Das Drehbuch meines Lebens – Mein Glück finde ich nur in mir selbst

Unsere Generation hat Luxusprobleme. Wir sind einfach nicht in der Lage, die Leere in uns mit sinnvollen Tätigkeiten zu füllen. Stattdessen füllen wir sie mit bedeutungslosen Dates und swipen uns die Finger wund.

Wo ich nur hinhöre – alles dreht sich um das andere Geschlecht. Wir kleben wie die Irren am Display unseres Smartphones und daten, was das Zeug hält. Im besten Fall schwärmen wir über unsere Errungenschaft und im schlimmsten Fall feiern unsere Stresshormone eine wilde Party.

Unser gesamtes Leben wird vom anderen Geschlecht bestimmt. Egal, ob wir nun die große Liebe suchen oder nur ’ne schnelle Nummer für zwischendurch. Es gibt wenig Menschen, die alleine sein können, die mit sich zufrieden sind und die den Fokus auf ihre Ziele, Wünsche, Träume und Bedürfnisse richten.

Wir sind einfach nicht in der Lage, die Leere in uns mit sinnvollen Tätigkeiten zu füllen. Stattdessen füllen wir sie mit bedeutungslosen Dates und swipen uns die Finger wund.

Die andere Person sollte eine Nebenrolle in unserem Film spielen, aber wir machen sie zum Hauptdarsteller oder schlimmer noch zum Regisseur und verlieren jegliche Kontrolle über den Verlauf des Filmes. Dieser Film von dem hier die Rede ist, ist natürlich unser Leben! Dieses eine Leben, welches nun mal endlich ist!

Und wenn wir die Aufmerksamkeit mal einen Moment von den Singles abziehen und auf die Paare lenken, dann geht es bei den meisten auch nicht viel besser zu. Die Partnerschaft beschränkt sich nur noch auf eine Zweckgemeinschaft, die Liebe ist geflüchtet und das Feuer der Leidenschaft erloschen. Auch hier quälen wir uns Tag für Tag mit dem anderen Geschlecht herum.

Wir legen den Fokus auf das, was nicht läuft und werfen uns Vorwürfe an den Kopf. Erwartungen, die nie erfüllt werden, und der daraus resultierende Frust bestimmen unser Leben. Doch das nehmen wir anscheinend gerne in Kauf. Alles ist besser als alleine zu sein. Ist ja so schön praktisch und bequem. Wir sitzen in unserem selbst erbauten Gefängnis und beschweren uns auch noch darüber.

Die andere Person sollte eine Nebenrolle in unserem Film spielen, aber wir machen sie zum Hauptdarsteller oder schlimmer noch zum Regisseur.

Ich beobachte dieses Phänomen jetzt schon eine Weile, weil ich ringsherum mit diversen Geschichten zugeballert werde. Ich stehe nur kopfschüttelnd daneben und frage mich, warum? Warum bestimmt das andere Geschlecht so dermaßen unser Leben, dass wir unser eigenes total vergessen? Doch während ich meiner Wut über unsere Luxusprobleme freien Lauf lasse, schreit mein innerer Frauentausch-Andi: Halt! Stop! Shame on me. Sofort kommt es mir wieder in den Sinn. Ich finde mich wieder in den Geschichten, die andere mir zutragen!

Vor ein paar Jahren war auch ich stolze Besitzerin von dieser berühmt berüchtigten App namens Tinder. Manchmal kam es sogar vor, dass ich einen Mann im realen Leben kennengelernt habe. Auch ich habe meinen gesamten Fokus auf das andere Geschlecht gerichtet, nur um meine innere Leere zu stopfen. Ich hatte keine Hobbys, keine Ziele, Wünsche oder Träume. Meine Bedürfnisse stellte ich dem anderen zuliebe hinten an und auch sonst gab es nichts Spannendes in meinen Leben, bis auf das abendliche Fernsehprogramm und die mit Partys gefüllten Wochenenden.

Das Schreiben, welches ich heute für mein persönliches Wachstum nutze, beschränkte sich in dieser Zeit auf WhatsApp-Nachrichten. Die Langeweile wurde genutzt, um die Textnachrichten meines Gegenübers zu analysieren. So manche Mädelsabende füllten sich mit der Analyse von versteckten Botschaften und taktisch klugen Antworten. Alles drehte sich nur noch um die Männer und die schönste Nebensache der Welt wurde zum verflixten Mittelpunkt meines Lebens.

Alles drehte sich nur noch um die Männer und die schönste Nebensache der Welt wurde zum verflixten Mittelpunkt meines Lebens.

Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, es gab nur diese beiden Varianten. Lief es mal nicht so gut, fiel ich in ein bodenloses Loch und gab mir selbst die Schuld. „Ich bin nicht hübsch oder perfekt genug, es muss ja an mir liegen.“ Mit diesen Gedanken zog ich los und ließ die Karte glühen. Ich kompensierte mein Minderwertigkeitsgefühl durch neue Outfits, Accessoires, Parfüm, Kosmetik, neuen Frisuren. Ich pimpte mich so richtig auf und schlüpfte in die Rolle der Barbie. Mein Limit war ständig überzogen und ich kam finanziell nie auf den grünen Zweig. Ein Teufelskreis!

„Wenn ich doch nur besser aussehen würde“, „Wenn ich erst dies und jenes habe, dann klappt es auch mit den Männern“. Für diesen inneren Kritiker habe ich noch keinen Namen gefunden, aber ich sage euch, er ist manchmal immer noch am Werk und redet mir diese fiesen Dinge ein. Doch heutzutage erkenne ich ihn deutlich schneller und zücke nicht mehr so schnell meine Karte. Schlecht für die Wirtschaft, gut für mein Seelenheil und meinen Geldbeutel.

Als ich genug auf mir herumgetrampelt hatte und mein Selbstwertgefühl so gut wie erloschen war, kam zum Glück der Wandel. Ich hatte keinen Bock mehr auf dieses Murmeltier, welches mich täglich begrüßte.

Alleine sein konnte ich schon immer ziemlich gut, habe ich in meiner Kindheit und Jugend ja bereits lernen müssen. Damit hatte ich keine Probleme, es war eher diese innere Leere, die plötzlich immer deutlicher wurde. Wenn es nichts gibt, was einen begeistert, man aber trotzdem etwas verändern will, taucht gezwungenermaßen folgende Frage auf: „Und nun?“ Die Antwort auf diese Frage reicht uns das Leben. Ob sie uns nun gefällt und wir sie annehmen oder ob sie uns missfällt und wir sie ablehnen.

‚Und nun?‘ Die Antwort auf diese Frage reicht uns das Leben. Ob sie uns nun gefällt und wir sie annehmen oder ob sie uns missfällt und wir sie ablehnen.

Ich habe mich für Ersteres entschieden und fing an, ein Buch zu lesen. So etwas gab es bei mir früher selten, ich war eher so die Klatsch-und-Tratsch-Magazin-Leserin. Doch dieses Buch und der Autor, welche beide mein Leben nachhaltig verändert haben, tauchten überall auf. Meine Neugierde wurde einfach zu groß, so dass ich mir wenigstens mal die Beschreibung durchgelesen habe. Der Autor? Osho! Das Buch? Angst!

Ein rabenschwarzes Buch mit Großbuchstaben zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Vorher habe ich mal hier und da Bücher gelesen, auch mal über Klatsch und Tratsch hinaus, aber keins hat mich lange gefesselt und vor allem nachhaltig etwas in mir ausgelöst.

Irgendwann habe ich angefangen, auf meine innere Stimme zu hören. Ich besuchte eine Probestunde im Yoga Studio. Ich fing an, Yoga zu mögen und wurde kurze Zeit später Mitglied. Die Gemeinschaft, die Philosophie, mein wiederentdeckte Körpergefühl – alles fühlte sich richtig und gut an.

Ich studiere die Planeten, Tierkreiszeichen und Häuser der Radix. Ich analysiere mein Geburtshoroskop und verstehe, warum ich so bin, wie ich bin. Ich vergesse die Zeit und bin im Flow so wie beim Schreiben.

Meine Neugierde wurde geweckt und ich befasste mich mit meinen Ahnen. Ich wollte wissen, woher ich komme, welches Blut durch meine Adern fließt und ich fragte meiner Mutter Löcher in den Bauch. Das hat mich vor ein paar Jahren noch nicht interessiert. Ich bereue es, dass ich meinen Großvater nicht gefragt habe und ich bedauere es zutiefst, dass ich ihn jetzt nicht mehr fragen kann. Meine Großmutter hat sehr gerne und viel geschrieben, besonders die Büttenreden im heimischen Karnevalsverein. Das Schreiben liegt mir im Blut wie man so passend sagt. Warum ich darauf eingehe? In uns steckt so viel Potential und wir lassen es verkümmern, weil wir uns mehr für die anderen interessieren als für uns selbst und unsere Wurzeln.

In uns steckt so viel Potential und wir lassen es verkümmern, weil wir uns mehr für die anderen interessieren als für uns selbst und unsere Wurzeln.

