Ab jetzt ein Leben ohne einander – Ein Gedanke, der Angst macht, aber auch befreit

Wir haben es versucht, haben all die Hindernisse ignoriert. Doch sie waren immer noch da und so stolperten wir darüber. Nun sitzen wir uns gegenüber und müssen uns eingestehen, dass wir kein Stück weiter gekommen sind, immer noch am Anfang stehen.

Und ich schätze, in diesem Moment ist der Anfang auch das Ende. Ich weiß, dieser Gedanke macht uns Angst. Aber ich glaube auch, dass er uns befreit. Er befreit uns von all den ungesagten Worten, all den Anstrengungen und all den schlaflosen Nächten.

Du sitzt da und ringst mit den Tränen, sagst nichts. Ich verstehe das. Das tue ich wirklich. Auch wenn es dir augenscheinlich mehr Schmerz bereitet als mir, heißt das nicht, dass ich nicht leide. Ich habe mich nur darauf einstellen können. Irgendwas in mir wusste schon länger, dass es so kommen würde. Und wenn wir ehrlich sind, wollten wir das unvermeidbare Ende nur noch hinauszögern. Wir genossen die Gegenwart des anderen. Egal wie.

Ich schätze, in diesem Moment ist der Anfang auch das Ende. Ich weiß, dieser Gedanke macht uns Angst. Aber ich glaube auch, dass er uns befreit.

Wir konnten nicht loslassen, obwohl wir uns nicht gut taten. Also versuchten wir es immer und immer wieder. Statt einzusehen, dass es niemals funktionieren wird, haben wir uns selbst und einander belogen. Du und ich, wir waren doch nie richtig gewesen. Die Umstände passten perfekt und je mehr alles drum herum passte, desto mehr, so redeten wir es uns ein, würden auch wir passen.

Wir waren das Traumpaar mit der tollen Liebesgeschichte. Und ich habe mich viel zu oft gefragt, ob es nicht auch einfach nur eine Geschichte hätte bleiben sollen. Du starrst auf den Boden und sagst, dass du dir nichts mehr gewünscht hättest, als dass es klappt. Ich nicke still und frage mich, ob man jetzt ‚Leb wohl‘ oder ‚Mach‘s gut‘ sagt. Es ist ja nicht so, dass wir uns nicht noch einmal über den Weg laufen würden. In dieser Kleinstadt begegnet man einander an jeder Ecke.

Doch es wird nicht so sein wie vorher. Wir werden versuchen, andere Wege zu nehmen und im Supermarkt die Gänge mit der Babynahrung durchqueren, um das Risiko gering zu halten, dem anderen zu begegnen. Und all das nur, damit wir uns nicht verletzen und endlich anfangen, die Leere, die wir einander hinterlassen haben, langsam zu akzeptieren und wieder mit neuer Liebe zu füllen.

Wir werden anfangen, andere Wege zu nehmen, um die Leere, die wir einander hinterlassen haben, langsam zu akzeptieren und mit neuer Liebe zu füllen.

Dieser Moment – wir beide auf dieser Bank im Wald, schweigend, trauernd, zusammen und doch einsam – ist der Ausgangspunkt für ein Leben ohne einander. Bei diesem Gedanken füllen sich nun doch auch meine Augen mit Tränen. Es wird langsam dunkel und wir sitzen hier bereits seit drei Stunden. Wir haben jedes kleinste Detail ausdiskutiert. Diskutieren konnten wir schon immer gut.

Alles ist geklärt, doch es fühlt sich irgendwie nicht einfacher an. Du sagst, es sei schon spät und fragst mich mit gebrochener Stimme, ob ich in Ordnung sei. Ich nicke nur. Obwohl ich noch so viel zu sagen hätte, kann ich kein Wort herausbringen, was sicherlich auch besser ist. Du umarmst mich lang und intensiv, lässt mich deine Wärme ein letztes Mal spüren, deinen Duft ein letztes Mal inhalieren. Dann stehst du auf, schaust mir kurz in die Augen und gehst ohne dich noch einmal umzudrehen.

Erika ist ein echter Kleinstadtmensch, liebt es, am Meer zu sein und verbringt Wochenendnachmittage am liebsten mit einem Flat White in kleinen süßen Cafés. In ruhigen Ecken schreibt sie Zeilen, in denen sie ihr Innerstes umkrempelt und zur Schau stellt, um anderen zu zeigen, dass sie nicht allein mit ihren Gefühlen sind. Mehr von ihr gibt es bei Instagram.

Headerfoto: Alex Iby via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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