Mone | 34 | Berlin

„Ich hatte noch nie ein Problem damit, meine Meinung zu sagen.”

Hot Take: Die Sonne geht gar nicht im Osten auf, sondern im Westen. Genauer gesagt im Westen Berlins zwischen Kaiserdamm und Schlosspark: Willkommen in der Charlottenburger Comfortzone von Fotografin und Video Editorin Mone. Das Wichtigste vorweg: Bei der 34-Jährigen wird Gastfreundschaft auch in Zeiten von Corona groß geschrieben. Bevor wir uns daher ins Interview stürzen, brüht Mone erst noch einen frisch gemahlenen Kaffee auf – mit sicherem Abstand und einem strahlenden Lächeln im Gesicht.

Von Anfang an ist klar: Hier kann man sich nur Wohlfühlen. Es schnuppert nach Bananenbrot und wilden Blumen, als wir unseren Küchenklatsch beginnen. Während der Espressokocher auf dem Gasflämmchen vor sich hin singt, erzählt mir der personifizierte Sonnenschein gut gelaunt von ihrer Kindheit in der mitteldeutschen Provinz bei Magdeburg. Aufgewachsen ist sie dort in einem Einhundertseelennest mit ihrer jüngeren Schwester und jeder Menge Freund:innen. Dorf halt, man kennt sich.

Da wurde in Hauseingängen gecornert und an Bussen gequarzt, herumgestromert und Nächte lang durchgequatscht: “Wir brauchten keinen besonderen Anlass, um abzuhängen. Heute verabredet man sich zum Brunch, zum Kino, fürs Museum … Damals war unser Zusammensein schon Grund genug.”

Mone erzählt, dass ihr Elternhaus der Dreh- und Angelpunkt der Clique war: “Ich übernehme gern Verantwortung und treffe auch mal Entscheidungen, die sonst keine:r treffen will.” Bummeln und Unentschlossenheit fand Mone nämlich schon immer doof. Rote Bete übrigens auch.

Trotz dieses Tatendrangs verlief Mones Schulzeit eher unspektakulär: “Schule fand ich relativ scheiße. Ich besuchte von der fünften bis zur neunten Klasse das Gymnasium. Nach der Zehnten wollte ich schleunigst Geld verdienen. Und aus Mangel an Optionen in der Provinz habe ich eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau angefangen.” Bitte was? Es fällt schwer, sich die vor Ideen sprühende und umtriebige Mone hinter einer Ladenkasse vorzustellen. Die pflichtet mir bei: “Das fand ich natürlich nach drei Wochen schon kacke. Durchgezogen habe ich trotzdem – erstmal was haben.”

Zur Erleuchtung brachte sie in dieser Zeit ein Freund aus Berlin, der eine Ausbildung zum Grafikdesigner machte. “Ich habe zwar schon als Kind viel gebastelt und fotografiert, mir war aber nie bewusst, welche beruflichen Möglichkeiten man als kreativer Mensch überhaupt hat. Daraufhin habe ich meinen Job im Einzelhandel kurzerhand gekündigt und in Magdeburg mein Abitur nachgeholt.

Mit der Hilfe eines Freundes habe ich dann meine erste Fotomappe zusammengestellt und mich in Berlin für eine Studienplatz in Mediendesign beworben.” Mones Mut wurde glatt mit einem Teilstipendium belohnt. 2012 konnte sie dann endlich die Karriere starten, von der sie so lange geträumt hatte. Die ersten Aufträge ließen auch nicht lange auf sich warten. Schon während des Studiums hat Mone Uni-Veranstaltungen fotografisch begleitet, Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen, von denen viele ihrer Projekte bis heute profitieren.

“Am liebsten fotografiere ich dokumentarisch, um die Echtheit der Dinge und der Menschen, die mich umgeben, einzufangen und festzuhalten.” Einige ihrer Werke präsentiert uns Mone in einer liebevoll kuratierten Kühlschrankgalerie. Hier hängen neben Impressionen vom CSD auch Aufnahmen epischer Bühnenshows, verschiedener Festivals und Demos. In solchen Momenten spürt die Fotografin eine innere Verbundenheit mit ihrer Kamera.

Zu ihren Vorbildern zähle die Amerikanerin Vivian Maier: “Ihre Fotografien wurden erst durch Zufall nach ihrem Tod entdeckt. Sie hat aus purer Leidenschaft fotografiert, ohne den Druck von Insta-Fame und Publikum. Ihr ging es ums Fotografieren an sich. Und das inspiriert mich.”

Für den Rest des Interviews beschließen wir, im Schlosspark etwas Vitamin D3 zu tanken. Mone liebt die Natur und macht gern Abstecher ins Grüne – zu Fuß oder auf ihrem Drahtesel über die Grenzen Charlottenburgs hinaus.

Vor unserem Spaziergang durch ihre mondäne Hood schnappt sie sich noch eine – wie ich bemerke – stylishe Vintage-Jacke vom Bügel. Auf meine Frage, wie sie ihren Stil beschreiben würde, kommt Mones Antwort prompt: “Bequem!” Ihren sportlichen Looks setzt sie mithilfe der einzigartigen Lieblingsstücke aus den hiesigen Second Hand Shops nur noch die Kirsche auf.

