Die Zeit, die ich mit dem lockigen Haar meiner Tochter verbringen darf, ist ein Geschenk

Meine Tochter ist mit einem Kopf voller dicker, schöner, lockiger Haare gesegnet, im Gegensatz zu mir, die einen Kopf hat, der spärlich mit feinen, glatten Haaren besetzt ist. Das Wunder ihrer herrlichen Locken ist hauptsächlich meinem Mann und seiner afrikanischen Abstammung zu verdanken.

Aber als meine Tochter ungefähr fünf Jahre alt war, identifizierte sie sich stark mit mir, und da ihr das Verständnis der genetischen Vererbung beider Eltern fehlte, glaubte sie, dass sie mit ihrem Erwachsenwerden wie ich werden würde und dass ihre Haare glatt werden würden wie meine. Etwas, das ihre Vorhersage für die Zukunft ihres glatten Haares unterstützte, bezog sich auf ein Foto von mir als Mädchen, aufgenommen ca. 1980, mit einer lockigen Dauerwelle. Die war in den achtziger Jahren angesagt.

Wie Jennifer Beal in Flashdance

Als der Film Flashdance herauskam, war ich zwölf Jahre alt, genauso alt wie meine Tochter heute. Ich hatte bereits meine lebenslange Liebe zum Tanz entdeckt und begann mit meinem Ausflug in die Pubertät – eine Zeit, in der wir versuchen herauszufinden, wer wir unabhängig von unseren Eltern sind, wenn wir uns wünschen, etwas Besonderes zu sein, etwas anderes, etwas „mehr“, als wir uns vorstellen.

In Flashdance spielte die talentierte und hübsche, in Chicago geborene Schauspielerin Jennifer Beals die Hauptrolle, die, wir mir damals unbekannt war, die Tochter eines ethnisch gemischten Paares ist. Ich habe jede Minute des Films geliebt, in dem die Geschichte einer jungen, aufstrebenden Tänzerin erzählt wird, die von Beals gespielt wird. Sie versucht, mit Schweißen am Tag und exotischem Tanz bei Nacht über die Runden zu kommen.

In Flashdance spielte die Schauspielerin Jennifer Beals die Hauptrolle, die, wir mir damals unbekannt war, die Tochter eines ethnisch gemischten Paares ist.

Beals‘ Figur beginnt mit bescheidenen Anfängen und ist trotz fehlender formaler Tanzausbildung eine phänomenale Tänzerin. Sie verbringt den Film damit, ihren Mangel an Selbstbewusstsein zu überwinden mit einem schwer erkämpften Sieg am Ende, wo sie das Casting an einer eher konservativ anmutenden Tanzakademie meistert und das Gremium von verspannten Jurymitgliedern beeindruckt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht auch eine Beziehung zu einem gutaussehenden älteren Mann, der sie unterstützt und ermutigt.

Mein erwachsenes, feministisches Ich krümmt sich ein wenig, wenn ich mich an einige Details erinnere, die in der Geschichte verwoben sind. Aber mein zwölfjähriges Ich klammerte sich an jedes interessante Detail, die kraftvollen Tanzszenen, die Liebesgeschichte, die angsterfüllte Sehnsucht und den Kampf um die Überwindung von Erfolgsbarrieren und das Image von Jennifer Beals – oh, so zu sein.

Ich bin mir sicher, ähnlich wie viele junge Frauen und aufstrebende Tänzerinnen, die den umjubelten Film Flashdance gesehen haben, stellte ich mir vor, ich wäre sie. So sehr ich mich von den Tanzszenen des Films inspirieren ließ, bewunderte und beneidete ich Beals um ihre Schönheit, ihre zerzausten Locken. Die Popularität von Flashdance und Beals trug zu dem Trend zu großen und lockigen Haaren bei – einem Look, dem sich mein natürliches Haar vehement widersetzt.

Die Popularität von Flashdance und Beals trug zu dem Trend zu großen und lockigen Haaren bei – einem Look, dem sich mein natürliches Haar vehement widersetzt.

