Er will nur Sex – Ich habe mich selbst zum Sexobjekt reduziert, aus Angst, nicht genug zu sein

Wir liegen in den nassen Laken, die bis vor wenigen Minuten noch warm waren von unseren aufgeheizten Körpern und jetzt langsam kalt und klamm werden: durch den Januarwind, der durch das halb offene Fenster weht und der Lust, die von uns abfällt.

Du stehst auf, ziehst deine Shorts an und streifst dir ein T-Shirt über. Mir wirfst du ein flüchtiges Lächeln zu, bevor du Richtung Kühlschrank läufst, dein Smartphone schnappst und deine Nachrichten checkst. Es ist erstaunlich, denke ich immer wieder: Wie können zwei Menschen so intim miteinander sein und sich im Anschluss so fremd anfühlen?

Eben hast du mir noch gesagt, wie schön ich bin, wie gerne du mich spürst und wie sehr du mich vermissen wirst. Du hast jeden Zentimeter meines Körpers berührt als sei er für dich heilig. Jetzt berührst du nur die Oberfläche deines Smartphones, wischst gedankenverloren hin und her, während du am offenen Kühlschrank stehst.

Eben hast du jeden Zentimeter meines Körpers berührt, als sei er für dich heilig. Jetzt berührst du nur die Oberfläche deines Smartphones, wischst gedankenverloren hin und her.

Als du den Kopf hebst und siehst, wie ich dich beobachte, fragst du: „Was ist?“ „Nichts“, sage ich und versuche ein gezwungenes Lächeln, um meine Enttäuschung zu überspielen. „Ist schon spät“, sagst du und klaubst deine restlichen Sachen vom Wohnzimmerboden auf. „Du kannst auch einfach hier schlafen“, sage ich. Du grinst mich nur müde an und entgegnest nichts.

Gespräche ohne Tiefgang, danach der Sex.

„Wann sehen wir uns denn wieder? Kommst du mich denn besuchen?“, frage ich. „Auf jeden Fall“, entgegnest du, streifst dir die Jacke über, ziehst deine Kappe auf und gibst mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund. Als du im Treppenhaus stehst und dich nochmal umdrehst und zu mir hochlächelst, schließe ich langsam die Tür. Wie so oft frage ich mich, ob dies nun das letzte Mal war, dass wir uns gesehen und uns berührt haben.

Die Liebe, die ich für dich empfinde, konntest du mir nie zurückgeben. Deswegen habe ich mich mit dem abgefunden, was ich dachte, verdient zu haben. Belanglose Gespräche mit dir, ohne Tiefgang und gemeinsame Serienabende, die immer im Sex endeten. Denn das war es, was uns immer verband: der Sex. Nie waren wir offener, ehrlicher und verletzlicher zueinander. Er war das kurze Hochgefühl und der Gedanke, was wir hätten sein können.

Die Liebe, die ich für dich empfinde, konntest du mir nie zurückgeben. Deswegen habe ich mich mit dem abgefunden, was ich dachte, verdient zu haben.

Es ist schon verrückt, was wir uns alles einreden, um den einen Menschen nicht loslassen zu müssen. Wir klammern uns an jede gute Erinnerung, an jedes Verhalten, das uns für eine kurze Zeit alle Zweifel genommen hat. Wir versuchen, mit ein paar Gläsern Wein die eigene Schwermut zu ertränken, um es doch einfach „locker“ zu sehen und das zu genießen, was kommt oder was er bereit ist zu geben.

Ja genau: Wir manövrieren uns, ohne mit der Wimper zu zucken, in eine co-abhängige Opferrolle. In ihr jonglieren wir mit Gefühlen, die entweder alles hinschmeißen wollen und nachts epische Texte mit dem Tenor „Jetzt ist endgültig Schluss“ verfassen. Oder die einen auf „Mir doch alles egal“ machen, wo wir uns einreden, dass uns ja bewusst ist, dass er der Falsche ist, wir aber genügend Abstand haben, um es auch jederzeit zu beenden.

