Das Thema Selbstliebe – und ich

„Ich bin zu dick!“ – Ein herrlicher Satz, den wir mit Sicherheit alle kennen. Wir lassen ihn gerne in unseren Köpfen abspulen, während wir in den Spiegel schauen ­­– wobei der eine oder andere seinen Bauchspeck auf und ab tänzeln lässt.

Wir sehen immer nur, was wir sehen wollen: zu breite Hüften, zu kleine Brüste, zu dicke Schenkel. Eigenen Beschreibungen zufolge müssten manche Frauen wie der Glöckner von Notre Dame aussehen – oder wie Gollum. Obwohl der absolut schlank ist … aber eben sonst nicht der Hübscheste.

Man verstehe mich nicht falsch. In gesellschaftlicher Hinsicht würde man meine Körperproportionen als schlank bezeichnen. Zum Modeln würde es nicht reichen, dafür muss man nämlich drei Meter groß sein, rund 40 Kilo wiegen und am besten beim Gehen nicht über seine eigenen Füße stolpern.

Letzteres zählt dummerweise absolut nicht zu meinen Talenten. Meine Größe ist okay, mit 1,68m passe ich, ohne mir den Kopf zu stoßen, durch alle Türen. Diese Fähigkeit gleicht meiner Meinung nach das Stolpern wieder aus. Trotzdem bin ich mit mir nie ganz zufrieden.

Ich finde meinen Po zu klein, meine Beine zu kurz und meinen Bauch nicht flach genug.

Ich finde meinen Po zu klein, meine Beine zu kurz und meinen Bauch nicht flach genug. Ich hätte gerne ein Sixpack. Daran arbeite ich mit völlig unregelmäßigem Sport und bin immer noch enttäuscht, dass es nicht funktionieren will. Ich geb‘ mich dann im Sommer einfach mit einem Sixpack Bier zufrieden – das ich dann verschenke, ich mag nämlich kein Bier.

Selbstliebe ist wirklich eine Tugend. Und momentan total angesagt. Eigentlich eine tolle Sache: Frauen sind nicht mehr spindeldürr, lieben ihre Kurven und stehen zu ihnen. Manche zelebrieren das Ganze etwas mehr und manche weniger.

Ich hab keine großen Kurven, die ich gerne zelebriere. Ich fotografiere selten meinen „Booty“ (vielleicht mal zu Hause um den Sitz der Hose besser von hinten betrachten zu können) und poste davon Fotos bei Instagram mit einem Feuer- und einem Pfirsichemoji also Bildbeschreibung.

Meine Freunde posten nicht: „Booahahh geilleee Saaaauuuuu“ unter meine Bilder oder: „Kann man dich nackt sehen?“ – Würde mich tatsächlich auch verwirren. Trotzdem fühle ich mich bei einigen „Bodytrends“ ganz schön außen vor, auch wenn der jetzige doch so einfach erscheint. Ich kann nicht in den Spiegel schauen und sagen: „Du bist perfekt so, wie du bist“, weil ich es eben nicht so empfinde.

Wenn ich gezwungen werde, mich zu mögen, fühle ich mich wie damals in meiner Kindheit.

Wenn ich gezwungen werde, mich zu mögen, fühle ich mich wie damals in meiner Kindheit. Da gab es immer jemanden, den man nicht mochte, aber man musste sich verabreden, weil Mama das so wollte. „Aber das ist doch eine ganz Nette! Du musst sie nur besser kennenlernen! Und mit dem Popeln hört sie auch auf, hat ihre Mutter gesagt!“

Ich möchte nicht mein eigenes Kennenlern-Kind sein. Oder das Popel-Kind. Und ist das nicht auch okay? Darf ich mich nicht einfach weiterhin ein wenig unförmig finden? Immer ein wenig nörgeln, solange ich im Sommer noch meinen Eisbecher verdrücke oder zum Kaffee ein Stück Kuchen esse?

Gewicht ist wirklich ein schwieriges Thema. Und das wird es auch immer sein. Vielleicht wird es einfacher, wenn wir uns in der Hinsicht ein wenig entspannen. Die Seele baumeln lassen. Und den Bauchspeck natürlich auch.

Svea ist 23 Jahre alt und Studentin an der HafenCity Universität in Hamburg. Sie schreibt ganz gerne. Am liebsten über alles, was ihr gerade einfällt. Und so ehrlich, wie’s eben geht. Mehr von ihr gibt es bei Instagram.

Headerfoto: Stockfoto von Alena Ozerova/Shutterstock. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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