Mein Haar war immer glatt, fein, dünn und mittelbraun, nur bemerkenswert in seiner absoluten Fadheit. Obwohl ich nicht missverstehe, dass dieser eintönige Strähnenkopf Teil eines Pakets weißer Privilegien ist, kann man nicht leugnen, dass er ausdruckslos ist. Ich begrüße fast die grauen Haare, wie sie zum Vorschein kommen, um meinen Look etwas interessanter zu machen.

Meine erste Dauerwelle

Etwa um 1980, um mein Flashdance-Idol zum Teil nachzuahmen, saß ich stundenlang an einem heißen, feuchten Sommernachmittag im Mittleren Westen der USA an unserem Küchentisch, während meine Mutter meinen widerspenstigen Haaren eine Dauerwelle machte. Ich erinnere mich daran, wie ich meiner Mutter einen Lockenwickler nach dem anderen reichte, wartete, und ich erinnere mich an den schrecklichen Geruch. Oh, wie diese chemische Rezeptur stinkt! Da man sich nach der Dauerwelle ein paar Tage lang nicht die Haare waschen sollte aus Angst, einen Teil der Locken zu verlieren (!), dauerte der Gestank tagelang!

Es gibt ein Bild von mir, wie ich am Tisch saß und meiner Mutter einen Lockenwickler reichte, während sie damit beschäftigt war, einen Wickler einzudrehen. Der Ausdruck auf meinem Gesicht kann nur als gelangweilt beschrieben werden. Als vielbeschäftigte, berufstätige Mutter ist die Erfahrung, in einem Salonstuhl zu sitzen, während mir jemand die Haare schneidet und färbt, ein Genuss. Die Zeit mit meinem Friseur fällt jetzt in den Behälter mit der Aufschrift „Selbstpflege“.

Als vielbeschäftigte, berufstätige Mutter ist die Erfahrung, in einem Salonstuhl zu sitzen, während mir jemand die Haare schneidet und färbt, ein Genuss.

Aber als Kind kann sich die Erfahrung, während der Haarpflege still zu sitzen, wie eine Art Folter anfühlen – an diesem Küchentisch zu sitzen und einen dieser wunderbaren Sommerferiennachmittage zu vergeuden. Ah, die Opfer, die wir für kulturell konstruierte und festgelegte Versionen von Schönheit bringen.

Die Belohnung für das langweilige Sitzen und Stinken bestand darin, später im Spiegel zu sehen, dass ich mich optisch in etwas anderes verwandelt hatte. Es ist erstaunlich, wie eine Veränderung der Haare, der Form, Länge und/oder Farbe einen so tiefgreifenden Effekt auf das Aussehen eines Menschen haben kann, dass er wie eine völlig andere Person aussieht. Es ist die Magie des „Sich-Schick-Machens“, die wir in der Kindheit entdecken und die unabhängig vom Alter bestehen bleibt.

Bilder von mir mit lockigen Haaren in den Familien-Fotoalben zu sehen, bringt mich jetzt zum Schmunzeln. Ich habe diese Locken genossen, welch eine Abweichung von meinen Haaren ohne Behandlung. Ich fühlte mich wirklich näher am Bild der Flashdance-Figur, die ich auf der Leinwand bewunderte. Ich wusste damals nicht, dass Jennifer Beals ein afrikanisches und europäisches Erbe hatte.

Die ethnische Vielfalt meiner Jugend

Meine öffentliche Schule im Norden von Indiana war ethnisch gemischt und ich hatte Freund:innen und Klassenkamerad:nnen, die Eltern verschiedener ethnischer Hintergründe hatten. Die Botschaften, die ich von meiner Familie, Schule und Gemeinschaft über ethnische Vielfalt erhielt, waren die progressiven Botschaften jener Zeit.

Es waren Botschaften über das „Nicht-sehen-von-Farbe“, die wir natürlich jetzt in Bezug auf das Löschen von kulturellem Erbe und die Verschleierung von historischen und strukturellen Nachteilen als problematisch betrachten. Und wie kannst du jemanden lieben und würdigen, für dessen Erbe und Kämpfe du absichtlich blind bist?

