Dass aus unserer Teenager-Freundschaft richtige Liebe wurde, war keine gute Idee

Forscher:innen haben scheinbar erst kürzlich herausgefunden, dass 2/3 aller Paarbeziehungen aus einer Freundschaft entsprungen seien. Vom Umstand einmal abgesehen, mich zu fragen, zu welchem Sinn und Zweck da Forschung betrieben wurde und ob ich nicht auch Lust hätte in die psychologische Forschung zu gehen, würde ich gerne meinen Senf, zu diesem wie ich meine, heiklen Thema, dazugeben.

Aus meiner Erinnerung heraus war das nämlich die katastrophalste Entscheidung die mein damals engster männlicher heterosexueller Freund und ich treffen konnten. Danach blieb von unserer Freundschaft nur noch ein Häufchen Asche, jede Menge Selbsthass und der bittere Beigeschmack übrig, nun von gemeinsamen Freunden gemieden zu werden.

Aus meiner Erinnerung heraus war das nämlich die katastrophalste Entscheidung die mein damals engster männlicher heterosexueller Freund und ich treffen konnten. Danach blieb von unserer Freundschaft nur noch ein Häufchen Asche, und jede Menge Selbsthass übrig. 

Selbstverständlich fing aber alles ganz harmlos an. Fast schon wie in einer Teenagerliebeskomödie. Ich war die Freundin seines besten Freundes. Wir konnten uns mal leiden, mal ganz und gar nicht. Haben wir erst stundenlang Gilmore Girls Abende auf seinem Sofa bei einem Joint (Keine Sorge Mama, ich hab nur passiv inhaliert – senkt das Risiko für Krebs jetzt aber auch nicht) veranstaltet, wurde aus dem Miteinander spätestens dann Konkurrenz, als meine Jugendliebe für die Ausbildung in ein anderes Bundesland zog und wir uns seine geringe Aufmerksamkeit teilen mussten.

Selbstverständlich fing aber alles ganz harmlos an. Fast schon wie in einer Teenagerliebeskomödie. Ich war die Freundin seines besten Freundes. Wir konnten uns mal leiden, mal ganz und gar nicht.

In der Praxis hieß das, tagsüber saß ich mit den beiden in Parks und schaute ihnen beim Tischtennisspiel zu und abends kuschelte ich mich endlich an meinen Freund und hatte das von ihm, was junge Beziehungen ebenso versprechen – allein, ohne den anderen, völlig außer Konkurrenz – ätschi.

Die nächste Runde 

Ohne weiter abschweifen zu wollen, es war wunderbar. Zweieinhalb Jahre Kinderliebe, mit allen ersten großen Gefühlen und einer sich dann anbahnenden ersten Trennung. Wir versprachen einander alle in Kontakt zu bleiben und hielten das Versprechen.

Ohne weiter abschweifen zu wollen, es war wunderbar. Zweieinhalb Jahre Kinderliebe, mit allen ersten großen Gefühlen und einer sich dann anbahnenden ersten Trennung.

Gelegentliche Barbesuche, hier und da eine Party miteinander, der Ex blieb stets bemüht und klebrig und der Freund des Exfreundes desinteressiert. Hätte ich mir nicht diesen sonderbaren Moment gegönnt meine Haare in schmerzhaft ziehende Dreads zu filzen. Nach Wochen der Reue ließ ich alle Haare zu einem Pixie schneiden und war plötzlich der Star auf jeder Party.

Der Kerl, der mich eben noch in seinem Dunstkreis duldete, entflammte sich nun für meinen schwungvollen Hinterkopf. Wir torkelten also in eine klitzekleine Affäre, in der es eigentlich nur darum ging, Wein zu trinken wie die Erwachsenen, und zu vögeln wie die Teenies. Das konnte nicht gut gehen. Eine verliebt sich ja immer. Genau, ich.

Wir torkelten also in eine klitzekleine Affäre, in der es eigentlich nur darum ging, Wein zu trinken wie die Erwachsenen, und zu vögeln wie die Teenies. Das konnte nicht gut gehen. Eine verliebt sich ja immer. Genau, ich.

Wir brachen das Drama ab, als ich schwanger wurde und aus Spiel hätte Ernst werden müssen. Zu früh und unrealistisch, wie wir fanden. Aber es blieb uns ja eine Freundschaft. Genau das schafften wir viele Jahre.

Wir trafen uns auf Geburtstagsfeiern, besuchten uns ein paar Mal im Jahr, um tanzen zu gehen, jeder mit seinem jeweiligen Partner, in dieser vibrierenden Atmosphäre von alles könnte, nichts würde. Wir machten Fotos im Automaten und freuten uns die Zwanziger damit zu vergeuden, rauszufinden wer wir waren.

Philosophische Gespräche genauso eingeschlossen wie gelegentliches Knutschen hinter den Rücken unserer Freunde. Die Zeit verging, sein Zauber verflog (meiner sicher auch) und wir fanden uns Anfang dreißig wieder – er nun wohnhaft in Freiburg, ich zweifache Mama in Berlin.

Wir brachen das Drama ab, als ich schwanger wurde und aus Spiel hätte Ernst werden müssen. Zu früh und unrealistisch, wie wir fanden. Aber es blieb uns ja eine Freundschaft. Genau das schafften wir viele Jahre.