In beiden Fällen belügen wir uns selbst. Die langen Texte schicken wir entweder nie ab, oder relativieren sie aus lauter Scham einen Tag später wieder und abgeklärt waren wir sowieso noch nie.

Wir versuchen, mit ein paar Gläsern Wein die eigene Schwermut zu ertränken, um es doch einfach „locker“ zu sehen und das zu genießen, was er bereit ist zu geben.

Und du? Du durschaust das Spiel. Du genießt die Bühne, auf die ich dich und unseren Sex stelle. Ich reduziere mich selbst auf diesen einen Faktor, der bei uns immer funktioniert hat. Ich wollte immer mehr für dich sein als nur das. Doch du hast mich nicht gelassen. Deswegen habe ich es akzeptiert und nicht mehr gefordert.

Die Sehnsucht nach dem Wiedersehen 

Du hast mich natürlich nicht besucht. Ich zog in eine andere Stadt, vielleicht auch zum Teil, um mich von dir zu lösen. Es gelang mir nicht. Je länger wir uns nicht sahen, desto größer wurde die Sehnsucht. Doch ich sagte dir nicht, dass du mir fehlst. Ich sagte nur, dass ich den Sex vermisse. Ich wusste, dass du darauf anspringst. Meine wahren Gefühle wären vermutlich unbeantwortet geblieben.

Wir planten einen Besuch bei mir, malten uns das „Erste Mal“ miteinander nach langer Zeit aus, doch als das Datum näher kam, hast du dich immer mehr entfernt. Auch nach mehrmaligem Nachfragen bekam ich keine Antwort. Es endete wie so oft: Ich zog einen Schlussstrich mit Bleistift, den ich eine Woche später still und heimlich wieder wegradieren konnte.

Es endete wie so oft: Ich zog einen Schlussstrich mit Bleistift, den ich eine Woche später still und heimlich wieder wegradieren konnte.

Ich ließ dich wieder in mein Leben und du schienst darüber erleichtert, was meine niedrige Erwartungshaltung schon befriedigte. Schnell ging es um ein erneutes Treffen. Anders als zuletzt warst du sehr konkret mit einem Terminvorschlag. Alles stand und war geplant. Bis heute.

Einen ganzen Abend hast du meine Nachrichten nicht gelesen, die verfluchten Haken wechselten nicht auf Blau. Da hatte ich es vermutet. Noch am Morgen schrieben wir über Serien, die wir schauen wollten, wenn du hier bist und über die körperliche Nähe, die wir direkt nach der Begrüßung teilen wollten. Eine Nähe, die du in diesem Moment mit einer anderen Frau teiltest.

Ich sprach dich darauf an und fragte, ob du eine Verabredung hattest. Du bejahtest es und auf meine Frage, ob du mit ihr geschlafen hättest, kam keine Antwort. Ich fragte dich, warum du denn dann noch vorhast, mich zu besuchen. „Ja, das hätte ich dir heute auch noch gesagt, zweigleisig will ich nicht fahren. Danke für die Einladung zu dir, aber ich werde nicht kommen.“

Ich sprach dich darauf an und fragte, ob du eine Verabredung hattest. Du bejahtest es und auf meine Frage, ob du mit ihr geschlafen hättest, kam keine Antwort.

Es brodelte in mir, aber weinen konnte ich nicht. Wie sagte Carrie mal in Sex and the City: „Vielleicht gibt es pro Mann nur eine bestimmte Anzahl an Tränen und ich habe alle für ihn bereits aufgebraucht.“ Ich war wütend, traurig und verletzt. Ich machte ihm klar, dass wir nun definitiv nie wieder miteinander schlafen würden. Eine Aussage, die er vermutlich belächelte.

Ich machte ihm klar, dass wir nun definitiv nie wieder miteinander schlafen würden. Eine Aussage, die er vermutlich belächelte.