Das „Nicht-sehen-von-Farbe“ betrachten wir natürlich jetzt in Bezug auf das Löschen von kulturellem Erbe und die Verschleierung von historischen und strukturellen Nachteilen als problematisch.

Zu jener Zeit aber versuchten diese Botschaften, wenn auch unvollkommen und zu falschen Bedingungen, Raum für die Identifizierung von Gemeinsamkeiten zu schaffen, auf denen Bindungen, gemeinsame Erfahrungen und Freundschaften basieren sollten. Ich verstehe jetzt die Irrtümer von „Farbenblindheit“, aber ich suche immer nach Gemeinsamkeiten mit Menschen, während ich gleichzeitig versuche, Unterschiede in Bezug auf Erfahrung, sozialen Bedingungen und Perspektiven zu würdigen und zu respektieren.

Mein Haar hielt die Locken von der Dauerwelle für eine Weile ganz gut, aber zu meinem Leidwesen begannen sie sich innerhalb weniger Wochen auszuhängen, anstatt der Monate, die die Produktverpackung versprach. Ich ließ die Locken und Dauerwellen kurz vor der High School hinter mir und fuhr mit meinen Schulfreundinnen fort zu langen, aktiven Karrieren in Haarexperimenten: kurze asymmetrische Schnitte, Stufen, Farbe, Pony und die intensive Nutzung von Haarprodukten. Es waren immerhin die 80er.

Die völlig neue Haarreise mit meiner Tochter

Ich hatte keine Ahnung, dass ich mit Mitte dreißig eine völlig neue Haarreise beginnen würde, als ich ein kleines Mädchen zur Welt brachte. Ähnlich wie mein Tanz- und Schönheitsidol Jennifer Beals ist meine Tochter das Kind einer weißen Mutter und eines Schwarzen Vaters.

Die Farben in meinem genetischen Ahnenrad „23andMe“ (23andMe ist ein US-amerikanisches Unternehmen im Bereich der Biotechnologie) sind ausschließlich Blautöne, hauptsächlich die Blautöne, die Nordeuropa darstellen, und einige Osteuropäer von meinem Vater. Die Farben im genetischen Abstammungsrad meiner Tochter sind etwas mehr als die Hälfte der Blautöne Europas, während der Rest das Purpur und Rosa des südlich der Sahara gelegenen Afrikas ist.

Als sie geboren wurde, hatte sie ein absolut engelhaftes Gesicht, hellbraune Haut und einen Kopf voller schwarzer Haare. Sie kam heraus und sah aus, als würde sie eine Perücke tragen. Viele Leute sagten mir, dass ihr fülliges Neugeborenenhaar komplett ausfallen würde, aber wir sahen nie, dass das Neugeborenenhaar verschwand, und ich schwöre, dass sie jede Haarsträhne festhielt. Wenn ich es nicht besser wüsste, und gemessen daran, wie viele Haare sie jetzt hat, würde ich denken, dass sie immer noch einige dieser Strähnen auf ihrem zwölfjährigen Kopf hat!

Als sie geboren wurde, hatte sie ein absolut engelhaftes Gesicht, hellbraune Haut und einen Kopf voller schwarzer Haare. Sie sah aus, als würde sie eine Perücke tragen.

Ich habe es genossen zu sehen, wie sich die Haare meiner Tochter gemeinsam mit ihr selbst verändert haben, während sie heranwuchs, immer neugierig, wie es sich mit dem Alter verändern würde. Ich durchlebte eine Zeit, in der ich über jedes Haarprodukt für Locken gelesen habe, das ich finden konnte: Mixed Chicks, die Blended-Cutie-Linie von Blended Beauty, Curly Q´s, Carol’s Daughter, Kinky-Curly, um nur einige zu nennen. Ich fand und wir entschlossen uns schließlich für Shea-Moisture-Produkte, die wir immer noch verwenden und die ich Müttern empfehle, die um Vorschläge für ihre lockigen Kinder bitten.

