Geheimagentin sucht Partner

Als Neurowissenschaftler hat man’s sowieso schon mal nicht leicht in der Männerwelt. Überhaupt jemanden zu treffen ist selten genug. Neurowissenschaftler sind ja nicht unbedingt für ihren brillanten sozialen Charme bekannt und bevorzugen es, zu Hause vor dem eigenen Computer teuren Wein zu trinken, während man sich per Facebook mit anderen Geeks über die neueste Entdeckung in der Gehirn-Imagerie unterhält. Schlimmer wird’s dann noch, wenn man Crossfit macht, Paleo isst und die meisten der 65 Kilo Körpergewicht aus Muskeln bestehen, die auch noch überaus dekorativ tätowiert sind.

Diejenigen Männer, die dann noch nicht das Weite gesucht haben, sind entweder kleine Jungs mit einem starken Mama-Komplex oder nehmen spätestens die Beine in die Hand, sobald sie herausfinden, dass ich nicht nur Neurowissenschaftlerin bin, meine eigenen Gehirnwellen auf meinem Computer gespeichert hab und meine Sozialkenntnisse bloß zum Alkohol bestellen reichen, sondern noch auch in der US Luftwaffe bin. Genauer wird es nicht: Ich müsste dich umbringen, falls du jemals herausfindest, was ich wirklich mache. Es ist immer lustig, wenn mich einer fragt, was ich denn so mache und ich sage ihm, „oh I would have to kill you if I told you“ und wir lachen und lachen und ich denke mir: Ja, aber jetzt im Ernst. Zumindest habe ich dich vorgewarnt.

Mein Dasein im Militär kommt mit lebenslangen Opfern und interessanten Kompromissen; ich kann niemandem erzählen, was ich wirklich mache, nicht einmal anderen Soldaten, ich kann dem Militär nichts Privates verheimlichen, kann nie völlig betrunken in der lokalen Bar herumstolpern (die Regel ist, wenn man trinken will, muss man einen nicht-trinkenden Militärfreund mitnehmen, der sichergeht, dass man auch ja nichts zufällig ausschwafelt), muss jedes neue Tattoo vorher autorisiert bekommen und scheinbar werde ich auch richtige Schwierigkeiten haben, jemals einen Partner zu finden.

Als wäre mein Job nicht schon emaskulierend genug, muss ich auch meine eigenen kleinen Background-Checks in meiner Partnerwahl einfließen lassen: Schließlich schaut sich das Militär jede Person in meinem Leben genauestens an, jede E-Mail, die ich sende, jeden Facebook-Kommentar, den ich hinterlasse, alles wird durchleuchtet, regelmäßig alle sechs Monate. Treffe ich jemanden neues, muss ich seine Daten sofort per Online-System an meine Obrigen weitergeben, damit der Typ schon mal durchleuchtet werden kann. Ehemalige Verurteilungen, krimineller Hintergrund, doppelte Staatsbürgerschaften, Immigration und Verwandtschaft im Militär anderer Länder sind nur ein paar der etwaigen „Leider Neins“ in meiner potenziellen Partnersuche.

Also erzähle ich den meisten eine Lüge nach der anderen, von „Oh ich arbeite bei der Polizei im Büro“ über „Ich bin Therapeut“ bis hin zu „Ich bin eine Pferdetrainerin“. Genaugenommen sind dies keine Lügen, nur ehemalige Professionen, die nicht so furchteinflößend klingen und von denen ich auch ein bisschen was erzählen kann.

Meistens aber benutze ich die Front meines aktuellen „Day Jobs“: Ich arbeite in einem Irrenhaus – und das stimmt sogar. Die irregulären und spontanen Extraschichten sind das perfekte Cover für meine eigentlichen Aktivitäten am Wochenende, da ich im Moment nur im Teilzeit-Militär bin, muss ja schließlich noch meinen Doktor in Neurowissenschaften fertig machen. Was ich damit im Militär machen werde, darf ich leider auch niemandem sagen. Also nix mit angeben.

Und so kommt es, dass ich im Moment wieder einmal alleine bin, nach einer weiteren gescheiterten Fast-Beziehung, die es nicht einmal am „geheimen-Affären“-Marker vorbei geschafft hat, mit einem extrem spannenden Leben hier im schönen Kalifornien, mit mehreren tollen Karrieren und großartigen Erfahrungen, die einen nachts doch nicht warm halten können.