Und während ich wieder an endlosen Zeilen und Vorwürfen saß, die ich verfasste, wurde mir eines klar: Ich selbst war es, die mich auf den Sex mit dir reduziert hatte. Ich selbst hatte mich abgewertet und war am Ende enttäuscht, dass du mir nicht mal diesen Wert gelassen hattest. Es war der einzige dünne Faden, der mich noch mit dir verband. Und den hattest du nun auch gecuttet und mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

Ich selbst war es, die mich auf den Sex mit dir reduziert hatte. Ich selbst hatte mich abgewertet und war am Ende enttäuscht, dass du mir nicht mal diesen Wert gelassen hattest.

Und dann begriff ich: Nur ich selbst konnte mich herabsetzen. Ich ließ es zu, dass ich für dich nur eine Option auf Sex war, aber schon lange nicht mehr die einzige. Ich ließ es zu, dass ich alle anderen Attribute, die mich aus- und liebenswert machen, als nichtig abtat. All dies, um von einem Mann beachtet zu werden, dem ich nichts bedeutete. Ein Treten in Treibsand auf der Suche nach einem festen Halt.

Je länger wir an einer Ex-Beziehung festhalten, umso schwieriger scheint es, sich auch endgültig zu trennen und loszulassen. Man klammert sich zu lange an einem träge gewordenen Konjunktiv fest, nur für ein bisschen Halt.

Ein Treten in Treibsand auf der Suche nach einem festen Halt.

Es ist meine eigene Angst, die mich bremst, für mich selbst einzustehen. Der Mut auch zu stolpern, vielleicht sogar zu Boden zu gehen.

Erkenntnis vs. Umsetzung 

Mir fehlt die Gewissheit, was das Leben ausmacht:

Es ist okay zu fallen, den Halt zu verlieren und aus eigenen Kräften wieder aufzustehen ohne dass da ein Mann ist, der mir hilft. Es ist okay zu sagen, was ich fühle. Ich mache mich damit nicht verletzlich, sondern stark und konkret. Jeder, der damit nicht umgehen kann oder Angst bekommt, ist mit seinen eigenen Erwartungen und Gefühlen nicht im Einklang. Ich bin es leid, mich zu verstellen, mich zu reduzieren auf Dinge, die mich nicht ausmachen, nur um für die falschen Menschen liebenswert zu sein.

Die Erkenntnis und die Umsetzung sind zweierlei Dinge. An Zweiterem arbeite ich gerade.

Ann-Kathrin beschäftigt sich sehr intensiv mit den Themen Liebe, Sex und Dating. Bisher hat sie eher für sich selbst geschrieben, da ihr der Mut fehlte, sich persönlich so zu öffnen. Ihre Texte sind vermutlich nicht nach journalistischen Stilmitteln verfasst, dafür sind sie ungeschönt, ehrlich und authentisch.

Headerfoto: Nico Marks via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

 

12 Comments

  • Wow..spricht mir auch 100% aus der Seele. Niemanden habe ich wirklich über diesen Mann erzählt. 2,5 Jahre ging das mit ihm und dann traf ich meinen jetzigen Partner und wir sind seit 5 Jahren glücklich zusammen. Den anderen Mann habe ich seitdem nie mehr gesehen.Doch er meldet sich immer noch bei mir sporadisch, möchte mich treffen und schreibt von den alten Zeiten. Irgendwie wühlt mich das immer auf,wenn er mir schreibt. Erinnerungen kommen hoch,gute und schlechte. Wahrscheinlich verarbeite ich immer noch unterbewusst die Erfahrungen mit ihm..

    Aber ich bin leider noch nicht so weit ihn komplett aus meinem Leben zu bannen. Auch wenn ich weiß, dass ich ihn nicht nochmal treffen werde. Oft frage ich mich,warum er nicht locker lässt.

  • Spricht mir aus der Seele. 1 zu 1 ! Wie erschreckend und erleichternd das man nicht alleine damit ist.