Während der Erforschung von Pflegeprodukten für Locken lernte ich das System der Kategorisierung von lockigem Haar kennen. Es identifiziert vier Grade von Locken, beginnend mit Grad 1 als fehlende Locken, geht über zu Wellen und Locken Grad 2 und 3 und endet mit Ringellocken Grad 4, die die dichtesten Locken und Spiralen darstellen. In jeder der Grade gibt es die Untertypen A, B und C, die von lose bis eng in jeder Kennzeichnung reichen. Die Haare meiner Tochter sind immer zwischen 3B und 3C gefallen.

Ich kann zwar die Nützlichkeit einer solchen Typologie zum Erkennen von Produkten, Stilen und richtigen Pflegevorschlägen einschätzen, aber es gibt auch eine Seite, bei der sie so komplett versagt. Das ist, die unendliche Bandbreite und Variation an Schönheit und Zauber zu beschreiben, ganz zu schweigen die komplexen Beziehungen, die wir zu unseren Haaren haben.

Waschen, Spülen, Kämmen und Lufttrocknen

Es dauerte zwei Jahre, bis ich bereit war, meine Tochter zu ihrem ersten Haarschnitt mitzunehmen. Zu dieser Zeit entschied ich mich, dass es für eine viel beschäftigte Mutter, die in Vollzeit und zusätzlich am Abschluss einer Dissertation arbeitet, am besten wäre, ihre Haare kürzer zu halten, um die Pflege zu erleichtern. So hielt ich ihre Haare in verschiedenen Ausführungen einer Boblänge und -art. Zu dieser Zeit hatte sich ihr Haar in perfekte Locken mit dem Durchmesser meines kleinen Fingers eingependelt, und so war ich mehr als glücklich, ihr Haar offen und natürlich zu lassen.

Alles, was man tun musste, um diese herrliche Haarperfektion zu erreichen, war Waschen, Spülen, Kämmen und Lufttrocknen. Jeder, der sie kannte und sie mochte, „liebte“ und schwärmte von ihrem Haar – sanfte, geschmeidige, glänzende Ringellocken. Es war wunderschön und machte Spaß, damit zu spielen, und jahrelang war der Aufwand und die Zeit, die nötig waren, um ihr Haar am Morgen zu befeuchten und zu entwirren, minimal.

Jeder, der sie kannte und sie mochte, „liebte“ und schwärmte von ihrem Haar – sanfte, geschmeidige, glänzende Ringellocken.

Als sie etwa sechs Jahre alt war und in die erste Klasse ging, drückte sie ein starkes Verlangen danach aus, ihr Haar lang wachsen zu lassen, und ich entschied, dass, obwohl es mehr Zeit und Mühe von mir erfordern würde, ich ihr Verlangen respektieren würde. Außerdem habe ich es immer genossen, Haare zu machen und mit ihnen zu spielen.

Zu verschiedenen Zeiten in der Kindheit dachte ich, ich könnte Stylistin werden. Ich liebte es, Haare zu bürsten und zu kämmen, sie zu flechten, an meinen Puppen, meinen Freund:innen und meiner jüngeren Schwester zu experimentieren. Als Kind habe ich mir selbst beigebracht, wie man einen französischen Zopf flechten muss, lange bevor es möglich war, ein kurzes YouTube-Lehrvideo aufzurufen. Ich zwang meine Schwester und einige meiner Freundinnen, still zu sitzen, damit ich an ihnen üben konnte. Also freute ich mich auf die Gelegenheit, mit ihrem Haar mehr kreative Dinge zu tun, wenn es länger werden würde. Wie viel Glück hatte ich?

Die Zeit, die ich mit dem Haar meiner Tochter verbrachte, hat im Laufe der Jahre immer mehr zugenommen. Für ihre ersten Jahre benutzte ich einen breiten Zahnkamm und Wasser aus einer Tasse, um ihr Haar am Morgen vor der Schule zu entwirren. Dann begann ich mit dem Verdünnen von Haarspülungen und Lockenspray in warmem Wasser zu experimentieren und eine Sprühflasche für die morgendliche Entwirrung zu verwenden. Sie kam immer mit feuchten, aber perfekt geformten Locken in die Schule.

