Hannah | 31 | Berlin

„Ich trinke dieses Jahr endlich wieder.“

Was Hannah wirklich nicht mehr hören kann, ist, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Das einzig Gute an dem ausgelutschten Spruch ist, dass es sie mit den Bielefelder Ureinwohnern emotional verbindet. So, und jetzt ratet mal, wer den Spruch direkt am Anfang des Interviews gebracht hat? Wir. Natürlich. Hannah liebt uns.

Zurück zum Star des Artikels: Als Kind lebte sie nach der angeblichen Geisterstadt überall: Wien, Freiburg, Düsseldorf. Das Mailand, Paris, New York der Deutschen, ihr versteht. Hannah war ein erwachsenes Kind. Die Kindergartenmeute war ihr zu dreckig, klebrig und laut. Sie zog sich lieber Astrid Lindgren lesend und Cello spielend zurück. Warum Cello? Weil sie dabei sitzen konnte und das so herrlich gemütlich war.

Von dem Hundebiss des Rauhaardackels ihrer Oma trägt sie noch heute kleine Narben. Das hat sie allerdings nie davon abgehalten, die Vierbeiner dieser Erde sehr tief in ihr Herz zu schließen.

In der Pubertät mutierte sie kurz mal zur, wie sie selbst sagt, Ische. In Berlin sagen wir ganz unkompliziert Tussi. Ihr neues großes Thema war Dance4Fans. Musikvideos von BroSis, SClub7 und Jennifer Lopez nachtanzen. Ihr Teenie-Freund war passenderweise ein Polohemd tragender Bonze.

Unsere Hannah wäre allerdings nicht Hannah, wenn sie kurz vor dem Abi nicht nochmal eine 180°-Pirouette hingelegt hätte. Die Ische kam mit dem intellektuellen Außenseiter der Schule zusammen, las Nietzsche und schnackte richtig gerne über Astrophysik.

Um das Bildungsniveau wieder auszugleichen, suchtete sie Gilmore Girls, als gäbe es kein Morgen mehr. Und jaaaaa, angeblich ist Gilmore Girls eine total tolle Serie mit total viel Gefühl und total viel zum Lachen. Guck ich mir im nächsten Leben an, okay? Ich kann gerade nicht. Hust.

Irgendwie landete Hannah mit 19 in Berlin, wo sie eigentlich gar nicht hinwollte, aber wenn man irgendwas mit Mode studieren will, dann macht das in der Hauptstadt schon ganz schön viel Sinn. Wie es sich gehört, wurde erst mal gefeiert. Unsere Titelheldin war Dauergästin in der Scala, der Bar 25, beim Broken Hearts Club und später im King Size. DJ-Groupie, Gästelisten-Life und die vielen Verführungen Berlins schnappten sie und nahmen sie mit auf eine ordentliche Feierreise.

In der Uni schlief sie viel, kam mit dem Stoff trotzdem gut hinterher. Ein Auslandssemester in München ließ sie gut runterkommen, eins in London hat das Party Animal wiederbelebt. Mit 22 konnte Hannah den Bachelor ihr Eigen nennen („leider“ nur den von der Uni, nicht den von RTL) und sie begann, sich mit Praktika durch die Mode- und Agenturwelt zu arbeiten.

Nach zwei Jahren wurde ihr klar, dass sie etwas für ihr Herz und ihre Seele braucht. Also rein in den Zug und auf Richtung Mongolei. Materieller Besitz verlor für sie super schnell an Bedeutung. Sie fiel vom Pferd und lernte, dass sie mit Vodka alles behandeln kann. Die Wunden heilten schnell.

Nach dieser schönen Auszeit ging es beruflich zu Adidas. Als durchtrainiertes Sporty Spice trat sie ihr Master- und Magisterstudium in Stockholm an. Modewissenschaften 4 life. Es war so toll. Wegen Stockholm, wegen der Menschen, wegen der Inhalte.

Hannah beendete das Studium mit 27 und kam längst nicht mehr so partywild wie damals zurück nach Berlin. Mittlerweile war sie richtig arbeitswütig. Eine Performerin in einem Modekonzern.

Das ging ein paar Jahre gut, bis dann kurz vor 30 die große Sinnkrise kam. Wer bin ich? Was mache ich hier eigentlich? Was will ich überhaupt vom Leben? Und wie sinnvoll ist eigentlich die Fast Fashion? Um all diese wichtigen Fragen zu beantworten, mietete Hannah 2017 einen Bauernhof in Meck-Pomm, lud alle ihre Herzmenschen ein vorbeizukommen und war von dem Redebedarf der Almost 30-Generation überwältigt.

Die Gang besprach so viele wertvolle Themen, dass Hannah, ihre Schwester Marie und ihre Freundin Hannah (2x Hannah ist besser als 1x Hannah) die crazygeile Idee hatten, aus Gesagtem und Geschriebenem ein Printmagazin ins Leben zu rufen. Und da Hannah lieber viel tut als viel drum rum zu labern, kündigte sie ihren Job und die Mädels sammelten per Crowdfunding genug Kohle für das erste Issue des Almost 30 Magazines ein.

Inhaltlich total wichtig: emotionale Nacktheit und wenig Oberflächlichkeit. Das Schnelllebige und der Wegwerfgedanke der Modeindustrie konnte und wollte sie einfach nicht mehr mittragen. Soeben startete passend zum Magazin noch der Almost 30 Newsletter: Ein Schmankerl mit gebündelten Themenkomplexen für ein emotionales und reflektiertes Dasein.

