Bitte brich mir mein Herz. Von Dealern und Kryptonit-Menschen und vor allem von Dir

Du bist in meinem Kopf. Dir war es egal, wie sehr ich die Tage vor meiner Abreise gelitten habe. Ich habe Dir gesagt, wie sehr es mich verletzt hat – und Du hast einfach nicht reagiert. Antwortest nicht mal mehr auf meine Nachrichten. Wieso bin ich auch so dumm und habe mich wieder auf Dich eingelassen? Wie kann ein Mensch nur so einsam und verzweifelt sein, das eigene Herz mutwillig zu öffnen für den Menschen, der offen sagt, dass er einen nicht liebt und nicht will?

Und was ist noch schlimmer, als dies zu tun? Genau. Nicht aus den Fehlern zu lernen und es immer und immer wieder zu tun. „Hey, bitte brich mir mein Herz. Ich liebe Dich. Du liebst mich nicht. Lass uns trotzdem unsere Zeit miteinander verbringen, bis mein Herz und ich daran zerbrechen. Bitte. Ich flehe Dich an. Lass mich nicht allein.“

Ich habe viel darüber gelesen. Leute, die eine solche Wirkung auf andere Menschen haben, werden „Dealer“ oder „Kryptonit-Menschen“ genannt. Was bedeutet das? Was steckt dahinter?

Der „Dealer“ ist der einzige, der meine Sucht befriedigen kann. Ich bin süchtig nach seiner Aufmerksamkeit und Anwesenheit. Die Droge: „ein Speedball aus stürmischer Liebe und heftiger Erregung“, der nur ein Mensch Linderung verschaffen kann. Bekomme ich sie nicht, fühle ich mich ganz furchtbar und krank.

Die Kraft verschwindet aus meinem Körper, ich fühle mich, als könnte ich nur noch vor mich hinvegetieren und nie wieder etwas anderes als diesen furchtbaren Schmerz fühlen.

Die Kraft verschwindet aus meinem Körper, ich fühle mich, als könnte ich nur noch vor mich hinvegetieren und nie wieder etwas anderes als diesen furchtbaren Schmerz fühlen.

Und wenn ich nach gefühlten Jahrtausenden denke, dass der eiskalte Entzug endlich vorbei sei, dass ich wieder auf mein Leben klarkomme, dann steht er wieder vor mir und verführt mich zu neuen Schweinereien. Ich komme nicht davon weg. Clean werden ist keine Option. Immer und immer wieder überrollt es mich und ich lebe nur noch zwischen dem Hochgefühl, wenn wir uns sehen, und den unerträglichen Schmerzen, wenn er meiner überdrüssig geworden ist und mich auf Entzug setzt.

Der „Kryptonit-Mensch“ ist die Schwachstelle eines jeden – so die Theorie. Der Mensch, der in mein Leben gekommen ist und es vollkommen auf den Kopf gestellt hat. Die Zeit mit ihm ist etwas ganz Besonderes. Mit ihm bin ich stark, unfassbar stark und komplett. Und ohne ihn fühle ich mich nur wie ein Schatten meiner Selbst.

Er muss nur meinen Namen sagen und es ist vorbei. Es reicht bereits, seinen Namen zu hören oder an einen Ort zu gehen, den wir zusammen besucht haben, um in die alten Gefühle zu verfallen.

Er muss nur meinen Namen sagen und es ist vorbei. Es reicht bereits, seinen Namen zu hören oder an einen Ort zu gehen, den wir zusammen besucht haben, um in die alten Gefühle zu verfallen. Dieser Mensch ist meine Schwachstelle. Im Idealfall ist man zusammen und glücklich – wahrscheinlich aber nicht.

Vielleicht kommt irgendwann mal ein Punkt, an dem ich nicht mehr gänzlich zu zerbrechen drohe, wenn ich seine Stimme höre oder ein Stechen im Herzen habe, wenn ich an seiner Wohnung vorbeifahre, aber irgendwie werde ich ihn nie los. Er bleibt in meinem Kopf und meinem Herzen. Und das wahrscheinlich bis zum Ende aller Tage.

Wahrscheinlich erkennt sich jeder in den Beschreibungen wieder. Jeder kennt diese Gefühle und hat direkt das Bild des Menschen vor Augen, bei dem er so fühlt. Wenn ich nur wüsste, was ich dagegen machen kann. Was hilft gegen den kalten Entzug? Wie lässt sich die Schwachstelle ausmerzen?