Die Zeit, die ich mit dem Haar meiner Tochter verbrachte, hat im Laufe der Jahre immer mehr zugenommen.

Als ihr Haar länger und dicker wurde, fand ich Entwirrungsbürsten mit flexiblen, breit aufgestellten Gummizähnen, die besser funktionierten als die unflexiblen Zähne des Kamms. Da wir immer länger brauchten, mussten wir vor dem Schlafengehen anfangen, ihre Haare zu frisieren, da am Morgen vor der Schule nicht mehr genug Zeit dafür war. Normalerweise bürsten wir es und legen es zum Schlafen in einen einzigen Zopf.

Ich habe ein paar Mal versucht, ihr Haar zu vielen kleinen Zöpfen zu flechten, mit der Absicht, dass sie sie mehrere Tage lang tragen würde, sodass sich die stundenlange Investition in viele Zöpfe zu einem Stil auszahlt, der mindestens einige Tage dauern würde. Sie lehnte meine Idee schnell ab, als sie in der Schule immer wieder ihre Zöpfe öffnete, und teilte mir mit, dass sie es vorziehen würde, ihr Haar offen zu tragen. Mädchen und ihre Haare.

Die tägliche Entwirrung

Da sie ihre Haare meistens offen und lockig trägt, müssen sie jeden Tag gründlich entwirrt werden. Aber das Leben ist so ausgefüllt und wir fühlen uns nicht immer danach, sodass ein Tag (manchmal sogar zwei) dazwischen liegen kann, und wir beide zahlen dafür mit zusätzlichem Gewirr, das etwas mehr Zeit und Geduld erfordert. An einem guten Tag, besonders wenn ihr Haar frisch gewaschen ist, dauert es fünfzehn oder zwanzig Minuten, um es gründlich zu bürsten.

An einem Tag, an dem wir den Tag zuvor übersprungen haben, oder wenn es gewaschen werden muss, kann es bis zu fünfundvierzig Minuten dauern. Das Waschen ist eine Tortur, die ungefähr eine Stunde dauert, was wir einmal pro Woche tun. Ein paar Mal ist sie schwimmen gegangen, ohne es hochzubinden, und es dauerte mehr als eine Stunde, um es zu entwirren! Es folgten Drohungen, es zu kürzen, falls sie das noch einmal tat.

Das Waschen ist eine Tortur, die ungefähr eine Stunde dauert, was wir einmal pro Woche tun.

Es ist immer notwendig, es in kleinen Abschnitten zu nehmen, zu besprühen, an den Enden zu entwirren und sich den Abschnitt entlang bis zur Kopfhaut hin zu arbeiten. Es ist eine zeitaufwändige Arbeit, die sorgfältige Fokussierung und viele sich wiederholende Bewegungen meiner Hände, Handgelenke und Arme erfordert. Ich habe Belastungsprobleme aus Jahren der Verwendung der Computertastatur, für die eine spezielle Tastatur und eine Computermaus erforderlich sind. Die tägliche Haarentwirrung trägt etwas zu diesen Problemen bei. Aber wenn ich den natürlichen Glanz ihres frisch gebürsteten Haares sehe, fühlt es sich an wie ein kleiner Preis, der zu bezahlen ist. Wie viel Glück habe ich?

Ich verbringe mehrere Stunden pro Woche damit, mich um ihre Haare zu kümmern, und es ist eine profunde Mischung aus Liebe, Ehrfurcht, Arbeit und Frustration. Ich wurde gefragt, warum ich in ihrem Alter noch ihre Haare mache. Ich selbst habe in ihrem Alter meine Haare selbst gewaschen und gestylt mit einem Lockenstab und Styling-Produkten. Aber meine Haare erforderten viel weniger Aufwand. Ich habe meine Haare in meinen frühen Teenagerjahren ziemlich kurz getragen und muss ich es noch einmal erwähnen? Dünn, glatt.

Ich verbringe mehrere Stunden pro Woche damit, mich um ihre Haare zu kümmern, und es ist eine profunde Mischung aus Liebe, Ehrfurcht, Arbeit und Frustration.