Und da das alles gerade erst so richtig startet, finanziert sich Hannah ihr Leben aktuell zusätzlich durch PR und Content Creation Freelance Jobs, sowie Ölarbeit. Jaaaaa, Öl. Unsere Titelheldin ist die Königin des guten Geruchs und der absoluten Geschmeidigkeit. Sie gibt Aromatherapie-Workshops mit den feinsten Ölen des Universums und ließ sich sicherheitshalber noch zur Masseurin der Herzen ausbilden.

Die Arbeit mit hochwertigen Ölen und Düften ist für Hannah der perfekte Ausgleich zum Bildschirm. Sie kann damit deine, meine und ihre Stimmung verbessern, das Einschlafen erleichtern, emotional schwierige Zeiten erträglicher machen, ach alles, damit geht einfach alles. Voll geil. Über die Öle fand sie einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen und ganz generell zum Universum. Eine gewisse Spiritualität der Dame ist nicht zu leugnen. Finden wir persönlich ja total geil. Und sexy. Und erotisch. Und genial, ja, genial auch.

Wenn Hannah dieser Tage nochmal das Tanzbein schwingt, dann am besten genau jetzt. Im Sommer, irgendwo draußen. Es darf Techno laufen. Super gerne wird sie auf Konzerte und Veranstaltungen mitgeschleppt, auf denen sie keinen Plan hat, wer da eigentlich gleich auftritt. Ihr Entdeckungsdrang ist der einer 5-Jährigen. Mega.

Serienmäßig überzeugten sie Sex Education, Love und Friends. Dazu eine vegetarische Pizza Hawaii und zum Nachtisch ein Glas Koawach – ja, es gibt Kakao mit Koffein – und die Welt der Hannah ist in Ordnung. Wenn alle Serien durch sind, greift die 31-Jährige auch gerne mal zum Buch. Hier, dieses Ding mit den Papierseiten und Buchstaben, kennt ihr vielleicht noch. Ihr Lieblingsbuch sind alle Bücher von Rocko Schamoni. Sein Humor ist ihr Humor.

Lachen und Spaß im Glas sind ihr eh total wichtig. Und ja, mit flachen Witzen könnt ihr bei Hannah punkten. Es muss nicht alles immer politisch korrekt sein. Sie ist nicht die krasseste Vorzeige-Öko-Weltverbesserin. Wobei sie schon sehr aware ist, was gerade auf der Welt abgeht und ihr eigenes Verhalten und Leben in den nachhaltigen Bereich bringt.

Letztes Jahr kaufte sich Hannah einen Bulli, den hat sie komplett ausgebaut und mit Solaranlage ausgestattet. Penny Lane heißt das gute Stück. Am liebsten steht sie damit in der Sonne. Dann arbeitet das Gerät komplett CO2-neutral. Bombe. Wenn Penny Lane losfährt, könnte Schweden das nächste Ziel sein. Oder Portugal, ihre heimliche große Liebe. Von dort aus das Almost 30 Magazine hauptberuflich zu betreiben, das wäre die perfekte Lebenssituation.

Achso, wartet mal, was dafür auch nach ganz sinnvoll wäre: 1 Mann. Der lacht, wenn sie dreckige Witze erzählt, der bierrülpst und trotzdem Feminist ist. Der Bock auf entdecken hat, die Natur cool findet und Tiere liebt. Optisch ist sie total aufgeschlossen, viel wichtiger ist, dass es inhaltlich passt. Hannah ist die perfekte Mischung aus begeisterungsfähig, lebenslustig und “Dude, heute chillen wir einfach mal nur krass ab und sind boring.“

Wir haben uns schockverliebt. Leider steht sie gerade eher auf Männer. Irgendwas ist ja immer. Also ran da, may the Hannah be with you. <3

Kontakt

Hannah sucht gerade nicht mehr. Sorry Boys!

JULE ist Gründerin von im gegenteil und Head of Love. Sie schreibt (hauptsächlich zu therapeutischen Zwecken über ihr eigenes Leben), fotografiert Menschen (weil die alle so schön sind) und hat sogar mal ein Buch verfasst. Mit richtigen Seiten! Bei im gegenteil kümmert sie sich hauptsächlich um Kreatives, Redaktionelles und Steuererklärungen, also alles, was hinter dem Rechner stattfindet. In ihrer Freizeit schläft sie gerne, sortiert Dinge nach Farben und/oder trägt Zebraprint. Wer kann, der kann.
ANNI ist Gründerin von im gegenteil und seit vielen Jahren verheiratet. Mit einem echten Mann! Wahnsinn! Mittlerweile hat sie sogar ein Kind. Willkommen im Spießerleben <3. Anni ist Texterin, Konzepterin, hat ein Händchen für Sales und kann ALLES organisieren. Die Frau liebt Nachhaltigkeit, verkuppelt für ihr Leben gerne Menschen und legt manchmal noch als Fleshdance DJs im Club auf. Aber nie länger als bis 1:30h! Wegen Schlafen! Im Büro sorgt Annibunny für Atmung, Spirituelles, sehr gute und sehr sehr schlechte Gags. Stay funny. Stay hydrated. Stay Frischluft.