Das Einzige, das ich scheinbar nicht erreichen kann, ist auch das Eine, nach dem ich mich am meisten sehne, für das ich schließlich und wahrscheinlich alles andere aufgeben würde: Zweisamkeit.

Unsere Agentin X ist eine gar nicht so langweilige Neurowissenschaftlerin, die nebenher ein eher geheimes Leben in der US Luftwaffe führt. Geboren in einem kleinen Kuhdorf in den österreichischen Alpen, hat sie die schlimmsten Albträume ihrer Eltern verwirklicht und lebt derzeit in San Francisco, Kalifornien. Sie kann nicht surfen und spielt viel lieber mit ihren Gewehren, allerdings kann sie mit denen schlecht kuscheln. Und es ist auch wirklich schwierig, jemanden zu finden, der neben ihrer Waffensammlung noch einen hochkriegt. 

Headerfoto: Frau mit pinker Perücke via Shutterstock.com. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

imgegenteil_Agentin_X

6 Comments

  • Wäre es dann nicht sinnvoller nach einem Partner mit schon vorhandener und passender Security Clearance für Agentin X Ausschau zu halten? Ich finde es ja schon immer eine ziemliche Herausforderung, wenn potentielle Kunden aus dem Umfeld des DoD sprachlos vor mir stehen, weil Sie wegen ITAR und ohne TAA nicht einmal fragen dürfen wonach sie eigentlich suchen, weil das mir einem foreign national etwas darüber verraten könnte was sie machen. In einer langfristigen Beziehung dürfte ein solches Schweigen tendenziell noch hinderlicher sein. Also lieber einen Partner finden, mit dem man ganz offiziell reden kann, weil seine Sicherheitsfreigabe der eignen entspricht. Bei Bedarf kann ich mich gern mal unter meinen Freunden auf der anderen Seite des Teiches umhören 😉

    • @TOM Bezieht sich die Sicherheitsfreigabe nicht auch auf einen Tätigkeitsbereich? Es kann ja nicht Sinn und Zweck sein, dass Personen, die zwar über die gleiche Sicherheitsfreigabe verfügen, aber nicht demselben Dienst dienen, sich gegenseitig Informationen anvertrauen, oder?

      • @ ANA Interessante Frage, ich hör mich grad mal um und versuche herauszubekommen was da die genauen Regeln sind. Hoffentlich unterliegen die Regeln wie man sich zu verhalten hat nicht selbst der Geheimhaltung.

        • Ok strange…

          Ich habe eine Rückmeldung von einem langjährigen Bekannten bekommen, der bevor er sich im Raumfahrtbereich selbständig gemacht hat (>10 Jahre) für USAF gearbeitet hat. Er die meiste Zeit ausserhalb der USA eingesetzt und für verschiedene sehr große Programme zuständig, hatte also reichlich Gelegenheit mit geheimen Dingen in Berührung gekommen und hat daher auch diverse Clearances.

          Befragt zum Thema meinte er, dass den Leuten tatsächlich nahegelegt wird sich einen Partner zu suchen der ebenfalls für DoD (oder ähnliches) arbeitet und eine Clearance at. Das sollte also auch für Agentin X eine Lösung bieten. Desweiteren braucht man seiner Kenntnis nach in der Airforce insbesondere mit der Qualifikation als Neuroscientist in den allermeisten Fällen nur eine Basisclearance es sollte also genügend mögliche Kandidaten geben.

          Er hat jedoch ein paar Zweifel am beschriebenen Szenario von Agentin X geäußert. Normalerweise muß man nur Kontakte zu Ausländern melden und auch nicht in so hoher Frequenz. Abgezielt wird wie übrigens auch in der Deutschen Bundeswehr darauf herauszufinden, ob der Geheimnisträger ggf. Erpressbar ist und ihn/sie ggf. abzuschirmen.

          Last but not least, Wenn jemand enttarnt wird, dann bekommt er normalerweise einen anderen Job, meistens am Schreibtisch Innendienst. Der Kommentar, dass man den Partner umbringen muß wenn der davon erfährt was man macht, ist seiner Aussage nach eher einem James Bond Movie als der Realität entlehnt. 😉

  • das gleiche hab ich auch gedacht, her damit, endlich mal keine modeinteressierte bloggerin, sondern eine echte. wenn auch abzüge in der berufswahl.

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