Eines schönen abends, auf seinem Geburtstag, den er in der Großstadt feiern wollte, saßen wir nostalgisch tratschend in einem Garten und blickten auf unsere gemeinsame Zeit zurück. Wir blickten auch auf die Distanz, die Unterschiede, aber ganz besonders auf die Gemeinsamkeiten. Wir sahen aneinander vorbei und entschieden, die immer wieder aufkeimende Neugier muss doch was bedeuten. Also bedeutete sie etwas.

Wir sahen aneinander vorbei und entschieden, die immer wieder aufkeimende Neugier muss doch was bedeuten. Also bedeutete sie etwas.

Sie bedeutete Reisen nach Freiburg für mich und schließlich einen Rückzug nach Berlin für ihn. Sie bedeutete ein neues, anderes Kennenlernen meiner Kinder für ihn und ein neues, anderes Kennenlernen seiner Person für mich. Aus meinem engsten Freund der Jugendtage wurde ein Mann von Interesse.

Jemand mit dem es Zukunftspläne geben konnte. Jemand der in all den Jahren prägend war und Einfluss nahm. Jemand der mir bekannt vorkam und doch seltsam fremd blieb. Knutschen funktionierte, Reden funktionierte, Lachen funktionierte, was sollte da schon schief gehen? Einiges.

Macken und Neurosen

Denn während man die kleinen Macken und Neurosen seiner besten Freundschaften aus der Ferne gar nicht wahrnimmt oder sogar duldet und liebevoll amüsiert betrachtet, finden sie mit dem neuen Status Beziehung unter der Lupe statt.

Denn während man die kleinen Macken und Neurosen seiner besten Freundschaften aus der Ferne gar nicht wahrnimmt oder sogar duldet und liebevoll amüsiert betrachtet, finden sie mit dem neuen Status Beziehung unter der Lupe statt.

Trank er schon immer so viel? Ja, in regelmäßig großen Abständen hatte ich doch immer mitgetrunken.

War er schon immer so schwerfällig, müde bis depressiv? Auch das, aber ich hatte es in unserer Freundschaft für aushaltbar und interessant gehalten.

War sein Drogenkonsum eine tägliche Angelegenheit? Auch hier wusste ich drüber Bescheid, aber in unserem Alltag mit zwei Kindern wurde es mir erst schmerzlich bewusst. Wir hatten keine Zukunft.

Das Ende einer Freundschaft 

So riss ich das Ruder nach sieben schönen und auf das Ende zugehend immer traurigeren Monaten herum. Ich lehnte den vertrauten Körper ab, ich lehnte die bekannten Macken ab, ich hatte Angst in einer Zukunft mit ihm vor die Hunde zu gehen. Schweren Herzens musste ich mich trennen.

So riss ich das Ruder nach sieben schönen und auf das Ende zugehend immer traurigeren Monaten herum. Ich lehnte den vertrauten Körper ab, ich lehnte die bekannten Macken ab, ich hatte Angst in einer Zukunft mit ihm vor die Hunde zu gehen.

Letztlich war diese Entscheidung für uns alle richtig. Wir hatten keine Chance, wollten es aber nicht wahrhaben. Wir waren doch Freunde. Wir hatten doch eine gemeinsame lange Vergangenheit. Wir hatten Krisen überlebt und so viel gelacht. Warum passte es dann nicht? Wir waren wohl einfach doch etwas anderes und dreizehn Jahre nicht unsere Glückszahl.

Nach unserer Trennung, folgten viele Liebesbekundungen seinerseits. Ich erhielt Geschenke, ich erhielt Briefe, ich erhielt einen sehr zarten Antrag. Sein Herz war gebrochen. Meines auch.

Letztlich war diese Entscheidung für uns alle richtig. Wir hatten keine Chance, wollten es aber nicht wahrhaben. Wir waren doch Freunde. Wir hatten doch eine gemeinsame lange Vergangenheit.

Unsere Freundschaft war dahin, denn was einmal gefühlt wurde, ließ sich schwer vergessen. Ich probierte es, hatte ich doch scheinbar weniger investiert. Es ging nicht gut.

Stattdessen begegnen wir uns manchmal, weil wir im selben Kiez wohnen. Lächeln müde, bleiben zurückhaltend. Wir verbreden uns auch manchmal und laufen eine Runde um den See, versprechen das zu wiederholen und wissen schon, dass wir lügen.

Unsere Freundschaft war dahin, denn was einmal gefühlt wurde, ließ sich schwer vergessen.

Wir schicken uns diese unpersönlichen Grüße zum Geburtstag und antworten zweisilbig. Nur manchmal, aus dem Nichts, knüpfen wir an eine alte Tradition an.

Wenn er mir einen Song schickt. Unkommentiert. Ganz unverhofft. Dann weiß ich wir sind noch da.

Headerfoto: Klaus Nielsen via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

Laurine Lauretta, ein Perpetuum Mobile. Zwischen alleinerziehender Mutterschaft, pädagogischer Arbeit und Frausein, bleibt noch genug Zeit sich viele Gedanken um die Liebe, das Leben und allerlei Unsinn zu machen. Hier in Wort und Text.

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