Ich muss bei meiner Tochter auch nicht mehr alles machen. Sie übernimmt jetzt einiges von ihrem Styling selbst. Und während sie älter wird, probiert sie mehr mit ihren Haaren aus und kümmert sich mehr um ihre Pflege. Tatsächlich hat sie ein paar Mal mit dem Glätten experimentiert. Mein Herz bricht jedes Mal ein wenig, wenn sie es glättet, sowohl, weil ihr natürliches Haar so viel schöner ist, als auch, weil Schwarze Frauen schon lange den Druck verspürt haben, ihr Haar zu glätten und europäische Schönheitsstandards zu simulieren.

Aber meine Tochter besteht darauf, zu experimentieren, etwas anderes auszuprobieren, genau wie ich es mit meiner Dauerwelle gemacht habe. Es ist praktisch das Geburtsrecht eines Mädchens, mit seinen Haaren zu experimentieren, oder? Lustigerweise widersetzt sich ihr Haar so stark dem Glätten, wie sich mein Haar nicht locken lässt. In vielerlei Hinsicht, während sie ihre Teenagerjahre durchlebt, beginnen wir gerade erst mit ihrer Haarreise. Ich erwarte und hoffe, dass ich mich noch eine Weile um ihre Haare kümmern kann. Wie viel Glück habe ich?

Lustigerweise widersetzt sich ihr Haar so stark dem Glätten, wie sich mein Haar nicht locken lässt.

Meine Pflege der Haare meiner Tochter ist ein jahrelanges, ständiges Selbstgespräch, in dem ich mich bemühe, mich ergebe und liebe. Es gibt Abende, an denen die Schlafenszeit kommt, und mir ist klar, dass wir die Haare meiner Tochter „wirklich bürsten müssen“ – als wäre es uns beiden peinlich, wenn sie das Haus verließe, ohne dass wir uns darum gekümmert hätten –, aber wir können die Energie und den Willen fast nicht aufbringen, um es zu machen. Diese Nächte sind anstrengend und ich fühle mich nicht besonders liebevoll oder geduldig, während ich ihre Haare entwirre.

Wir hatten zwei Mal Läuse in unserem Haus, was mit langem, dichtem, lockigem Haar ein wahrer Alptraum ist. In einem Fall entdeckten wir es spät am Tag und ich behandelte sie und benutzte stundenlang einen Läusekamm, sie musste die halbe Zeit weinen. Manchmal, wenn es spät geworden ist, denke ich, können wir einen Tag überspringen und ihre Haare für den nächsten Tag zu einem Knoten hochstecken, aber sie widerspricht und beharrt darauf, dass wir sie bürsten. Manchmal lehne ich ab und manchmal bin ich einverstanden.

Wir hatten zwei Mal Läuse in unserem Haus, was mit langem, dichtem, lockigem Haar ein wahrer Alptraum ist.

Ich habe ihr Haar gebürstet, während ich wütend war. Wir hatten heftige Auseinandersetzungen und Machtkämpfe um die Pflege ihrer Haare. Einmal hatte sie die Erwartung, dass ich ihr Haar für eine wichtige Geburtstagsfeier frisieren würde, aber ich war außerhalb der Stadt, um ein seltenes Wochenende mit dem bekannten Meister des westafrikanischen Tanzes, Moustapha Bangoura, zu verbringen. Sie weinte über FaceTime, während sie gezwungen war, ihren Vater seine Hand an ihrem Haar versuchen zu lassen, aber am Ende des Anrufs lachten wir alle darüber, wie unbeholfen er mit ihren Haaren war.

Aktivitäten, die meine Tochter ausgeübt hat, während ich an ihren Haaren gearbeitet habe: Essen einer Mahlzeit; mit ihrem Hamster spielen; kuscheln mit unseren Katzen; mit Schleim spielen; ihre Hausaufgaben machen; Durchscrollen von Beiträgen auf Instagram; ihren jüngeren Bruder hauen.

