Die Gesellschaft zwingt mich, meinen Körper zu hassen. Wann hört das auf?

Seit ich denken kann, kämpfe ich mit meinem Körperbild. Das Mobbing begann in der Grundschule. Als ich 7 Jahre alt war, hat ein Mann im Supermarkt meinen Bauch berührt und mich gefragt: „Was ist das?“ und dann gesagt „Das ist dein dicker Bauch, du Schwein“.

Mir wurde von klein auf beigebracht, dass mein Körper nicht gut genug ist. Es gibt so viele Erwartungen daran, wie ein Körper aussehen sollte. Je älter ich wurde, desto bewusster wurde mir mein Körper. Ich habe alles versucht, um ihn zu ändern. Ich sehnte mich an die Zeit zurück, wo mein Körper dafür da war, um möglichst hoch zu schaukeln und in jede Lacke springen zu können.

Mein Körper diente auf einmal nicht mehr dazu, Kind sein zu dürfen, sondern haben mir alle gesagt, ich müsse mich verändern, damit mich Männer einmal mögen werden.

Aber plötzlich war mein Körper politisch. Er war politisch, lang bevor ich wusste, was Politik überhaupt ist. Mein Körper diente auf einmal nicht mehr dazu, Kind sein zu dürfen, sondern haben mir alle gesagt, ich müsse mich verändern, damit mich Männer einmal mögen werden.

Ich habe jede blöde Crash-Diät gemacht, die es gibt, allerdings mit wenig Erfolg. Ich fing an zu trainieren und baute mehr Muskeln auf und log alle an, dass ich gelernt hatte, mich zu lieben, wie ich bin. Ich habe einen Fitness-Account erstellt, auf dem alles, was ich postete, Bodychecks und „Verwandlungen“ meines Körpers waren.

Ich war so besorgt, dass die Leute mich für weniger wertvoll halten würden, wenn sie glaubten, ich führe keinen Krieg gegen meinen Körper.

Ich tat das, da ich den Drang hatte, allen beweisen zu müssen, dass ich nicht faul bin. Ich war so besorgt, dass die Leute mich für weniger wertvoll halten würden, wenn sie glaubten, ich führe keinen Krieg gegen meinen Körper. Dass sie denken würden, ich hätte mich „gehen lassen“. Also postete ich fröhlich weiter, wie fit ich jetzt war und dass ich so gesund leben würde und endlich meine Balance gefunden hätte.

Ja, die Balance, wo ich einerseits meinen Körper hasste, aber andererseits Angst vor Obst hatte, da ich es für ungesund hielt. Na super… Obwohl ich mittlerweile sehr gestörtes Essverhalten zeigte, bekam ich von außen fast nur Komplimente fürs Abnehmen. Ich kämpfte also wie viele mit der Diet Culture und dem Wunsch abzunehmen, der tief in unserer Gesellschaft verankert ist.

Was damals war und was heute ist

Wie sieht es denn heute bei mir aus? Ich habe sehr viel reflektiert und würde euch so gern sagen, ich hätte meine Beziehung zu meinem Körper geheilt. Aber leider stimmt das so nicht ganz. Dennoch gibt eine große Veränderung. Mein Mindset!

Die Tatsache, dass ich mit meinem Körper kämpfe, hat sich seitdem nicht wirklich geändert. Ich habe noch viele Tage, an denen mir nicht gefällt, was ich sehe.

Die Tatsache, dass ich mit meinem Körper kämpfe, hat sich seitdem nicht wirklich geändert. Ich habe noch viele Tage, an denen mir nicht gefällt, was ich sehe. Und nach vielen Gesprächen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich gemerkt: Ich bin leider echt nicht allein.

So viele haben dieselben Probleme mit ihrem Selbstbild, aber wir reden nicht drüber. Aus Angst? Aus Scham? Aus dem Gefühl heraus, sonst nicht perfekt zu sein?

Es ist gesellschaftlich erwünscht, deinen Körper zu hassen, aber nicht auf eine offene, laute „mean girls“ Art. Du sollst ihn privat hassen und dann öffentlich Selbstliebe predigen.

Das, was sich geändert hat, ist die Erkenntnis, dass mein Körper nicht das Problem ist. Egal, wie ich aussehe, beziehungsweise früher ausgesehen habe, gab es immer Tage, an denen ich mich gut fühlte, und viele, an denen ich mich schrecklich fühlte.

Ich arbeite täglich an meinem Mindset. Ich versuche aktiv zu überlegen, was denn wirklich das Problem ist, wenn ich denke, es ist mein Körper.

Ich arbeite täglich an meinem Mindset. Ich versuche aktiv zu überlegen, was denn wirklich das Problem ist, wenn ich denke, es ist mein Körper. Ich reflektiere viel und rede ganz offen über meine Sorgen. Aber das Schwierigste an der Reise zur Selbstakzeptanz ist nicht das Reden, sondern die eigenen Gedanken zu hinterfragen und dann gegen meine selbstkritische Intuition mich zu verstecken, zu handeln.

Meine Freundin hat neulich Bilder von mir im Bikini gemacht und als ich sie sah, fühlte sich an, als wäre mein Tag ruiniert. Ich hasste, was ich sah. Aber ich versuchte mir selbst Mitgefühl zu zeigen. Ich lernte über die Monate zu verstehen: Ich muss mich nicht radikal lieben, aber ich muss versuchen, mitfühlend und zart zu mir selbst zu sein.

Das Schwierigste ist, diese Gedanken herauszufordern, wenn sie mich runterziehen wollen. Wenn dein erster Instinkt sagt, das Bild zu löschen, versuche, es zu behalten. Seht dies als eine Erinnerung an, dass ihr mit euren Kämpfen nicht allein sind! Und dass ihr selbst eure schärfsten Kritiker seid.

PS: Ihr werdet froh sein zu hören, dass ich mein Fitnesskonto (Fitnessinhalte sind nicht schlecht – es hat mir nur geschadet) in ein Kunstkonto geändert hab.

Livvy ist gebürtige Anglo- Wienerin. Sie ist fast mit ihrem Bachelor in Biologie fertig und hofft bald Neurowissenschaften zu betreiben. Sie nutzt gerne soziale Medien, um Aufklärung über queere Themen und mentale Gesundheit wie auch ADHS und Autismus zu leisten. Oder sie postet Bilder von ihren Katzen und anatomischen Zeichnungen. Ihr findet sie hier.

Headerfoto: MART PRODUCTION (Kategorie-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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