Allmählich zeigten sich meine Interessen und ich bin ihnen gefolgt. Immer mehr Brotkrumen kreuzten meinen Weg. So wie bei Hänsel und Gretel folgte ich ihnen und es wurden immer mehr. Mein verborgenes Potential durfte an die Oberfläche kommen, weil ich es endlich zugelassen habe. Seelenbalsam wurde geboren und mit meinen Seelengesprächen schrieb ich anderen aus der Seele. Hätte mir das jemand noch vor einem Jahr gesagt, wäre mein Kopf gar nicht mehr aus dem Schütteln rausgekommen.

Im Jahr 2017 erfüllte ich mir meinen größten Traum und bin nach Bali gereist. Die Reise nach Bali hat sehr viel in mir ausgelöst, so dass nichts mehr war wie vorher. Im inneren reifte die Vision heran, selbst Yoga zu unterrichten. Nach ein paar Hindernissen und leichter Verzögerung erfüllt sich nun endlich dieser Wunsch, im September diesen Jahres werde ich meine Ausbildung beginnen.

Diese innere Leere, die anfangs mein Leben bestimmt hat, wurde gefüllt! Ich habe sie selbst gefüllt!

Das alles bedeutet noch lange nicht, dass ich den anderen nicht brauche und für immer und ewig mit meinen 100 Katzen alleine bleiben will. Ich brauche Männer in meinen Leben. Aber es ist nicht mehr dieses verzweifelte „Ich muss die Leere füllen“, sondern ein „Hey, ich lasse dich an meinen Leben teilhaben und es ist schön wenn du mich an deinen Leben teilhaben lassen möchtest und wenn es nicht passt, ist das okay“.

Ich habe mir abgewöhnt zu sagen: „Ich brauche keinen Mann“. Nur um die Rolle der unabhängigen Frau aufrechtzuerhalten. Das ist in meinen Augen Selbstverarsche, natürlich brauchen wir unseren Gegenüber. Es kommt immer darauf an, welche Bedeutung wir dem Ganzen beimessen. Es gibt tatsächlich noch etwas anderes im Leben als Liebe, Sex und Zärtlichkeit.

Diese innere Leere, die anfangs mein Leben bestimmt hat, wurde gefüllt! Ich habe sie selbst gefüllt!

Mein Leben hat sich in den vergangenen 5 Jahren mit schönen Dingen gefüllt. Ich bin gefüllt mit schönen Dingen! Wenn ich zurückblicke und realisiere, wie sich mein Leben verändert hat, überkommt mich eine tiefe Dankbarkeit. Ich bin dabei mein eigenes Drehbuch zu schreiben, wo ich die Hauptrolle spiele.

Bei all den Geschichten, die mich umgeben, die ich fast täglich zu hören bekomme und von denen ich beobachtender Zeuge bin, schwingt immer meine Geschichte mit. Ich erkenne mich wieder. Wie oft wird mein Helfersyndrom aktiviert, wie oft möchte ich diejenigen schütteln, die mir ihre Geschichten vortragen! Wie oft muss ich mir auf die Zunge beißen und mich zurückhalten, weil ich weiß, dass diese Leere nur aus eigenem Antrieb gefüllt werden kann!

Wir selbst entscheiden, ob wir die Antwort hören wollen, die uns das Leben zuflüstert, oder ob wir lieber durch den ständigen Lärm im Außen taub bleiben möchten. Wir haben nur dieses eine Leben und jeder einzelne entscheidet selbst, wie er es leben möchte und mit was er es füllt. Und bevor es jetzt zu sentimental wird, schreibe ich weiter an meinen Drehbuch und setze das Murmeltier wieder vor die Tür.

Steffi: Drehbuchautorin und Regisseurin ihres eigenen Filmes, spielt zudem die Hauptrolle und lässt sich nicht mehr mit Statisten-Rollen abspeisen. Eine Frau, die ihren inneren Frauentausch-Andi das Wort gönnt, wenn sie sich dabei ertappt, andere zu bewerten und dabei feststellt, dass sie selbst einmal lange Zeit das Murmeltier täglich begrüßt hat. Die kein Bock mehr hatte auf diesen langweiligen Murmeltier-Film und angefangen hat, das Drehbuch ihres Lebens neu zu schreiben. Die zwar keinen Oscar für ihr Lebenswerk erhält aber dafür jede Menge Dankbarkeit tief im Herzen. Mehr von Steffi gibt es auf ihrer Webseite und bei Instagram

Headerfoto: Brooke Cagle via Unsplash. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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