Die wunderbare gemeinsame Zeit

Ich bin überwältigt, wenn ich über die vielen Stunden nachdenke, die ich mit meiner Tochter in ihren fast dreizehn Jahren verbracht habe, um ihre Haare zu pflegen. Sie ist jetzt in dem Alter, in dem ich von Jennifer Beals‘ Bild auf der Leinwand fasziniert und inspiriert wurde. Sie teilt mit mir die Liebe zum Tanz, aber sie hat auch ihre eigenen Interessen und Affinitäten, die sie einzigartig machen, so wie es sein sollte. Sie glaubt nicht mehr, dass ihre Haare wie meine sein werden, wenn sie groß ist, und sie lacht, wenn ich ihr diese Geschichte erzähle.

Ich finde es toll, dass sie zu einer Zeit aufwächst, in der sie eine so große Vielfalt an Frauen aller Hautfarben und Lebensbereiche hat, um sie anzuschauen, von ihnen zu lernen und sie zu bewundern. Die gemeinsame Zeit für die Haarpflege meiner Tochter wird wertvoller, wie sie älter wird und weniger Zeit mit mir verbringen möchte. Diese Zeit verbindet uns, wir teilen Geschichten und lachen zusammen, schauen uns Videos an. Und obwohl es manchmal anstrengend ist, empfinde ich es als eine schöne und heilige Arbeit, die sich oft wie eine Art Anbetung an einem Altar anfühlt.

Ich finde es toll, dass sie zu einer Zeit aufwächst, in der sie eine so große Vielfalt an Frauen aller Hautfarben und Lebensbereiche hat, um sie anzuschauen, von ihnen zu lernen und sie zu bewundern.

In meinen besten Momenten fühle ich mich demütig, ehrfürchtig und geehrt, mit der Fürsorge für dieses wundervolle Kind und seinem herrlichen Haarschopf betraut zu sein. Ich weiß, dass Frauen afrikanischer Abstammung in Amerika mit seiner langen Geschichte des Rassismus, die fortbesteht, in schwierige, uneinige und komplizierte Beziehungen zu ihren schönen Haaren gezwungen wurden.

Ich bin ermutigt, dass meine Tochter zu einem Zeitpunkt in die Pubertät eintritt, in dem die Bewegungen für natürliches Haar von Schwarzen und für Schwarze Frauen stark sind und wachsen. Ich beklage mich manchmal immer noch über die Zeit und die Investitionen, die von Tag zu Tag erforderlich sind. Ich versuche jedoch, mich daran zu erinnern, dass diese Liebesarbeit ein Geschenk der Mutterschaft ist, dass es für sie ein Gebet ist. Ich werde das eines Tages vermissen. Wie viel Glück ich habe.

Jennifer Hanis-Martin versucht noch immer, herauszufinden, was sie mal werden will, wenn sie groß ist. Auf dem Weg zur Beantwortung dieser Frage hat sie viel geschrieben – akademisch, technisch und auch kreativ. Sie hat viele, viele Stunden dem Tanz gewidmet – manche davon in den frühen Neunzigern, als sie für das Fountainhead Tanz Theatre tätig war. Etwa um diese Zeit herum entdeckte sie auch ihre Liebe zu west-afrikanischen Rhythmen und Bewegungsformen. Sie war außerdem eine gute Dekade an der University of Chicago, um ihren Soziologie-Doktor zu machen, und nutzt die dort erlernten Skills nun als Senior Research Director bei einer NGO. Irgendwo zwischen Schreiben, Tanz, Dissertation und Research hat sie es geschafft, sich zu verlieben, zu heiraten und zwei schöne, wundervolle, anstrengende Kinder zu bekommen.

Dieser Artikel wurde in der folgenden Festivalbroschüre von Black International Cinema Berlin veröffentlicht: Fountainhead® Tanz Théâtre presents: A COMPLEXION CHANGE – Transnational and Intercultural Diplomacy / XXXIV. Black International Cinema Berlin – “Footprints in the Sand?” ExhibitionBerlin 2019

Headerbild: Dr. Jennifer Hanis-Martin. (Kategorie-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.