Herz über Kopf in die Halbbeziehung – Was wäre, wenn wir uns endlich mal entscheiden?

Herz über Kopf. Irgendwie habe ich immer in Beziehungen gesteckt die letzten 10 Jahre. Mich etwas naiv und Hals über Kopf immer wieder verliebt und in eine Beziehung rein gestürzt. Es immer wieder versucht. Und immer wieder gedacht: Der ist es jetzt. Aber wenn ich ehrlich bin, hab ich nur einmal gespürt: Das ist der eine.

Und dann? Bist Du nach langem Hin und Her einfach wortlos verschwunden. Nach Berlin. Als ob da alles anders wäre. Als ob es da in Ordnung gewesen wäre, wie Du mit mir umgegangen bist. Liebe reicht manchmal einfach nicht, es gehört so viel mehr dazu und so sehr Du auch wolltest, du konntest nicht der für mich sein, der bleibt. Weil ich Kinder will und du nicht.

Ist die Schutzschicht um mein Herz einfach zu dick geworden, sodass ich mich einfach nicht mehr verlieben kann oder will?

Mehr als ein Jahr nachdem du so einfach aus meinem Leben verschwunden bist, frag ich mich plötzlich, wer ich eigentlich bin. Ob ich noch dieselbe bin, dasselbe will, wie all die Jahre zuvor. Hab ich mich vielleicht in allem geirrt? Oder ist das normal, dass man nach dem x-ten Versuch aufgibt. Irgendwann nicht mehr versucht, das zu erreichen, was man sich eigentlich wünscht.

Ist die Schutzschicht um mein Herz einfach zu dick geworden, sodass ich mich einfach nicht mehr verlieben kann oder will? Oder ist einfach noch immer nicht genug Zeit vergangen oder hat das alles gar nichts mit dir oder mir zu tun?

Ohne Zweifel etwas enntäuschend

Ganz vorsichtig versuche ich noch immer, den einen Menschen zu finden. Aber wo lernt man denn noch jemanden kennen, wenn alle Freundinnen plötzlich verheiratet, schwanger oder auf Wolke 7 sind? Ich gehe kaum noch aus, bin müde von meinem Büro-Bitch-Job und lade Lovoo auf mein Handy. Und dann swipe ich so durch die Bilder und finde Dich.

Wir schreiben, schicken ein paar Bilder hin und her und dann stehst Du ganz schön schnell in meiner Tür und küsst mich zum Abschied. Von da an stehst Du jedes Wochenende vor meiner Tür, küsst mich, schläfst mit mir, redest mit mir und da steht dann plötzlich eine zweite Zahnbürste im Badschrank. Aber nein. Das ist noch lange keine Beziehung. Und das willst Du auch nicht. Nur die Highlights, keine Lowlights – null Verpflichtung.

Aber wo lernt man denn noch jemanden kennen, wenn alle Freundinnen plötzlich verheiratet, schwanger oder auf Wolke 7 sind?

Doch da sind sie plötzlich: die Zweifel, was ich eigentlich will. Mag ich bloß den Sex mit dir? Die Intimität, die wir an den Wochenenden teilen, tut mir gut. Aber Herzklopfen ist da irgendwie keins. Aber warum? Du gefällst mir. Bist klug und verrückt und nicht wirklich das, was ich brauche. Und du hältst Sicherheitsabstand.

Unter der Woche lebt jeder sein Leben. Kein „Wie war dein Tag?“ oder „Sehen wir uns heute Abend?“, sondern nur die heimliche Abmachung, dass wir uns am Wochenende einfach gegenseitig gut tun und mehr nicht. Die Vorstellung, dass du auch mit anderen Frauen schläfst, nervt mich, aber Eifersucht würde ich es nicht nennen. Ich versuche mir einzureden, dass ich doch etwas für dich empfinde.

Wir sollten doch da sein, wo wir hingehören

Aber jetzt mal ehrlich – da ist kein Herzklopfen. Kein ununterdrückbares Lächeln, wenn du wieder in der Tür stehst. Kein Vermissen. Aber warum ist es nicht da, obwohl ich mich dir so nah fühle, wenn du bei mir bist? Weil ich Sex und Gefühle vermutlich verwechsel oder weil ich mich einfach nicht hineingestürzt habe, weil du mich sofort ausgebremst hast mit dem üblichen „Ich bin gerade nicht bereit für eine Beziehung“-Gerede.