    “Es ist schon verrückt, was wir uns alles einreden, um den einen Menschen nicht loslassen zu müssen. Wir klammern uns an jede gute Erinnerung, an jedes Verhalten, das uns für eine kurze Zeit alle Zweifel genommen hat. Wir versuchen, mit ein paar Gläsern Wein die eigene Schwermut zu ertränken, um es doch einfach „locker“ zu sehen und das zu genießen, was kommt oder was er bereit ist zu geben.

    Ja genau: Wir manövrieren uns, ohne mit der Wimper zu zucken, in eine co-abhängige Opferrolle. In ihr jonglieren wir mit Gefühlen, die entweder alles hinschmeißen wollen und nachts epische Texte mit dem Tenor „Jetzt ist endgültig Schluss“ verfassen. Oder die einen auf „Mir doch alles egal“ machen, wo wir uns einreden, dass uns ja bewusst ist, dass er der Falsche ist, wir aber genügend Abstand haben, um es auch jederzeit zu beenden.

    In beiden Fällen belügen wir uns selbst. Die langen Texte schicken wir entweder nie ab, oder relativieren sie aus lauter Scham einen Tag später wieder und abgeklärt waren wir sowieso noch nie.”

    Als hätte ich das geschrieben !!! Nachdem ich das gelesen habe, schaffe ich es hoffentlich “auszusteigen”. Drückt mir die Daumen!

  • Sehr berührend das zu lesen.
    Mir geht es genauso.
    Ich genieße jede Minute mit ihm.
    Er kommt wann er will. Er geht danach immer direkt.
    Mehr hat er für mich nicht übrig. Aber ich genieße das Wenige, was er für mich übrig hat

  • Wow was ein Text, er spricht mir aus der Seele.
    Ich und mein Mann sind schon lange zusammen wir können keinen Sex haben und dadurch sind wir recht schnell in die swinger Szene gekommen. Wir sind ein tolles Paar und ich habe gerade durch diese Erfahrungen gemerkt wie mies andere Männer sein können, wie sie alles für Sex tun ihre Familien hintergehen… ch bin froh meinen Mann zu haben…aber ständig wird man enttäuscht vor allem menschlich von so vielen Männern. Man wird nur als Gegenstand benutzt bis es zu langweilig ist, man gewöhnt sich dran denn es gibt ja auch gute Tage. Da ist es dann egal wenn einfach wahllos alle Frauen bestiegen werden.Die meisten Männer suchen nur Abwechslung vom Alltag. Sind aber natürlich offiziell Single.. und jetzt ist da dieser einer für den ich angeblich soviel mehr war, der für mich Gefühle hatte…mich als Mensch toll fand…und plötzlich ist jetzt gleich ist alles vorbei. Er meldet sich nur noch mit einem ok. Ich frage was ist los…er ist kurz ab. Hat kaum mehr Zeit. Sagt aber ich hatte andere…warum hat er für diese Frauen Zeit?Wenn er sich spontan Zeit nimmt, und ich sofort springen muss,ist es einfach der Wahnsinn mit keinem ist es so wie mit ihm. Keiner kann ihn wirklich ersetzen. Ich wollte keine Gefühle entwickeln aber jetzt spüre ich das jeder Sex mit anderen Männern nicht mehr satt macht. Ich denke nur daran wie es mit ihm wäre wie schön es wäre wenn er da wäre. Wir passen nicht zusammen es würde nie funktionieren. Er ist noch innerlich ein kleiner Junge der nichts versteht weil er es auch nicht will. Und trotzdem ist da dieser Sex..unglaublich…er weiss was ich will was ich brauche. Es macht mich wahnsinnig. Wenn ich ihn ansehe ist es das pure Glück. Wenn er geht ist es die Hölle. Er sagt ich melde mich..aber tut er das? Nein! Ich melde mich! Ich schreibe ihm.ich bin das “wir”.
    Er könnte alles tun ich würde es genießen er hat Macht über mich und ich drehe mich nur noch im Kreis. So oft blockiert so oft gesagt es ist schluss.Aber es reicht schon nach 10 Tagen ein “hi” per SMS und alles ist wieder da. Es macht mich krank weil ich einfach wieder frei sein will. Ich bin ein Sklave und das mehr oder weniger freiwillig. Mein Mann fragt was ist los mit dir und ich antworte “nichts mir geht einfach nicht gut” er würde es nicht verstehen. Er sagt vergiss die Typen die sind es nicht wert. Er hat recht und ich bin so froh das er an meiner Seite ist . Er hätte es verdient. Das alles. Er verletzt mich nicht für ihn bin ich die tollste Frau der Welt.
    Und trotzdem sitze ich hier und weine weil mir jemand fehlt für den ich nicht mehr bin als ein bequemes betthäschen, was immer springt wenn er es braucht.

