Das ungemütliche Neuland: Bevor sie uns heilt, tut Veränderung erstmal weh

Einer meiner stärksten Trigger ist auf jeden Fall Unfairness.

Ich habe mich die letzte Woche leider viel zu oft aufgeregt, hatte Wut bis zum Hals in mir und konnte damit gar nicht mal so gut umgehen. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich in so einem Fall die Wut heruntergeschluckt, oder sie gar nicht erst gefühlt, mich angepasst und das getan, was von mir verlangt wird.

Heute äußere ich recht impulsiv und manchmal sogar unkontrolliert – wenn auch immer respektvoll – meine Meinung, stelle die Handlungen meines Gegenübers infrage und treffe Entscheidungen, die nicht mehr viel mit der überangepassten Marisa zu tun haben. Manchmal erschrecke ich mich darüber, denn da, wo früher so gut wie keine Emotionen waren, ist heute eine ganze Menge.

Oft falle ich in alte Muster zurück und fange an mich zu rechtfertigen oder frage andere, ob meine Reaktion zu „übertrieben“ war.

Oft falle ich dann in alte Muster zurück und fange an mich zu rechtfertigen oder frage andere, ob meine Reaktion zu „übertrieben“ war. Da spricht dann wohl die immer noch recht große Unsicherheit aus mir, die sich noch nicht ganz traut, zu sich zu stehen.

Von meinen Freunden höre ich dann nicht selten Sätze wie: „ Ich hätte das am liebsten auch laut ausgesprochen.“ Oder „Wieso rechtfertigst du dich für deine Meinung? Ich hätte gerne auch diesen Mut dazu!“

Aber ein Anteil in mir fühlt sich noch nicht ganz wohl damit.

Veränderung macht Angst ­­– anfangs

Ich meine, psychologisch betrachtet ist das anscheinend ganz logisch, denn alles, was wir Jahre lang immer wieder auf die gleiche Art und Weise getan haben, sind wir gewohnt. Alles, was wir verändern, ist eben Neuland und erst mal ungemütlich und fremd.

Wenn ich jedoch meiner Wut über Unfairness Raum gebe und dadurch eine Äußerung tätige, die zeigt, dass ich für mich einstehe, dann fühle ich mich nicht selten einsam und traurig dadurch.

Auch das ist, wieder mit etwas Abstand betrachtet, im Neuland nicht verwunderlich! Trotzdem ist dieser Prozess weg von der Anpassung nach außen und hin zu seinen eigenen Gefühlen wirklich anstrengend!

Einmal angefangen, bewusst und achtsam zu leben, und es gibt kein Zurück mehr.

Einfacher wäre es, wenn mein Körper immer noch ein unbewusster Roboter wäre, wie vor meinem Burnout. Einfacher, doch definitiv nicht gesünder!

Erst jetzt fange ich an zu begreifen, was das wirklich bedeutet und mit sich bringt. Einfacher wäre es, mit dem Strom zu schwimmen, einfacher wäre es, die Wut über eine:n Arbeitgeber:in, das System, in dem wir leben, oder was auch immer für „negative Gefühle“ herunterzuschlucken. Einfacher wäre es, wenn mein Körper immer noch ein unbewusster Roboter wäre, wie vor meinem Burnout.

Einfacher, doch definitiv nicht gesünder!

Mit einem Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse, Grenzen, und Werte zu leben, verdient Anerkennung und Zuspruch vom Umfeld, auf jeden Fall! Aber manchmal auch Trost, eine dicke Umarmung und die Worte: „Du bist nicht allein!“

Etwas in sich zu verändern, Neuland zu betreten, Unverständnis auszusprechen, kostet Kraft und Mut!

Daher an alle, die es gerade brauchen: Ihr seid nicht allein!

Breathe, peace and love,

Eure Marisa

Headerfoto: Vlada Karpovich (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

Marisa ist 30 und aus Köln. Sie schreibt über mentale Gesundheit, das Leben und Veränderungen in unserer verrückten Zeit.

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