An den Narzissten, den ich mal geliebt habe

Traurig, fassungslos, ahnungslos, in tiefem Schmerz und mit so vielen Fragen hast du mich damals aus dem Nichts verlassen – diesmal bist du endgültig gegangen.

Eingestehen konnte ich mir das erst viele Monate später. Monate des Überlebens, klammern an kleinste Funken von Hoffnung & Warten. Warten auf dich, weil ich es einfach nicht verstehen und akzeptieren konnte. Nicht eingestehen konnte, dass ich mich menschlich so geirrt hatte.

Eine Zeit lang prägte mich der Glaubenssatz, ich könne ohne dich nicht leben. Inzwischen weiß ich, wenn du geblieben wärst, hätte ich vielleicht nicht überlebt.

Eine Zeit lang prägte mich der Glaubenssatz, ich könne ohne dich nicht leben. Inzwischen weiß ich, wenn du geblieben wärst, hätte ich vielleicht nicht überlebt.

Am Anfang war der Hass

Lange Zeit waren wir befreundet, bevor wir ein Paar wurden. Ich nahm an dich zu kennen. Heute weiß ich, dass es nicht Empathie war, die du Opfern von Ungerechtigkeiten entgegenbrachtest. Es war Hass. Denn Hass ist etwas, das du zu empfinden du fähig bist.

Mit Hass kannst du umgehen, ist es doch ein so beständiger Begleiter deines Lebens. Hass auf die Menschen. Hass auf die Täter. Empfindest du daher so viel Hass für dich selbst? Weil du vielleicht unter deinen verschiedenen, vielfältigen Fassaden erkannt hast, dass du selbst ein Täter bist?

Zu lange schrieb ich deine plötzlichen Rückzüge, dein mangelndes Mitgefühl mir gegenüber und deine Unfähigkeit zur Kommunikation deiner Depression zu. Doch spricht dich das von deiner Verantwortung frei?

Ich selbst habe deine Depression dazu genutzt, mich zu schützen. Die Augen davor zu verschließen, wer du wirklich bist.

Ich denke, ich selbst habe deine Depression dazu genutzt, mich zu schützen. Die Augen davor zu verschließen, wer du wirklich bist. Die schonungslose Realität zu verleumden, dass dein Rückzug und Schweigen immer dann einsetzten, wenn ich es mal wagte, meine Bedürfnisse und Grenzen aufzuzeigen – wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Nach der Akzeptanz der Realität beschäftigte mich lange die Frage, ob du dieses Machtgefälle bewusst oder unbewusst herbeigeführt hast. Inzwischen weiß ich, dass das für meinen Heilungsprozess keine Rolle spielt. Der Schmerz über deine Tat bleibt gleich.

Liebe braucht Respekt

Ich versuchte unbewusst alles, um deine Bedürfnisse zu erfüllen, meiner eigenen schon lange beraubt. Bereits in meiner Kindheit entwickelte ich die Glaubenssätze, ich muss etwas tun, um geliebt zu werden, ich falle zur Last, ich brauche einen Partner, um mich „ganz“ zu fühlen.

Hattest du noch Respekt vor mir? Viel wichtiger – hatte ich noch Respekt vor mir selbst?

War ich für dich ein Abenteuer, ein Nervenkitzel, weil du gewusst hast, wie nah ich am Abgrund stand?

Selbst nach der Trennung wurde ich von dir noch als Quelle missbraucht. Meine Zeit verschwendet, mit Hoffnungen gespielt, mir gleichzeitig Nah und Fern gewesen, dich immer wieder bemerkbar gemacht, sobald du spürtest, dass ich mich entfernen könnte. Dabei hattest du doch bereits die ganze Zeit eine neue Quelle. Hat dir das nicht gereicht? War ich für dich ein Abenteuer, ein Nervenkitzel, weil du gewusst hast, wie nah ich am Abgrund stand?

Welch ein Geschenk du mir mit deinem Weggang gemacht hast, begreife ich erst heute. Vielleicht war es dieser Absturz, der mich dazu geführt hat, Verantwortung für mich zu übernehmen. Ich meine Verantwortung für mein inneres Ich, für meine Bedürfnisse, für meine Grenzen, für meinen Frieden.

Lieber ein Ende mit Schmerz..

Nun ist es lange her, wo du deinen Hass & deine nicht vorhandenen Gefühle gepackt hast und gegangen bist. An diesem Tag begann für mich eine Reise. Ich bin noch nicht am Ziel, aber ich habe Schritte gemacht, die mich mit Stolz erfüllen. Ich musste lernen, Hilfe anzunehmen. Ich lerne mit meinen Depressionen, meinen Bedürfnissen, meinen Grenzen umzugehen.

Und das mache ich nicht für andere – das mache ich für mich. Und weißt du was? Es fühlt sich verdammt gut an!

Und das mache ich nicht für andere – das mache ich für mich. Und weißt du was? Es fühlt sich verdammt gut an!

Selbst wenn du deine Rolle als Täter nie verstehen oder gar annehmen kannst. Wünsche ich dir, dass du mit Hilfe irgendwann andere Gefühle als Hass & Wut kennenlernen kannst. Denn auch wenn mir meine Emotionen das Leben oftmals schwer machen, bin ich froh, dass ich diese ganze Vielfalt an Gefühlen wahrnehmen und ausleben kann. Ich denke es ist bestimmt anstrengend, so tiefen Hass in sich zu tragen, wie du es tust.

Einer von Vielen

Du bist nichts Besonderes. Du bist nur einer von vielen, der nicht erkennt, der keine Verantwortung übernimmt. Lovebombing – Gosthing – Gaslighting – Verdammt nochmal. Du nennst dich Feminist, während du nebenbei mit deinen ekelhaften Macht- und Manipulationsmustern Leben zerstörst.

Du bist kein Feminist – du bist nicht mehr als ein kleines Puzzleteil des Patriarchats.

Du bist kein Feminist – du bist nicht mehr als ein kleines Puzzleteil des Patriarchats.

Danke, dass du mein Leben verlassen hast.

Soph

Psychische Gewalt kann zu schweren körperlichen und psychischen Krankheiten führen. Such dir bitte therapeutische Hilfe. Ich habe mich lange missverstanden gefühlt, weil mein Schmerz mit „Liebeskummer“ verwechselt wurde. Es ist kein Liebeskummer, es ist Gewalt. Und die muss verarbeitet werden.

Sei traurig! Sei wütend! Sei gefrustet!

Aber vor allem sei nachsichtig mit dir!

Soph, lebt mit ihrer Hundedame in NRW. Sie ist gerne draußen in der Natur oder mit ihrem umgebauten Camper unterwegs. Alternativ mit Buch im Lesesessel oder tanzend vor ihrer Malwand.

Headerfoto: Виктория Ривьер (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!.

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