Diesem Konzept bleibt Mone übrigens auch bei ihrer Inneneinrichtung treu. Für Schnickschnack und Deko hat sie nicht viel übrig; für Pflanzen und cleanes Design dafür umso mehr. Hier und da wird der Altbau-Minimalismus allerdings von liebevollen Kuriositäten unterbrochen. Bestes Beispiel: die kaputte Kuckucksuhr der Eltern, die dem Interieur ein Fünkchen Spießertum einhaucht. “Fast meine gesamte Inneneinrichtung ist gebraucht oder selbstgebaut”, erklärt Mone noch, bevor wir die Wohnung verlassen. “Als nächstes Bauprojekt steht meine Küche an.”

Ein bisschen handwerkliches Geschick würde sie sich daher auch bei ihrem Zukünftigen wünschen, denn dann “könnte man solche Dinge ja gemeinsam angehen.” A propos – womit dürfte Mr. Right denn noch auffahren? “Humor ist mir wichtig”, erklärt Mone, “ich wünsche mir einen Partner, mit dem ich tiefgründige Gespräche führen, aber auch rumblödeln kann.” Über Kurt Krömer könne sie sich beispielsweise (Achtung, der kommt low) krömm lachen. Stock im Arsch geht also gar nicht, noted.

Politisches Interesse, dunkle Haare und Bart stehen dafür ganz oben auf der Checkliste. Groß sollte ihr Traumtyp auch sein, immerhin misst Mone selbst schon 1,85 Meter. “Am Ende entscheidet natürlich immer die Sympathie. Gegenseitiges Interesse, Respekt und Kommunikation sind mir so viel wichtiger als ein Haarschnitt.” Was Mone sich wünscht, ist eine Beziehung, in der man sich auch ohne Worte versteht; die auf Ehrlichkeit und Empathie mauert.

“Außerdem wäre es praktisch, wenn er sich vegan oder zumindest vegetarisch ernährt”, sinniert sie weiter. Denn, sorry-not-sorry, Fleisch kommt ihr nicht mehr ins Haus. Seit zwei Jahren hat Mone tierische Produkte ganz von ihrem Speiseplan gestrichen. “Schwer fiel mir die Umstellung nicht”, erklärt sie, “in Berlin bekommt man ja an jeder Ecke leckere vegane Snacks. Die Pizza von La Stella Nera in Neukölln ist der Hammer.”

In der Corona-bedingten Homeoffice-Situation hat Mone außerdem die Perks des Homecookings wiederentdeckt. “Ich mache eine richtig geile vegane Lasagne”, schwärmt sie. Was aus reiner Tierliebe begann, ist für Mone heute der konsequente Schritt hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil. In ihrer Freizeit probiert sich Mone deswegen auch gern an DIY-Tutorials, schöpft Papier oder stellt Kosmetika selbst her.

Dabei lauscht sie dann Musik, Luca d’Alberto zum Beispiel, oder Hörbüchern: “Eine meiner Lieblingsapps ist Blinkist. Die fasst ganze Wälzer in zehnminütige Hörbücher zusammen. Mein Problem am Lesen ist nämlich, dass Bücher mir zu lange dauern. So ein Film geht einfach schneller.” Mones Entertainment-Tipp: Schöngeistige Produktionen wie Oh Boy oder Midnight in Paris.

Während wir weiter so durch den Park schlendern, vertraut mir Mone noch ihre Zukunftspläne an: “Ich glaube, Menschen sind nicht für die Großstadt gemacht. Ich wünsche mir schon lange einen eigenen Garten, weil ich davon träume, einen Raum frei nach meinen Vorstellungen gestalten zu können. Kinder sehe ich in dieser Vision zwar nicht, dafür aber einen Ort, zu dem man nach Hause kommt und sich geborgen fühlt. Und wie schön wäre es, das gemeinsam mit einem Partner zu verwirklichen?”

Wenn du, lieber Leser, das genauso siehst; wenn du Bock auf gemeinsames Gärtnern, demonstrieren und Lasagne essen hast, dann ab mit dir ins Kontaktfeld und lass Mone eine liebe Nachricht da. Vielleicht seht ihr euch ja schon bald bei einem ersten Date im Schlosspark wieder.

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ANDREAS BOHLENDER ist Fotograf der ersten Stunde und seit 2014 für uns unterwegs. Der Weltenbummler und stolze Papa hat bereits mehr als die Hälfte aller Kontinente bewohnt. Seit 2009 ist er in Berlin sesshaft. Hier findet er es auch richtig jut. Fotografie ist sein Beruf und seine große Passion.
JOSEPHINE - Josie - hat ihren Namen einem Peter-Maffay-Song zu verdanken, erzählt aber jedem, er sei eine Hommage an Joséphine Bonaparte. Seit mehreren Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Anhaltinerin (nicht Sächsin!) nun schon in der Hauptstadt und hat sich schnell vom Landei zum Vorzeigehipster gemausert. Das Schreiben kann sie seit Schulzeiten nicht mehr lassen: Von Spickzetteln und Liebesbriefen ist sie über Uni-Zeitung und TV schließlich noch bei im gegenteil gelandet. Ihre Freizeit widmet Josie am liebsten Hundebabys, Hardcore-Musik und Eiskrem. Derzeitiger Favorit: Zitronenkuchen von Aldemir Eis am Schlesi.

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