Daniel | 23 | Berlin

„Ghosting-Geschichten finde ich anstrengend.”

Noch wärmer als der spätsommerliche Sonnenschein, der uns diesen Samstagmorgen im August versüßt, ist eigentlich nur der Empfang, den Single Daniel uns bereitet.

„Hereinspaziert“, begrüßt uns der 23-jährige Grafikdesign-Student, als Fotografin Mone und ich vor seiner WG-Tür in Berlin-Lichtenberg stehen. Wie selbstverständlich macht Daniel sofort eine kurze Roomtour durch seine Crib mit uns – beziehungsweise ein Drittel davon. Zwar verbindet die Mitbewohner ein familiäres Verhältnis, beim Büffeln und Nappen wollen wir aber niemanden stören.

Noch bevor wir die Küche der Dreier-WG erreichen, meldet sich mein unfehlbarer Food-Radar: „Hier duftet es aber gut“, stelle ich fest. „Ich habe Apfelkuchen gebacken“, erklärt Daniel. „Eis gibt es auch.“ Uns fallen die Kinnladen herunter. Mone? Hier bleiben wir länger.

Daniel liest die unschwer zu erkennende Begeisterung in unseren Gesichtern und lotst uns ins Gemeinschaftszimmer der Wohnung: „Kommt erst einmal richtig an und macht es euch bequem.“ Wenn der gebürtige Thüringer zwei Dinge ausstrahlt, dann sind es Ruhe und Herzlichkeit. „Das war schon immer so“, erzählt er. „Meine Mutter wurde früher oft um ihre ruhigen und anständigen Söhne beneidet.“

„Je älter ich werde, desto geiler finde ich Klassik.”

Früher, damit meint Daniel seine Kindheit in Eisenach. Dort ist er zwischen Wald und Wartburg in einer Wohnung abseits des Stadtkerns mit seinen Eltern und seinem drei Jahre älteren Bruder aufgewachsen. Mit seinem Zuhause dort fühlt er sich immer noch sehr verbunden. Schließlich hat Daniel dort einige seiner größten Leidenschaften entdeckt.

Einer davon sitzen wir im Esszimmer gerade gegenüber – seinem ersten Klavier. „Mit fünf oder sechs habe ich angefangen, Klavier zu spielen und zu singen“, erinnert er sich. „Die Initiative kam damals von meiner Mutter, weil sie selbst Gitarre gespielt und im Kirchenchor gesungen hat. Inzwischen höre ich mir selbst wieder alte Messen von uns an und denke, eigentlich ist Klassik auch ganz geil.“

Mit diesem Stichwort legt Daniel den Soundtrack unserer gemütlichen Runde auf: Living Room Songs von Ólafur Arnalds. Sanfte Synthesizer-Klänge füllen den Raum. Der Komponist zähle auf jeden Fall zu Daniels Lieblingskünstlern, genauso wie die Schweizer Indie-Band Black Sea Dahu oder The Cinematic Orchestra.

Die Eltern Gitarristen, der Bruder Klarinettist – eine ganz schön musikalische Familie, stellen Mone und ich fest. „Ja, aber nicht ausschließlich”, berichtigt uns Daniel. „Meine Patentante war Turntrainerin und hat mich quasi auch gescoutet.” Im zarten Grundschulalter hat unser Single also schon an Stufenbarren und Pferd geturnt, Handstände geübt und am Reck brilliert. So, so. Gar nicht schuldbewusst mache ich mich über das Vanilleeis her, das uns der mehr als zuvorkommende Gastgeber eben kredenzt hat.

„Hier und da wäre Mett ganz nett.”

Sportlich unterwegs ist der übrigens vegetarisch lebende Designer immer noch. Allerdings probiert Daniel heute häufiger Neues aus, Fechten und Trampolinspringen zum Beispiel. Bouldern gehe er auch regelmäßig. „Damals habe ich durch den Verein und die Schule richtig gute Freunde gefunden. Wir kommen immer noch oft in dieser Runde zusammen – letztens erst im Wanderurlaub in Österreich.” Daniel liebt die Natur und steht aufs Campen: „Strandurlaube kann man machen, wenn man alt ist!”

Lachend bringt er uns in sein Zimmer, um ein paar Souvenirs des besagten Trips zu präsentieren: Postkarten aus der Kunstsammlung Belvedere in Wien. Gustav Klimt zählte schon immer zu seinen Lieblingsmalern. Offenbar war es diese Begeisterung für Kunst und Illustration, die den Grafikdesigner zu seiner Berufung geführt hat. „Obwohl der Weg dorthin etwas holprig war”, fügt Daniel hinzu.

Nach dem Abi kam nämlich die Prokrastination und so hat sein 18-jähriges Ich die Bewerbungsfristen der meisten Grafik-Studiengänge schlichtweg verschwitzt. Die Notlösung: Zwei Semester Informatik-Design in Magdeburg. „Das war mir aber viel zu informatisch”, sagt er. Hätte ja auch niemand ahnen können.

Daniel lacht und das steckt an. Nach einer zweiten Bewerbungsrunde bekam er schließlich Zusagen in Köln und Berlin. Seine Entscheidung für die Hauptstadt und gegen den Rhein bereut er nicht im Geringsten. Der Berliner Studiengang wäre erstens weniger informatisch und zweitens praktischer. An der HMKW hat er die Möglichkeit bekommen, seine Layout-Qualitäten als Art Director des studentischen Magazins obacht unter Beweis zu stellen.

