Freundschaft Plus: Warum wir nur unsere Akkus aneinander aufladen

Es wird sich kennengelernt, Hals über Kopf viel rumgeschwärmt. Es wird geküsst und geknutscht, zusammen Filme geschaut und sich Kaffee gekocht. Es wird gelacht und gewhatsapped, sich in die Augen geschaut und vielleicht auch massiert. Und manchmal, manchmal da gibt es auch Kribbeln im Bauch.

Doch dann, dann wird sich nicht verliebt, stattdessen eine Freundschaft Plus gewählt oder wie das so heißt, denn Freundschaft, Freundschaft ist es ja irgendwie nicht. Das Knutschen ist schön und die Nähe tut gut – Stichwort Oxytocin – aber für mehr, für mehr hat’s halt irgendwie nicht gereicht und ein Plus, ein bisschen Nähe, das ist ja nie verkehrt, so meint man heutzutag. Oder?

Freundschaft Plus, Kribbeln im Bauch, Freiheit und Sehnsucht einer Generation

Wir liegen da, kuschelnd und knutschend und eh ich mich verseh‘, sind unsere Körper eng umschlungen, klammern verknotet aneinander. Dicht an dicht. Ich atme deinen Körpergeruch ein, du hältst meine Hand in deiner und wir sind uns ganz vertraut. Du fragst, ob du noch einen Moment so liegen bleiben darfst, auf mir, einfach ganz nah, bitte. Ich sag „na klar“, erfreue mich daran, dir Gutes zu tun und spür dich und deinen Körper.

Ich spüre mehrheitlich unsere Akkus, die sich gerade aneinander aufladen. Ich höre, während ich da so liege, die Akkuanzeige rauschen, 3, 2, 1, aufgeladen. Dein nackter, warmer Körper löst sich von meinem und etwas in mir, viel leiser noch als das Rauschen unserer Akkus, flüstert vorsichtig in mein Ohr: „Schade.“

Wir ziehen uns an, ich schau, wann die Bahn fährt, alle Romantik ist fort. Du bringst mich zur Bahn, ich könnt auch bleiben, doch ich glaub nicht dran, dass mir das so gut tät. Wir verabschieden uns nett. Bis bald. Bis irgendwann. Mal schaun. Und als die Bahn abfährt, spüre ich noch deine Lippen auf meiner Haut.

Doch mein Herz, das ist nicht so federleicht, eher wohl bleischwer. Es sehnt sich nach dem, was du mir nicht geben kannst.

Und eine zweite Stimme sagt mir leise, weil ich’s in den Momenten manchmal nicht glaub: „Das hier, das reicht mir.“ Und mit jedem Schritt zu mir, entfern ich mich wieder mehr von dir und tauche auf aus dieser Blase voll Oxytocin. Ich genieße den lauen Sommerabend, mein Ego mit mir. Und wenn ich später allein im Bett lieg, bin ich ruhig und aufgeladen und der Zustand hält ‘ne Weile an.

Und dennoch spüre ich. Ich bin zweigeteilter Meinung mit mir selbst. Ich erfreue mich an meiner Ruhe. An unverbindlicher Nähe, Freiheit und purer Bedürfnisbefriedigung. Doch mein Herz, das ist nicht so federleicht, eher wohl bleischwer. Es sehnt sich nach dem, was du mir nicht geben kannst. Es sehnt sich nach Fallenlassen, nach Gefühl. Denn hier ist ja nun mal keine Liebe mit im Spiel. Es ist ja eben nicht mehr als ein einfaches Plus.

Licilein mag Worte in allen Ausführungen, auch schön gelettert, wie es ihre Bilder bei Instagram verraten. Schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte, Songtexte und Kurzgeschichten, traut sich aber jetzt erst sie zu veröffentlichen. Ihre Texte liest sie jedoch am liebsten vor. Eine gute Beschreibung ihrer Einrichtung und von vielem, was sie mag, ist „Omakitschliebe“. Ihre Freunde nennen sie liebevoll Katzenlady und das wird sie wohl für immer bleiben. Sie lebt mit ihren beiden Katzis in Berlin. Mehr von ihr gibt es hier.

Headerfoto: Matheus Ferrero via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

1 Comment

  • Und dann kann es auch passieren, daß einer von beiden sich doch verliebt. Eine kleine nebenbei Beziehung entsteht, die dann ihr Ende findet wenn Er jetzt was anderes erleben will, eine richtige Beziehung eben – nur nicht mit einen selber. Und aus der Freundschaft plus, sind beste Freunde geworden, doch die anfängliche Verliebtheit ist schwer wie Blei und belastet die Freundschaft.
    Dabei will ich mich für ihn freuen, das er jemand neues gefunden hat. Nur Zweifel ich daran, was ich jemals für ihn war, ein Geldesel? Eine putzfrau? Ein Lückenfüller? Und jetzt wo er verliebt ist, jetzt soll ich mal schön bleiben wo der Pfeffer wächst. Diese Ungewissheit, was war ich für ihn, tut höllisch weh. Und er rafft es nicht. Seiner Meinung nach, freue ich mich nicht für ihn.
    Gedankenchaos.

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