Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit: Warum Me-Time uns Achtsamkeit und Klarheit schenkt

Das Alleinsein ist meist negativ belastet. Selbst der Duden beschreibt diesen Umstand mit dem Wort Einsamkeit. Dabei sind Alleinsein und Einsamkeit zwei Paar Schuhe. Alleine ist, wer gerade niemanden um sich hat. Einsam ist, wer keine Bezugsperson hat, an die er oder sie sich wenden kann, wann immer ihm oder ihr danach ist und wem dadurch Bedürfnisse verwehrt bleiben.

Warum die Zeit mit dir selbst so wichtig ist

Es tut den Menschen gerade in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit gut, zur Ruhe zu kommen und in sich zu kehren. Und das geht am besten alleine. Je mehr Menschen um einen herum sind, desto abgelenkter ist man und verliert den Fokus auf das Wesentliche. Auch wenn gemeinsame Zeit mit Menschen, die einem am Herzen liegen, kostbar ist – ebenso notwendig sind jene Momente, in denen man sich nach innen richtet. Auftanken und den Geist freimachen für neue Sinneseindrücke.

Auch wenn gemeinsame Zeit kostbar ist – ebenso notwendig sind jene Momente, in denen man sich nach innen richtet. 

Besondere Augenblicke lassen sich mehr genießen, wenn man sie bewusst wahrnimmt. Oft reicht schon eine Person neben einem aus, die die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Einen Film nimmt man beispielsweise konzentrierter auf, wenn man ihn alleine schaut. Nebenherlaufende Musik geht im Gespräch oft unter. Alte Kindheitsgefühle, wie es sie etwa zu Weihnachten gegeben hat, leben erst wieder so richtig auf, indem man sich in diese Zeit zurückversetzt – die Lieder bewusst hört, sich mit vertrauten Gerüchen aus der Backstube umgibt und diese wahrnimmt, sich in alte Erinnerungen hineinversetzt.

Vom Machen und Tun – ohne etwas mitzubekommen

Wir richten uns unsere Wohnungen stilvoll ein, um es uns gemütlich zu gestalten und uns mit schönen Dingen zu umgeben. Doch wie schnell verliert man das Auge dafür, während man dort wohnt, weil man sich seine Umgebung viel zu selten genau betrachtet?

Würde es eine einfache Einrichtung dann nicht auch tun? Oder aber wir entscheiden uns dafür, bewusst den Anblick unseres trauten Heims zu genießen, indem wir uns am Schönen erfreuen. Dabei ist das nur ein Beispiel. So vieles nehmen wir weniger wahr, wenn um uns herum wildes Treiben herrscht. Ähnliches bemerkte einst Albert Schweitzer (und das bereits zu seiner Zeit!): 

„Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens und der Welt kommt.“

Und genau das ist der Punkt: Wir sind so eingenommen von unserem Alltag, dass wir kaum dazu kommen, achtsam zu leben. Mittlerweile haben viele Menschen das Gefühl, sie brauchen permanente Beschäftigung, da sie sonst nichts mit sich anzufangen wissen.

Selbst Kinder leben schon nach einem durchgetakteten Alltag, sodass Langeweile gar nicht erst aufkommen kann und damit aber leider auch kein Platz bleibt für Kreativität und die Gabe, sich selbst beschäftigen zu können. Manch einen Erwachsenen dürfte auch erschrecken, was er um sich herum wahrnimmt, denkt oder fühlt, sobald er einen Moment für sich hat. Dennoch kann es keine Alternative sein, vor sich und seiner Umwelt davonzulaufen.

Nehmt die Scheuklappen ab!

Besteht der Sinn des Lebens nicht darin, das Bestmögliche für sich und sein Leben herauszuholen? Und über Missstände in der Welt nachzudenken, um im nächsten Schritt den eigenen Anteil beizutragen, diese zu beheben?

Welchen Sinn verfolgt jemand, der sein Leben vom System und der Gesellschaft fremdbestimmen lässt, indem er das tut, was von ihm erwartet wird, möglichst im Schnellschritt – immer schneller, immer besser und ach so tüchtig ist –, alle vermeintlich wichtigen Punkte im Leben nach und nach erfüllt und in Wirklichkeit kaum Luft zum Atmen findet?

Lasst uns beginnen, uns selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Denken wir an die Worte von Carl Gustav Jung:

„Deine Visionen werden klarer, wenn du in dein eigenes Herz hineinsiehst. Wer nach außen sieht, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“

Also, lasst uns beginnen, uns selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zu spüren, was wir fühlen. Zu überlegen, was wir wirklich denken und was wir wollen. Wahrzunehmen, was uns umgibt. Zur Ruhe kommen, uns an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen, dem Leben einen Sinn geben.

Gabriela – immerzu in Gedanken träumt sie sich durchs Leben, dreht und wendet, was ihr im Kopf herumspukt, bis sie sich durchs Schreiben die erlösende Klarheit verschafft. Dabei kommen zwischenmenschliche und psychologische Themen sowie das Weltgeschehen nicht zu kurz. Mit dem Blick auf die kleinen und schönen Dinge im Leben erholt sie sich am liebsten mit Kuscheldecke und einer Tasse Tee auf ihrem Sofa.

Headerfoto: Good Faces via Unsplash. (“Wahrheit oder Licht”-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

 

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