Ich kenne das jedenfalls und habe kein Gegenmittel. Es gibt einen Mann, der mich seit nunmehr vier Jahren begleitet. Immer mal wieder sehen wir uns. Dann haben wir ein fantastisches Wochenende im Bett oder nur ein paar Stunden, trotz der 150km Distanz zwischen uns. Wir spinnen die verrücktesten Pläne und haben die Zeit unseres Lebens miteinander.

Und jedes Mal hoffe ich, dass es das letzte Mal war – oder der Anfang von etwas ganz Großem. Einer Liebe, die die Welt noch nicht gesehen hat.

Und jedes Mal hoffe ich, dass es das letzte Mal war – oder der Anfang von etwas ganz Großem. Einer Liebe, die die Welt noch nicht gesehen hat. So groß und mächtig, dass sie Berge versetzen kann. Aber dann endet es so, wie es jedes Mal endet. Er sagt, dass er genauso für mich fühle, dass es verrückt sei, was zwischen uns ist. Ich verfalle der Droge, bin süchtig vom ersten Augenblick an und kann meine Sucht nicht unter Kontrolle bringen.

Dieses pausenlose Aufs-Handy-Starren, wenn wir uns verabschiedet haben. Und die Angst, was er wohl gerade mit wem macht, welchen Grund es hat, dass er keine Zeit oder Lust hat, mir zu antworten. Und dann werde ich komisch. Baue zu viel Druck auf. Vergraule den Dealer. Zerquetsche den freiheitsliebenden Schmetterling.

Wir sagen uns, dass es das letzte Mal war. Wir funktionieren wohl so nicht zusammen, haben jeweils andere Vorstellungen vom Leben oder vom Miteinander. Zwar irgendwie ähnlich, aber offensichtlich nicht harmonisch. Wir löschen die Handynummer des anderen – blockieren ginge dann doch zu weit.

Und Monate später bist Du einfach wieder da und verdrehst mir den Kopf.

Und Monate später bist Du einfach wieder da und verdrehst mir den Kopf. Und obwohl ich mir geschworen habe, hunderte Male, Dich nie wieder in mein Herz zu lassen, breite ich immer wieder die Arme aus, um mich von Dir verletzen zu lassen. Es wäre egal, wenn ich einen Freund hätte, den ich liebte. Niemand kann sein wie Du und niemals bin ich so sehr ich wie mit Dir.

Und wenn ich für Dich springen soll, frage ich nur: „Wie hoch?“ Ich mache es einfach und verrate meine Prinzipien und Werte. Leider war es mir, seit wir uns kennen, nicht gegönnt, jemanden kennenzulernen, der mich lieben kann. Du hast mich gebrochen zurück gelassen. Unzählige Male. Unfähig, geliebt zu werden.

Anna. Gefangen zwischen Frankfurt a. M. und Basel. Keine Ahnung, wo zu Hause sein soll oder was das ist. Zu viel Arbeit in einem der heutigen Trendberufe und zu wenig Zeit, um das Leben zu genießen. Für Herzschmerz reicht die Zeit dann aber doch.

Headerfoto: Kinga Cichewicz via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

2 Comments

  • oh.mein.gott.

    Es ist als würdest du gerade direkt aus meinem Kopf, meinem Herz und meinem Körper schreiben.
    Ich bin gerade in der Phase, in der ich das „Glück“ habe, dass mein Dealer mir – mal mehr, mal weniger – genügend Aufmerksamkeit schenkt, dass meine Sucht gestillt ist. Jedoch ist jeder weitere Tag, an dem er sich weniger meldet, ein Stich und ich merke, dass das Ende schon wieder naht. Ein weiteres Ende nachdem ich mich benutzt und leer fühle. Ein Gefühl für das ich absolut selber verantwortlich bin.

    „Es wäre egal, wenn ich einen Freund hätte, den ich liebte. Niemand kann sein wie Du und niemals bin ich so sehr ich wie mit Dir. “

    Dieser Satz hat mir gerade ein absolutes Knock-out versetzt. Ich bin in einer Beziehung. In einer schier perfekten Beziehung. Und plötzlich ist mein „Kryptonit-Mensch“ nach 4 Jahren wieder in meinem Leben aufgetaucht. Ich rede mit meinem Freund darüber – aber wie soll das jemand (vorallem ein Mann) verstehen, der dies noch nie erlebt hat? …

    Vielen Dank für deine Worte. Sie haben mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin mit meiner Sucht und der ewigen Jagd nach dem Kryptonit.

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