Friendzone mit Mr. P

ICH: „Knutschen im Park in ner halben Std? ;-)“
ER: „Wer?“
ICH: „Du, ICH. Wern sonst?“

Gestern Abend lag ich im Gras, hab alle 3 Sekunden auf mein Handy gestarrt und verfolgt, wie er bei Whatsapp on- und offline geht, an den Nägeln gekaut und kam gedanklich einfach nicht los. Ich wollte ihn anschreiben und ich wollte, dass endlich was passiert.
Ich war so dermaßen verwirrt, weil das Gespräch plötzlich eine ganz andere Wendung nahm als ich beabsichtigt hatte. Er antwortete mir, dass die Tatsache, dass wir uns so gut verstehen, nicht zu bedeutungslosem Sex passe, „den er sonst zu haben pflegt“. Und dass er strikt nach Bettgeschichte und guter Freundin trenne. Aha.
Ich schrieb: „Hier hat ja auch keiner von mehr als dem Austausch von Spucke geredet. Ich weiß nur, dass ich bei dir noch ne Massage gut hab. Es ist immer lustig mit dir zu kommunizieren und einen Film zu gucken oder was weiß ich. Und wenn wir wie zwei Sardinen beim Zocken nebeneinander liegen, fände ich es aufregender, wenn da irgendwas passieren würde und du nicht so verwirrt reagieren würdest, wenn ich deinen Arm beiseite stupse, um mich anzukuscheln. Du bist immer ziemlich direkt, eigentlich ist es fast süß, dass das hier eher so awkward ist für dich. ;-)“
Das war für mich schon fast eine Liebeserklärung. Ich glaube die Sache mit dem Stolz behalten vermassel ich immer an den wichtigsten Stellen.
Ich wollte wissen, ob ich denn dann eine gute Freundin sei.
Er meinte: „Naja, wir reden. Das ist schon was Besonderes.“
ICH: „Ok, aber geredet haben wir auch schon bevor du mir beim Kuscheln in die Hose wolltest.“
ER: „Ja, OK, 1:0.“

Um mal einen besseren Einblick zu geben, ein kleiner Abriss unserer Vorgeschichte:

P. (= Player, paradox, oder pornös oder primitiv oder prollig oder Pimmelarsch) und ich schreiben, telefonieren und treffen uns seit über einem viertel Jahr, seit wir bei Facebook zufällig übereinander gestolpert sind und in Schulzeiten schwelgten.
Jetzt wohnen wir beide in unseren Studiumsstädten, aber wir kennen uns eigentlich schon aus der Kinderkrippe, waren auf derselben Grundschule und auch auf demselben Gymnasium. Wenn ich heute meinen Freundinnen erzähle, wie gut wir uns verstehen, kräuseln die ihre Nasen und sagen: „WHAT!? Du und der? In der Schule fandst du den doch immer total doof!“
Und damit haben sie Recht, ich hab überhaupt nichts von ihm gehalten. Genau die Sorte Kerl, die den emotionsfernen Austausch von Körperflüssigkeiten zelebriert, um hinterher vor seinen Kumpels angeben zu können, ohne dabei rot zu werden.
Das alles ist jetzt über 5 Jahre her.
Solarium, teure Autos und Muckibude sind nicht gerade mein Beuteschema. Er verkörpert allerdings genau das (und mit WAS für einem Körper) und ich bin da voller verurteilender Skepsis.
Doch Herr P. ist – entgegen meiner seit über 20 Jahren andauernden Einschätzung – alles andere als auf den Kopf gefallen. Während er fleißig die Klischees bedient, studiert er außerdem noch Medizin, interessiert sich für Politik, liest Rilke (in meinem Dunstkreis tun das nicht mehr viele) und ist unglaublich talentiert im Zeichnen.
Die Kunst ist etwas, das wir beide teilen.
Früher in der Schule haben wir uns angeblafft, wenn es um die Gestaltung des Abschluss-Mottos ging. Am Ende hatten wir den ganzen Jahrgang gespalten und bei der Entscheidung, wessen Entwurf genommen werden soll, und ich dachte nur: Spast!
Heute hängen wir 3 Stunden an der Strippe und philosophieren über Strichführung.
Seine Widersprüche faszinieren mich.

Als die Geschichte angefangen hat, wusste ich nicht genau, was ich von all dem halten soll.
Eine komplette Nacht durchgeschrieben. Meine Nachbarn müssen geglaubt haben, ich sei verrückt, so wie ich allein in meiner Wohnung vor mich hingewiehert hab. Der Einstieg war das Übliche: „Was macht denn der Klaus eigentlich inzwischen, haste von dem mal wieder was gehört?“. Das Gespräch endete am nächsten Morgen mit: „Du hast heute Nacht mein Frauenbild gerettet. Ich dachte, so was wie dich gibt es nicht mehr.“
Eine Woche später fuhr ich mit Freunden wegen eines Geburtstages in seine Stadt und er gab mir die Schlüssel für seine Wohnung, damit wir einen Schlafplatz hatten, während er selbst übers Wochenende weggefahren war. Ich hätte meine Wohnung nicht so schnell jemandem anvertraut (oder auch überhaupt nicht).
Am Sonntag reisten meine Freunde wieder ab, er kam wieder und ich blieb noch einen Tag dort, weil er mich gern sehen wollte. Nach Jahren.
Er hat für mich gekocht, wir haben Filme geguckt und geredet und die ganze Nacht lang gekuschelt. Mehr nicht… Ich würde gerne behaupten, weil ich etwas Besonderes sein wollte und zu denen gehören, die nicht gleich mit ihm in die Kiste springen. In Wirklichkeit war ich einfach nur nicht rasiert.
Danach war ich im Urlaub und er hat mich, seinen vielen Nachrichten zufolge, ziemlich vermisst.
Doch plötzlich war alles anders. Wenn wir uns sehen, sagt er mir nur aus 2 Metern Entfernung hallo und zuckt bei jeder Art von Annäherung förmlich zurück.

Was will der Typ eigentlich? Telefoniert mir hinterher, macht mir Komplimente, schreibt mich nonstop an, aber meidet mich wie der Teufel das Weihwasser.
Soviel weiß ich nun: Er teilt Frauen in nur (!) zwei Kategorien ein: Die Betthäschen und die Kumpels.
Das sichert mir schon mal wenigstens seinen Respekt. Denn die Betthäschen haben ebendiesen bei ihm ab Verlieren der Unterhose verwirkt. Toll. Das Positive daran sehen.

Sind solche Attitüden die Auswirkungen der modernen Möchtegern-Emanzipation? Gibt es noch gescheite Kerle da draußen oder bieten die Normalen mir nicht genügend Drama?

Ich bin dicke fette in der Friendzone. Und ich will da raus!

Emma arbeitet als 3D Artist und erschafft witzige Charaktere am Computer. Außerdem erschafft sie Motten. Auf ihre Totenkopfschwärmer-Zucht ist sie sehr stolz. Mit dem Job kommt natürlich auch die Passion für Computerspiele und alles, was mit Fantasy zu tun hat. Ihr nächstes Projekt: Eine Band. In der würde Emma trällern, denn von klein auf war sie Mitglied im philharmonischen Chor. Ihre Vorbilder sind Tiger Lou und Dredg. Na dann mal los!

Headerfoto: kermen tutkunova via Unsplash.com. („Gedankenspiel-Button“ hinzugefügt.) Danke dafür.

imgegenteil_Emma

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