst verwirklichen.

Oder du bist ein Sex-Monster, das jede enge Beziehung verschmäht, bist dafür cool und trendy, hast Connections im Business und wirst reich.

Oder du bist Kettenraucherin, sitzt ständig am Fenster einer schicken Wohnung, die du dir eigentlich nicht leisten kannst, wirst von circa 800 Männern enttäuscht und wartest auf den Moment, dass sich Mr. Big endlich erbarmt und dich befreit.

Unzufrieden sind alle vier über viele Jahre hinweg, das ist klar. Sich selbst zu reflektieren und herauszufinden, was man wirklich gut kann und will, interessiert jedoch keine von ihnen. Lieber verbiegen sie sich für Anerkennung und hoffen, dass ein Mann in ihren Leben schon alles richten wird.

Sich verstellen, um zu gefallen

Solange wir uns an die Dating-Regeln halten und bloß nichts falsch machen, damit er uns nicht für langweilig, anhänglich oder zu unabhängig hält, kann das klappen, die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering. Streng dich also bloß an, alles zu sein, was du nicht bist, um ihm und anderen zu gefallen.

Eigentlich hat sich jede von uns gewünscht, Carrie zu sein, sich selbst aber in einem der anderen Girls wiedererkannt. Und träumen wir nicht alle seit dieser Serie davon, nur einmal in Haute-Couture mit Kaffeebecher durch New York zu laufen?

Ich möchte erfolgreich, hübsch, cool und familiär zugleich sein. Wie soll man diese Ziele alle gleichzeitig erreichen? Auf dem Laufband einen Kosmopolitan schlürfend?

Bei mir hat das alles unglaubliche innere Konflikte ausgelöst. Eigentlich sind alle Männer Schweine oder Waschlappen, mein höchstes Ziel soll jedoch sein, einen von ihnen für mich zu gewinnen? Ich möchte erfolgreich, hübsch, cool und familiär zugleich sein. Wie soll man diese Ziele alle gleichzeitig erreichen? Auf dem Laufband einen Kosmopolitan schlürfend?

Schade, dass die Happy-Ends der Damen erst Jahre später in den Filmen herauskamen. Miranda bekommt ein harmonisches Familienleben und Erfolg im Beruf unter einen Hut. Charlotte verwirklicht sich selbst in ihrer Liebe zu Design und Familienleben, Samantha schafft es, den Satz auszusprechen, sie liebt sich selbst mehr als ihren Partner und zu guter Letzt heiratet Carrie sogar noch ihre große Liebe und erkennt, dass Glamour nicht alles ist.

Bis diese (richtigen) Glaubenssätze in meinem Kopf verwandelt werden konnten und sich endlich eine innere Ruhe eingestellt hat, sollte es Jahre dauern. Mein Unterbewusstsein hat alles dafür getan, diese Ansichten über Männer, das Berufsleben und gebrochene Familienverhältnisse wahr werden zu lassen.

Vielleicht erinnert ihr euch an die vermeintlich glückliche Szene als Carrie und Mr. Big endlich als Paar in ihrem Bett liegen und sie sagt: “Danke, dass du du bist.” Wie lange hab ich mir gewünscht, endlich zu einer Person genau das sagen zu können.

Danke, dass ich ich bin

Dieser Moment ist gekommen: Ich wache morgens auf und kann endlich sagen: “Danke, dass ich ich bin.” Mit ein paar Kilos mehr auf der Waage, einem Spanier im Bett, ohne Haute-Couture, dafür mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Fazit: Unterstützt euch, wo ihr nur könnt, anstatt euch zu erzählen, was man wie in welcher Weise, nach unbegründeten Ansichten, eigentlich tun sollte. Jede von euch ist einzigartig und perfekt so wie sie ist. Jede kann das erreichen, was sie möchte und alles, was du dir wünscht, ist gut. Ob dir Familie oder Beruf wichtiger ist, ist völlig egal. Du kannst alles haben!

Und: Männer sind oft genauso unsicher wie Frauen, aber lieben können wir alle gleich.

Headerbild: Chris Murray via Unsplash. (“Gedankenspiel”-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

ANNENURANNE fand als gebürtige Münchnerin ihren Herzensort in Berlin. Hauptberuflich ist sie HRlerin, in welcher Position sie ihre Passion, Menschen zu fördern, jeden Tag leben kann. Nebenbei schreibt sie begeistert Texte über Sex, Drugs, die Liebe, wahrer Dienstleistung und der Selbstverwirklichung im Beruf.

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