  • Bin in einer ähnlichen Situation. Da ist dieser eine Mann der mich nun schon seit 22 Jahren begleitet. Immerwieder beende ich den Kontakt und immer wieder kommen wir im Leben zusammen. Und jedes Mal steckt er in einer Beziehung in der ihm etwas fehlt. Dann kommt er zu mir, sagt mir was ich hören muss und er bekommt was er glaubt zu brauchen. Wir hatten mal wieder 7 Jahre lang kein Kontakt. Jetzt fängt er wieder an mir Hoffnung zu machen und wieder steckt er in einer Beziehung. Ich werde ihn nicht ran lassen.
    Ich habe viel gelernt in den letzten 7 Jahren. Jetzt wird er eine Frau vor sich haben die sagt und tut was für sie richtig ist. Entweder verliebt er sich in diese Frau oder er verliert endlich das Interesse. Beides wäre für mich in Ordnung.

    Liebe Frauen. Sagt immer was ihr denkt. In jedem kleinen Moment. Es macht keinen Sinn sich zurück zu halten aus Angst Abgewiesen zu werden. Denn am Ende ist man so frustriert man so wie so von selber schluss macht. Gebt den Männern die Chance zu wissen was notwendig ist, damit es euch gut geht. Niemand weiß wie es in euch vorgeht wenn ihr euch selbst nicht mal spürt. Und wenn nach 3 Abenden in der Cocktail Bar ohne anschließendem Sex das Interesse bei ihm weg ist, dann war das eine effektive Selektion. Wenn ihr Bock auf Sex habt, dann holt ihn euch. Wenn die Schwiegermutter nervt, dann weißt sie in ihre Schranken. Wenn ihr nicht die zweite Geige spielen wollt, dann tut das nicht!

    So macht das Leben macht Spaß ihr werdet sehen
    Liebe Grüße

  • Erkenne mich darin so gut wieder. Wie oft habe ich versucht Männer über Sex zu halten und dachte, wenn ich nur Geduld hätte würden sie letztendlich bleiben. Auch jetzt stecke ich wieder in so einer Situation. Er hat sich damals für eine andere Frau entschieden. Jetzt ist er immer noch mit ihr zusammen, aber fragt mich ob wir uns wieder treffen können, der Sex wäre ja so toll gewesen. War schon kurz davor wieder darauf einzugehen nur um etwas Nähe zu ihm zu haben bis ich den Artikel gelesen habe. Das hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet. Es tut sehr weh den Schlussstrich zu ziehen aber noch mehr weh tut es, immer nur „dafür“ gut genug zu sein in der Hoffnung, dass er sich irgendwann für einen entscheiden wird und Monate oder Jahre seines eh schon kurzen Lebens zu verschenken. Zumal der Mann einfach nur den Respekt verliert wenn man sich selbst in die Rolle des Betthäschens begibt, das zufrieden ist mit ein paar leeren Worten und netten Stunden.

  • Ich stecke auch fest in einer solchen Affaire. Allerdings ist er 20 Jahre jünger als ich . Er hat meine Sexualität wieder zum Leben erweckt. Jahrelang haben mich Männer nicht mehr interessiert. Bis er kam. Deswegen schaffe ich es nicht von Ihm loszukommen. Es ist die Hölle. Was soll ich bloß tun?

