147 (Frauen) + 1 (Liebe)

Einhundertsiebenundvierzig. Mit so vielen Frauen hatte ich geschlafen, als ich vor ein paar Tagen mal mit meiner besten Freundin über einer Flasche Schnaps meine und ihre Sexualpartner zusammenzählte. Zumindest waren das die, an die ich mich erinnern konnte. Nicht namentlich. Oft wusste ich die Namen ja gar nicht. Und oft wollte ich mich auch einfach nicht mehr erinnern.

147. Eine richtig große Zahl. Jedenfalls im Vergleich zu meinen Freunden. Da bin ich weit vorne. Bei mir war alles dabei. Weiß. Schwarz. Braun. Irgendwas dazwischen. Mit Pigmentstörungen. Dürre. Dünne. Normale. Sportliche. Mollige. Und sogar eine Dicke. Ohne Haare. Mit viel Haaren. Frisiert und unfrisiert. Singles. Mädchen in Beziehungen. Frauen in Ehen. Töchter. Mütter. Ich schwöre: Keine Omas.

Sex hat mich immer getrieben. Gejagt. Und ich habe mich gerne fangen lassen. Mal hat er mich auf dem Klo irgendeines dreckigen Clubs gefunden, mal auf der Autobahnraststätte, beim Waldspaziergang, im Meer, im See, im Freibad, in der Wanne, in meinem Bett, im Bett meiner Eltern, im Bett meiner Großeltern und beschämend oft bin ich in schlecht eingerichteten Studentinnenwohnungen aufgewacht, habe mich aus dem Mehrfamilien-Hochhaus geschlichen und gebetet, dass ich keine ansteckenden Krankheiten mit nach Hause nehme. Meistens ist es gut gegangen.

Gestern hatte ich den besten Sex meines Lebens. Einfach so. Nach was weiß ich wie vielen Malen Beischlaf kommt er so locker, flockig von links reinmarschiert und bleibt da in meinem Bett liegen, als hätte er nie woanders hingehört. Ich bin immer noch ganz aufgewühlt. Wir haben uns echt gut verstanden, ich und der beste Sex meines Lebens.
Im Übrigen habe ich schon ein paar Mal gedacht, dass wir uns begegnet wären, aber wenn man ihn nicht wirklich mal getroffen hat, woher will man dann wissen, dass er es war?

Ich hatte schon Mädchen, die sich kaum bewegt haben, während ich mit ihnen schlief. Da ackerst Du dich wie bescheuert auf der Ollen ab und willst sie irgendwie zu einem Laut der Lust bringen – von Orgasmus rede ich ja gar nicht, damit hatte ich gedanklich längst abgeschlossen – aber sie rührt sich einfach nicht. Keinen Mucks. Keine Regung. Nichts. Vor allem kein Spaß. Vielleicht lag es an mir. Vielleicht war ich einfach nicht sexy genug, vielleicht war er zu klein, vielleicht war ich zu langweilig und sie hat stattdessen über Goethe nachgedacht, anstatt sich mit mir zu vergnügen. Oh Johann.

Ich wurde allerdings auch schon so hart und wild gefickt, dass ich dachte, ich sei gerade aus einem Sasha Grey Film gefallen und die Braut auf meinem Penis triebe sich selbst den bösen Geist aus. Links. Rechts. Vorne. Hinten. Vollgas. Das sind die Momente, in denen Du als Typ denkst: Das ist es! Wieso konnte mich meine Ex-Freundin nicht einfach so dermaßen wegficken? Wieso kann mich meine Freundin nicht so dermaßen wegficken? Wieso hat sie mich nie angefleht ihr meinen großen, schönen Schwanz in jedes ihrer Löcher zu stecken, um ihn am Ende mit ihrem Mund zu säubern? Wieso nicht? Wären wir heute noch zusammen? Und dann schreit sie. Sie schreit, dass es die ganze Straße hört und ich denk mir: Ich bin der König der Welt. Dann denk ich mir aber: Wen versucht die Braut eigentlich zu verarschen? So laut schreie ich nicht mal, wenn wir irgendwann deutscher Meister werden. Welche schlimme Kindheitserfahrung versucht sie wettzumachen? Und wann hört sie endlich auf meinen Rücken zu zerkratzen? Das sieht doch scheiße aus und Alter – das tut weh.

In letzter Zeit war ich viel spazieren, habe viel gekocht. Den ein oder anderen Film habe ich gesehen und mir die Nächte bei langen Gesprächen und Wein um die Ohren geschlagen. Einmal habe ich sogar ein Picknick gemacht. Ein echtes, verdammtes Picknick mit Sekt und Erdbeeren am See. Es ist alles an Klischee gar nicht mehr zu überbieten. Das Mädchen mag ich halt richtig gerne! Ich kann mich nicht dran erinnern, dass es so was schon mal gab.