Das Resultat kann sich sehen lassen, pflichten Mone und ich bei. Daniel genießt diese Verantwortung genauso sehr wie den intensiven Austausch mit seinen Kollegen – heute ganz offenbar auch mit Mone. Beim Durchblättern der neusten Ausgabe schweifen die beiden in einer Diskussion über Zuschnitt, Licht und Perspektive ab. Die Leidenschaft, mit der Daniel seinen Projekten nachgeht, spricht buchstäblich für sich. „Als kreativer Mensch sieht man die Dinge einfach anders”, entschuldigt er sich für den, wie er es nennt, ‘kurzen Nerd-Talk’ mit unserer Fotografin, „man zieht aus allem Inspiration.”

Na, wenn das so ist! Ich lasse meinen Blick weiter über Daniels Sammlung aus Kleinodien, Grünpflanzen und Gesellschaftsspielen schweifen. Die derzeitige Bettlektüre des Lichtenbergers fällt mir ins Auge: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen von Frank Berzbach, ein Buch über Achtsamkeit. Neben Uni, Sport und Großstadttrubel ist es Daniel sehr wichtig, auch mal zur Ruhe zu kommen, die Außenwelt auszusperren und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Podcasts und Hörbücher habe er in solchen Momenten für sich entdeckt. Die drei ??? zum Beispiel, formfunk, ein Podcast für Kommunikationsdesign oder Paardiologie von Charlotte Roche und Mann.

Apropos, gibt es denn auch Vorstellungen vom eigenen Mr. Right? „Mir ist wichtig, dass man auf einer tieferen Ebene mit seinem Partner kommunizieren kann”, erklärt uns Daniel nach kurzem Überlegen. „Ohne sich zu verstellen und ohne sich selbst oder den anderen zu manipulieren.” Auf Oberflächlichkeiten hat Daniel keine Lust. Offenheit ist das A und O in jeder Beziehung. Bonuspunkte gibt’s für eine tiefe Stimme, Umweltbewusstsein und Selbstständigkeit: Man sollte sein Leben miteinander teilen können, ohne ineinander zu verschmelzen. Daniel ist mit sich selbst im Reinen und das soll auch so bleiben.

Ein bisschen Verbesserungspotenzial sieht der akkurate Wahlberliner natürlich trotzdem noch: „Ich möchte meine Komfortzone noch öfter verlassen und meine Schüchternheit ganz ablegen. Daran arbeite ich schon lange und habe auch gute Fortschritte gemacht.” Dem können Mone und ich nur zustimmen.

Inzwischen ist es Nachmittag geworden und von Schüchternheit fanden wir während des gesamten Interviews keine Spur. Stattdessen hat uns ein interessierter, reflektierter und sehr gesprächiger junger Mann nachhaltig mit seinen Klavier- und Backkünsten beeindruckt. Reden könne er wirklich gut, gibt Daniel zu. Wenn er eines nämlich nicht ausstehen kann, dann die bekannte unangenehme Stille. „Schlimmer als das sind nur noch Milchreis und Sächsisch”, scherzt er.

Die Sonne steht schon tief, als wir unsere Kuppel-Runde nach draußen verlegen. Wo Daniel sich in den nächsten Jahren sieht, möchte ich von ihm wissen. „Zuerst will ich meinen Bachelor abschließen. Ob ich danach einen Master anhänge oder direkt losarbeite, vielleicht auch mal in einer anderen Stadt, weiß ich noch nicht.”

„Skandinavien reizt mich auch”, antwortet er. „Ich glaube aber nicht, dass sich mein Weg grundlegend ändern wird. Ich bin mit der Richtung, die ich eingeschlagen habe, sehr zufrieden und muss Veränderungen nicht erzwingen. Was ich will, ist mein Leben auf diesem Weg zu bereichern. Im besten Fall mit einer zweiten Person.”

Und da kommst Du ins Spiel. Du, der gerade über dieses sexy Portrait gestolpert ist. Möchtest Du den herzlichen und gewissenhaften Grafikdesigner aus Thüringen kennenlernen, dessen Augen dieselbe Farbe und Tiefe wie die endlosen Buchenwälder seiner Heimat haben? Willst Du Apfelkuchen essen und gemeinsam mit Daniel Die drei ??? und Paardiologie hören? Ja? Na dann, nichts wie losgetippt!

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MONE wollte schon Fotografin werden, seit sie denken kann. Nachdem sie ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt hatte und Mediendesign studiert hat, kann sie ihrer Leidenschaft auch beruflich nachgehen: Jetzt arbeitet sie als Fotografin, Cutterin und Regisseurin und versucht stets, ihre feministischen Überzeugungen in ihre Arbeiten mit einfließen zu lassen. Bei Meer, Live-Musik, Hummus und Lichtreflexen, die auf Wasser brechen, geht ihr Herz auf. Bei Rote Bete eher nicht so. Sorry but not sorry. Am glücklichsten ist sie jedoch, wenn sie als rasende Reporterin auf einem E-Roller durch Berlin cruisen kann.
JOSEPHINE - Josie - hat ihren Namen einem Peter-Maffay-Song zu verdanken, erzählt aber jedem, er sei eine Hommage an Joséphine Bonaparte. Seit mehreren Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Anhaltinerin (nicht Sächsin!) nun schon in der Hauptstadt und hat sich schnell vom Landei zum Vorzeigehipster gemausert. Das Schreiben kann sie seit Schulzeiten nicht mehr lassen: Von Spickzetteln und Liebesbriefen ist sie über Uni-Zeitung und TV schließlich noch bei im gegenteil gelandet. Ihre Freizeit widmet Josie am liebsten Hundebabys, Hardcore-Musik und Eiskrem. Derzeitiger Favorit: Zitronenkuchen von Aldemir Eis am Schlesi.

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