  • Mir sind die Tränen gekommen, als ich den Text gelesen habe. Mir geht es ganz genauso – seit 10 Jahren.. Ich warte darauf, dass er sich für mich entscheidet und gehe immer wieder mit ihm ins Bett, um ihm dort nah zu sein. Denn nur beim Sex fühle ich mich ihm nah…

  • Der Text ist sehr traurig und berührt mich sehr. Ich bin selber eine Frau, mit einem anderen Thema, aber doch auch gleich (die Frau auf der anderen Seite, mit dem Mann, der mehrere lange Affairen hat und ich bin die fürs Herz, für die er sich entscheidet die anderen nur für den Sex. Doch eigentlich merke ich, dass das keine Schwzar-Weiß ist, dass der Mann mir doch fremd ist, der so mit Frauen umgeht und sie reduziert und sie zum Objekt macht. Das ist doch nicht richtig, das kann ein empathischer Mensch doch nicht tun!) Denn im Endeffekt sind wir doch alle Frauen im gleichen Boot und ich finde wir sind dazu aufgerufen: hinzuschauen lieben wir uns selber? Haben wir genug Würde und Selbstliebe? Ich glaube: nein, das haben wir nicht, weil wir seit Generationen immer den dicksten Fisch an Land ziehen mussten um zu überleben. Wir müssen ganz viel Selbstbewußtsein (ja genau – sich selbst bewußt sein und was einem gut tut wissen und danach nach seinen Werten handeln und einstehen) und Selbstliebe lernen – das wird noch Generationen nach uns dauern! Warum geben wir uns hin – wenn wir nicht gesehen werden. Warum wollen wir jemand, der eigentlich gar nicht zu uns passt oder von dem wir gar nicht wissen OB er zu uns passt. Wir wissen doch, dass wir Frauen Bindungshormone über Sex ausstreuen, warum also tun wir uns das an. Ihc möchte keine Frau als Konkurrentin ansehen, die mit meinem Typen im Bett war oder eine “Gefahr” dafür sein kann. Denn sie ist doch ich, wir sind doch Spiegel und müssten uns doch gegenseitig supporten statt neidisch oder eifersüchtig sein. Ist nicht die richtige Einstellung “Moment mal, der Typ macht xy, das geht mir gegen meine Werte und er behandelt dabei auch noch andere Frauen zumidnest so dass es einer Frau weh tut – dann ist das nicht der richtige Mensch für mich. Dann tut der doch nicht gut!!”
    Noch ein langer Weg – das zu sehen und dann danach zu handeln.
    Wir sind alle Co-Abhängig….(auf Grund kultureller Geschichte und Entwicklung der Frau)

  • Ich kenne das selbst sehr gut, habe oft versucht Männer mit Sex zu halten. Mittlerweile weiß ich, dass man,wenn man wirklich Interesse an dem Mann hat, so lange wie möglich nicht mit ihm ins Bett geht. Und das dürfen wir, ein Mann will niemanden,der sich schnell hingiebt und es dauert bei Männern lange bis sie Gefühle entwickeln. Bei mir hat es gleich beim ersten Versuch geklappt und es war ein mega tolles kennenlernen, wir haben uns Zeit gelassen und wir sind und bleiben noch ein wenig in der Kennlernphase. Drum prüfe wer sich ewig bindet und das tun wir mittlerweile viel zu wenig bzw zu kurz. Mädels lasst euch Zeit.

  • Wow, ich bin überwältigt von deinem Text. Mein Herz ist schwer wie Blei. Mir ist es ähnlich ergangen. Es so zu lesen ist erschütternd und mutig zugleich. Danke für die klaren Worte und für die Ehrlichkeit. Du triffst genau den Punkt um den es geht… Die Einsicht sich selbst reduziert zu haben… Das muss man sich klar machen. Wie dumm man doch ist.

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