Gestern Nacht habe ich nur auf ihr gelegen. Wir haben uns zusammen bewegt und während wir miteinander schliefen habe ich gedacht, dass das Schönste ist, was ich jemals in meinem Leben gemacht habe. Ich habe ihr in die geschlossenen Augen gesehen und verstanden. Ich habe verstanden, dass man den besten Sex seines Lebens nicht bei 147 Frauen dieser Welt finden wird. Dass man ihn nicht finden wird, wenn man immer wieder wegrennt und sich jagen lässt. Ich bin einfach liegen geblieben und habe mir die Zeit genommen, mir Zeit zu nehmen.

Geh und verlieb dich! So einen Fick findest Du kein zweites Mal.

Marius ist Berlin. Schon immer. Er ist ungefähr 30 Jahre alt und versucht ausgedehntes Feiern und ordentliches Berfusleben zu vereinen. Wochentags trifft man ihn als IT-Spezialist an, am Wochenende im Kater, Berghain und uns unbekannten Off Locations. Er hat ein Jahr in Guatemala gelebt und kann mittlerweile echt gut surfen. Marius weiss, dass die Leute über seine Texte schimpfen werden, das ist aber ok für ihn. Nutzt ja nix, gelle!

 

Headerfoto: koeb via Creative Commons Lizenz!

imgegenteil_Marius

 

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13 Comments

  • wenn männer so denken, denken sie so. man muss sich ja nicht immer über jeden pups aufregen, das ist ungesund. ich finds romantisch, jedenfalls das ende und geschrieben ist es auch gut.
    und er hat seine große liebe nicht auf sex reduziert, er hat zu verstehen gegeben, dass man den besten sex mit der person hat, die man liebt. die richtige interpretation muss gelernt sein.

  • 147 Frauen und nicht verstanden, wieso diese keinen Orgasmus hatten? Tja, vielleicht wollen Frauen mehr als „ordentlich weggefickt“ zu werden? Vielleicht ist die Realität kein Pornofilm? Scheiß begrenzter Yolo-Lifestyle.

  • war ja klar klar, die berliner feministinnen auf so einen text gleich mit der sexismus – keule reagieren. als mann steht man in dieser stadt sowieso unter generalverdacht. immer mehr meiner freunde haben
    echt keinen bock mehr auf deutsche frauen. bald habt ihr die stadt allein für euch, ihr alleinerziehenden mütter.

  • Nach 147 Frauen die große Liebe gefunden und sie dann doch wieder nur auf Sex reduziert. Irgendwas hast du da nicht richtig verstanden…

    • Anne… ich möchte sicher genauso wenig wie du Spielverderber sein…. aber gehts auch mal ohne das man in allem irgendwie Sexismus hineininterpretieren muss? Wie du selbst schon sagst subtilen und sicherlich ungewollten sexistischen Unterton – wenn er subtil und ungewollt sexistisch ist….. kann man dann überhaupt von Sexismus sprechen? Was sagt sowas wohl über die Frauen aus die so handeln – also wo es nur geht Eigenverantwortung anderen – am liebsten Männern zu schieben zu wollen?

      • Ich interpretiere nichts irgendwo „hinein“. Um den Sexismus hier nicht zu sehen, muss man sich schon die Augen zuhalten. Ich dachte noch, es heisst „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, was?

      • Hey Marc, leider geht es nicht „mal ohne“.
        Du beschreibst anschaulich, Sex und Körper konsumiert zu haben, Namen interessierten Dich weder damals noch heute. Die Vielfalt der Frauen beschreibst Du anhand der Andersartigkeit derer Körper. Verschiedenheiten sind im Übrigen voll okay, außer jemand ist dick oder alt. Ob es real so war oder nicht, so, wie Du es beschreibst, objektivierst Du Frauen. Das ist sexistisch.
        Anne spricht weitere Punkte an, mit denen ich übereinstimme. Und ja, bitte Augen aufmachen.

  • Sehr schöner Text! Nur auch hier muss ich, wie auch bei »Versteht ihr die Signale«, ein bisschen Spielverderber sein. Ich kann Marius absolut nachvollziehen, es ging mir, wenn auch mit weit weniger Sexualpartnern auf der Liste, ganz ähnlich, nur eben andersrum.

    Allerdings finde ich so manch subtilen und sicherlich ungewollten sexistischen und klassistischen Unterton recht schwierig, z. B. im Hochhaus Angst vor STDs zu haben (ich sag dir, Junge, im Eliteinternat müsstest du mehr Angst haben. Ausserdem: Kondome helfen). Oder bei leidenschaftlichen Mädchen durch die Bank Probleme in der Kindheit zu unterstellen. Das ist eine arg versimpelte Küchenpsychologie mit leicht sexistischem, verachtendem Unterton, die einem frisch verliebten jungen Mann ganz und gar nicht gut zu Gesicht steht.

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