Ich will, dass sich jemand dazu entscheidet, mein Partner in Crime zu sein, mein Heimathafen. Kein Rumgezweifel, es wirklich versuchen.

Ich kann es nicht mehr hören, dieses „Ich weiß noch nicht“. Ich weiß nicht, was ich im Leben will. Ich weiß nicht, ob ich Kinder will. Ich weiß nicht, ob ich den richtigen Job habe. Ich weiß nicht, wo ich leben will und wie. Ich weiß nicht, ob ich Dich will. Könnte ja immer noch was Besseres kommen und das natürlich genau dann, wenn man sich mal entschieden hat. Für irgendwas oder irgendwen oder für mich.

Ich will endlich, dass sich jemand entscheidet – dazu entscheidet, mein Partner in Crime zu sein, mein Heimathafen, der Mensch, dem man alles sagen kann und will. Kein Rumgezweifel, es wirklich versuchen.

Entscheid dich mal, du Physalis

Aber am Ende kann ich mich ja selbst nicht entscheiden. Ich kann nicht sagen, ob ich in Dich verliebt bin oder nicht. Ich kann nicht sagen, wohin ich in den Urlaub fahre, weil ich noch immer damit beschäftigt bin, das perfekte Hotel zu finden.

Und ich habe keine Ahnung mehr, wohin ich im Leben gerade will. Denn am Ende will auch ich das Beste rausholen und nichts verpassen. Ständig optimieren wir unser ganzes Leben und vergessen dabei, darauf zu achten, was eigentlich gut für uns ist.

Wenn man sich mal entschieden hat, dann kann man sich auch endlich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Aber wie soll ich so irgendwo ankommen? Wir müssen uns endlich mal entscheiden, statt als Mingle durch die Welt zu reisen und uns nie auf irgendetwas festzulegen. Denn wenn man sich mal entschieden hat, dann kann man sich auch endlich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Vertrauen, Liebe und Freiheit – und Freiheit heißt auch, nicht das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen, nur weil man sich für einen Menschen, für einen Job oder eine Stadt entschieden hat.

Und so bin auch ich unentschlossen, was letzten Endes dafür sorgt, dass ich mich unbeweglich fühle – so zwischen den Stühlen mit dir. Ist schon schön so. Aber was wäre, wenn ich zulasse, dass du mir nah kommst. Was wenn ich einfach mal ein Hotel buche, ohne 20 Bewertungen zu lesen, die ja eh nur meine Erwartungen verfälschen. Genauso wie die Fotos beim Onlinedating. Da versucht man doch auch nur zu optimieren. Könnte der da vielleicht passen?

Die Halbbeziehung sorgt dafür, dass da nicht wirklich Platz für jemanden ist, der es wirklich versuchen will, das mit der Liebe hinzubekommen.

„Was suchst du?“ steht oft als Frage im Raum. Und dann überlegt man schon, ob man überhaupt noch ehrlich antworten will. Ich will eigentlich ehrlich sein und es dir auch sagen, aber so leicht ist es halt doch nicht. Zu sagen, was man wirklich will, heißt eben, dass man sich entscheiden muss und zugeben muss, dass dieses Halbherzige nicht reicht. Aber dann denkt man wieder, ist ja besser als gar keine Beziehung diese Halbbeziehung.

Im Gegenteil. Die Halbbeziehung sorgt dafür, dass ich verleugne, was ich wirklich will. Was ich mir wirklich wünsche. Und ja, es sorgt auch dafür, dass da nicht wirklich Platz für jemanden ist, der es wirklich versuchen will, das mit der Liebe hinzubekommen.

Schließlich steckt man ja so halb eben doch in einer Beziehung. Optimal ist das ja wohl nicht und ich muss mich mal entscheiden und dann auch ehrlich dazu stehen, dass ich mehr will, als das was wir beide haben.

Laura ist eine Kleinstadtpomeranze auf Umwegen. In der Welt und in der Liebe, irgendwie noch nicht so ganz angekommen. Außer in ihrer Lieblingsespressobar, da fühl sie sich immer zu Hause. Und guten Kaffee gibt es schließlich überall, man muss ihn nur finden.

Headerfoto: Caju Gomes via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.